{"id":5134,"date":"2019-07-29T13:14:45","date_gmt":"2019-07-29T13:14:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5134"},"modified":"2019-07-29T13:14:45","modified_gmt":"2019-07-29T13:14:45","slug":"rechtspopulisten-sind-fuer-juden-keine-verbuendeten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5134","title":{"rendered":"Rechtspopulisten sind f\u00fcr Juden keine Verb\u00fcndeten"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"article-kicker\">Armin Langer<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"article-subtitle\">Der Fall Waldh\u00e4usl in Nieder\u00f6sterreich zeigt: Wenn sich rechte Politiker gegen Antisemitismus einsetzen, dann dient das nur ihrer antimuslimischen Agenda. Europas Juden sollten auf der Hut sein<\/p>\n<div class=\"storylabels\"><span data-label-category=\"indepth\">Kommentar der anderen<\/span><\/div>\n<div class=\"article-origins\">Armin Langer<\/div>\n<p class=\"article-pubdate\"><time datetime=\"2018-07-20T15:05\n\">20. Juli 2018, 15:05 <\/time><\/p>\n<div data-section-type=\"gallery\" data-position=\"auto\" data-size=\"auto\" data-gallery-type=\"secondary\">\n<div>\n<div data-section-type=\"image\" data-position=\"auto\" data-size=\"auto\">\n<div>\n<figure data-type=\"image\" data-fullscreen-enabled=\"true\"><picture> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.derstandard.at\/img\/2018\/07\/20\/frauenmarsch.jpg?w=800&amp;s=a1792c22\" sizes=\"(max-width: 767px) 100vw,\n                (max-width: 959px) 680px,\n                (max-width: 1919px) 538px,\n                (min-width: 1920px) 720px\" srcset=\"\/\/images.derstandard.at\/img\/2018\/07\/20\/frauenmarsch.jpg?w=680&amp;s=80b94e2e 680w,\n                \/\/images.derstandard.at\/img\/2018\/07\/20\/frauenmarsch.jpg?w=720&amp;s=815dba12 720w,\n                \/\/images.derstandard.at\/img\/2018\/07\/20\/frauenmarsch.jpg?w=538&amp;s=23f60812 538w,\n                \/\/images.derstandard.at\/img\/2018\/07\/20\/frauenmarsch.jpg?w=320&amp;s=49c6cf3d 320w\" data-fullscreen-src=\"\/\/images.derstandard.at\/img\/2018\/07\/20\/frauenmarsch.jpg?w=1600&amp;s=e2737b1b\" \/> <\/picture><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div data-section-type=\"gallery\" data-position=\"auto\" data-size=\"auto\" data-gallery-type=\"secondary\">\n<div>\n<div data-section-type=\"image\" data-position=\"auto\" data-size=\"auto\">\n<div>\n<figure data-type=\"image\" data-fullscreen-enabled=\"true\"><figcaption>Ein Mann mit j\u00fcdischer Kippa nahm am Frauenmarsch der rechtsextremen AfD am 9. Juni in Berlin teil. Auch in Frankreich und Schweden gibt es j\u00fcdische Stimmen, die f\u00fcr ein B\u00fcndnis mit rechten Parteien im Kampf gegen muslimischen Antisemitismus eintreten.<\/p>\n<\/figcaption><footer>Foto: Imago \/ Emmanuele Contini<\/footer>\n<\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&#8222;Antisemitismus stellt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar&#8220;, sagt Heinz-Christian Strache. Laut dem FP\u00d6-Bundesparteiobmann tritt seine Partei dem Judenhass entschieden entgegen. Die angebliche Solidarit\u00e4t der FP\u00d6 mit den Juden und Israel ist Teil einer Entwicklung der gesamten europ\u00e4ischen Rechtspopulisten: Marine Le Pen, Chefin des franz\u00f6sischen Rassemblement National, der bis Juni 2018 Front National hie\u00df, dr\u00fcckt ihre Sympathie mit Netanjahus Likud aus, obwohl ihr Vater, Parteigr\u00fcnder Jean-Marie Le Pen, mehrfach den Holocaust relativierte. Geert Wilders von der niederl\u00e4ndischen Partei f\u00fcr die Freiheit nutzt seine Israel-Reisen, um die Siedlerbewegung zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Trotz ihrer &#8222;Solidarit\u00e4t&#8220; mit Juden und Israel verbreiten Rechtspopulisten weiterhin judenfeindliche Ressentiments. Die AfD rief zur Kippa-Kundgebung in Berlin in Solidarit\u00e4t mit dem Kippa tragenden arabischen Israeli auf, der im April 2018 von einem arabischst\u00e4mmigen jungen Mann angegriffen worden war. Zur selben Zeit zeigt die Partei Desinteresse f\u00fcr die den Holocaust relativierenden Aussagen ihres Funktion\u00e4rs Bj\u00f6rn H\u00f6cke, und auch das Buch des AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon \u00fcber die &#8222;j\u00fcdische Weltverschw\u00f6rung&#8220; ist anscheinend nicht antisemitisch genug, um Gedeon aus der Partei auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Osten auch nichts Neues: Straches Vorbild, der ungarische Ministerpr\u00e4sident Viktor Orb\u00e1n, begr\u00fcndet seine migrationsgegnerische Agenda unter anderem mit seinem vermeintlichen Kampf gegen den Judenhass. Gleichzeitig f\u00fchrt er seit Jahren eine Kampagne gegen den US-amerikanischen Investor George Soros, der diverse Menschenrechtsorganisationen finanziert. Orb\u00e1n wirft dem j\u00fcdischst\u00e4mmigen Soros vor, Europa durch eine Islamisierung &#8222;entchristianisieren&#8220; zu wollen. Diese Verschw\u00f6rungstheorie operiert mit dem Klischee des j\u00fcdischen Marionettenspielers, der die Weltpolitik aus dem Hintergrund bestimmt, und wird auch von anderen Politikern Europas geteilt, unter anderem vom tschechischen Staatspr\u00e4sidenten Milos Zeman. Auch der Wiener FP\u00d6-Klubobmann Johann Gudenus spricht davon, dass der US-Milliard\u00e4r &#8222;mit viel Kapitalmacht versucht habe, alle m\u00f6glichen Umw\u00e4lzungstendenzen (&#8230;) zu finanzieren&#8220;.<\/p>\n<p>Nach antisemitischen Gewalttaten, begangen durch arabischst\u00e4mmige Jugendliche, bieten sich politische Kr\u00e4fte, die sich f\u00fcr die Einschr\u00e4nkung der Zuwanderung einsetzen, auch als Wahloption f\u00fcr Juden an. Laut Roger Cukierman, bis 2016 Pr\u00e4sident des Repr\u00e4sentativrats der j\u00fcdischen Institutionen Frankreichs, gebe es &#8222;ein gemeinsames Interesse&#8220; der franz\u00f6sischen Juden und Le Pens Partei. J\u00fcdische Politiker bringen sich in mehreren rechtspopulistischen Parteien ein, wie Wolfgang Fuhl in der AfD, David Lasar in der FP\u00d6 oder Kent Ekeroth bei den Schwedendemokraten.<\/p>\n<p>Jedoch kann eine Allianz zwischen Juden und Rechtspopulisten langfristig nicht funktionieren. Die neue Rechte inszeniert sich heute noch als Verb\u00fcndete der Juden, aber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter f\u00e4llt die Maske. So wie jetzt in Nieder\u00f6sterreich: Nach dem Vorschlag des FP\u00d6-Landesrates Gottfried Waldh\u00e4usl sollten sich in der Zukunft Menschen registrieren, die gesch\u00e4chtetes Fleisch kaufen wollen. Der FP\u00d6ler will also eine Liste von observanten Juden und Muslimen im Bundesland parat haben. Oskar Deutsch, Pr\u00e4sident der Israelitischen Kultusgemein- de Wien, spricht nicht zuf\u00e4llig von einem &#8222;negativen Arierparagrafen&#8220;.<\/p>\n<p>Der Einsatz gegen den Antisemitismus ist f\u00fcr Rechtspopulisten nur dann den Aufwand wert, wenn sie dadurch f\u00fcr ihre antimuslimische Agenda werben k\u00f6nnen. Es geht ihnen nicht um die Abwehr der Judenfeindlichkeit, wie Waldh\u00e4usls Initiative das auch beweist, sondern um den Kampf gegen die sogenannte Islamisierung. Auch deswegen sollten die europ\u00e4ischen Juden nicht die N\u00e4he der Rechtspopulisten suchen, sondern eher an einem B\u00fcndnis mit anderen von Rechtspopulisten bedrohten Minderheiten arbeiten \u2013 insbesondere mit Muslimen. Initiativen, die die Religionsfreiheit der Minderheiten bedrohen, wie zum Beispiel eine Einschr\u00e4nkung des gesch\u00e4chteten Fleisches, k\u00f6nnten die j\u00fcdischen und muslimischen Gemeinschaften zusammen anprangern. (Armin Langer, 20.7.2018)<\/p>\n<aside data-section-type=\"supplemental\" data-type=\"supplemental\">\n<div>\n<div>\n<p><strong>Armin Langer<\/strong> studierte Philosophie und j\u00fcdische Theologie und lebt als freier Publizist in Berlin. Er ist Autor des Buches &#8222;Ein Jude in Neuk\u00f6lln \u2013 Mein Weg zum Miteinander der Religionen&#8220;.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<div class=\"storylabels\"><span data-label-category=\"indepth\">der Standard, Kommentar der anderen<\/span><\/div>\n<div class=\"article-origins\">Armin Langer<\/div>\n<p class=\"article-pubdate\"><time datetime=\"2018-07-20T15:05\n\">20. Juli 2018,<\/time><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/aside>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armin Langer<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5134","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5134"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5135,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5134\/revisions\/5135"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}