{"id":153,"date":"2007-07-03T23:35:08","date_gmt":"2007-07-03T21:35:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=153"},"modified":"2007-07-03T23:35:08","modified_gmt":"2007-07-03T21:35:08","slug":"gaza-ist-ein-groser-knast","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=153","title":{"rendered":"&quot;Gaza ist ein gro&#223;er Knast&quot;"},"content":{"rendered":"<p><strong>BRD sollte Druck auf Israel aus\u00fcben, um Friedensproze\u00df im Nahen Osten zu f\u00f6rdern. Ein Gespr\u00e4ch mit Roni Hammermann<br \/>\nInterview: Karin Leukefeld<\/strong><\/p>\n<p>* Roni Hammermann ist Israelin und geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcnderinnen der Menschenrechtsgruppe Machsom Watch, die an israelischen Milit\u00e4rkontrollpunkten (Checkpoints oder auf hebr\u00e4isch Machsom) Pal\u00e4stinensern beisteht. Zur Zeit ist sie auf Einladung von Pax Christi in Deutschland<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><em>Sie sind zur Zeit auf einer Vortragsreise in Deutschland, um \u00fcber die Folgen der israelischen Besatzung zu sprechen.<\/em><br \/>\nDeutschland hat eine besondere Beziehung zu Israel und zur j\u00fcdischen Geschichte. Die Frage des Antisemitismus mu\u00df allerdings neu gestellt werden. Mein historisches Ged\u00e4chtnis gibt mir den Auftrag, mich an gewisse moralische Axiome zu halten. Wir d\u00fcrfen nicht zusehen, wie andere Menschen oder V\u00f6lker unterdr\u00fcckt werden. Wir k\u00f6nnen nicht den Antisemitismus bek\u00e4mpfen und gleichzeitig ein anderes Volk unterdr\u00fccken. Darum ist es mir wichtig, in Deutschland zu sprechen. Weil auch hier so viele Menschen eingesch\u00fcchtert und beschuldigt werden, Antisemiten zu sein, wenn sie Kritik an der israelischen Regierungspolitik \u00fcben. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Kritik an der israelischen Regierungspolitik hat nichts, aber auch gar nichts mit Antisemitismus zu tun, so ein Vorwurf mu\u00df zur\u00fcckgewiesen werden.<br \/>\n<em> Welche Erwartungen haben Sie an Deutschland in bezug auf einen Friedensproze\u00df zwischen Israel und Pal\u00e4stina?<\/em><br \/>\nDeutschland k\u00f6nnte einen gro\u00dfen Einflu\u00df haben, wenn es in den Friedensproze\u00df eingreifen w\u00fcrde. Es sollte Druck auf Israel aus\u00fcben, von seiner unilateralen Politik Abstand zu nehmen. Deutschland k\u00f6nnte darauf hinwirken, da\u00df ein echter Dialog in unserer Region stattfindet. Es ist gleichg\u00fcltig, wer unsere Gespr\u00e4chspartner sind, ob es die Fatah ist oder Hamas, wir k\u00f6nnen es uns nicht aussuchen. Wenn Hamas gew\u00e4hlt wurde als eine Partei, die die Interessen der Pal\u00e4stinenser vertritt, dann m\u00fcssen wir eben mit Hamas sprechen. Das w\u00fcrde ich mir von Deutschland als EU-Land und \u00fcberhaupt wegen seiner Vergangenheit w\u00fcnschen.<br \/>\n<em> Die Bundesregierung spricht aber &#8211; offiziell &#8211; nicht mit der Hamas.<\/em><br \/>\nDas ist es ja. Die Hamas-Regierung stand unter internationalem Boykott, der nat\u00fcrlich dazu beigetragen hat, da\u00df sich die Situation so zugespitzt hat in Gaza. Gaza ist ohnehin in einer wirtschaftlich prek\u00e4ren Situation, die durch den Boykott versch\u00e4rft wurde. So geht es nicht. Die Fatah wurde von den Pal\u00e4stinensern abgew\u00e4hlt &#8211; wahrscheinlich aus guten Gr\u00fcnden.<br \/>\n<em> Beunruhigt Sie die aktuelle Situation in Gaza?<\/em><br \/>\nJa nat\u00fcrlich. Gaza ist ein gro\u00dfer Knast, in dem die Gefangenen langsam verhungern, mich beunruhigt das sehr. Fatah wird von Israel ermutigt, gegen Hamas vorzugehen, mehr als sie ohnehin von sich aus tun w\u00fcrde. Die Folgen k\u00f6nnen fatal f\u00fcr uns alle sein. Es kann wieder zu Selbstmordattentaten kommen und die ganze Region in einen totalen Krieg st\u00fcrzen.<br \/>\n<em> Machsom Watch hat nicht nur \u00dcbergriffe an Checkpoints dokumentiert, sondern auch, wie die Kontrollpunkte weiter ausgebaut und technisch verfeinert wurden.<\/em><br \/>\nDie Beschr\u00e4nkung der Bewegungsfreiheit ist ein Grund\u00fcbel in Pal\u00e4stina und besch\u00e4ftigt die Menschen unglaublich stark. Wenn sich zwei Pal\u00e4stinenser treffen, ist die erste Frage: Na, wie war es heute am Checkpoint? Die erste Frage! Es besch\u00e4ftigt die Menschen in einer fast manischen Weise, und das ist auch verst\u00e4ndlich. Es gibt keine Situation, in der sich ein Mensch au\u00dfer Haus begibt, wo er nicht an einen Checkpoint kommt. Wir zeigen, was f\u00fcr fatale Folgen die Besatzung f\u00fcr die t\u00e4gliche pal\u00e4stinensische Existenz hat.<br \/>\n<em> Vielleicht braucht die israelische Knesset Frauen von Machsom Watch. Sollten Sie nicht ins Parlament?<\/em><br \/>\nWir haben gesehen, was f\u00fcr Folgen es hat, wenn eine Friedensbewegung in die Politik geht. In dem Augenblick, wo &#8222;Frieden Jetzt&#8220; eindeutig die Arbeiterpartei unter Barak unterst\u00fctzt hat, war es aus mit ihnen. Heute sind sie nicht mehr existent. Das einzige, was von &#8222;Frieden Jetzt&#8220; geblieben ist, ist ihre Settlement Gruppe, die phantastische Arbeit macht und die Siedlungen tagt\u00e4glich auf ihr Wachstum und ihre Entwicklung untersucht.<br \/>\n<em> Sie sagen, es mu\u00df mehr Druck auf Israel von der EU geben. Was halten Sie von einem Boykott?<\/em><br \/>\nEin Wirtschaftsboykott k\u00f6nnte ganz erfolgreich sein.<br \/>\n<em> Nach dem Motto &#8222;Kauft nicht bei Juden&#8220;? Das weckt in Deutschland bestimmte Assoziationen.<\/em><br \/>\nMan sollte nicht bei den Orangen oder Lebensmitteln beginnen, sondern man sollte keine Waffen mehr von Israel kaufen. Israel hat viel anzubieten auf diesem Gebiet, und die Welt kauft hier sehr gerne ein. Oder umgekehrt: Deutschland verkauft Nachtsichtger\u00e4te an die Israelis. Boykott der israelischen Kriegsindustrie w\u00e4re eine richtige Forderung. Da kommt die Assoziation mit &#8222;Kauft nicht bei Juden&#8220; gar nicht auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BRD sollte Druck auf Israel aus\u00fcben, um Friedensproze\u00df im Nahen Osten zu f\u00f6rdern. Ein Gespr\u00e4ch mit Roni Hammermann Interview: Karin Leukefeld * Roni Hammermann ist Israelin und geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcnderinnen der Menschenrechtsgruppe Machsom Watch, die an israelischen Milit\u00e4rkontrollpunkten (Checkpoints oder auf hebr\u00e4isch Machsom) Pal\u00e4stinensern beisteht. 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