{"id":152,"date":"2007-07-03T23:22:59","date_gmt":"2007-07-03T21:22:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=152"},"modified":"2007-07-03T23:22:59","modified_gmt":"2007-07-03T21:22:59","slug":"der-sechs-tage-krieg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=152","title":{"rendered":"Der Sechs-Tage-Krieg"},"content":{"rendered":"<p>Juni 1967:<br \/>\nDer Sechs-Tage-Krieg<br \/>\nvon Nicolas Qualander und Mireille Terrin<br \/>\nVor 40 Jahren f\u00fchrte der Sechs-Tage-Krieg zu einer deutlichen Ausweitung des israelischen Machtbereichs in Pal\u00e4stina.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein Artikel in der Sozialistischen Zeitung:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vsp-vernetzt.de\/soz-0707\/0707201.htm\" target=\"_blank\" title=\"Sozialistische Zeitung\">http:\/\/www.vsp-vernetzt.de\/soz-0707\/0707201.htm<\/a><\/p>\n<p>Der Krieg vom Juni 1967, bei dem die israelische Armee die arabischen Armeen besiegte und die pal\u00e4stinensischen Gebiete im Westjordanland und in Gaza sowie den \u00e4gyptischen Sinai und die syrischen Golanh\u00f6hen annektierte, war die Fortsetzung einer Kolonialpolitik, die bereits viel fr\u00fcher begonnen hatte. In der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts wurden die pal\u00e4stinensischen Gebiete unter dem britischen Mandat St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck von den ersten Zionisten, die nach Pal\u00e4stina kamen, kolonisiert. Der Generalstreik der pal\u00e4stinensischen Arbeiter von 1936 wurde genau wie die von Scheich Ezzedin Al-Qassam gef\u00fchrte Bauernbewegung von den Briten und der bewaffneten Siedlerbewegung blutig unterdr\u00fcckt.<br \/>\nDie Schaffung des Staates Israel 1948 endete mit der Vertreibung von mehr als 800000 Pal\u00e4stinensern. Vorausgegangen war ein Milizkrieg gegen die arabische Bev\u00f6lkerung, der zu einer Umsiedlung der Bev\u00f6lkerung und zu einer ethnischen S\u00e4uberung f\u00fchrte. Zwei geografische Zonen aus dem Pal\u00e4stina der Mandatszeit blieben aber au\u00dferhalb der Hoheit des israelischen Staates: Das Westjordanland im Osten und der Gazastreifen im S\u00fcden, die bis 1967 unter jordanischer bzw. \u00e4gyptischer Kontrolle standen.<br \/>\nAm 5. Juni 1967 unternahm Israel einen &#8222;Pr\u00e4ventivangriff&#8220; an drei Fronten auf die arabischen Armeen: im Osten im Westjordanland, im Norden auf die syrischen Golanh\u00f6hen und im S\u00fcden vom Gazastreifen bis zur W\u00fcste der \u00e4gyptischen Sinaihalbinsel. In sechs Tagen wurden die jordanische, \u00e4gyptische und die syrische Armee vollst\u00e4ndig besiegt. Abgesehen von der Sinaihalbinsel, die nach den Friedensvereinbarungen, die Pr\u00e4sident Sadat 1979 mit Israel schloss, an \u00c4gypten zur\u00fcckgegeben wurde, sind alle diese damals eroberten Gebiete auch heute noch besetzt. Der Ostteil von Jerusalem ist annektiert.<br \/>\nSeit 1967 betreibt Israel eine aktive Kolonisierungspolitik in Ostjerusalem, dem Westjordanland, dem Gazastreifen und auf den Golanh\u00f6hen. Erneut wurden mehrere zehntausend Pal\u00e4stinenser von ihrem Land vertrieben: Das alte j\u00fcdische Viertel von Jerusalem, in dem die Pal\u00e4stinenser lebten, wurde am 17. Juni 1967 &#8222;gereinigt&#8220;. Am 22. November 1967 verlangte die UNO-Resolution 242 von Israel, sich aus den besetzten Gebieten zur\u00fcckzuziehen.<br \/>\nDer Zionismus erstarkt<\/p>\n<p>Der sog. Sechs-Tage-Krieg hat den israelischen Nationalismus gest\u00e4rkt. War der zionistische Staat zuvor gr\u00f6\u00dftenteils von der israelischen Linken gef\u00fchrt worden, die zugleich weltlich wie kolonialistisch war und sich um den Premierminister David Ben Gurion gruppierte, so entwickelte sich die Diskussion in Israel nun immer st\u00e4rker in eine religi\u00f6se und messianische Richtung. Die Klagemauer und die heiligen j\u00fcdischen St\u00e4tten waren nun in der Hand des israelischen Staates. Die religi\u00f6se extreme Rechte sp\u00fcrte jetzt eine tiefe Affinit\u00e4t mit der Linken in der israelischen Arbeitspartei, die ebenfalls vom messianischen Thema eines nach 3000 Jahren wieder gefundenen Gro\u00dfisrael durchdrungen war.<br \/>\nDer ideologische Kolonialismus verst\u00e4rkte sich: &#8222;Seit 1968 sprechen die nichtreligi\u00f6sen F\u00fchrer, d.h. die Arbeitspartei, die noch zehn Jahre an der Macht blieb, von den Religi\u00f6sen als \u2018neue Pioniere\u2018, obwohl diese gestern noch Au\u00dfenseiter waren. Und in der Tat waren die Religi\u00f6sen die ersten die, bewaffnet mit Gewehren und den B\u00fcchern des Rabbi Kook, das Westjordanland kolonisierten. Den Mitgliedern von Hashomer Hazair und anderen \u2018linkszionistischen\u2018 Bewegungen \u00fcberlie\u00dfen sie die Aufgabe, die Grenzgebiete zu kolonisieren \u2014 den Golan und das Jordantal&#8220; (Michael Warschawski).<br \/>\nDie zweite Folge des Kriegs vom Juni 1967 betrifft die arabische Widerstandsbewegung. Insbesondere die nationalistischen arabischen Regime \u2014 Nasser in \u00c4gypten und die Baath-Partei in Syrien \u2014 waren diskreditiert. Der reaktion\u00e4re monarchistische Staat der Haschemiten in Jordanien war es vielleicht noch mehr. Zum zweiten Mal seit 1948 konnten die arabischen Staaten der Annexionspolitik Israels nichts entgegensetzen.<br \/>\nDies f\u00fchrte unmittelbar zu einer Radikalisierung der arabischen Widerstandsbewegungen und der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung nach links. Die urspr\u00fcnglich nasseristische nationalistische arabische Bewegung (Harakat al-Qawmiyyin al- Arabiyyin) orientierte sich an den existierenden linken Projekten in Kuba und Vietnam. Der pal\u00e4stinensische Zweig der Bewegung gr\u00fcndete 1968 die Volksfront zur Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP), die sich sehr schnell dem Marxismus zuwandte. Im Libanon gr\u00fcndeten radikalisierte Nationalisten 1969 die Organisation der kommunistischen Aktion im Libanon (OACL).<br \/>\nDie Linkswende vieler nationalistischer Kader war die unmittelbare Konsequenz der Niederlage der arabischen Regime im Juni 1967. Es ging nun um die Schaffung von bewaffneten revolution\u00e4ren Brennpunkten in den pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingslagern, zun\u00e4chst in Jordanien, dann im Libanon. Ziel war nicht nur die Befreiung Pal\u00e4stinas, sondern dar\u00fcber hinaus auch der Sturz der reaktion\u00e4ren arabischen Regierungen.<br \/>\nArabische Radikalisierung<\/p>\n<p>Der Krieg vom Juni 1967 hatte noch eine dritte Konsequenz: die Reform der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und die Entwicklung der Fatah. Urspr\u00fcnglich war die PLO vor allem von den arabischen Regimen abh\u00e4ngig. 1968 \u00fcbernahm Yasser Arafat die F\u00fchrung der Bewegung. Die Fatah, die Kader und Gruppierungen von der marxistischen Linken bis hin zu fr\u00fcheren Muslimbr\u00fcdern umfasste, wurde das politische Zentrum des pal\u00e4stinensischen Nationalismus. Auch hier ging es um die Befreiung Pal\u00e4stinas nach dem Modell des Volkskriegs.<br \/>\nAber im Gegensatz zur nationalistischen Linken der PFLP und der Demokratischen Front zur Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) war das ideologische Modell nicht der revolution\u00e4re Sozialismus, auch wenn der Begriff der pal\u00e4stinensischen Revolution von der Fatah h\u00e4ufig verwendet wurde. Au\u00dferdem war Arafat gegen\u00fcber den arabischen Regimen deutlich vers\u00f6hnlicher gestimmt als die PFLP, obwohl er f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige Politik eintrat. Das Projekt eines demokratischen und laizistischen Staates auf dem Gebiet des gesamten Pal\u00e4stina bildete den gemeinsamen Rahmen f\u00fcr alle diese Gruppen.<br \/>\nVierzig Jahre sp\u00e4ter bilden das Westjordanland und der Gazastreifen, besetzt und kolonisiert das eine, bombardiert und \u00f6konomisch erstickt der andere, gem\u00e4\u00df den Resolutionen der UNO die Basis f\u00fcr einen m\u00f6glichen Pal\u00e4stinenserstaat. Doch dieser ist ein Trugbild, dessen Verwirklichung von Monat zu Monat in weitere Ferne r\u00fcckt. Die Kolonisierung entlarvt den Betrug der Vereinbarungen von Oslo, und eine Mauer zerschneidet das Westjordanland in isolierte Minikantone. Israel will keinen pal\u00e4stinensischen Staat und f\u00e4hrt fort mit seinem kolonialen Annexionsprojekt, einem Projekt, das im Rest von Pal\u00e4stina 1948 begonnen hat und auf das Westjordanland und den S\u00fcdlibanon ausgedehnt wurde. Der pal\u00e4stinensische Widerstand lebt immer noch \u2014 in den Gebieten von 1967, in Israel selbst, wo die Pal\u00e4stinenser in einer Situation der Apartheid leben und in den Fl\u00fcchtlingslagern in Jordanien, Syrien und im Libanon, wo die Menschen das Recht auf R\u00fcckkehr fordern. Er zeigt, dass die Pal\u00e4stinenser vor der kolonialen Vergangenheit und Gegenwart nicht resigniert haben.<\/p>\n<p>Aus: Rouge (Paris), Nr.2209, 7.6.2007, (\u00dcbersetzung: Harald Etzbach).<\/p>\n<p>Informationen und Meinungen sollten keine Waren sein. Und Geld ist ein Fetisch. Dennoch und ganz praktisch: Die Online-SoZ sieht nur umsonst aus. Wir brauchen Eure Euros.<br \/>\nSpendet steuerlich abzugsf\u00e4hig!<br \/>\nVsP, Postbank K\u00f6ln, BLZ 370100 50,<br \/>\nKontonummer 603 95 04<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vsp-vernetzt.de\/soz-0707\/0707201.htm\" target=\"_blank\" title=\"Sozialistische Zeitung\">http:\/\/www.vsp-vernetzt.de\/soz-0707\/0707201.htm<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juni 1967: Der Sechs-Tage-Krieg von Nicolas Qualander und Mireille Terrin Vor 40 Jahren f\u00fchrte der Sechs-Tage-Krieg zu einer deutlichen Ausweitung des israelischen Machtbereichs in Pal\u00e4stina.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-152","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arabischer-raum"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=152"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}