{"id":4425,"date":"2018-01-27T21:01:06","date_gmt":"2018-01-27T21:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4425"},"modified":"2018-01-27T21:01:06","modified_gmt":"2018-01-27T21:01:06","slug":"cducsu-spd-fdp-gruene-und-afd-haben-im-bundestag-eine-antisemitismus-resolution-beschlossen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4425","title":{"rendered":"CDU\/CSU, SPD, FDP, Gr\u00fcne und AfD haben im Bundestag eine Antisemitismus-Resolution beschlossen"},"content":{"rendered":"<h2>Ein Gespr\u00e4ch mit Moshe Zuckermann<\/h2>\n<p><strong>Es wurde eine israelische Fahne verbrannt \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Das ist doch eine g\u00e4ngige Protestpraxis der Ohnm\u00e4chtigen. Was ist schon eine verbrannte Fahne gemessen an der Barbarei, die im Namen dieser Fahne begangen wird? Die Aufregung in dem Zusammenhang basiert doch nur auf der irrigen und irref\u00fchrenden Annahme, dass Judentum, Zionismus und Israel gleichzustellen seien.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>JUNGE WELT, 22. 1. 18, \u00a0Inland \/ Seite 8<\/em><\/p>\n<h1>\u00bbEs deutet sich ein Ressentiment an\u00ab<\/h1>\n<h2>CDU\/CSU, SPD, FDP, Gr\u00fcne und AfD haben im Bundestag eine Antisemitismus-Resolution beschlossen. Ein Gespr\u00e4ch mit Moshe Zuckermann<\/h2>\n<p>Interview: Susann Witt-Stahl<\/p>\n<p><strong>Die Bundesregierung wird demn\u00e4chst einen sogenannten Antisemitismus-Beauftragten einsetzen \u2013 ein sinnvoller Schritt?<\/strong><\/p>\n<p>Der Antisemitismus geh\u00f6rt bek\u00e4mpft, wo immer er auftaucht. Zu kl\u00e4ren bleibt nur, ob es auch einen Beauftragten f\u00fcr Islamophobie, f\u00fcr Rassismus im allgemeinen geben soll. Wenn nicht, darf die Frage gestellt werden, warum die Regierung meint, dass gerade der Antisemitismus das vordringlichste Problem in Deutschland darstelle. Spielen da etwa fremdbestimmte Motive mit hinein?<\/p>\n<p><strong>Zumindest hat man nun nach einem \u00bblinken Antisemitismus\u00ab einen \u00bbeingewanderten Antisemitismus\u00ab als Gefahr ausgemacht. Als Beleg werden \u00bbBeleidigungen gegen Israel\u00ab durch arabische Migranten nach der Jerusalem-Entscheidung des US-Pr\u00e4sidenten angef\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n<p>Pal\u00e4stinenser haben das volle Recht, gegen die uns\u00e4gliche Entscheidung von Trump zu demonstrieren, so wie letztlich jeder rational denkende Mensch in ihr eine auf Gewalteskalation hinauslaufende Provokation sehen muss.<\/p>\n<p><strong>Es wurde eine israelische Fahne verbrannt \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Das ist doch eine g\u00e4ngige Protestpraxis der Ohnm\u00e4chtigen. Was ist schon eine verbrannte Fahne gemessen an der Barbarei, die im Namen dieser Fahne begangen wird? Die Aufregung in dem Zusammenhang basiert doch nur auf der irrigen und irref\u00fchrenden Annahme, dass Judentum, Zionismus und Israel gleichzustellen seien.<\/p>\n<p><strong>Tr\u00e4gt nicht genau diese Gleichsetzung scheinbar politisch korrekt zur L\u00f6sung deutscher Probleme bei? \u00bbAusl\u00e4nder\u00ab, also auch hier unerw\u00fcnschte arabische Fl\u00fcchtlinge, die gegen die deutsche Staatsr\u00e4son aufmucken, m\u00fcssen zuk\u00fcnftig mit ihrer Ausweisung rechnen.<\/strong><\/p>\n<p>Das best\u00e4rkt nur meine Vermutung, dass es bei dieser Resolution am wenigsten um die Bek\u00e4mpfung des Antisemitismus geht. Damit die AfD-W\u00e4hlerschaft zu bedienen, ist eine Sache. Eine wesentlich gravierendere scheint mir zu sein, dass ein Gro\u00dfteil der deutschen Bev\u00f6lkerung dieser Implikation Beifall zollen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Zudem wird der deutschen Justiz nahegelegt, Aufrufe zum Boykott israelischer Waren als Straftatbestand der Volksverhetzung zu werten, also praktisch mit Holocaustleugnung auf eine Stufe zu stellen.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist diese ideologische Setzung so eines Zusammenhangs die eigentliche Holocaustleugnung. Zumindest die gro\u00dfe Mehrheit im Bundestag hat offenbar noch nicht begriffen, was der Holocaust gewesen ist, wenn sie so leichtfertig mit dem Gedenken an dessen Opfer umgehen kann. Man mag zum Warenboykott gegen Israel, einem legitimen zivilgesellschaftlichen Instrument des Protests, stehen, wie man will, aber ihm mit derlei Mitteln beikommen zu wollen, ist schlicht ignorant und perfide.<\/p>\n<p><strong>Auch zur praktischen Durchsetzung der extrem weit gefassten Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance, IHRA, mit dem merkw\u00fcrdigen Satz \u00bbDer Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen j\u00fcdische oder nichtj\u00fcdische Einzelpersonen und\/oder deren Eigentum\u00ab wird gedr\u00e4ngt.<\/strong><\/p>\n<p>Im klassischen antisemitischen Repertoire der Nazis gab es zwei soziale Kategorien von Juden, die als solche propagandistisch attackiert wurden \u2013 sozialistische Juden und j\u00fcdische Kapitalisten. Offenbar hat man nun den zweiten Teil dieses Ideologems \u00fcbernommen: Wenn Juden mit dem Kapitalismus verbandelt werden, kann man den Kapitalismus ideologisch \u00fcber die vermeintliche Inschutznahme von Juden zum Schutzobjekt erheben.<\/p>\n<p><strong>Wie kann es sein, dass die Fraktion der Partei Die Linke das alles, mit Ausnahme der Exekution eines Sonderrechts gegen Israel-kritische \u00bbAusl\u00e4nder\u00ab, mitmacht? Selbst wenn sie sich am Donnerstag bei der Abstimmung enthalten hat \u2013 das lag ja vor allem daran, dass ihr die etablierten Parteien eine Beteiligung an dem Antrag verweigert hatten.<\/strong><\/p>\n<p>Es erweist sich nicht zum ersten Mal, dass es der Linkspartei \u2013 bei allen innerparteilichen Querelen \u2013 um nichts mehr geht als darum, endlich im nationalen Konsens anzukommen. Sich in dieser erb\u00e4rmlichen Weise ausgeschlossen zu f\u00fchlen, das indiziert den Gesinnungsuntergang der Partei: Je mehr sie von rechts wegen ihrer \u00bbVergangenheit\u00ab gemartert wird, desto mehr betreibt sie den Ausverkauf dessen, was sie zu ihrem Namen berechtigte.<\/p>\n<p><strong>Mit der Resolution wurden auch die Grundlagen geschaffen, \u00adIsrael-kritische und antizionistische Juden wie Esther Bejarano im T\u00e4terland als Kriminelle zu \u00e4chten. Ist sie damit nicht objektiv eine von oben abgesegnete Ma\u00dfnahme zur \u00bbEntsorgung\u00ab der deutschen Schande?<\/strong><\/p>\n<p>Gewiss l\u00e4sst sich sagen, dass der hysterische Umgang mit \u00bbAntisemitismus\u00ab in Deutschland allgemein \u2013 und offenbar auch innerhalb seiner politische Klasse \u2013 darauf hinweist, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit noch lange nicht in dem Ma\u00dfe stattgefunden hat, wie man sich ihrer r\u00fchmt. Ein Element der Schuld regt sich da, und es deutet sich in ihm ein latentes antisemitisches Ressentiment an, und zwar gerade bei denen, die den Antisemitismus-Vorwurf \u00fcbersch\u00fcssig und am lautst\u00e4rksten erheben.<\/p>\n<p>Den Artikel finden Sie unter: <a href=\"https:\/\/deref-gmx.net\/mail\/client\/RgTmyCQUMDo\/dereferrer\/?redirectUrl=https%3A%2F%2Fwww.jungewelt.de%2Fartikel%2F325863.es-deutet-sich-ein-ressentiment-an.html\">https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/325863.es-deutet-sich-ein-ressentiment-an.html<\/a><\/p>\n<p>(c) Junge Welt 2018<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/deref-gmx.net\/mail\/client\/Enw6XPJrVrI\/dereferrer\/?redirectUrl=https%3A%2F%2Fwww.jungewelt.de\">https:\/\/www.jungewelt.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gespr\u00e4ch mit Moshe Zuckermann Es wurde eine israelische Fahne verbrannt \u2026 Das ist doch eine g\u00e4ngige Protestpraxis der Ohnm\u00e4chtigen. 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