{"id":2004,"date":"2012-03-06T17:13:09","date_gmt":"2012-03-06T15:13:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2004"},"modified":"2012-03-06T17:13:09","modified_gmt":"2012-03-06T15:13:09","slug":"antwortbrief-der-indentantin-des-grazer-schauspielhauses","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2004","title":{"rendered":"Antwortbrief der Indentantin des Grazer Schauspielhauses"},"content":{"rendered":"<p>auf den Brief einiger Organisationen zu den geplanten Auff\u00fchrungen des\u00a0 Schauspielhauses in Tel Aviv ( auf unserer hp ver\u00f6ffentlicht).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>An<\/p>\n<p>Frauen in Schwarz (Wien)<\/p>\n<p>Kritische J\u00fcdische Stimme (\u00d6sterreich)<\/p>\n<p>Boycott from Within. Israeli citizens for BDS<\/p>\n<p>BDS Gruppe Berlin<\/p>\n<p>Steirische Friedensplattform<\/p>\n<p>Verein f\u00fcr Pal\u00e4stina (Steiermark)<\/p>\n<p>Deutsch-Pal\u00e4stinensischer Frauenverein<\/p>\n<p>Begegnungszentrum f\u00fcr aktive Gewaltlosigkeit, Bad Ischl<\/p>\n<p>Med.Rat. Dr. George Nicola<\/p>\n<p align=\"right\">\n<p align=\"right\">Graz, 2. M\u00e4rz 2012<\/p>\n<p align=\"right\">\n<p>Betrifft: <strong>Ihre geplante Auff\u00fchrung am Habima Theater, \u201eHabima Festival of International Collaborations\u201c, 15. \u2013 24. M\u00e4rz 2012<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>keinen  von uns kann das, was im Nahen Osten vor sich geht, kalt lassen, ganz  besonders uns K\u00fcnstler nicht. Uns ersch\u00fcttern die zivilen Opfer in  Israel durch Raketenangriffe der radikalen Hamas genauso wie die Opfer  durch massive israelische Gegenschl\u00e4ge unter den Pal\u00e4stinensern.<\/p>\n<p>Wir  als Theater k\u00f6nnten uns jetzt einseitig auf die eine oder andere Seite  schlagen, Kooperationen wahlweise mit pal\u00e4stinensischen Theatern oder  mit israelischen Theatern boykottieren. Aus unserer Sicht vergibt man  sich damit die Chancen, die das Theater als gesellschaftskritische  Instanz gerade in diesen L\u00e4ndern hat.<em> <\/em>So  hat beispielweise die israelische Regisseurin Yael Ronen (Tochter des  k\u00fcnstlerischen Leiters des Habima Nationaltheaters) ein viel beachtetes  St\u00fcck \u201eThird Generation\u201c mit israelischen, pal\u00e4stinensischen und  deutschen Schauspielern der dritten Generation nach dem Holocaust  inszeniert, das in ganz Europa beim Publikum Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die  Sichtweisen aller drei Seiten geweckt und vor allem die kritische  Sichtweise dieser Generation herausgearbeitet hat. In Israel war die  Produktion ein Skandal.<\/p>\n<p>Die  Produktion, mit der wir jetzt nach Tel Aviv fahren, ist Bestandteil  einer 6-L\u00e4nder-Kooperation von jungen K\u00fcnstlern, die dezidiert  politische Theaterabende zu Brennpunkt-Themen ihrer Gesellschaften  entwickelt haben. Dazu geh\u00f6rt \u2013 als israelisches Pendant \u2013 eine mutige  Arbeit des jungen israelischen Regisseurs Shay Pitowsky, die ebenfalls  beim Festival gezeigt wird. Wir halten es f\u00fcr au\u00dferordentlich wichtig,  diese Art von k\u00fcnstlerischem Dialog zu er\u00f6ffnen und zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich  sind k\u00fcnstlerische Kooperationen mit Theatern anderer L\u00e4nder  langfristig angelegte Vertrauensbeziehungen, die Zeit brauchen um zu  wachsen und zu reifen. Wenn wir das Auf- und Ab politischer Str\u00f6mungen  oder gar Regierungswechsel zum Taktgeber unserer Kooperationen machen  w\u00fcrden, w\u00e4re die notwendige Kontinuit\u00e4t nicht herzustellen.<\/p>\n<p>Dazu  ein Beispiel aus unserer N\u00e4he: Wir haben eine lange, fruchtbare  Beziehung zu dem ungarischen Regisseur Viktor Bod\u00f3 und seiner Sputnik  Shipping Company. Es gibt gemischte Inszenierungen, wo Schauspieler  beider L\u00e4nder zusammen spielen, Regiearbeiten von Viktor Bod\u00f3 bei uns,  wechselseitige Gastspiele in Graz und Budapest. Ich glaube nicht, dass  wir den Ungarn einen Gefallen t\u00e4ten, wenn wir diese Kooperation beenden,  nur weil gegenw\u00e4rtig eine rechtslastige, undemokratisch agierende  kulturfeindliche Regierung an der Macht ist. Im Gegenteil sehen wir  Theater als ein geeignetes Instrument \u2013 wer wenn nicht das Theater \u2013,  gegen Unrecht, diktatorische Herrschaft, einseitige Sichtweisen und f\u00fcr  Moral und Aufkl\u00e4rung zu spielen.<\/p>\n<p>Wir  haben den k\u00fcnstlerischen Leiter des Habima Nationaltheaters, Ilan  Ronen, gebeten, sich zu seiner derzeitigen Lage in einem zunehmend  schwierigeren politischen Umfeld zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Er  berichtete von dem enormen Druck, dem er bei Teilnahmen an  internationalen Festivals ausgesetzt ist, wie jetzt beim GLOBE TO GLOBE  Festival in London. Rechtsgerichtete israelische Gruppierungen versuchen  ihn massiv daran zu hindern, im Ausland ein angeblich antisemitisches  St\u00fcck zu inszenieren, das den antisemitischen Bewegungen in Europa in  die H\u00e4nde spiele: Und dieses St\u00fcck ist Shakespeares \u201eKaufmann von  Venedig\u201c!<\/p>\n<p>Der  israelische Kulturminister hat allen Repertoire-Theatern in Israel  gedroht, ihnen die finanzielle Unterst\u00fctzung zu entziehen, wenn sie  nicht in Ariel spielen. Angesichts der vielen \u00f6ffentlichen  Verlautbarungen von K\u00fcnstlern, die die gegenw\u00e4rtige Regierungspolitik  und die Okkupation massiv kritisieren, ist die Situation f\u00fcr die Theater  entsprechend kompliziert. Von rund 1500 Theaterauff\u00fchrungen, die das  Habima im vergangenen Jahr im gesamten Land spielte fanden 5 in Ariel  statt. Ilan Ronen hat es den Schauspielern freigestellt, in Ariel zu  spielen oder es ohne Sanktionen zu verweigern.<\/p>\n<p>Das  bisher Geschilderte l\u00e4sst erahnen, dass gerade in dieser Region Dinge  komplizierter sind als sie auf den ersten Blick scheinen und es simpel  gestrickte L\u00f6sungen und Entscheidungen nicht geben kann.<\/p>\n<p>Wir  haben uns f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der Kooperation mit dem Habima  Nationaltheater entschieden, weil durch einen Boykott nichts gewonnen  aber sehr viel verloren w\u00e4re: die im Rahmen eines Festivals \u00f6ffentlich  gemachte Sicht europ\u00e4ischer Theater und K\u00fcnstler auf aktuelle Themen und  die Schw\u00e4chung einer in Israel zunehmend gewichtigen kritischen Stimme,  der des Habima Nationaltheaters.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<\/p>\n<p>Anna Badora<\/p>\n<p>gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Intendantin<br \/>\n<strong>SCHAUSPIELHAUSGRAZ<\/strong><br \/>\nHofgasse 11, 8010 Graz<br \/>\nT: +43.316.8008 3335<br \/>\nM:+43.316.8008 3335<br \/>\nM:+43.664.211 05 45<br \/>\nF: +43. 316.8008 3495<br \/>\nE: +43. 316.8008 3495<br \/>\nE: <a title=\"mailto:anna.badora@schauspielhaus-graz.com\" href=\"https:\/\/service.gmx.net\/de\/cgi\/g.fcgi\/mail\/new?CUSTOMERNO=18763540&amp;t=de1706680640.1330928014.82d81778&amp;to=anna.badora%40schauspielhaus-graz.com\" target=\"_blank\">mailto:anna.badora@schauspielhaus-graz.com<\/a><br \/>\nI: <a title=\"http:\/\/www.schauspielhaus-graz.com\/blocked::http:\/\/www.buehnen-graz.com\/http:\/\/www.buehnen-graz.com\/\" href=\"http:\/\/www.schauspielhaus-graz.com\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.schauspielhaus-graz.com\/<\/a><\/p>\n<p>From: <strong>Badora Anna<\/strong> <span dir=\"ltr\">&lt;<a href=\"https:\/\/service.gmx.net\/de\/cgi\/g.fcgi\/mail\/new?CUSTOMERNO=18763540&amp;t=de1706680640.1330928014.82d81778&amp;to=Anna.Badora%40schauspielhaus-graz.com\" target=\"_blank\">Anna.Badora@schauspielhaus-graz.com<\/a>&gt;<\/span><br \/>\nDate: 2012\/3\/2<br \/>\nSubject: AW: Ihre geplante Auff\u00fchrung am Habima Theater, \u201eHabima Festival of International Collaborations\u201c, 15. \u2013 24. M\u00e4rz 2012<br \/>\nTo: &#8222;<a href=\"https:\/\/service.gmx.net\/de\/cgi\/g.fcgi\/mail\/new?CUSTOMERNO=18763540&amp;t=de1706680640.1330928014.82d81778&amp;to=fraueninschwarzwien%40gmail.com\" target=\"_blank\">fraueninschwarzwien@gmail.com<\/a><\/p>\n<div>&#8220; &lt;<a href=\"https:\/\/service.gmx.net\/de\/cgi\/g.fcgi\/mail\/new?CUSTOMERNO=18763540&amp;t=de1706680640.1330928014.82d81778&amp;to=fraueninschwarzwien%40gmail.com\" target=\"_blank\">fraueninschwarzwien@gmail.com<\/a>&gt;, &#8222;<a href=\"https:\/\/service.gmx.net\/de\/cgi\/g.fcgi\/mail\/new?CUSTOMERNO=18763540&amp;t=de1706680640.1330928014.82d81778&amp;to=nahostfriede%40gmail.com\" target=\"_blank\">nahostfriede@gmail.com<\/a>&#8220; &lt;<a href=\"https:\/\/service.gmx.net\/de\/cgi\/g.fcgi\/mail\/new?CUSTOMERNO=18763540&amp;t=de1706680640.1330928014.82d81778&amp;to=nahostfriede%40gmail.com\" target=\"_blank\">nahostfriede@gmail.com<\/a>&gt;, &#8222;<a href=\"https:\/\/service.gmx.net\/de\/cgi\/g.fcgi\/mail\/new?CUSTOMERNO=18763540&amp;t=de1706680640.1330928014.82d81778&amp;to=redaktion%40bds-kampagne.de\" target=\"_blank\">redaktion@bds-kampagne.de<\/a>&#8220; 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