{"id":6673,"date":"2022-02-10T18:58:13","date_gmt":"2022-02-10T18:58:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=6673"},"modified":"2022-02-10T18:58:13","modified_gmt":"2022-02-10T18:58:13","slug":"krone-schmalz-offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-bildung-noch-die-fantasie-aus-um-sich-die-schrecken-des-krieges-vorzustellen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=6673","title":{"rendered":"Krone-Schmalz: \u201eOffenbar reicht bei vielen weder die Bildung noch die Fantasie aus, um sich die Schrecken des Krieges vorzustellen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"author\">Ein Artikel von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?gastautor=marcus-kloeckner\">Marcus Kl\u00f6ckner<\/a><\/span>\/ Nachdenkseiten<\/p>\n<p>\u201eWas heute fehlt, ist eine kraftvolle Friedensbewegung, die m\u00f6glichst unideologisch und nicht in Grabenk\u00e4mpfen verstrickt eine einfache, klare Forderung formuliert: Wir haben die Nase voll von S\u00e4belrasseln (\u2026).\u201c<br \/>\nDas sagt die Autorin und Journalistin <strong>Gabriele Krone-Schmalz <\/strong>im NachDenkSeiten-Interview.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Krone-Schmalz, die viele Jahre als ARD-Korrespondentin in Russland gearbeitet hat, zeigt sich \u201ehochgradig besorgt\u201c \u00fcber die aktuellen Entwicklungen zwischen der NATO und Russland. Im Interview erkl\u00e4rt Krone-Schmalz, was die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind, dass es keine neue \u201eOstpolitik\u201c gibt und beleuchtet die geostrategischen Hintergr\u00fcnde im Hinblick auf den Ukraine-Konflikt. Von <strong>Marcus Kl\u00f6ckner<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf\u00fcgbar.<\/em><br \/>\n<span id=\"more-80630\"><\/span><\/p>\n<div id=\"powerpress_player_2406\" class=\"powerpress_player\"><span class=\"mejs-offscreen\">Audio-Player<\/span><\/p>\n<div id=\"mep_0\" class=\"mejs-container wp-audio-shortcode mejs-audio mejs-container-keyboard-inactive\" tabindex=\"0\" role=\"application\" aria-label=\"Audio-Player\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"mejs-time mejs-currenttime-container\" role=\"timer\" aria-live=\"off\"><span class=\"mejs-currenttime\">17:29<\/span><\/div>\n<div class=\"mejs-time-rail\"><\/div>\n<div class=\"mejs-time mejs-duration-container\"><span class=\"mejs-duration\">17:44<\/span><\/div>\n<div class=\"mejs-button mejs-volume-button mejs-mute\"><\/div>\n<div id=\"powerpress_player_2406\" class=\"powerpress_player\">\n<div id=\"mep_0\" class=\"mejs-container wp-audio-shortcode mejs-audio mejs-container-keyboard-inactive\" tabindex=\"0\" role=\"application\" aria-label=\"Audio-Player\">\n<div class=\"mejs-inner\">\n<div class=\"mejs-controls\"><a class=\"mejs-horizontal-volume-slider\" role=\"slider\" aria-label=\"Lautst\u00e4rkeregler\" aria-valuemin=\"0\" aria-valuemax=\"100\" aria-valuenow=\"80\" aria-valuetext=\"80%\"><span class=\"mejs-offscreen\">Pfeiltasten Hoch\/Runter benutzen, um die Lautst\u00e4rke zu regeln.<\/span><\/a><\/p>\n<div class=\"mejs-horizontal-volume-total\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a class=\"powerpress_link_pinw\" title=\"Play in new window\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Play in new window<\/a> | <a class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3\" rel=\"nofollow\" download=\"220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p>\n<p><strong>Frau Krone-Schmalz, seit Monaten geht es in den Medien verst\u00e4rkt darum, ob es einen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80606\">Krieg<\/a> zwischen Russland und der Ukraine geben wird. Selbst die Frage, ob daraus ein Krieg entstehen k\u00f6nnte, in den dann auch die NATO involviert w\u00e4re, ist auf dem Tisch. Wie blicken Sie auf diese Entwicklung<\/strong>?<\/p>\n<p>Hochgradig besorgt. St\u00e4ndig liest man Meldungen wie: Der amerikanische Pr\u00e4sident Biden warnt vor einem unmittelbar bevorstehenden russischen Einmarsch. Die baltischen Staaten bereiten sich auf einen russischen Angriff vor etc. etc. Man bekommt den Eindruck, einigen Journalisten kann es gar nicht schnell genug gehen mit dem Krieg. Am 4. Februar setzte die amerikanische Agentur Bloomberg eine Eilmeldung auf ihre Webseite: \u201eLive: Russland marschiert in die Ukraine ein\u201c. Diese Falschmeldung konnte man dort immerhin 30 Minuten lang lesen. Ich finde den Vorgang bezeichnend f\u00fcr die hysterische und sensationsl\u00fcsterne Stimmung in manchen Medien. Warum befasst man sich nicht mit den Dingen, die greifbar sind, statt sich in immer wilderen Spekulationen \u00fcber m\u00f6gliche Entwicklungen zu verlieren? Der russische Truppenaufmarsch, die westliche Reaktion, die Forderungen Russlands in Zusammenhang mit Sicherheitsinteressen, die westliche Antwort bzw. westliche Vorschl\u00e4ge, die diplomatischen Aktivit\u00e4ten \u2013 mit der genauen Wiedergabe und Analyse dieser Dinge sind wir gut besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><strong>Das Wort Krieg geht vielen Medien erstaunlich schnell von der Hand. Auch wenn die Frage vielleicht banal klingt: Was hei\u00dft \u201eKrieg\u201c? <\/strong><\/p>\n<p>Ich habe das Gl\u00fcck, selbst nie Krieg erlebt zu haben, im Gegensatz zu meinem Mann und meinen Eltern. Und ich habe das Gl\u00fcck, dass ich mit allen dreien dar\u00fcber habe reden k\u00f6nnen. Krieg ist Horror und nicht nur aseptische Joystick-Aktivit\u00e4t in durchgestylten IT-R\u00e4umen. Aber offenbar reicht bei vielen weder die Bildung noch die Fantasie aus, um sich die Schrecken des Krieges vorzustellen. Anders kann ich mir das Verhalten nicht erkl\u00e4ren. Willy Brandt hat einmal gesagt: \u201eFrieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.\u201c<\/p>\n<p><strong>In den Medien gibt es kaum Zweifel daran, wer \u201egut\u201c, wer \u201eb\u00f6se\u201c ist, also von wem die Aggression ausgeht. Was ist die Realit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Realit\u00e4t ist das so eine Sache. Von Geraldine Chaplin stammt der Satz: Wahrheit ist selten so <em>oder<\/em> so, meistens ist sie so <em>und<\/em> so. Unabh\u00e4ngig von L\u00fcgen, die es nat\u00fcrlich auch gibt, haben verschiedene Narrative durchaus ihre Berechtigung. Bei der Betrachtung existenzieller Fragen empfiehlt sich immer ein Perspektivwechsel. Nur aus dem eigenen Blickwinkel betrachtet, wird es schwer, L\u00f6sungen zu finden, von denen alle Seiten profitieren. Und die simple Unterteilung in \u201egut\u201c und \u201eb\u00f6se\u201c habe ich in meinen B\u00fcchern immer wieder aufs Korn genommen. Denn so einfach ist es meistens nicht. Nehmen Sie nur die Berichterstattung \u00fcber Minsk 2. Wer sich mit dem Abkommen nicht auskennt, muss den Eindruck bekommen, es seien vor allem Russland und die Separatisten, die blockieren. In Wahrheit setzt aber auch die Ukraine zentrale Teile des Abkommens nicht um, weil es in einem Moment der milit\u00e4rischen Schw\u00e4che ausgehandelt wurde und Kiew auf einen besseren Deal hofft.<\/p>\n<p><strong>Der Begriff \u201egeostrategische Interessen\u201c wird in deutschen Medien oft nur im Zusammenhang mit dem Handeln der russischen Regierung betrachtet. Aber viele L\u00e4nder haben geostrategische Interessen. Und ein B\u00fcndnis wie die NATO ist auch nicht befreit davon. Was sind die geostrategischen Interessen der USA, der NATO in diesem Konflikt mit Russland? <\/strong><\/p>\n<p>In der Tat kann man bei manchen \u00c4u\u00dferungen den Eindruck gewinnen, als denke man nur noch in Moskau in geopolitischen Einflusszonen. Doch wie glaubw\u00fcrdig ist das? Etwa, wenn man sich die amerikanische Politik im Nahen Osten anschaut. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Aufl\u00f6sung von Warschauer Pakt und Sowjetunion waren die USA die alleinige Supermacht, und eine Zeitlang sah es so aus, als k\u00f6nnten sie ihre Ordnung weltweit durchsetzen. Das geopolitische Interesse der USA war es seitdem, daf\u00fcr zu sorgen, dass kein Rivale auf der Weltb\u00fchne auftaucht, der sie in derselben Weise herausfordern k\u00f6nnte, wie die Sowjetunion es getan hatte. Eine solche kritische Masse k\u00f6nnte erreicht sein, wenn es Russland gel\u00e4nge, Wei\u00dfrussland und die Ukraine zu schlucken, so stand es 1992 in Papieren des Pentagon, die ma\u00dfgeblich Paul Wolfowitz entworfen hatte, sp\u00e4ter stellvertretender Verteidigungsminister unter George W. Bush. Der heutige Konflikt ist sicher vielschichtig. Aber ich w\u00e4re sehr \u00fcberrascht, wenn diese Hintergr\u00fcnde nicht auch eine Rolle spielen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Und welche geostrategischen Interessen sind auf russischer Seite auszumachen?<\/strong><\/p>\n<p>Russland hat den Anspruch, ein eigenst\u00e4ndiger Pol der Weltpolitik zu sein und zu bleiben. Daf\u00fcr ist zum Beispiel die M\u00f6glichkeit, eine Blockade des Schwarzen Meeres durch die NATO verhindern zu k\u00f6nnen, von elementarer Bedeutung. Nur wer sich diesen geostrategischen Zusammenhang vergegenw\u00e4rtigt, versteht die Bedeutung der Krim sowie die von Abchasien in Georgien. Wenn die NATO unmittelbar an russische Grenzen heranr\u00fcckt, dann schr\u00e4nkt das den geopolitischen Spielraum Russlands ein, genau wie es Washington vermutlich auch beabsichtigt. Aber es geht auch generell darum, auf internationalem Parkett als ein solcher unabh\u00e4ngiger Pol wahrgenommen und respektiert zu werden. Dass Russland daf\u00fcr auf milit\u00e4rische Drohungen zur\u00fcckgreifen muss, ist eher ein Zeichen von Schw\u00e4che als von St\u00e4rke \u2013 und auch bezeichnend daf\u00fcr, wie der Westen viele Jahre mit Russland umgegangen ist.<\/p>\n<p><strong>All das, was Sie ausf\u00fchren, ist im Grunde genommen ja <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43655\">nicht neu<\/a>. Wohl die meisten Beobachter, die auf den Ukraine-Konflikt blicken, wissen, dass es im Kern um massive geostrategische Interessen auf beiden Seiten geht. Und trotzdem h\u00e4lt sich das Bild in den Medien von Russland, das angeblich als Aggressor handelt und \u201eder Westen\u201c das Unschuldslamm ist. Wenn westliche Staaten der Ukraine \u201ebeistehen\u201c, dann nur aus den edelsten Motiven.<br \/>\nSind wir damit dann inmitten der Propaganda oder gar einer kriegsvorbereitenden Propaganda? <\/strong><\/p>\n<p>Ich finde es in der Tat problematisch, wenn sich L\u00e4nder so bedingungslos auf eine Seite stellen, statt die Chance zu ergreifen, bei einem Konflikt zu vermitteln. Man kann Vieles kritisieren mit Blick auf russische Politik, aber das wird nicht glaubw\u00fcrdiger dadurch, dass man beide Augen zudr\u00fcckt, sobald es sich um die Ukraine handelt. Die Art, wie zurzeit der ukrainische Botschafter in Deutschland sowohl von der Politik als auch von den Medien hofiert wird, finde ich mehr als befremdlich, und sein Auftreten \u2013 bei allem Respekt \u2013 unversch\u00e4mt. Man stelle sich vor, der deutsche Botschafter in Kiew ruft die ukrainische Bev\u00f6lkerung auf, endlich ihrer Regierung nachdr\u00fccklich deutlich zu machen, was sie zu tun hat, um sich nicht dem Vorwurf unterlassener Hilfeleistung auszusetzen.<\/p>\n<p><strong>Noch mal: Im Grunde genommen ist der Konflikt zwischen der Ukraine, Russland und der NATO nicht so schwer zu durchschauen. Man muss sich nur vorstellen, was w\u00e4re, wenn Russland versuchen w\u00fcrde, beispielsweise Mexiko immer n\u00e4her \u2013 auch milit\u00e4risch \u2013 an sich zu binden.<br \/>\nUnd dennoch zeichnen Medien ein sehr einseitiges Bild dieses Konfliktes. Ist das Vorsatz? <\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, mit eindimensionalen Erkl\u00e4rungen kommt man nicht weit. Es hat ja Gr\u00fcnde, warum diese Mechanismen und das Entstehen von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80613\">Freund-Feind-Bildern<\/a> immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind.<\/p>\n<p>Einseitige Bilder werden dadurch beg\u00fcnstigt, dass komplizierte Zusammenh\u00e4nge in kurzer Zeit einfach und verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt werden m\u00fcssen. Das Bewusstsein, auf der guten Seite zu stehen, verbunden mit missionarischem Eifer, spielt sicher auch eine Rolle. Und schlie\u00dflich darf man die Techniken von Staaten und Thinktanks nicht untersch\u00e4tzen, die Deutungshoheit \u00fcber die Bewertung politischer Entwicklungen zu erlangen. Das funktioniert \u00fcberall. Deshalb ist es so wichtig, in der Journalistenausbildung nicht nur Handwerk zu vermitteln, sondern auch die F\u00e4higkeit, gegen alle Widerst\u00e4nde Verantwortung zu \u00fcbernehmen und sich den Blick durch nichts und niemanden verengen zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Medien haben sich die Tage dar\u00fcber echauffiert, dass Deutschland \u201enur\u201c 5000 Helme an die Ukraine liefern werde. In der \u201eliberalen Zeit\u201c fragt ein Kolumnist allen Ernstes: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2022-01\/deutsche-aussenpolitik-ukraine-waffenlieferung-5vor8?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE\">\u201eWas ist los mit Deutschland?\u201c<\/a><\/strong><\/p>\n<p>L\u00e4cherlich ist nicht die Lieferung der 5.000 Helme, wie \u00fcberall gen\u00fcsslich zitiert und berichtet wird. L\u00e4cherlich ist der Vorgang. Nach meinem Kenntnisstand hat die Ukraine ganz allgemein nach Helmen und Schutzwesten gefragt f\u00fcr all die Zivilisten, die jetzt den Krieg proben. Und zwar ohne eine konkrete Zahl zu nennen. In Deutschland konnte man offenbar auf Anhieb 5.000 Helme entbehren und hat sie sofort auf die Reise geschickt. Erst dann tauchte die Zahl von 100.000 Helmen auf, um die die Ukraine gebeten habe. Dagegen wirken die 5.000 Helme nat\u00fcrlich etwas albern. Der ukrainische Botschafter, der am 6. Februar in der Talkshow von Anne Will sa\u00df, ist der Frage nach der Chronologie der Geschichte ausgewichen und leider nicht gedr\u00e4ngt worden zu antworten. \u2013 Der \u201eSchenkelklopfer\u201c wird uns also wohl erhalten bleiben.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80591\">Kann es sein, dass manche Journalisten in Deutschland schlicht im Geschichtsunterricht nicht anwesend waren<\/a>? Wie kann man als Journalist alleine schon aufgrund der historischen Hintergr\u00fcnde allen Ernstes wollen, dass sich Deutschland an einer Aufr\u00fcstung eines Landes gegen Russland beteiligt? <\/strong><\/p>\n<p>Manche stellen sich ja auf den Standpunkt, die Ukraine habe es im Zweiten Weltkrieg mindestens so hart getroffen wie Russland \u2013 \u00e4hnlich wie Wei\u00dfrussland, denn beide L\u00e4nder muss man ja erstmal durchqueren, bevor man in Russland ankommt \u2013 und leiten daraus ganz im Gegenteil die Verpflichtung Deutschlands ab, der Ukraine jetzt zu Hilfe zu kommen. Damit werden die verschiedenen Opfergruppen gegeneinander ausgespielt. Ich kann dem nicht folgen. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass es Frieden in Europa nur mit Russland geben kann und nicht ohne, schon gar nicht gegen. Es sollte also auch im Interesse der Ukraine liegen, auf jeden Fall einen Krieg zu vermeiden, und das erreicht man, wie die Geschichte zeigt, nicht durch Aufr\u00fcstung, sondern nur durch Diplomatie.<\/p>\n<p><strong>Wir reden jetzt viel \u00fcber die Medien. Vielleicht ja auch zu viel. Aber mein Eindruck ist, dass bestimmte Medien und Journalisten sich nicht im Ansatz dar\u00fcber im Klaren sind, was sie mit ihrer z\u00fcndelnden \u201eBerichterstattung\u201c anrichten. Wie sehen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Kollegin in Washington hat das (am 7.2.) in ihrer Berichterstattung \u00fcber den Besuch des deutschen Bundeskanzlers Scholz beim amerikanischen Pr\u00e4sidenten Biden sehr gut auf den Punkt gebracht. Sie hat gesagt: \u201eDie wahre Nagelprobe wird nicht das Gespr\u00e4ch mit Biden sein, sondern hinterher die Fragen der Journalisten.\u201c Da kann man nur noch den Kopf sch\u00fctteln. Vielen Journalisten passt offenbar nicht, dass die Bundesregierung, \u00fcbrigens im Verbund mit Frankreich, nicht v\u00f6llig auf die Position der Scharfmacher in Washington, London, Warschau und den baltischen Staaten einschwenkt. Und sie haben beschlossen, nicht locker zu lassen, bis der Kanzler einknickt. Doch welche Legitimation haben Journalisten eigentlich, auf diese Weise selbst Politik zu machen? Wer hat sie gew\u00e4hlt? Vor wem m\u00fcssen sie sich rechtfertigen, wenn es schiefgeht? Und es ist schon abenteuerlich, wie sehr die eigene Regierung da manchmal herabgew\u00fcrdigt wird. Von \u201eJesuslatschen\u201c ist zu lesen, auf denen der Kanzler unterwegs sei, seine Politik sei \u201eblamabel\u201c, \u201epeinlich\u201c und dergleichen. Damit besch\u00e4digt man im Endeffekt auch unsere demokratischen Institutionen.<\/p>\n<p><strong>Was m\u00fcsste aus Ihrer Sicht passieren, damit es nicht zu einem Krieg kommt?<\/strong><\/p>\n<p>Journalisten sollten parteipolitische Spielchen entlarven, statt sie mitzuspielen, und endlich damit aufh\u00f6ren, Horrorszenarien zu entwerfen, mit denen sie Politikern m\u00f6glichst markige Worte dazu abn\u00f6tigen, was sie alles im K\u00f6cher haben, <em>wenn\u2026<\/em><\/p>\n<p>Das ist die eine Seite.<\/p>\n<p>Politiker sollten sich nicht kirre machen lassen, sondern das durchziehen, wof\u00fcr sie schlie\u00dflich auch Verantwortung \u00fcbernehmen m\u00fcssen. So etwas wie Helsinki 2.0, also eine gro\u00dfe Sicherheitskonferenz, w\u00e4re ganz bestimmt hilfreich. Das kann aber nur gelingen, wenn Verhandeln und Kompromiss nicht als Schw\u00e4che ausgelegt werden, und \u2013 um auf die Journalisten zur\u00fcckzukommen \u2013 wenn Journalisten endlich aufh\u00f6ren, Fragen zu stellen wie: Wer hat gewonnen, wer verloren, was ist mit dem Gesichtsverlust? Etwas Unwichtigeres kann ich mir zurzeit kaum vorstellen.<\/p>\n<p><strong>Warum ist es so schwer, eine Art \u201eneue Ostpolitik\u201c aufzuziehen?<br \/>\nWo sind deutsche Politiker, die dazu sowohl f\u00e4hig als auch willens w\u00e4ren? <\/strong><\/p>\n<p>Weil es in den Leitmedien nicht mehr zu Debatten kommt und alles abgeb\u00fcgelt wird, was nur nach Verst\u00e4ndigung mit Russland riecht. Auch die \u201eneue Ostpolitik\u201c Anfang der 70er Jahre wurde als Vaterlandsverrat diffamiert und deren Vertreter als F\u00fcnfte Kolonne gebrandmarkt. Heute erledigt man das mit Begriffen wie \u201eRusslandversteher\u201c, \u201ePutinversteher\u201c und \u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker\u201c. Leitmedien haben die Deutungshoheit \u00fcbernommen und wer da vorkommen will, muss mit den W\u00f6lfen heulen. Was heute fehlt, ist eine kraftvolle Friedensbewegung, die m\u00f6glichst unideologisch und nicht in Grabenk\u00e4mpfen verstrickt eine einfache, klare Forderung formuliert: Wir haben die Nase voll von S\u00e4belrasseln, egal auf welcher Seite, wir wollen Entspannungspolitik und die Ideen dazu \u00fcberall lesen, h\u00f6ren und sehen, damit wir uns damit auseinandersetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Titelbild: kirill_makarov\/shutterstock.com<\/p>\n<p><em>Lesetipp: Krone-Schmalz, Gabriele: Respekt geht anders. Betrachtungen \u00fcber unser zerstrittenes Land. C.H. Beck Paperback, 16. Oktober 2020. S. 174. 14,90 Euro<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Artikel von Marcus Kl\u00f6ckner\/ Nachdenkseiten \u201eWas heute fehlt, ist eine kraftvolle Friedensbewegung, die m\u00f6glichst unideologisch und nicht in Grabenk\u00e4mpfen verstrickt eine einfache, klare Forderung formuliert: Wir haben die Nase voll von S\u00e4belrasseln (\u2026).\u201c Das sagt die Autorin und Journalistin Gabriele Krone-Schmalz im NachDenkSeiten-Interview.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6673","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6673"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6675,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6673\/revisions\/6675"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}