{"id":1969,"date":"2012-02-26T20:15:53","date_gmt":"2012-02-26T18:15:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=1969"},"modified":"2012-02-26T20:15:53","modified_gmt":"2012-02-26T18:15:53","slug":"brief-an-das-grazer-schauspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=1969","title":{"rendered":"Brief an das Grazer Schauspielhaus"},"content":{"rendered":"<h2>In diesem Schreiben von den Frauen in Schwarz, Wien wird das Grazer Schauspielhaus aufgefordert, sein Gastspiel beim &#8222;Habima National Theater&#8220; in Israel abzusagen.<\/h2>\n<h2>Die Steirische Friedensplattform unterst\u00fctzt diesen Brief.<\/h2>\n<p><!--more-->Schauspielhaus Graz<br \/>\nIntendanz und k\u00fcnstlerisches Team<br \/>\nz.H.<br \/>\nFrau Anna Badora<br \/>\nHerr Peter Croce<br \/>\nHerr Bernhard Schreiner<br \/>\nFrau Brigitte G\u00f6sweiner<br \/>\nFrau Anna R\u00f6ckl<\/p>\n<p>Hofgasse 11<br \/>\n8010 Graz\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a022. Februar 2012<\/p>\n<p>Betrifft:<br \/>\nIhre geplante Auff\u00fchrung am Habima Theater, \u201eHabima Festival<br \/>\nof International Collaborations\u201c, 15. \u2013 24. M\u00e4rz 2012<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>Wir schreiben Ihnen diesen Brief um Sie zu bitten, Ihre geplanten Auff\u00fchrungen beim \u201eHabima Festival of International Collaborations\u201c zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p>In der Ank\u00fcndigung des Festivals steht geschrieben &#8211; \u201cDas Habima National Theater entwickelt eine Initiative von fruchtbarer Zusammenarbeit mit prominenten Theatern aus aller Welt: Auff\u00fchrungen, Austausch von Regisseuren,\u00a0 Teilnahme an Festivals, Einladung von Mitgliedern der UTE (Union des Theatre de l\u2019Europe, bei der auch das Habima Theater Mitglied ist). Die Behandlung von vorrangigen Themen, auf die B\u00fchne gebracht, um \u00f6ffentliche Diskussionen anzuregen, ist eine der Grundaufgaben des Theaters. Wir glauben, dass diese theatrale Zusammenarbeit zu internationalem Verstehen beitr\u00e4gt und Israel ins Zentrum von Gespr\u00e4chen in der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft setzen wird.\u201c<\/p>\n<p>Dem m\u00f6chten wir dagegen halten, dass Israel seit Jahrzehnten systematisch die Menschenrechte der Pal\u00e4stinenser_innen unter der israelischen Besatzung verletzt.\u00a0 Israel h\u00e4lt die Pal\u00e4stinenser_innen im Westjordanland unter israelischem Kriegsrecht ohne jegliche zivile Rechte besetzt; Israel h\u00e4lt die illegale Belagerung von Gaza aufrecht; es leugnet das durch die Vereinten Nationen sanktionierte R\u00fcckkehrrecht und die Entsch\u00e4digung der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge von 1948 und verabschiedete bereits Dutzende diskriminierende Apartheid-Gesetze innerhalb Israels.\u00a0 Solche Verst\u00f6\u00dfe, die von anerkannten Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Oxfam dokumentiert sind, wurden l\u00e4ngst von den Vereinten Nationen als unrechtm\u00e4\u00dfig anerkannt.<\/p>\n<p>In seinem j\u00fcngsten Bericht an die Generalversammlung der Vereinten Nationen kritisierte der UN-Sonderberichterstatter und V\u00f6lkerrechtler Richard Falk die Tendenz der internationalen Gemeinschaft, die \u00dcbergriffe gegen die unter israelischer Milit\u00e4rkontrolle im Westjordanland und in Ostjerusalem lebenden<\/p>\n<p>Pal\u00e4stinenser nicht zur Kenntnis zu nehmen.\u00a0 Wegen dieser \u00dcbergriffe tr\u00e4gt die israelische Besatzung zunehmend die Z\u00fcge von Apartheid.\u00a0 Richard Falk weist darauf hin, dass die Pal\u00e4stinenser im Westjordanland zum Beispiel von der Benutzung der Stra\u00dfen ausgeschlossen sind, die den Bewohnern der benachbarten v\u00f6lkerrechtswidrigen und aus ideologischen Gr\u00fcnden nur Juden vorbehaltenen Siedlungen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Ariel ist eine dieser j\u00fcdischen Siedlungen und das Habima Theater\u00a0 z\u00f6gert nicht, dort aufzutreten, obwohl es in Israel und auch aus den Vereinigten Staaten massive\u00a0 Proteste von Schauspielern und K\u00fcnstlern gegeben hat.<\/p>\n<p>http:\/\/www.haaretz.com\/print-edition\/news\/150-academics-artists-back-actors-boycott-of-settlement-arts-center-1.311149<\/p>\n<p>Jede internationale Auff\u00fchrung wird von Israel dazu benutzt, eine Fassade der Normalit\u00e4t vorzut\u00e4uschen und dient als Mittel zum Zweck, seine fortw\u00e4hrenden Menschenrechtsverletzungen sch\u00f6nzuf\u00e4rben.\u00a0 Seit 2005 gibt es eine gemeinsam finanzierte und durchgef\u00fchrt Strategie der Ministerien Kultur, Tourismus und Ausw\u00e4rtiges, Hasbara genannt, die von dem Konflikt mit den Pal\u00e4stinensern ablenken soll, um Israels negatives Image weltweit aufzupolieren.<\/p>\n<p>Es wird Ihnen sicherlich bekannt sein, dass der Internationale Gerichtshof in Den Haag in seinem Gutachten vom Juli 2004 den israelischen Mauerbau in den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt hat, dar\u00fcber hinaus alle israelischen Siedlungen in den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten, einschlie\u00dflich Ost-Jerusalems f\u00fcr rechtswidrig erkl\u00e4rt und festgehalten hat, dass die von der Besatzungsmacht Israel ergriffenen Ma\u00dfnahmen zur \u00c4nderung des Rechtsstatus und der demografischen Zusammensetzung des besetzten Ost-Jerusalems keine rechtliche G\u00fcltigkeit besitzen und null und nichtig sind.<\/p>\n<p>Bis heute missachtet Israel nicht nur dieses Gutachten, sondern hat mittlerweile den Mauerbau sogar nahezu vollendet.\u00a0 Der Ausbau j\u00fcdischer Siedlungen geht auch in Ost-Jerusalem unverz\u00fcglich weiter. Viele Leute sind schockiert von der \u201eJudaisierung\u201c Jerusalems.\u00a0 Die israelische Regierung betreibt in Ost-Jerusalem eine Politik der Enteignung und Vertreibung der einheimischen pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung der Stadt.\u00a0 Um dies zu verdecken sucht Israel Allianzen mit westlichen Partnern.<\/p>\n<p>Die pal\u00e4stinensische Zivilgesellschaft hat im Juli 2005, ein Jahr nach dem Gutachten des IGH, dazu aufgerufen, gegen Israel solange Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) zu verh\u00e4ngen bis Israel das internationale Recht, also auch seine Verpflichtung umsetzt, den Pal\u00e4stinensern das unver\u00e4u\u00dferliche Recht auf Selbstbestimmung zuzugestehen.<\/p>\n<p>Zu dieser inzwischen weltweiten gewaltlosen Bewegung geh\u00f6ren die Regisseure Mike Leigh, Aki Kaurism\u00e4ki und Ken Loach, 180 K\u00fcnstler aus Irland, 500 aus Montreal, 150 aus der Schweiz, die Musiker Roger Waters und Nigel Kennedy, die \u201eArtists Against Apartheid\u201c aus S\u00fcdafrika und auch die internationale Vereinigung der K\u00fcnstler gegen Apartheid.\u00a0 Unter ihnen sind Juden und Israelis, die nicht mehr hinnehmen wollen, dass Israel st\u00e4ndig versucht, seine Verletzungen der pal\u00e4stinensischen Menschenrechte hinter einer Fassade der Normalit\u00e4t zu verbergen.<\/p>\n<p>In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat die \u00c4chtung der Apartheid-Politik S\u00fcdafrikas durch die meisten L\u00e4nder der Welt dazu gef\u00fchrt, dass diese Politik beendet und eine Regierung etabliert wurde, in der alle Bev\u00f6lkerungsgruppen gleichberechtigt vertreten sind.\u00a0 Gerade die Weigerung vieler Kulturschaffender, Universit\u00e4ten und Sportorganisationen hat in besonderem Ma\u00df zu dieser Ver\u00e4nderung beigetragen.<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren des Grazer Schauspielhauses, wir bitten Sie dringend, diese Tatsachen zu \u00fcberdenken und Ihre Auff\u00fchrungen am Habima Theater abzusagen.\u00a0 Erteilen Sie der israelischen Politik von Apartheid, Unterdr\u00fcckung und Besatzung eine Absage!<\/p>\n<p>Wir bitten Sie um Ihre gesch\u00e4tzte Antwort.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<\/p>\n<p>Frauen in Schwarz (Wien), www.fraueninschwarz.at<\/p>\n<p>Kritische J\u00fcdische Stimme (\u00d6sterreich), www.nahostfriede.at<\/p>\n<p>Boycott! Supporting the Palestinian BDS Call from Within<br \/>\n(Boycott from Within. Israeli citizens for BDS), www.boycottisrael.info<\/p>\n<p>BDS Gruppe Berlin, www.bds-kampagne.de<\/p>\n<p>Steirische Friedensplattform<\/p>\n<p>Verein f\u00fcr Pal\u00e4stina (Steiermark)<\/p>\n<p>Pax Christi \u00d6sterreich<\/p>\n<p>Deutsch-Pal\u00e4stinensischer Frauenverein e.V., www.dpfv.org<\/p>\n<p>Begegnungszentrum f\u00fcr aktive Gewaltlosigkeit, Bad Ischl, www.begegnungszentrum.at<\/p>\n<p>Med.Rat. Dr. George Nicola<\/p>\n<p>cc:\u00a0 B\u00fcrgermeister Siegfried Nagl<br \/>\nbuergermeister.nagl@stadt.graz.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Schreiben von den Frauen in Schwarz, Wien wird das Grazer Schauspielhaus aufgefordert, sein Gastspiel beim &#8222;Habima National Theater&#8220; in Israel abzusagen. 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