{"id":3652,"date":"2014-10-23T20:17:07","date_gmt":"2014-10-23T18:17:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3652"},"modified":"2014-10-23T20:17:07","modified_gmt":"2014-10-23T18:17:07","slug":"die-nato-und-der-innere-feind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3652","title":{"rendered":"Die NATO und der innere Feind"},"content":{"rendered":"<p><span>Lutz Herden<\/span><\/p>\n<div><span>23.10.2014<\/span> |           <span>06:00<\/span> <span title=\" 24 mal kommentiert\">24<\/span><\/div>\n<div>\n<p><span>Zerrei\u00dfprobe<\/span> Mit dem Zeitalter der Anti-Terror-Kriege stellt sich die  Frage: Ist die westliche Allianz noch darauf eingerichtet,  Partnerstaaten wie die T\u00fcrkei zu haben?<!--more--><\/p>\n<div id=\"main-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Die NATO und der innere Feind  \" src=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/lutz-herden\/die-nato-und-der-innere-feind\/@@images\/8beb597f-28f2-49c0-90dd-0ed0b4b65670.jpeg\" alt=\"Die NATO und der innere Feind  \" width=\"445\" height=\"282\" \/>T\u00fcrkische Wachposten an der Grenze zu Syrien<\/p>\n<p>Foto: Gokhan Sahin \/ Getty Images<\/p><\/div>\n<div>\n<p>Wenn eine Mehrheit der NATO-Mitglieder  einen Anti-Terror-Krieg f\u00fchrt, ist anzunehmen, dass alle auf einer Seite  der Front stehen und den gleichen Gegner meinen. Beim US-gef\u00fchrten  Feldzug gegen sunnitische Dschihadisten in Syrien und im Irak scheint  das nicht der Fall zu sein. Die gr\u00f6\u00dfte Streitmacht der Allianz  bombardiert Positionen des Islamischen Staates (IS) im eingekesselten  Kobane und wirft Waffen ab. Die zweitgr\u00f6\u00dfte Armee der NATO steht mit  ihren Panzern an der Grenze vor Kobane und verhindert, dass Waffen,  Munition und humanit\u00e4re Hilfe dorthin gelangen. Die Entscheidung des  t\u00fcrkischen Staatschef n\u00fctzt dem IS, die der amerikanische Pr\u00e4sident  bek\u00e4mpfen l\u00e4sst. Tayyip Erdogan und Barack Obama sind Alliierte und  Antipoden zugleich. Was der eine nicht will, kann der andere nicht  lassen.<\/p>\n<h2>Entente auf Zeit<\/h2>\n<p>Ob damit eine Zerrei\u00dfprobe f\u00fcr den Nordatlantikpakt droht, wird man  erst nach der Schlacht um Kobane und deren Folgen wissen. Nur soviel ist  jetzt schon gewiss: Das Ausscheren der T\u00fcrkei signalisiert, wie die  NATO mit ihrem grenzenlosen Interventionsanspruch an B\u00fcndnisgrenzen  st\u00f6\u00dft, die durch die eigenen Mitgliedsstaaten gesetzt werden. Zu  abweichend die Interessen, zu aufreibend die asymmetrischen Kriege, zu  unterschiedlich die Beteiligung daran, zu hegemonial die USA, als dass  daraus homogenes Handeln werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Diesem Zustand angemessen ist eine Entente auf Zeit, die wieder  auseinander geht, wenn sie ihren Zweck erf\u00fcllt hat. Davon \u00fcberfordert  ist eine Allianz auf Dauer, deren statisches Regelwerk aus einen  verflossen Jahrhundert stammt und durchaus zur Gefahr werden kann. Denn  was geschieht, sollte die T\u00fcrkei wegen der unsichern Lage an ihrer  Grenze zu Syrien den NATO-B\u00fcndnisfall reklamieren, der nach Artikel 5  des NATO-Vertrages als kollektiver Verteidigungsfall definiert ist? Dort  hei\u00dft es, die Mitgliedsl\u00e4nder \u201estimmen darin \u00fcberein, dass ein  bewaffneter Angriff auf einen oder mehrere von ihnen (\u2026) als Angriff auf  alle von ihnen angesehen wird.\u201c<\/p>\n<p>Schon einmal schien es soweit zu sein, als im Juni 2012 ein  t\u00fcrkischer Milit\u00e4rjet \u00fcber internationalen Gew\u00e4ssern von einem syrischen  J\u00e4ger abgeschossen wurde. Zwar stellte sich sp\u00e4ter heraus, dass es viel  Alarm um einen nie restlos aufgekl\u00e4rten Vorgang gab, doch wurden  ungeachtet dessen Konsequenzen gezogen. Mehrere NATO-Staaten, darunter  Deutschland, stationierten Patriot-Systeme in der T\u00fcrkei. Es galt das  Prinzip Beistand im B\u00fcndnis, um die Regierung Erdogan zu beschwichtigen,  doch wurden zugleich nicht zu untersch\u00e4tzende strategische Tatsachen  geschaffen.<\/p>\n<h2>Regionalm\u00e4chtige Obsession<\/h2>\n<p>Schlie\u00dflich lassen sich mit einer solchen Raketen-Abwehr m\u00f6gliche  Flugverbotszonen \u00fcberwachen und Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse im syrischen  B\u00fcrgerkrieg beeinflussen. Wird ein nah\u00f6stlicher Frontstaat derart zum  NATO-Vorposten, hat das besonders dann etwas zu bedeuten, wenn sich  dessen F\u00fchrung nichts sehnlicher w\u00fcnscht, als das Assad-Regime  abzur\u00e4umen und in Syrien das t\u00fcrkische Modell eines islamisierten  Staates zu implantieren. K\u00e4me es dazu, h\u00e4tte sich auch die westliche  Allianz als Pate dieser regionalm\u00e4chtigen Obsession erwiesen. Nur wozu  wollen dann NATO-Staaten wie die USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich,  Deutschland, die Niederlande und andere einen Gottesstaat des IS im Irak  verhindern?<\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis f\u00fchlte sich nach dem Epochenbruch von 1989\/90 von der  Angst getrieben, seinen Feind verloren zu haben. Nun wird ihm gar der  Luxus eines \u00e4u\u00dferen und inneren Feindes zuteil. Wenn das keine Wink des  Schicksals ist.<\/p>\n<p>https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/lutz-herden\/die-nato-und-der-innere-feind<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lutz Herden 23.10.2014 | 06:00 24 Zerrei\u00dfprobe Mit dem Zeitalter der Anti-Terror-Kriege stellt sich die Frage: Ist die westliche Allianz noch darauf eingerichtet, Partnerstaaten wie die T\u00fcrkei zu haben?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3652","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3652"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3652\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}