{"id":5277,"date":"2019-11-12T22:42:14","date_gmt":"2019-11-12T22:42:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5277"},"modified":"2019-11-14T09:48:44","modified_gmt":"2019-11-14T09:48:44","slug":"offener-brief-an-den-gemeinderat-und-die-stadtregierung-von-graz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5277","title":{"rendered":"Offener Brief an den Gemeinderat und die Stadtregierung von Graz"},"content":{"rendered":"<p>zum\u00a0 Vorhaben der Beschlussfassung einer \u201eErkl\u00e4rung gegen Antisemitismus\u201c<!--more--><\/p>\n<p><strong>Offener Brief <\/strong><\/p>\n<p>an den Gemeinderat und die Stadtregierung von Graz<\/p>\n<p>z.H. B\u00fcrgermeister Siegfried Nagl<\/p>\n<p>Hauptplatz 1, 801 Graz<\/p>\n<p>per Email: <a href=\"mailto:buergermeister.nagl@stadt.graz.at\">buergermeister.nagl@stadt.graz.at<\/a><\/p>\n<p>Ergeht per Email auch an die Gemeinderatsfraktionen, den Grazer Menschenrechtsbeirat und den Beirat des Grazer Friedensb\u00fcros<\/p>\n<p><strong>Betreff: Ihr Vorhaben der Beschlussfassung einer \u201eErkl\u00e4rung gegen Antisemitismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr B\u00fcrgermeister Nagl!<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren der Stadtregierung!<\/p>\n<p>Sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates!<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Den Medien entnehmen wir, dass Sie planen am kommenden Donnerstag im Gemeinderat unter obgenanntem Titel eine Erkl\u00e4rung zu verabschieden.<\/p>\n<p>Soweit sich dieser Beschluss auf Rassismen der verschiedensten Auspr\u00e4gung, besonders auf das Ph\u00e4nomen des Antisemitismus bezieht, findet diese Erkl\u00e4rung unsere volle Zustimmung. Zurecht wird Judenhass und Ablehnung von Menschen aufgrund ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zur j\u00fcdischen Religion oder zum j\u00fcdischen Volk heute von einer deutlichen Mehrheit in unserer Gesellschaftlich ge\u00e4chtet. Und wir glauben, dass der 80. Jahrestag der Ereignisse der Reichspogrom-Nacht in Graz f\u00fcr eine solche Erkl\u00e4rung ein gebotener Anlass ist. Ganz selbstverst\u00e4ndlich sch\u00e4tzen und unterst\u00fctzen wir auch alle Beschl\u00fcsse und Ma\u00dfnahmen, die die Stadt Graz f\u00fcr die Wiedererrichtung der Grazer Synagoge und zur F\u00f6rderung des kulturellen, religi\u00f6sen und sozialen Lebens der Grazer j\u00fcdischen Gemeinde geleistet hat. Und wir sch\u00e4tzen die deklarierte Orientierung unserer Landeshauptstadt an den Menschenrechten.<\/p>\n<p>Ihre Erkl\u00e4rung geht aber in zwei Punkten \u00fcber diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit hinaus und verst\u00f6\u00dft gegen das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit.<\/p>\n<ol>\n<li>Sie beinhaltet eine Gleichsetzung von Antisemitismus und Antizionismus. Hier liegt offenbar<\/li>\n<\/ol>\n<p>eine mangelnde begriffliche Differenzierung vor. W\u00e4hrend Antisemitismus \/ Judenhass eine schwere und in ihren praktischen Auswirkungen polit-kriminelle Verirrung menschlichen F\u00fchlens und Denkens ist, ist die Ablehnung des geschichtsm\u00e4chtig gewordenen Zionismus die Ablehnung einer ihrerseits politisch-problematischen ethnozentrisch-nationalistischen Ideologie. Gerade nach dem von der Generation unseren Eltern, Gro\u00dfeltern und Urgro\u00dfeltern zu verantwortenden Menschheitsverbrechen des Holocaust, war das Streben von gro\u00dfen Teilen des j\u00fcdischen Volkes nach einem sch\u00fctzenden Staat nur allzu verst\u00e4ndlich. Allerdings zeigte sich schon lange vor dem Holocaust, dass innerhalb der zionistischen Ideologie sich leider nicht jene ExponentInnen durchsetzten, die ein partnerschaftliches Zusammenleben mit der indigenen arabischen Bev\u00f6lkerung Pal\u00e4stinas anstrebten<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, sondern jene Kr\u00e4fte, die auf einen chauvinistischen j\u00fcdischen Nationalismus setzten. Dementsprechend kam es zu einer systematischen Verdr\u00e4ngung der pal\u00e4stinensischen AraberInnen, die im Zuge der Staatsgr\u00fcndung Israels 1948 in der geplanten Vertreibung und panikhaften Flucht von ca. 750.000 Pal\u00e4stinenserInnen und der Zerst\u00f6rung von mehreren arabischen St\u00e4dten und mehr als 450 D\u00f6rfern gipfelte. Die Pal\u00e4stinenserInnen nennen dieses Menschen- und V\u00f6lkerrechtsverbrechen \u201eNakba\u201c, \u201edie Katastrophe\u201c. Dieses Unrecht wurde bis heute auch nicht ann\u00e4hernd wieder gutgemacht. Nachdem sich der zionistische Chauvinismus im Staat Israel etabliert hatte, setzte sich die Entrechtung und Enteignung des pal\u00e4stinensischen Volkes \u00fcber verschieden Phasen bis heute fort. Die europ\u00e4ischen Leitmedien sind in der Darstellung des Konflikts \u00fcberwiegend vom israelischen Narrativ gepr\u00e4gt und in der Berichterstattung \u00fcber die allt\u00e4glichen bedr\u00fcckenden Details dieser Auseinandersetzung der zwei machtpolitisch extrem ungleich ausgestatteten V\u00f6lker, werden daher die pal\u00e4stinensische Sichtweisen meist ausgeblendet. Doch in Zeiten des Internets sage niemand, frau\/man habe irgendetwas davon nicht wissen k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Ihre Beschlussvorlage hat eine erhebliche prozionistische Schr\u00e4glage. Deutlich wird dies an der Zitation des 3-D-Tests von Natan Sharansky<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> und der Antisemitismus-Definition des IHRA. Beide Positionierungen neigen genau zu jener von Israel erw\u00fcnschten und international aktiv betriebenen Tabuisierung seiner Pal\u00e4stina-Politik. So ist es auff\u00e4llig, dass sie etwa jene Studie des Berliner Antisemitismusforschers Peter Ullrich nicht zitieren, in der diese beiden Definitionen als f\u00fcr eine sachliche Diskussion unbrauchbar zur\u00fcckgewiesen werden.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> F\u00fcr eine objektive Meinungsbildung ebenfalls nur bedingt hilfreich sind etliche der von Ihnen zitierten \u00f6sterreichischen Quellen, insoferne diese selbst Teil der gegenst\u00e4ndlichen politischen Auseinandersetzung sind.<\/p>\n<p>Wollen Sie als politischen Repr\u00e4sentanten der Menschenrechtstadt Graz die Meinungsfreiheit Ihrer Bewohnerinnen nicht verfassungswidrig einschr\u00e4nken, so muss \u00fcber die bis heute wirksame Staatsideologie Israels und \u00fcber die mit ihr verbundenen historischen Ereignisse offen und ebenso frei geredet werden k\u00f6nnen wie \u00fcber andere global relevante Konflikte. In diesem Sinne haben anl\u00e4sslich der Wiener Antisemitismus-Konferenz vom 21. Nov. 2018 34 namhaften Juden und J\u00fcdinnen aus Israel und der Diaspora genau diese Verwechslung und Gleichsetzung von Antisemitismus einerseits und Antizionismus\/Israelkritik andererseits als inhaltlich unangebracht zur\u00fcckgewiesen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> In \u00e4hnlicher Weise \u00e4u\u00dferten sich 40 j\u00fcdische Organisationen im Juli 2019 in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Wir ersuchen Sie um die Lekt\u00fcre dieses Appells.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Ihre Beschlussvorlage beinhaltet zudem die Verurteilung der internationalen BDS-Bewegung als<\/li>\n<\/ol>\n<p>antisemitisch. Auch das halten wir und mit uns viele demokratisch gesinnte Menschen f\u00fcr sachlich unbegr\u00fcndet, ideologisch-vorurteilsbehaftet und unreflektiert.<\/p>\n<p>* Nicht nur, dass bei der Ablehnung der Ma\u00dfnahmen der BDS-Kampagne h\u00e4ufig ein fauler historischer Apfel<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> mit der unverfaulten Birne am Baum legitimer gewaltfreier Widerstandsmittel einer schwer unterdr\u00fcckten Zivilgesellschaft verwechselt wird.<\/p>\n<p>* Nicht nur, dass diese Ablehnung von Boykott-Ma\u00dfnahmen gegen den ethnokratischen Machtstaat Israel selbst insofern geschichtsvergessen ist, als es die zionistische Bewegung selbst war, die schon im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ganz offiziell derartige Ma\u00dfnahmen propagierte.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>St\u00e4rker wiegt zweifellos ein realpolitisches Argument: Das Pal\u00e4stinensische Volk leidet seit Jahrzehnten unter einer harten israelischen Besatzung. H\u00e4ufige Versuche \u00fcber einen gewaltt\u00e4tigen Widerstand zu einem eigenen lebensf\u00e4higen Staat zu kommen, sind ebenso am realpolitisch dominanten zionistischen Bestreben, das gesamte Land zwischen Mittelmeer und Jordan allein zu beherrschen, gescheitert wie der Verhandlungsweg.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> 2005 hat daher ein gro\u00dfer Teil der pal\u00e4stinensischen Zivilgesellschaft beschlossen, in einer internationalen, gewaltfreien Bewegung ihre, durch das V\u00f6lkerrecht und zahlreiche UN-Beschl\u00fcsse legitimierten Ziele mit den Mitteln des <strong>B<\/strong>oykotts, des <strong>D<\/strong>esinvestments (= Kapitalabzug) und durch <strong>S<\/strong>anktionen durchzusetzen. Die Bewegung orientiert sich an Mahatma Gandhi und an der internationalen S\u00fcdafrika-Boykott-Bewegung, die schlie\u00dflich zum Ende dieses Apartheid-Systems f\u00fchrte. Nach Erreichung der drei Ziele: Ende der Besatzung und Kolonisation arabischen Landes<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> und Abriss der Trennungsmauer, vollkommene rechtlichen Gleichstellung der arabisch-pal\u00e4stinensischen B\u00fcrgerInnen Israels und der Anerkennung der Rechte der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge, in ihre Heimat zur\u00fcckzukehren<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Mit dem Erreichen dieser Ziele, die in ihrer konkreten Ausformung letztlich nat\u00fcrlich in Verhandlungen und einem Friedensvertrag festgelegt werden m\u00fcssen, wird die BDS-Kampagne beendet.<\/p>\n<p>Realpolitisch gesehen gilt also: Wenn Sie \u2013 so wie wir &#8211; Gewalt als Mittel der Durchsetzung politischer Ziele ablehnen, Sie aber mit Ihrem geplanten Beschluss, dem pal\u00e4stinensischen Volk im Interesse israelischer Dominanzanspr\u00fcche die gewaltfreien Mittel aus der Hand schlagen, so fragen wir Sie, ob Sie das pal\u00e4stinensische Volk dauerhaft weiter in die Dem\u00fctigung, Verzweiflung und immer wieder in die aus der Unterdr\u00fcckung entstehende Gewalt treiben wollen? Oder wollen Sie in einer lebensfremden Kopf-in-den-Sand-Politik, dass dieser Konflikt und das damit auf beiden Seiten verbundene menschliche Leid in unserer geopolitischen Nachbarschaft, \u00fcber weitere Jahrzehnte kein Ende findet?<\/p>\n<p>Auch zur Frage der Diffamierung von BDS als antisemitisch wurde im Vorfeld des Beschlusses vom 17. Mai 2019 im Deutschen Bundestag schon Wesentliches gesagt. Lesen Sie bitte dazu die Erkl\u00e4rung von zun\u00e4chst 66 und sp\u00e4ter 240 israelischen und j\u00fcdischen Intellektuellen und K\u00fcnstlerInnen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Bevor Sie entscheiden beachten Sie bitte auch, dass inzwischen f\u00fcnf Vorsitzende von mit Menschenrechtsfragen befassten UN-Teilorganisationen, die auch Ihrer Beschlussvorlage zugrundeliegende Begriffsverwirrung in der Erkl\u00e4rung des Deutschen Bundestages zur\u00fcckgewiesen haben.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Und bedenken Sie weiters, dass es inzwischen aufgrund \u00e4hnlicher Beschl\u00fcsse, in mehreren deutschen St\u00e4dten zu Saalverboten kam, diese aber durch mehrere Gerichtsentscheidungen als grundrechtswidrig aufgehoben wurden. So etwa in Bonn, Oldenburg<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> und M\u00fcnchen.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Ohnehin sollte Ihnen als gewiss analysef\u00e4hige und meist wohl auch erfahrene politische Menschen die ganze Anti-BDS-Hysterie leicht durchschaubar sein. Sie geht vom israelischen Ministerium f\u00fcr Heimatschutz und Strategische Angelegenheiten aus. Geleitet wird dieses Ministerium vom rechtsnationalistischen Likud-Minister Gilad Erdan. Seit 2016 flie\u00dfen j\u00e4hrlich ca. 30 Mio. US-Dollar in eine globale BDS-Diffamierungskampagne. Das hat f\u00fcr Israel einen ungeheuren propagandistischen Wert: Hinter dem so erzeugten, weltweiten medialen Tumult um die k\u00fcnstlich herbeiargumentierte Behauptung BDS sei antisemitisch, verschwindet die reale und harte Unterdr\u00fcckung des pal\u00e4stinensischen Freiheitswillens. Wir sind sicher, dass Sie durch eine kritische politische Analyse auch zu diesem Schluss kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kurz: Wir haben den Eindruck, Sie handeln unter dem seit Monaten informellen und \u00f6ffentlichen Druck, den Herr MMag.Elie Rosen, der Vorsitzende der J\u00fcdischen Gemeinde Graz, und andere, ideologisch stark motivierte ProIsrael-Freunde auf Sie ausge\u00fcbt haben. Im Sinne des Grundrechts auf Meinungsfreiheit ist es nat\u00fcrlich jeder Person unbenommen seine proisraelischen Interessen zu verfolgen. Und auch sich bewusst oder unbewusst in einer ideologisch-politischen N\u00e4he zur menschen- und v\u00f6lkerrechtswidrigen Pal\u00e4stina-Politik der Netanyahus und Liebermans zu positionieren.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Wir tun das nicht und orientieren uns in diesem Konflikt sehr stark an Stimmen von Friedens- und Menschenrechtsgruppen in Israel und Pal\u00e4stina. Diese Stimmen in ihrem Ringen um Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden aus unserer konfliktfern-saturierten mitteleurop\u00e4ischen Perspektive im Stich zu lassen, halten wir f\u00fcr unsolidarisch. Im Interesse der von Ihnen vertretenen Grazer- und GrazerInnen empfehlen wir Ihnen es auch so zu halten und nicht die Meinungsfreiheit anderer durch eine nicht hinreichend durchdachte Beschlussfassung einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich noch ein realpolitisch machbarer Vorschlag:<\/p>\n<ul>\n<li>Widerstehen Sie den Erwartungen der Bef\u00fcrworter der Politik Israels gegen die Pal\u00e4stinenserInnen.<\/li>\n<li>Vertagen Sie den Beschluss zumindest in den beiden oben angesprochenen Punkten um ein Jahr und geben Sie sich Zeit, die in der Beschlussvorlage verpackten Problemzonen breit zu diskutieren.<\/li>\n<li>Wir ersuchen Sie um die Einrichtung eines entsprechenden Dialogforums. Als Moderator eines derartigen Forum kommen u.a. in Frage (alphabetisch):<\/li>\n<\/ul>\n<p>* Dr. Wilfried Graf (Herbert C. Kehlman Institut),<\/p>\n<p>* der Linzer Friedens- und Konfliktforscher Dr. Reiner Steinweg. Er ist in Graz durch sein mehrj\u00e4hriges Projekt \u201eGewalt in der Stadt\u201c gut bekannt.<\/p>\n<p>*.Mag. Gudrun Kramer (\u00d6SFK Schlaining).<\/p>\n<p>* Dr. Max Lakitsch (KFU Graz)<\/p>\n<p>Alle genannten Personen weisen auch im Konflikt um das historische Pal\u00e4stina eine nennenswerte Expertise auf.<\/p>\n<ul>\n<li>Gern werden wir an einem solchen Kl\u00e4rungs- und Verst\u00e4ndigungsprozess teilnehmen. Wir ersuchen um eine Einladung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit friedenspolitischen Gr\u00fc\u00dfen und in jeder Hinsicht gespr\u00e4chsbereit,<\/p>\n<p>Sala&#8217;am\/Shalom,<\/p>\n<p>Franz S\u00f6lkner, Obmann\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Veronika Rochhart, Schriftf\u00fchrerin<\/p>\n<p>F\u00fcr R\u00fcckfragen: 0677 61 39 29 90 (S\u00f6lkner)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Stellvertretend f\u00fcr diese humanistische Richtung im Zionismus sei die Gruppe Brit Shalom rund um den gro\u00dfen j\u00fcdischen Religionsphilosophen Martin Buber genannt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Um nur einige aktuelle Beispiele zu nennen: Von 2009 bis 2019 wurden in der Westbank 6248 Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt und dadurch 9730 Menschen vertrieben. Die Zerst\u00f6rungen \u2013 meist in der Zone C, die 60 Prozent des Westjordanlandes umfasst &#8211; erfolgen meist aufgrund fehlender Baugenehmigungen, die die israelische Milit\u00e4rverwaltung den Pal\u00e4stinenserInnen auf deren eigenen Grund und Boden fast immer verweigert. Siedler greifen pal\u00e4stinensische Bauern immer wieder t\u00e4tlich an, die israelischen Soldaten stehen unt\u00e4tig dabei oder helfen den Siedlern, die oft 100-j\u00e4hrigen Olivenb\u00e4ume werden umgeschnitten, entwurzelt oder verbrannt und dadurch die Lebensgrundlage der Bauern zerst\u00f6rt. Seit Beginn der f\u00fcr Israels Sicherheit ungef\u00e4hrlichen Proteste am Gaza-Grenzwall im M\u00e4rz 2018 sind mehr als 200 Menschen erschossen und mehr als 7000 verletzt worden, viele davon gezielt durch Scharfsch\u00fctzen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sharansky ist ein bekannter israelischer Politiker und ehemaliger Minister des Likud. Innerhalb des Spektrums seiner ohnehin rechtsnationalistischen Partei ist er deutlich dem rechten Fl\u00fcgel zuzuordnen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/publikation\/id\/41168\/gutachten-zur-arbeitsdefinition-antisemitismus-der-international-holocaust-remembrance-alliance\/\">[4]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 https:\/\/www.rosalux.de\/publikation\/id\/41168\/gutachten-zur-arbeitsdefinition-antisemitismus-der-international-holocaust-remembrance-alliance\/<\/a> (<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Siehe <a href=\"https:\/\/www.medico.de\/17238\/\">https:\/\/www.medico.de\/17238\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><\/a><a href=\"https:\/\/jewishvoiceforpeace.org\/30jewishgroupsbds\/\">[6]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 https:\/\/jewishvoiceforpeace.org\/30jewishgroupsbds\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gemeint ist die politkriminelle \u201eKauft nicht bei Juden \u2013 Hetze\u201c des barbarischen Machtstaates der Nazis gegen die politisch entrechtete Minderheit der Juden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Z.B. \u201eTozeret Ivrit\u201c (= J\u00fcdische Ware): Boykottbeschluss des 7. Zionistischen Kongresses 1905 gegen Produkte aus arabischer Produktion. Eine andere vergleichbare Ma\u00dfnahme der zionistischen Bewegung waren die Propagierung der Nichtbesch\u00e4ftigung arabischer Arbeiter. Nach wie vor aufrecht ist das Verbot des Verkaufs von Immobilien an Nichtjuden. Verwehren wir also einem unterdr\u00fcckten, um seine Freiheit ringenden Volk jene gewaltfreien politischen Mittel, die dieses selbst \u00fcber Jahrzehnte selbst in Anspruch genommen hat, und &#8211; denkt man um an die massive Benachteiligung der pal\u00e4stinensischen Wirtschaft durch die Politik Israels \u2013 immer noch in Anspruch nimmt?<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das deutlichste Faktum f\u00fcr das zionistische Streben Israels, das gesamte Land zwischen Mittelmeer und Jordan allein zu beherrschen liegt in der seit 1967 betriebenen kolonialistischen Siedlungspolitik. Sie wurde selbst w\u00e4hrend der Oslo-Friedensverhandlungen ungebrochen fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0\u00a0 Die Textierung lautet auf \u201eallen arabischen Landes\u201c. Die unterschiedliche Interpretation ist Teil der Kontroverse. W\u00e4hrend die einen \u2013 darunter auch viele Menschen mit j\u00fcdischer Identit\u00e4t &#8211; darauf hinweisen, dass BDS keine bestimmte L\u00f6sung des Konflikts vorgibt und keine Infragestellung des Existenzrechts Israels propagiert und daher diese Formulierung auf das seit 1967 von Israel besetzte oder annektierte Territorium bezogen werden muss, sieht das offizielle Israel und seine Unterst\u00fctzerInnen darin die v\u00f6lkerrechtlich abgesicherte Staatsgr\u00fcndung Israels oder gar die Existenzberechtigung des j\u00fcdischen Volkes im historischen Pal\u00e4stina infrage gestellt wird.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0\u00a0 Wie es in der UN-Resolution 194 vereinbart wurde.\u00a0 Die daraus sich ergebenden schwierigen praktischen Probleme werden in Verhandlungen der beiden Konfliktparteien zu l\u00f6sen sein.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.scribd.com\/document\/410140639\/Aufruf-von-Judischen-und-Israelischen-Wissenschaftler-an-Deutsche-Parteien-zu-BDS\">[12]\u00a0\u00a0 https:\/\/www.scribd.com\/document\/410140639\/Aufruf-von-Judischen-und-Israelischen-Wissenschaftler-an-Deutsche-Parteien-zu-BDS<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.scribd.com\/document\/412474418\/Aufruf-von-240-Judischen-und-Israelischen-Wissenschaftlern-an-die-Bundesregierung-zu-BDS-und-Antisemitismus\">https:\/\/www.scribd.com\/document\/412474418\/Aufruf-von-240-Judischen-und-Israelischen-Wissenschaftlern-an-die-Bundesregierung-zu-BDS-und-Antisemitismu<\/a><a href=\"https:\/\/www.scribd.com\/document\/412474418\/Aufruf-von-240-Judischen-und-Israelischen-Wissenschaftlern-an-die-Bundesregierung-zu-BDS-und-Antisemitismus\">s<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/vereinte-nationen-uno-ruegt-antisemitismus-beschluss-des-bundestags-a-1293375.html\">[13]\u00a0\u00a0 https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/vereinte-nationen-uno-ruegt-antisemitismus-beschluss-des-bundestags-a-1293375.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\"><\/a><a href=\"http:\/\/bds-kampagne.de\/2019\/09\/17\/ein-weiteres-deutsches-gericht-entscheidet-zugunsten-von-anhaengern-der-bds-bewegung\/\">[14]\u00a0\u00a0 http:\/\/bds-kampagne.de\/2019\/09\/17\/ein-weiteres-deutsches-gericht-entscheidet-zugunsten-von-anhaengern-der-bds-bewegung\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/stadt-unterliegt-in-rechtsstreit-umstrittene-filmvorfuehrung-1.4369928\">[15]\u00a0\u00a0 https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/stadt-unterliegt-in-rechtsstreit-umstrittene-filmvorfuehrung-1.4369928<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0\u00a0 Als ein Beispiel an welchen Abgr\u00fcnden diese Politik entlangschrammt zitieren wir eine Passage aus einer Rede von Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanyahu vom 29. Aug. 2018: Es sei eine schlichte Wahrheit (\u201esimple truth\u201c) der Geschichte, dass es in ihr \u201ekeinen\u00a0 Platz f\u00fcr die Schwachen gebe. die Schwachen w\u00fcrden zerbr\u00f6ckeln, w\u00fcrden niedergemacht und aus der Geschichte gel\u00f6scht, w\u00e4hrend die Starken \u00fcberleben und respektiert w\u00fcrden\u201c, zitiert nach Rainer Mausfeld, Warum schweigen die L\u00e4mmer. Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerst\u00f6ren, 2. Auflage, Frankfurt 2019, Seite 218, FN 8.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zum\u00a0 Vorhaben der Beschlussfassung einer \u201eErkl\u00e4rung gegen Antisemitismus\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5277","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5277"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5277\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5295,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5277\/revisions\/5295"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}