{"id":2492,"date":"2012-11-11T11:06:30","date_gmt":"2012-11-11T09:06:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2492"},"modified":"2012-11-11T11:06:30","modified_gmt":"2012-11-11T09:06:30","slug":"afghanistan-china-hat-eine-schluesselrolle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2492","title":{"rendered":"Afghanistan: China hat eine Schl&#252;sselrolle"},"content":{"rendered":"<h2>Wege aus dem Krieg am Hindukusch: Nachhaltiger Aufbau und Wechsel der Akteure<\/h2>\n<p><strong>Von J\u00fcrgen Heiducoff *<!--more--><\/strong><br \/>\nWie geht es weiter in und mit Afghanistan? Niemand vermag es,  vorauszusagen, welche der inneren und \u00e4u\u00dferen Kr\u00e4fte in diesem  vielschichtigen Konflikt ihre Interessen durchsetzen werden.<\/p>\n<p>Da gibt es die Vorstellung, die Afghanen k\u00f6nnten ihre Probleme ohne \u00e4u\u00dfere Hilfe l\u00f6sen. Doch dies ist eine Illusion. Das Land wird ohne \u00e4u\u00dfere Unterst\u00fctzung nicht auf die Beine kommen.<\/p>\n<p>Die NATO ist bereit, die Afghanen auch nach 2014 zu unterst\u00fctzen. Sie plant eine ISAF &#8211; Folgemission in Afghanistan, die International Training Assistance and Advisory Mission (ITAAM). Hauptaufgabe soll der weitere Aufbau und die Ausbildung afghanischer Sicherheitskr\u00e4fte sein, damit sie in die Lage versetzt werden, der Sicherheitsverantwortung f\u00fcr Afghanistan nachzukommen. Aber wie sollen afghanische Soldaten und Polizisten einen Auftrag erf\u00fcllen, den \u00fcber elf Jahre hochger\u00fcstete, gut ausgebildete und motivierte NATO \u2013 Verb\u00e4nde nicht zu bew\u00e4ltigen vermochten?<\/p>\n<p>Nein, es geht der NATO nicht wirklich um die Sicherheit, Stabilit\u00e4t oder gar Demokratie in Afghanistan, sondern darum, den Fu\u00df nicht von der T\u00fcrschwelle Zentral- und Ostasiens zu nehmen.<\/p>\n<p>Die Menschen in Afghanistan brauchen keinen neuen Geldtransfer vom Westen an ihre korrupte Regierung. Sie brauchen keine waffenstarrende \u201eStabilit\u00e4t\u201c und \u201eSicherheit\u201c, um diese Regierung an der Macht zu halten. Sie brauchen vor allem endlich einen friedlichen Aufbau. Ein Marshallplan k\u00f6nnte die Dynamik der Aufstands- in die einer Aufbaubewegung \u00fcberf\u00fchren. Sollte es um die L\u00f6sung der gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Defizite des Landes gehen, bedarf es einer weit tiefgreifenderen Investitionsbereitschaft und \u2013f\u00e4higkeit als die unverbindliche Zusage finanzieller Hilfe westlicher Staaten.<\/p>\n<p>Dabei ist ein Wechsel der Akteure unausweichlich. Der Westen hat durch seine Politik und durch den Krieg das Vertrauen bei den Afghanen f\u00fcr Jahrzehnte verspielt. Wie sollten die Menschen positive Erwartungen Unternehmern, Investoren, Banken und Aufbauberatern aus den Staaten, die den Krieg in ihr Land brachten, entgegen bringen? Sie wissen zu gut, dass von deren \u201eRegionalen Wiederaufbauteams\u201c viel Gewalt ausging. Der Wiederaufbau ist haupts\u00e4chlich Nichtregierungsorganisationen \u00fcberlassen worden, die allerdings damit v\u00f6llig \u00fcberlastet waren.<\/p>\n<p>Heute geht es um den Aufbau ganzer Industriezweige, der dazugeh\u00f6rigen Infrastruktur und des sozialen Umfeldes. Kein einzelnes Gro\u00dfunternehmen, keiner der hochverschuldeten Staaten des Westens kann einen solchen Investitionsbedarf decken. Dies verm\u00f6gen nur staatliche Gro\u00dfinvestoren zu realisieren, die eigene langfristige, \u00fcber Jahrzehnte andauernde strategische Interessen in Afghanistan haben. Nachhaltiger wirtschaftlicher Aufbau statt einzelner Projekte der Entwicklungshilfe garantiert die dringend notwendige Schaffung einer selbsttragenden materiellen Basis einer modernen Wirtschaft. Dies setzt eine langfristige Investitionsbereitschaft mit allen Risiken voraus. Dazu ist kein privater Investor bereit und f\u00e4hig. Chinesische Staatsunternehmen werden den Afghanen zeigen, wie durch industrielle Gro\u00dfprojekte langfristig Arbeitspl\u00e4tze, Infrastruktur und soziale Perspektiven geschaffen werden. Davon zeugen chinesische Kupferbergbau- sowie \u00d6l- und Gasvorhaben.<\/p>\n<p>Aus dem Fortschrittsbericht Afghanistan der Bundesregierung (Dezember 2011): \u201eDie wichtigsten laufenden Bergbauprojekte sind: Aynak Kupfervorkommen: 35 km s\u00fcd\u00f6stlich von Kabul, gesicherte 625 Mio. Tonnen Erz &#8230; Derzeit laufen die Erschlie\u00dfungsarbeiten durch die China Metallurgical Group Corporation (MCC). MCC hat vertraglich zugesagt, zur infrastrukturellen Anbindung der Mine eine Eisenbahnstrecke von der usbekischen bis an die pakistanische Grenze zu bauen\u2026\u201c<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Erschlie\u00dfung der \u00d6l- und Gasfelder im Raum Sar-e-Pul im Norden Afghanistans erhielt die China National Petroleum Corporation (CNPC) den Zuschlag und begann bereits mit den Arbeiten. In beiden Gro\u00dfvorhaben werden Tausende von Arbeitspl\u00e4tzen geschaffen und so die Existenzgrundlagen f\u00fcr afghanische Familien in der Region.<\/p>\n<p>Selbst wenn dieses Engagement nicht uneigenn\u00fctzig ist, sondern den Rohstoff- und Energiebedarf einer der gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften der Welt abdecken helfen soll \u2013 es bietet eine Perspektive f\u00fcr Afghanistan endlich zu Stabilit\u00e4t und Frieden zu kommen und die sozialen Probleme zu l\u00f6sen. Und all dies ohne die Stationierung ausl\u00e4ndischer Truppen.<\/p>\n<p>Wie zu erwarten war, beginnt die westliche Propaganda, das chinesische Engagement klein zu reden und zu behaupten, es ginge nur um die Ausbeutung der Reicht\u00fcmer Afghanistans und um die Befriedigung regionaler Hegemonieinteressen Chinas. Diesen Behauptungen stehen die positiven Erfahrungen afrikanischer L\u00e4nder mit der chinesischen Art der \u201eExpansion\u201c mittels wirtschaftlicher und politischer Kooperation und ohne Einmischung in die inneren Angelegenheiten entgegen.<\/p>\n<p>Neben China gibt es andere Regionalm\u00e4chte, die f\u00e4hig und bereit sind, konstruktiv in Afghanistan zu agieren. Dazu z\u00e4hlen vor allem Indien und der Iran.<\/p>\n<p>Eines ist klar: Afghanistan, eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, kann nicht mit eigener Kraft voran kommen. Die Menschen am Hindukusch brauchen \u00e4u\u00dfere Hilfe ebenso wie den Wechsel der Akteure und vor allem der Methoden dieser Hilfe.<\/p>\n<p>Nachhaltiger Aufbau, wirtschaftliche und politische Unterst\u00fctzung statt milit\u00e4rischer Gewalt, Milit\u00e4rhilfe und Aufr\u00fcstung &#8211; das sind die Wege aus dem verlorenen Krieg der NATO in Afghanistan.<\/p>\n<p><em>* J\u00fcrgen Heiducoff war zu Anfang des ISAF &#8211; Einsatzes \u00fcber ein halbes  Jahr als Soldat und in den Jahren 2006 bis 2008 als Diplomat in  Afghanistan.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/regionen\/Afghanistan\/heiducoff2.html\" target=\"_self\">AG Friedensforschung<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wege aus dem Krieg am Hindukusch: Nachhaltiger Aufbau und Wechsel der Akteure Von J\u00fcrgen Heiducoff *<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,1,9],"tags":[],"class_list":["post-2492","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-afghanistan","category-allgemein","category-china"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2492"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2492\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}