{"id":1525,"date":"2011-02-16T22:07:57","date_gmt":"2011-02-16T20:07:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=1525"},"modified":"2011-02-16T22:07:57","modified_gmt":"2011-02-16T20:07:57","slug":"das-ist-soviel-wie-senf-vermischt-mit-pudding-beides-zusammen-ist-zum-kotzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=1525","title":{"rendered":"&quot;Das ist soviel wie Senf, vermischt mit Pudding. Beides zusammen ist zum Kotzen&quot;"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/themen\/Sicherheitskonferenz\/2011-drewermann.html\" target=\"_blank\">AG Friedensforschung:<\/a><\/p>\n<p>Rede von Eugen Drewermann auf der Friedenskundgebung gegen die M\u00fcnchner &#8222;Sicherheitskonferenz&#8220;<\/p>\n<p>Im Folgenden dokumentieren wir die mit gro\u00dfer Auferksamkeit und viel Beifall aufgenommene Rede von Eugen Drewermann auf dem M\u00fcnchner Marienplatz am 5. Februar 2011. Anlass waren die Proteste gegen die sog. &#8222;Sicherheitskonferenz&#8220;, die zur gleichen Zeit im Bayerischen Hof stattfand. Es handelt sich bei dem folgenden Text um die Abschrift der frei gehaltenen Rede.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Neben Drewermann sprachen noch Walter Listl und Sevim Dagdelen (MdB). Deren Reden sind hier dokumentiert.<\/p>\n<p>Eugen Drewermann<\/p>\n<p>M\u00fcnchen, 5. Februar 2011<\/p>\n<p>Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens, liebe B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger,<\/p>\n<p>wir stehen hier auf dem Marienplatz in M\u00fcnchen, weil im Reichstag in Berlin und im Bayerischen Hof Volksvertreter sitzen, die das Volk nicht vertreten, indem sie ihr Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Krieg abgeben, w\u00e4hrend 70 Prozent des deutschen Volkes nach zehn Jahren des Mordens kein anderes Votum hat, als &#8218;Raus aus Afghanistan&#8216;. Das ist es, was wir heute Nachmittag den Herren Ischinger und Co. zu sagen haben: \u201eRaus aus Afghanistan, raus aus der NATO, Schluss mit dem neokolonialen Militarismus und endlich ein Anfang wirklicher Friedenspolitik.\u201c<\/p>\n<p>Der Krieg in Afghanistan hat begonnen mit einer L\u00fcge und er wird fortgef\u00fchrt mit einer L\u00fcge. Angeblich war er n\u00f6tig in unbedingter Solidarit\u00e4t mit den Vereinigten Staaten von Amerika als Antwort auf den 11. September 2001. Jeder wei\u00df, dass die Sicherheit Europas oder Amerikas nicht von den Afghanen bedroht wird. Seit mehr als 2.000 Jahren ist von diesem Gel\u00e4nde kein Krieg in irgendeiner Richtung ausgegangen. Stattdessen aber hat Afghanistan seit dem 19. Jahrhundert 5 Kriege durch europ\u00e4ische M\u00e4chte erlebt, drei durch die Briten, einer durch die Sowjetunion &#8211; angeheizt von den Amerikanern, von Brzezinski \u2013 und nun h\u00f6chstpers\u00f6nlich durch die Amerikaner selber. Um die Sowjets zu vertreiben, baute man als Verb\u00fcndete die Gotteskrieger von Al-Quaida auf, inthronisierte man die Taliban. Und sie w\u00e4ren heute noch die Verb\u00fcndeten der US-Amerikaner, h\u00e4tten sie im Juli 2001 bei der Konferenz in Bonn dem Plan zum Bau von zwei Pipelines durch Afghanistan zugestimmt. Das haben sie nicht. Sie haben die schlimmste aller S\u00fcnden begangen, sich zu wehren gegen\u00fcber dem Industriekapital und der Erd\u00f6lgier von God&#8217;s own Country.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat schon Bundeskanzler Schr\u00f6der damit angefangen und der baronesque Kriegsminister Guttenberg ist nach vieler L\u00fcgerei in diesem Punkte pl\u00f6tzlich ehrlich. Sicherheit ist nicht mehr der Schutz der deutschen B\u00fcrger im In- und Ausland, Sicherheit ist der Schutz unserer Finanz- und Wirtschaftsinteressen. Daf\u00fcr zu morden, daf\u00fcr zu sterben ist unw\u00fcrdig eines jeden Menschen. Der verlogen begr\u00fcndete Krieg wird verlogen weitergef\u00fchrt. Immer noch wird sogar im Bundestagerz\u00e4hlt, dass wir ja doch dabei sind Br\u00fccken zu bauen, Brunnen zu bauen, Krankenh\u00e4user zu bauen, Schulen zu bauen. Bitte sch\u00f6n \u2013 das k\u00f6nnten wir. Und t\u00e4ten wir seit zehn Jahren nur dies, Afghanistan w\u00e4re ein Paradies des Friedens. Alle Hilfsorganisationen erkl\u00e4ren, dass sie gerne weitermachen w\u00fcrden, aber \u2013 ohne Milit\u00e4r. Es ist nicht m\u00f6glich, nach der vernetzten Strategie von Frau Merkel, Krieg und Frieden gleicherma\u00dfen zu haben. Das ist soviel, wie Senf vermischt mit Pudding. Beides zusammen ist zum Kotzen und das ist die Politik, die wir jetzt haben.<\/p>\n<p>Rechnen Sie&#8217;s nur simpel vor! 300 Milliarden Dollar ist in zehn Jahren alleine der US-Regierung der Krieg in Afghanistan wert gewesen. Rechnen Sie es um auf ca. 15 Mio. afghanische Einwohner! Was k\u00f6nnte diesen Menschen an Gutem geschehen sein, h\u00e4tten wir nur den verdammten Krieg vermieden, und nicht die Menschlichkeit nur zum Vorwand der Inhumanit\u00e4t genommen. H\u00e4tten wir getan, was wir zu tun vorgeben \u2013 in Ehrlichkeit und Wahrheit! Dass das nicht m\u00f6glich war, ist der Verrat.<\/p>\n<p>Es wird erkl\u00e4rt, dass wir nicht raus k\u00f6nnten aus Afghanistan, ohne nochmal richtig rein zu gehen nach Afghanistan \u2013 so, wie Richard Nixon noch einmal bei der Weihnachtsoffensive 1972 richtig nach Vietnam rein ging, um endlich daraus zu verschwinden. Wir h\u00e4tten Verantwortung, dass Afghanistan nicht in einem B\u00fcrgerkrieg zerf\u00e4llt. Wir sind l\u00e4ngst keine schlichtende Partei mehr, weil wir selbst Partei geworden sind. Selbst Herrn Ischinger h\u00f6rte ich sagen, dass Frieden in Afghanistan vermittelt werden m\u00fcsste. Das kann nicht geschehen durch Deutsche und US-Amerikaner \u2013 sie sind Kriegspartei. Vermitteln aber k\u00f6nnten beispielsweise die Chinesen \u2013 ein Alptraum der amerikanischen Au\u00dfenpolitik. Denn dies ist die Wahrheit: der Krieg in Afghanistan wird gef\u00fchrt f\u00fcr die beiden Erd\u00f6lpipelines und um den Fu\u00df in die T\u00fcr zwischen Indien und China zu bekommen, reinweg aus geostrategischen Gr\u00fcnden. Weltmachtanspr\u00fcche verdienen aber nicht den fortgesetzten Mord von Menschen. Allenfalls diplomatisch mag man sich beliebt machen, zum Beispiel in Pakistan. Frau Clinton aber hier im bayerischen Hof hat nichts weiter zu erkl\u00e4ren, als dass man in Pakistan im Swat-Tal weiter Krieg f\u00fchren muss gegen Al-Quaida. Nicht einmal 2 Milliarden Dollar waren m\u00f6glich, um die riesigen Flutopfer der Indus- \u00dcberschwemmung aufzufangen, aber 300 Milliarden f\u00fcr Krieg im Nachbarland. Bei solchen Proportionen macht man sich nicht beliebt, sondern verhasst \u2013 und das mit Grund bei jedem F\u00fchlenden. Wir haben da nichts zu suchen \u2013 das ist die Wahrheit.<\/p>\n<p>Also sagen wir: \u201eRaus aus Afghanistan \u2013 heute eher, denn morgen\u201c. Denn es ist zu sp\u00e4t, wenn wir es morgen tun. Jeder Tag l\u00e4nger kostet Menschenleben. Will man allen Ernstes sagen: \u201eWenn es denn soweit ist und die Umst\u00e4nde es erlauben\u201c &#8211; Originalzitat, sogar von Herrn Guttenberg \u2013 dann werden wir abziehen? Mag sein, dass im Jahre 2014 irgendwann ein Abzugstermin d\u00e4mmert. Aber wollen wir \u00fcber dem blutbeschmierten Teppich von Tausenden von Menschenleichen am Ende so tun, wie wenn wir einen ungewinnbaren Krieg denn doch gewonnen h\u00e4tten? Dieser Krieg ist ein Verbrechen und er ist nicht zu gewinnen. Das ist die Wahrheit.<\/p>\n<p>Inzwischen \u00fcberstrapaziert man sogar die bestens ausgebildeten und ausger\u00fcsteten Soldaten. Die US-Armee leidet an den Kriegen in Afghanistan und im Irak, inzwischen hat sie mehr als 200.000 GIs leidend an posttraumatischem stress-disorder. Sie laufen aus dem Ruder, sie sitzen zu Hause und sie geben die Planquadratangaben an die US-Airforce weiter zum Bombardement auf ihre eigenen Stellungen. Das ist der Kochtopf ihrer Hausfrauen. Sie leben in einer permanenten Paranoia. Sie sind gef\u00e4hrlich f\u00fcr ihre Umgebung. Sie wissen nicht mehr, was sie tun, und sie brauchen dringend psychiatrische Hilfe. Weil das so ist, geht man \u00fcber zum Massenmord in rein technisierter Form. Obama hat den Krieg der Predator-Drohnen endlos ausgedehnt. Und dann bel\u00fcgt man uns, indem man erl\u00e4utert, dass bei Kundus vielleicht ein Unfall, irgendein Fehler bei der Nachrichteninformation geschehen sei. Was Guttenberg bis heute leugnet, steckt wahrscheinlich dahinter. Die Bundeswehr ist in Afghanistan l\u00e4ngst dabei, zu tun, was die Amerikaner seit langem machen: gezieltes T\u00f6ten. Und Kundus war wahrscheinlich deshalb &#8218;angemessen&#8216; \u2013 in der Sprache von Herrn Guttenberg &#8211; weil es um die Neutralisierung von Abdel Rahman ging, einem hoch gestellten Talibanf\u00fchrer. Dann war es angemessen: 140 Tote nebenher, &#8218;kolateral damage&#8216;. Wer sich an diese Denkungsart gew\u00f6hnt, hat aufgeh\u00f6rt, ein Mensch zu sein, \u2013 Herr Guttenberg! Und er sollte nicht so tun, als wenn er Humanit\u00e4t verteidigt.<\/p>\n<p>N\u00e4chst dem \u201eRaus aus Afghanistan\u201c, sagen wir \u201eRaus aus der NATO\u201c. Sie hat genauso begonnen mit einer L\u00fcge, n\u00e4mlich, dass es n\u00f6tig w\u00e4re, die Bundesrepublik- West zu verteidigen gegen den Sowjetimperialismus. Deutschland unter Adenauer h\u00e4tte genauso neutral bleiben k\u00f6nnen, wie die \u00d6sterreicher. Aber die Amerikaner wollten ein Aufmarschgebiet gegen den Ostblock, m\u00f6glichst bis dicht an seine Westgrenze. Und das hatten wir mitzumachen, indem wir stramm standen. Aber man erz\u00e4hlte den Soldaten, wir w\u00fcrden all das Grauenhafte im Krieg nur lernen m\u00fcssen, um es zu verhindern. W\u00e4ren wir gr\u00e4sslich und abschreckend genug, w\u00fcrde niemand wagen, uns anzugreifen. Es war eine Zeit, als wir uns Regierungsbeamte hielten vom Formate Harry Trumans, der in seinem Tagebuch nachrechnete, wie viele Atombomben man braucht, um die Sowjetunion auszuschalten: zwei auf Petersburg, drei auf Moskau, vier auf Wladiwostok, f\u00fcnf auf Magnitogorsk, und so weiter. Leute, die mit dem Atomkrieg Siege vorbereiten, haben einen Sprung in der Sch\u00fcssel. Sie sind keine Demokraten, sie sind potenzielle Massenm\u00f6rder.<\/p>\n<p>Und ihre Macht hat noch lange nicht aufgeh\u00f6rt. Selbst gegen den Wunsch von Herrn Westerwelle sind wir au\u00dferstande, die restlichen zwanzig Atomwaffen hier von Deutschland endlich zu entfernen. Wir haben sogar bei den Tr\u00e4gerwaffen zu funktionieren, damit sie einsatzbereit bleiben. Und Frau Clinton soll nicht so tun, als w\u00e4ren die Start-Vertr\u00e4ge ein Fortschritt in Sachen Frieden. Wir h\u00e4tten bei dem moralischen Splitting &#8218;Wir werden Soldaten, um niemals Soldaten sein zu m\u00fcssen&#8216; sp\u00e4testens 1989 eine gl\u00e4nzende Chance gehabt, den ganzen Spuk zu beenden. Es war das dritte Mal, dass ein Russe den Westdeutschen vorschlug, zum Preis f\u00fcr die Wiedervereinigung aus der NATO auszutreten und mit dem Zusammenbrechen des Warschauer Paktes gleicherma\u00dfen die Aufr\u00fcstung der NATO zu beenden.<\/p>\n<p>Stellen Sie sich vor, wir h\u00e4tten seit 1989 einen entmilitarisierten Korridor vom Ural bis zum Atlantik. Wir h\u00e4tten gewaltige Summen f\u00fcr R\u00fcstung in Forschung und Wissenschaft, in Wirtschaft und Menschlichkeit frei f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der wirklichen Ursachen der Kriege. Wenn ihr schon nicht auf uns h\u00f6rt im Bayerischen Hof, dann h\u00f6rt zumindest auf euch selber, zum Beispiel auf Herrn Ban Ki-Moon. Der hat heute morgen genau das gesagt: wir sollten uns k\u00fcmmern um die Gr\u00fcnde der Kriege: Ungerechtigkeit und Hunger. Welche M\u00f6glichkeiten h\u00e4tten wir au\u00dferhalb der NATO, genau das zu tun, was der UNO-Generalsekret\u00e4r w\u00fcnscht und will. Das sollte man h\u00f6ren in der H\u00f6hle von Herrn Ischinger.<\/p>\n<p>Stattdessen erz\u00e4hlt man uns, wir h\u00e4tten eine Verpflichtung zur B\u00fcndnistreue. Die NATO hat seit 1980 jede Treue zu sich selber gebrochen. Nicht einmal die L\u00fcge, sie w\u00e4re eine Verteidigungsarmee hat irgendeinen Bestand. Sie ist ein aggressive Interventionsarmee weltweit geworden. Bush der \u00c4ltere will seit 1989 die Osterweiterung der NATO. Also ist sie dabei, die Ukraine zu spalten, Georgien zu spalten, Kirgistan zu spalten, mit den Terrorregimen in Usbekistan und Kasachstan zusammen zu arbeiten und den Aufmarsch gegen Afghanistan zu etablieren. Sie mischt sich \u00fcberall ein, wo sie nichts verloren hat, in der permanenten Gier nach Erd\u00f6l, Bauxit, Uran und allem was sie meint, brauchen zu m\u00fcssen f\u00fcr ihren Selbstbehalt. Uns geh\u00f6rt aber nicht die Welt, blo\u00df weil wir behaupten, sie zu gebrauchen. Immer noch sollten wir die Menschen fragen, die dort wohnen, ob wir bei ihnen auch willkommen sind. Und dann sollten wir uns so auff\u00fchren, dass wir es w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Militarisierung der deutschen Au\u00dfenpolitik, f\u00fcr die Herr Guttenberg als Sch\u00f6nling heute steht, ist von Grund auf verlogen, weil sie humanit\u00e4r begr\u00fcndet wird, aber kapital-interessiert, militaristisch die Welt in ein einziges globalisiertes Schlachtfeld dabei ist zu verwandeln. Deutsche geh\u00f6ren da nicht hin.<\/p>\n<p>Inzwischen stehen die uns Regierenden vor dem Dilemma, wo sie denn noch die Truppen her kriegen sollen, wenn immer mehr Leute lieber Zivildienst leisten wollen, als in Uniform Paraden abzunehmen. Also brauchen sie jetzt eine Berufsarmee. Unter dem Schwindel, alles w\u00fcrde billiger, wird nat\u00fcrlich alles teurer. Aber, Herr Guttenberg, das sagen wir Ihnen heute schon: so wie ich als Vegetarier dagegen bin, dass an der Peripherie jeder Gro\u00dfstadt Schlachth\u00e4user stehen, so bin ich als Pazifist dagegen, dass an der Peripherie unserer Gesellschaft Berufsschl\u00e4chter stehen im Alter von Zwanzigj\u00e4hrigen. Dies ist mit uns nicht zu machen, so sch\u00fctzt man nicht den Frieden.<\/p>\n<p>Eben deshalb aber wenden wir uns vor allem an die Jugendlichen, die man verf\u00fchren wird. Mit dem ganzen Aufgebot der Massenmedien, der Springer- Presse, der Bertelsmann-Stiftung, Ischingers und Co&#8217;s, die alle die Partitur spielen &#8218;Wir m\u00fcssen Helden sein&#8216;. Sie werden in die Schulen kommen zu den 18-j\u00e4hrigen, in die Universit\u00e4ten zu den 20-j\u00e4hrigen und ihnen erl\u00e4utern, dass sie einmal f\u00fcr 1.000 bis 1.500 Euro Pr\u00e4mie pro Monat verdienstvoll t\u00e4tig sein k\u00f6nnten f\u00fcr das Vaterland. Ihr werdet nicht verdienstvoll f\u00fcr das Vaterland sein, man macht euch zu bezahlten Auftragsm\u00f6rdern. Das ist, was man will und dem solltet ihr euch verweigern.<\/p>\n<p>Eben deshalb sagen wir: Schluss mit dem gesamten neokolonialen Militarismus. Wir sagen es nicht allein aus politischen Gr\u00fcnden, sondern mehr noch aus humanen und psychologischen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die Ausrede kann nach zwei verlorenen Weltkriegen nicht l\u00e4nger sein, dass wir nicht gewusst h\u00e4tten, was es bedeutet, Soldat zu sein. Angesichts des Massakers in My Lai zum Beispiel in den 1970er Jahren beschrieb Stanley Millgram in seinem Buch &#8218;\u00dcber den Versuch Abraham&#8216; wie man beim Aufbau des Milit\u00e4rs buchst\u00e4blich eine Parallelgesellschaft erzieht. Nichts, was im b\u00fcrgerlichen Leben Achtung hat, darf noch l\u00e4nger respektiert werden in Uniform und mit dem Stahlhelm \u00fcber dem Kopf, der einmal hat selbst\u00e4ndig denken k\u00f6nnen. Ab jetzt gilt die Unvernunft, &#8218;im Gleichschritt marsch&#8216;, &#8218;die Augen links&#8216;, alles zu uniformieren in sinnlosen Befehlen, nur damit die normale Kette menschlicher Einflussnahme ausgeschaltet wird. 1929 schrieb das Erich Maria Remarque bereits: \u201eWir haben nicht gedacht, dass sechs Wochen gen\u00fcgen w\u00fcrden, uns alles, was menschlich war in der Lekt\u00fcre des Abendlandes von Platon bis Schopenhauer, abzugew\u00f6hnen, damit wir gehorsam w\u00fcrden einem ehemaligen Brieftr\u00e4ger, nur weil er die richtigen Epauletten auf der Schulter hat. Wir waren vorbereitet, Helden zu werden, aber nicht, Zirkuspferde.\u201c Genau das werdet ihr beim Milit\u00e4r. \u201eBefehl ist Befehl\u201c, das wird man euch sagen. Und es gibt auf der ganzen Welt kein Milit\u00e4r, in dem man lernt, einen Befehl zu verweigern. Was eigentlich munkelt man herum, was Furchtbares auf der &#8218;Gorch Fock&#8216; geschehen ist? Wie stellt man sich denn Kriegsausbildung vor, au\u00dfer dass man die normalen Gef\u00fchle abschaltet, au\u00dfer dass man rein h\u00e4lt, wo man rein halten soll, au\u00dfer dass man t\u00f6tet, was als T\u00f6tungsziel gerade ausgegeben wird, und dies mitleidlos. Es darf sich nicht mehr r\u00fcckkoppeln \u00fcber die Augen ins Gehirn. Es ist richtig, weil irgendeine Auftrag gebende Instanz es gesagt hat. Im N\u00fcrnberger Prozess war dies genau die Erkl\u00e4rung aller Nazi-Granden. Die Amerikaner heute k\u00f6nnten wissen, wie verbrecherisch es ist, mit dieser Ausrede durch Leben kommen zu wollen.<\/p>\n<p>Aber nehmen Sie nur das Beispiel eines &#8218;american heroe&#8216;. 1995, zum 50. Jahrestag des Bombenabwurfes \u00fcber Hiroshima und Nagasaki befragte man den Bomberpiloten Sweeney, was in all den Jahrzehnten in ihm vorgegangen w\u00e4re. Er war damals noch nicht einmal 25 Jahre. Und er hat mehr Menschen mit eigenen H\u00e4nden get\u00f6tet, als jeder andere \u2013 150.000 Menschen in wenigen Sekunden. Sweeney verbat sich auf RTL in der Sendung mit G\u00fcnther Jauch damals die Frage: \u201eWas soll das?\u201c Und er f\u00fcgte hinzu: \u201eBefehl ist Befehl! Jeder Soldat auf der Welt h\u00e4tte das gleiche getan.\u201c Wo er recht hat, Mr. Sweeney, hat er recht. Dazu erzieht man Soldaten. Und eben deshalb geh\u00f6ren Soldaten verboten, weil sie die Verk\u00f6rperung der exekutierten Unmenschlichkeit auf Befehl sind.<\/p>\n<p>Hochbezahlte Berufsschl\u00e4chter in Uniform sind nicht B\u00fcrger in Uniform, sie sind am Rande des Verbrecherischen konstitutiv, denn daf\u00fcr braucht man sie. Glauben wir wirklich, dass die V\u00e4ter aus dem sogenannten Zweiten Weltkrieg schlimmer w\u00e4ren, als die Jugendlichen heute? Ein kleines Beispiel: Gebirgsj\u00e4ger \u2013 genau die Abteilung, bei der Herr Guttenberg selber einmal, wie er glaubt, &#8218;gedient&#8216; hat. 1943 bek\u00e4mpft man auf dem Peleponnes Partisanen. Und die Folge? Ein ganzes Dorf, Kalavrita, mit 400 Menschen, Frauen und Kindern wird hin gem\u00e4ht. Ein V\u00f6lkermord, weitgehend unbekannt geblieben, weil ja &#8217;nur an Griechen&#8216;, weil ja &#8217;nur von der Wehrmacht&#8216;, kein SS-Sonderkommando, nur ganz normaler Krieg der Wehrmacht, von der Adenauer sp\u00e4ter sagte: \u201eSie ist rein geblieben im Zweiten Weltkrieg.\u201c Hol&#8217;s der Teufel, wenn das &#8218;rein&#8216; ist.<\/p>\n<p>Vor meinen Augen habe ich das Bild eines japanischen alten Mannes, dem die Tr\u00e4nen in den Augen stehen. Er entsinnt sich der Invasion in Nanking 1938. Er sagte: \u201eIch h\u00e4tte es von mir selber nicht geglaubt. Sechs Wochen Milit\u00e4rausbildung. Da war eine Frau mit einem Kind auf dem Arm. Und ich, wie ich es gelernt habe, mit dem Bajonett in eine Melone, ich &#8230;\u201c &#8211; Wenn das aus Menschen wird, aus ganz normalen Menschen, wie sie hier auf diesem Platze stehen, in sechs Wochen, und die kaiserliche Armee schickt einen triumphalen Ruf zum Himmel, um das Verbrechen in den Herzen von Menschen hunderttausendfach zu \u00fcbert\u00f6nen, darf das nicht, weil es eine gr\u00e4ssliche Vergangenheit war, auch weiter im Schlachthof der Geschichte jetzt die Zukunft werden. Nicht mit Herrn Ischinger, nicht mit Herrn Guttenberg, nicht mit Frau Merkel, nicht mit Frau Clinton, nicht mit der ganzen Bagage.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re sagen: \u201eEs ist unverantwortlich, den Krieg beendigen zu wollen \u2013 weil wir das Milit\u00e4r immer noch brauchen aus Gr\u00fcnden der Sicherheit.\u201c Das Milit\u00e4r ist die permanente Unsicherheit. Es sch\u00fctzt nicht die Menschlichkeit, es ist selber die Unmenschlichkeit. Es erringt nicht die Zukunft, es ist die verewigte Steinzeit. Das alles geh\u00f6rt abgeschafft. Wer aber sagt: \u201eDas ist nicht m\u00f6glich\u201c, den m\u00fcssen wir noch einmal setzen in den Bayerischen Hof. Da n\u00e4mlich erkl\u00e4rt gerade Frau Merkel: \u201eEs gibt eine rote Linie.\u201c \u201eDie W\u00fcrde eines jeden einzelnen Menschen ist unantastbar\u201c, spricht sie. Wie kann sie dann Herrn Mubarak unterst\u00fctzt haben, in dessen Land die \u00dcberstellung von &#8218;Terrorverd\u00e4chtigen&#8216; f\u00fcr die CIA zum Zwecke der Folter gang und g\u00e4be war \u2013 zehn Jahre lang bereits, mit Wissen des Bundesnachrichtendienstes und seiner Beihilfe.<\/p>\n<p>\u201eDie W\u00fcrde des Menschen!\u201c &#8211; Allerdings, jeder Soldat, den man zusammen kujoniert zum blo\u00dfen Befehlsempf\u00e4nger, sch\u00e4ndet seine eigene W\u00fcrde. Es war mal das Prinzip der Moral, das Immanuel Kant sagte: \u201eKein Mensch ist zu betrachten als ein Mittel zum Zweck, sondern stets als ein Zweck an sich selber.\u201c Gilt dies, ist jedes Milit\u00e4r obsolet und inhuman. Soldat sein, bedeutet Zweck sein, eine T\u00f6tungsmaschine zu werden auf Befehl. Allein, um die Menschlichkeit der Zukunft zu erringen, m\u00fcssen wir den Schlachthof der Geschichte ein f\u00fcr allemal verlassen. Und das k\u00f6nnen wir, weil es in der Logik der Geschichte liegt. Alle Konflikte wurden in den letzten sechs- bis achttausend Jahren damit gel\u00f6st, dass wir an die Peripherie Soldateska stellten, den Innenraum aber pazifizierten. Heute wissen wir, dass der ganze Globus unser Auftrag ist. Daraus folgt, dass es nur noch eine einzige soldatische Macht geben d\u00fcrfte, unterstellt der UNO, die aufgeh\u00f6rt haben m\u00fcsste, die Spielb\u00fchne der USA zu sein, sondern wirklich das Organ der Vereinten Nationen. Es liefe darauf hinaus, dass s\u00e4mtliche nationalstaatliche Armeen zu entwaffnen w\u00e4ren um dann lokal nicht l\u00f6sbare Konflikte bei einer unabh\u00e4ngigen Schiedsstelle der UNO verbindlich zu l\u00f6sen und rechtswirksam durchzusetzen. Das w\u00e4re das Ende des Milit\u00e4rs in der Geschichte der Menschheit. Es gibt keine andere Zukunft \u2013 jeder wei\u00df das. Die Frage ist nur, wie viele Millionen Menschen noch verhungern m\u00fcssen, noch krepieren m\u00fcssen, noch verzweifeln m\u00fcssen, eh &#8218;Diese&#8216; es begreifen.<\/p>\n<p>Es gibt keinen anderen Weg, als dass die Deutschen endlich lernen, sich einmal richtig zu wehren. An dem Desaster sind vier Parteien schuld. Ob Schwarz , ob Gelb, ob Rot, ob Gr\u00fcn \u2013 sie alle haben an Afghanistan mitgemacht, sie haben uns belogen mit dem sogenannten Hufeisenplan, um Serbien zu zerschmettern, sie haben Weltverantwortung stets interpretiert als Kriegseinsatz. Und sie sagen auch jetzt, dass wir, wenn wir gegen den Krieg sind, populistisch und unverantwortlich reden. Frau Merkel und Co., wir reden aus Verantwortung f\u00fcr den Frieden. Denn nichts ist verbrecherischer und unverantwortlicher als der Krieg. Er l\u00e4sst sich nicht sch\u00f6nreden, er ist blutbeschmiert. Und Blut ist keine Farbe.<\/p>\n<p>Das Nein zu dieser Kriegspolitik sprechen wir aus \u00dcberzeugung und in Verantwortung. Aber manchmal muss man erstmal NEIN sagen, um das Falsche los zu werden, damit die Bahn frei wird f\u00fcr das Richtige.<\/p>\n<p>In Basel 1947 lag auf den Tod ein Mann, der den Zweiten Weltkrieg kennen gelernt hatte, in eigener Erfahrung: Wolfgang Borchert, Autor des B\u00fchnenst\u00fcckes &#8218;Drau\u00dfen vor der T\u00fcr&#8216;. Es handelt von einem Mann, der nach Hause kommt und nie mehr nach Hause kommen kann, seiner inneren Zerrissenheit wegen. Wolfgang Borchert hat ein Testament als Verm\u00e4chtnis an die Menschheit hinterlassen, und ich zitiere es zum Abschluss:<\/p>\n<p>\u201eMann an der Werkbank! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst statt Kochgeschirren und T\u00f6pfen Handgranaten und Kanonenrohre ziehen &#8211; Mann an der Werkbank, sag NEIN!<\/p>\n<p>Und Mutter in Deutschland! Mutter in der Ukraine! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst Kinder geb\u00e4ren: M\u00e4dchen als Krankenschwestern f\u00fcr die Spit\u00e4ler, Jungen als Soldaten in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben &#8211; Mutter in Deutschland, Mutter in der Ukraine, sag NEIN!<\/p>\n<p>Und Pfarrer auf der Kanzel! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst die Waffen segnen und den Krieg rechtfertigen &#8211; Pfarrer auf der Kanzel, sag NEIN.<\/p>\n<p>Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wird alles wieder kommen.\u201c<\/p>\n<p>Ich sage als Theologe zu der Pastorentochter Merkel: Zweitausend Jahre nach der Bergpredigt, versuchen Sie es doch wenigstens einmal. Das w\u00e4re Verteidigung des Christentums in Deutschland. Alles andere ist ein Verrat daran.<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen sehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: AG Friedensforschung: Rede von Eugen Drewermann auf der Friedenskundgebung gegen die M\u00fcnchner &#8222;Sicherheitskonferenz&#8220; Im Folgenden dokumentieren wir die mit gro\u00dfer Auferksamkeit und viel Beifall aufgenommene Rede von Eugen Drewermann auf dem M\u00fcnchner Marienplatz am 5. Februar 2011. Anlass waren die Proteste gegen die sog. &#8222;Sicherheitskonferenz&#8220;, die zur gleichen Zeit im Bayerischen Hof stattfand. Es &hellip; <a href=\"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=1525\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&quot;Das ist soviel wie Senf, vermischt mit Pudding. 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