{"id":5303,"date":"2019-11-15T21:41:12","date_gmt":"2019-11-15T21:41:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5303"},"modified":"2019-11-21T15:20:09","modified_gmt":"2019-11-21T15:20:09","slug":"medieninformation-zum-beschluss-gegen-antisemitismus-antizionismus-und-bds","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=5303","title":{"rendered":"Medieninformation  zum Beschluss gegen Antisemitismus, Antizionismus und BDS"},"content":{"rendered":"<p><em>Stadtparlament leistet Hilfe bei der Unterdr\u00fcckung der Kritik an Israel<\/em><\/p>\n<p><em>Menschenrechtsbeirat nicht einbezogen<\/em><\/p>\n<p>Kein Name fiel in der\u00a0 Grazer Gemeinderatssitzung vom 14. Nov. 2019 \u00f6fter als der von Elie Rosen. Hatte sich der Vorsitzende der J\u00fcdischen Gemeinde doch selbst in die Besuchergalerie des Rathauses gesetzt, um der Zustimmung zum \u201eBeschluss gegen Extremismus\/Antisemitismus\u201c beizuwohnen. Eine Entscheidung f\u00fcr die er lange lobbyiert hatte. <!--more-->Insbesondere die Gemeinder\u00e4tInnen der FP\u00d6 und \u00d6VP, welche die Mehrheit im Gemeinderat bilden, beriefen sich auf das Bem\u00fchen\u00a0 des Herrn Rosen, betreffend Verabschiedung einer derartigen Resolution, insbesondere mit Erw\u00e4hnung von \u201eAntizionismus\u201c und \u201eBDS\u201c. Mario Eustacchio, langj\u00e4hriger FP\u00d6- Funktion\u00e4r und Vizeb\u00fcrgermeister, zuletzt in den Schlagzeilen wegen Verteidigung der Identit\u00e4ren, begr\u00fc\u00dfte Herrn Rosen mit einem \u201eHerr Pr\u00e4sident, heute wirst Du \u00f6fter bem\u00fcht\u201c und schilderte, wie er nach dem von Pr\u00e4sident Rosen ge\u00e4u\u00dferten Wunsch mit dem Koalitionspartner \u00d6VP sogleich \u00fcbereingekommen sei, dass Graz eine derartige Beschlussfassung brauche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Menschenrechtsbeirat ignoriert<\/strong><\/p>\n<p>Wiederholt wurde in der Debatte auf die \u201eMenschenrechtsstadt Graz\u201c Bezug genommen, und das, obwohl der Menschenrechtsbeirat v\u00f6llig ungen\u00fcgend in den Diskussionsprozess miteinbezogen worden war. Gr\u00fcne und KP\u00d6 pl\u00e4dierten daher f\u00fcr eine Verschiebung der Verabschiedung bis zur n\u00e4chsten Sitzung Anfang Dezember. \u00d6VP und FP\u00d6 jedoch war es daran gelegen, den Beschluss rasch durchzubringen.<\/p>\n<p>Die KP\u00d6, seit 2017 zweitgr\u00f6\u00dfte Fraktion im Rathaus, wollte den Begriff \u201cAntizionismus\u201c herausreklamieren. Dieser d\u00fcrfe nicht gleichgesetzt werden mit Antisemitismus, denn er sei Ausdruck einer \u201ezutiefst nationalistischen Haltung\u201c, welche die KP\u00d6 nicht goutiere. Der Antrag sei einseitig\u00a0 zugeschnitten auf die BDS-Bewegung, der die KP\u00d6 zwar auch nicht n\u00e4hertreten wolle, jedoch fehle im\u00a0 Antrag die Abgrenzung vom rassistischen deutschnationalen Antisemitismus.<\/p>\n<p>Auch die Gr\u00fcnen machten geltend, dass 94% des Antisemitismus auf rechtsextremen Kreisen komme, beharrten aber darauf, dass der \u201eversteckte Antisemitismus\u201c umso wichtiger sei, und dass zwar nicht alle in der BDS-Bewegung Antisemiten seien, aber es gen\u00fcgend Belege g\u00e4be, dass sie das Existenzrecht Israels bestreite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eImportierter Antisemitismus\u201c und die Angst vor einer gewaltlosen internationalen Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4tsbewegung<\/strong><\/p>\n<p>Der Ton der Gr\u00fcnen wurde von B\u00fcrgermeister Nagl gerne aufgegriffen.In 10 Punkten\u00a0 listete er die bekannten Argumente der BDS-GegnerInnen auf. Selbstredend fehlte der Hinweis auf den \u201eimportierten Antisemitismus\u201c nicht, mit dem \u201e3\/4 unserer Mitb\u00fcrger ein gro\u00dfes Problem haben\u201c. Heute, so Nagl, gehe es aber einmal \u201enur um BDS\u201c. Diese sei gem\u00e4\u00df Anne-Frank-Zentrum in Hessen antisemitisch, weil sie das R\u00fcckkehrrecht (f\u00fcr die vertriebenen Pal\u00e4stinenserInnen) fordere, und dieses w\u00fcrde \u201enicht Frieden, sondern Krieg\u201c bedeuten. Weiters st\u00f6re der Vergleich mit S\u00fcdafrika, sei ja Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten, usw. Zur L\u00f6sung des Konflikts dort k\u00f6nne man nichts beitragen. Ihm gehe es ausschlie\u00dflich darum, dass die j\u00fcdischen B\u00fcrgerInnen in Graz keine Angst haben m\u00fcssten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Antrag von KP\u00d6 nach einer Einzelabstimmung der einzelnen\u00a0 Beschlusspunkte wurde abgelehnt. Konsequenterweise trug\u00a0 die KP\u00d6 als einzige Fraktion die Erkl\u00e4rung nicht mit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Res\u00fcmee:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Weder der Menschenrechtsbeirat, noch die Argumente der Friedens- bzw. Solidarit\u00e4tsgruppen wurden einbezogen. Man berief sich ausschlie\u00dflich auf prozionistische Stimmen und Unterlagen. Kritische Studien \u2013 wie etwa die k\u00fcrzlich erschienene des Antisemitismusforschers Peter Ullrich &#8211; wurden ignoriert.<\/li>\n<li>Mandatare von KP\u00d6, Gr\u00fcne und SP\u00d6 monierten, dass es keine M\u00f6glichkeit zur politischen Diskussion zwischen den Fraktionen gegeben habe. Sie seien von VP\/FP \u00fcber die Zeitung vor vollendete Tatsachen gestellt worden.<\/li>\n<li>Entsprechend \u2013 also ohne jedwede einigerma\u00dfen differenzierte Analyse \u2013 wurden ausschlie\u00dflich Anti-BDS-Argumente vorgebracht.<\/li>\n<li>Das V\u00f6lkerrecht und die zahlreichen UN-Resolutionen wurden schlichtweg missachtet. Der Beschluss war ein Dienst an einer kleinen aber einflussreichen proisraelisch-nationalistischen Interessensvertretung. Dessen Zweck ist die Tabuisierung der Politik Israels. Mit der zustimmenden Erw\u00e4hnung der daf\u00fcr vom rechten Likud-Minister Natan Sharansky entwickelten \u201e3-D-Definition\u201c &#8211; zugespitzt: Israel darf nur kritisieren, wer zuvor auch Saudi-Arabien und das Regime Assad kritisiert hat \u2013 schreckte man auch vor geistigen Anleihen von ganz rechts nicht zur\u00fcck.<\/li>\n<li>Mit keinem Wort fanden jene j\u00fcdischen Menschen und Organisationen Erw\u00e4hnung, die BDS gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz nehmen, vor einer Vermischung von Antisemitismus mit Antizionismus warnen und die selbst harsche Kritik an der rechtsnationalistischen Politik Israels \u00fcben. Vor die Wahl gestellt, wo man stehen m\u00f6chte, entschied man sich in Graz f\u00fcr die Netanyahus und Liebermans und fiel der israelisch\/j\u00fcdischen-pal\u00e4stinensischen Friedens- und Menschenrechtsbewegung in den R\u00fccken.<\/li>\n<li>Mehrfach wurde das Existenzrecht Israels beschworen. Welches konkrete Besatzungs- und Unterdr\u00fcckungsregime man da mit verteidigt, war nebens\u00e4chlich. Dass auch das pal\u00e4stinensische Volk Rechte haben k\u00f6nnte, spielte bei den Antragstellern keine Rolle, auch nicht bei den Gr\u00fcnen. Die bestehende riesige Macht\u00fcberlegenheit Israels und das daraus folgende Scheitern aller bisherigen Friedensbem\u00fchungen war keiner Erw\u00e4hnung wert.<\/li>\n<li>Die Menschenrechte, die jede\/r so gern in den Mund nahm, gelten nach Daf\u00fcrhalten der Mehrheiten in diesem Stadtparlament nicht f\u00fcr alle Menschen gleich. Denn die Lage der Pal\u00e4stinenserInnen unter Besatzung, Blockade und nationalistischer Gesetzgebung wurden total ausgeblendet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die schwarz-blau regierte Stadt Graz leistet mit dieser Erkl\u00e4rung\u00a0 einen weiteren Beitrag zur autorit\u00e4ren Rechtswende. Auch die Gr\u00fcnen orten aktuellen Antisemitismus zunehmend in einem \u201emuslimischen, insbesondere arabischen Milieu\u201c. Definitionen von Antisemitismus werden jenen Kr\u00e4ften \u00fcberlassen, die sich letztlich mit der rechtsnationalistischen israelischen Regierung im Boot wissen. Hier haben sich verwandte Ideologien gefunden. Kritik an brutalen Praktiken der Machtstaatspolitik Israels wird in Graz zuk\u00fcnftig vermehrt unter Antisemitismusverdacht stehen. \u00d6ffentliche R\u00e4ume stehen daf\u00fcr nicht mehr zur Verf\u00fcgung. Gef\u00f6rderten Institutionen und Vereinen wird im Bezug auf den schier unendlichen und bitteren Konflikt um das historische Pal\u00e4stina ein Knebel verpasst. Der Deutsche Bundestag, mehrere deutsche St\u00e4dte und Wien wurden mit \u00e4hnlichen Beschl\u00fcssen als Vorbilder erw\u00e4hnt. Dass hohe UN-Amtstr\u00e4ger sich \u00fcber diese Einschr\u00e4nkungen der in der UN-Menschenrechtscharta verb\u00fcrgten Meinungsfreiheit besorgt ge\u00e4u\u00dfert und deutsche Gerichte mehrere Saalverbote bereits als unstatthafte Eingriffe in die Grundrechte beurteilt haben, wurde ignoriert. Das kann man ignorieren, wenn man sich in einer elit\u00e4r gef\u00fchrten breiten \u00a0Gesinnungsgemeinschaft w\u00e4hnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ganz sicher wurde am 14. November 2019 der Glaubw\u00fcrdigkeit des Bekenntnisses der Stadt Graz zu Menschenrechten und einer offenen demokratischen Diskussionskultur kein guter Dienst erwiesen.Wie war das? Die Geschichte lehrt ununterbrochen, aber sie findet keine Sch\u00fclerInnen. Graz hat&#8217;s bewiesen \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Steirische Friedensplattform<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/AktivistInnen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5309 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/AktivistInnen-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"288\" srcset=\"http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/AktivistInnen-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/AktivistInnen-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/AktivistInnen-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/AktivistInnen.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stadtparlament leistet Hilfe bei der Unterdr\u00fcckung der Kritik an Israel Menschenrechtsbeirat nicht einbezogen Kein Name fiel in der\u00a0 Grazer Gemeinderatssitzung vom 14. 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