{"id":1546,"date":"2011-03-19T22:34:19","date_gmt":"2011-03-19T20:34:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=1546"},"modified":"2011-03-19T22:34:19","modified_gmt":"2011-03-19T20:34:19","slug":"nein-zur-imperialistischen-intervention-in-libyen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=1546","title":{"rendered":"Nein zur imperialistischen Intervention in Libyen!"},"content":{"rendered":"<h2>Herausgegeben vom Internationalen Komitee der Vierten           Internationale (IKVI)<\/h2>\n<form id=\"search\" method=\"post\"> <input disabled=\"disabled\" name=\"action\" type=\"hidden\" value=\"showSearchResult\" \/><input disabled=\"disabled\" name=\"type\" type=\"hidden\" value=\"simple\" \/><input disabled=\"disabled\" name=\"chunk\" type=\"hidden\" value=\"1\" \/><input disabled=\"disabled\" name=\"language\" type=\"hidden\" value=\"de\" \/> <\/form>\n<div id=\"content\">\n<h2>Nein zur imperialistischen Intervention in Libyen!<\/h2>\n<h5>Von der Redaktion der <a href=\"http:\/\/service.gmx.net\/de\/cgi\/derefer?TYPE=3&amp;DEST=http%3A%2F%2Fwww.wsws.org%2Fde%2F2011%2Fmar2011%2Fliby-m19.shtml\" target=\"_blank\">World Socialist Web Site <\/a><br \/>\n19. M\u00e4rz 2011<\/h5>\n<p>Die WSWS lehnt eine milit\u00e4rische Intervention in Libyen         kategorisch ab. Eine solche Intervention, f\u00fcr die der         UN-Sicherheitsrat am Donnerstag gr\u00fcnes Licht gegeben hat, dient         nicht humanit\u00e4ren Zwecken, sondern der gewaltsamen Unterjochung         einer ehemaligen Kolonie. Es handelt sich um einen         imperialistischen Krieg. Libyen ist ein unterdr\u00fccktes,         ehemaliges Kolonialland. Die WSWS lehnt milit\u00e4rische Angriffe         imperialistischer M\u00e4chte auf solche L\u00e4nder grunds\u00e4tzlich und         unter allen Umst\u00e4nden ab.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Au\u00dferdem findet dieser Krieg ohne jegliche demokratische         Legitimation statt. Es gibt nicht die geringsten Anzeichen, dass         er von der Bev\u00f6lkerung der beteiligten L\u00e4nder unterst\u00fctzt wird.         Erneut werden riesige Summen f\u00fcr einen Krieg aufgewandt, obwohl         die \u00f6ffentlichen Kassen angeblich leer sind, wenn es um soziale         oder andere gesellschaftliche Aufgaben geht.<\/p>\n<p>Die Bombardierung Libyens durch franz\u00f6sische, britische und         amerikanische Flugzeuge sch\u00fctzt keine Menschenleben, sondern         verwandelt das ganze Land in ein Schlachtfeld mit Tausenden         unschuldigen Opfern. Wer behauptet, milit\u00e4rische Angriffen auf         St\u00fctzpunkte des Gaddafi-Regimes dienten der Unterst\u00fctzung einer         demokratischen Oppositionsbewegung gegen eine blutr\u00fcnstige         Diktatur, muss die Frage beantworten: Warum wenden die         Gro\u00dfm\u00e4chte nicht dieselben Ma\u00dfst\u00e4be in Afghanistan und Pakistan         an, wo die von ihnen gest\u00fctzten Regime mit brutaler Gewalt gegen         jede Opposition vorgehen?<\/p>\n<p>Oder was ist mit Bahrain, dem Sitz der amerikanischen F\u00fcnften         Flotte, wo Scheich al Chalifa mit saudischer Unterst\u00fctzung auf         unbewaffnete Proteste schie\u00dfen l\u00e4sst? Was ist mit Gaza, wo sie         tatenlos dem israelischen Massaker an Hunderten Pal\u00e4stinensern         zusahen? Was mit dem Jemen, wo der vom Westen gest\u00fctzte         Pr\u00e4sident Ali Abdullah Salih am Freitag \u00fcber 50 Demonstranten         erschie\u00dfen lie\u00df? Was mit der Elfenbeink\u00fcste, wo der abgew\u00e4hlte         Pr\u00e4sident Laurent Gbagbo bis heute den R\u00fccktritt verweigert?         Offenbar ist der Kakao der Elfenbeink\u00fcste im Gegensatz zum         libyschen \u00d6l keine Intervention wert.<\/p>\n<p>Keine Regierung und keine Zeitung, die einen Milit\u00e4rschlag         gegen Libyen unterst\u00fctzen, haben sich die M\u00fche gemacht, diesen         schreienden Widerspruch zu erkl\u00e4ren. Das wirkliche Ziel eines         gewaltsamen Vorgehens gegen Libyen wird dagegen deutlich, wenn         man die Logik der j\u00fcngsten Ereignisse verfolgt.<\/p>\n<p>Es sind erst zwei Monate her, seit der tunesische Herrscher         Zine El Abidine Ben Ali durch einen Volksaustand gest\u00fcrzt wurde.         Im folgte ein Monat sp\u00e4ter der \u00c4gypter Hosni Mubarak. Mit ihnen         verloren die Westm\u00e4chte zwei ihrer wichtigsten St\u00fctzen in der         Region. Mit beiden \u2013 wie \u00fcbrigens auch mit Gaddafi \u2013 hatten sie         bis zur letzten Minute eng zusammen gearbeitet. Frankreich, das         nun am lautesten f\u00fcr einen Milit\u00e4rschlag trommelt, hatte Ben Ali         sogar noch Polizeihilfe angeboten, als der Aufstand gegen ihn         l\u00e4ngst in vollem Gange war.<\/p>\n<p>Nur wenige Woche sp\u00e4ter bereiten die Gro\u00dfm\u00e4chte in Nordafrika         eine milit\u00e4rische Intervention vor. Zufall? Nur wer politisch         blind ist, kann den Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen         \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Die Opposition gegen Gaddafi, einen brutalen Gewaltherrscher         und engen Verb\u00fcndeten der Westm\u00e4chte, mag anfangs durchaus echt         gewesen sein. Doch im schwach entwickelten W\u00fcstenstaat Libyen         lie\u00dfen sich schnell Kr\u00e4fte aufsp\u00fcren, die bereit waren, die         Drecksarbeit f\u00fcr die Gro\u00dfm\u00e4chte zu machen. Sie fanden sich im so         genannten Nationalen \u00dcbergangsrat, der den internationalen         \u00d6lkonzernen nicht nur die ungehinderte Ausbeutung des         Rohstoffreichtums des Landes garantierte, sondern auch bereit         war, sie zur Bombardierung des eigenen Landes aufzufordern. Der         \u00dcbergangsrat setzt sich aus hohen Funktion\u00e4ren des alten Regimes         zusammen, die Gaddafi erst vor wenigen Tagen den R\u00fccken gekehrt         haben.<\/p>\n<p>Das milit\u00e4rische Eingreifen in Libyen, das wegen seines         Rohstoffreichtums seit Jahrzehnten ein begehrtes Objekt         imperialistischer Interessen ist, dient sowohl der Sicherung des         Zugangs zum \u00d6l wie der Eind\u00e4mmung der revolution\u00e4ren Bewegung in         der gesamten Region, die sich immer offener gegen die Interessen         der imperialistischen M\u00e4chte und das kapitalistische Eigentum         richtet. Eine milit\u00e4rische Pr\u00e4senz in Libyen, das \u00f6stlich an         \u00c4gypten und westlich an Tunesien grenzt, w\u00fcrde den Gro\u00dfm\u00e4chten         helfen, die revolution\u00e4ren Bewegungen im arabischen Raum         einzusch\u00fcchtern und die mit ihnen verb\u00fcndeten Regimes zu         st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die UN-Resolution schlie\u00dft zwar eine milit\u00e4rische Besetzung des         Landes durch ausl\u00e4ndische Truppen aus, doch das ist         Augenwischerei. Die milit\u00e4rische Notwendigkeit hat ihre eigene         Logik, die sich \u00fcber politische Vorgaben hinwegsetzt. So sind         offiziell weder Afghanistan noch der Irak von amerikanischen         Truppen \u201ebesetzt\u201c, was aber nichts daran \u00e4ndert, dass in beiden         L\u00e4ndern zehntausende amerikanische Soldaten stationiert sind.<\/p>\n<p>Es ist bezeichnend, das sich ausgerechnet die Arabische Liga         als Erste f\u00fcr die Errichtung einer Flugverbotszone \u00fcber Libyen         ausgesprochen hat. Die Vertreter von Saudi Arabien, von Bahrain         und anderer Scheicht\u00fcmer, die gerade dabei sind, demokratische         Oppositionelle zu verhaften, zu foltern und zu erschie\u00dfen, haben         ihre Hand f\u00fcr eine Milit\u00e4rintervention gehoben, die angeblich         die Demokratie in Libyen st\u00e4rken soll!<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfm\u00e4chte gehen dabei mit einer R\u00fccksichtslosigkeit vor,         die den Atem stocken l\u00e4sst. Au\u00dfer der Gier nach \u00d6l und Macht         scheinen sie keine durchdachte Strategie zu haben. Pr\u00e4sident         Sarkozy, der Gaddafi noch vor vier Jahren mit gro\u00dfem Pomp in         Paris empfing und Milliardengesch\u00e4fte mit ihm abschloss,         erkannte den Nationalen \u00dcbergangsrat als legitime Vertretung         Libyens an, ohne vorher seinen eigenen Au\u00dfenminister, geschweige         denn die Nato-Verb\u00fcndeten informiert zu haben.<\/p>\n<p>Niemand scheint dar\u00fcber nachgedacht zu haben, was die         wirtschaftlichen, geopolitischen und sicherheitspolitischen         Auswirkungen eines l\u00e4ngeren Kriegs in Libyen sind, das als         Mittelmeeranrainerstaat in unmittelbarer Nachbarschaft Europas         liegt. Wenn Stimmen zur Zur\u00fcckhaltung mahnten, kamen sie meist         aus konservativen Kreisen des Milit\u00e4rs, die nach Afghanistan und         Irak wenig Lust auf ein weiteres milit\u00e4risches Abenteuer         versp\u00fcren.<\/p>\n<p>Sowohl Pr\u00e4sident Sarkozy wie der britische Premier David         Cameron handeln auch aus innenpolitischen Motiven. Sarkozy         schlittert ein Jahr vor der Pr\u00e4sidentschaftswahl von einem         Umfragetief ins n\u00e4chste und hofft, durch ein aggressives         au\u00dfenpolitisches Auftreten Boden gut zu machen. Cameron ist mit         wachsendem Widerstand gegen sein Sparprogramm konfrontiert und         erwartet, wie 1982 sein Vorbild Margaret Thatcher mit dem         Malvinas-Krieg, mit einen Krieg gegen Libyen davon ablenken zu         k\u00f6nnen. Da die britische Armee durch die Kriege im Irak und         Afghanistan geschw\u00e4cht und zu einem eigenst\u00e4ndigen Eingreifen         kaum f\u00e4hig ist, hat sich Cameron intensiv darum bem\u00fcht, auch die         USA in Stellung zu bringen.<\/p>\n<p>Mit dem imperialistischen Abenteuer gegen Libyen treten auch         die alten Spaltungen in Europa wieder auf. Die Gemeinsame Au\u00dfen-         und Sicherheitspolitik (GASP) der Europ\u00e4ischen Union steht         einmal mehr vor einem Tr\u00fcmmerhaufen. Deutschland enthielt sich         bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat der Stimme und betonte,         es werde sich nicht an einer milit\u00e4rischen Intervention         beteiligen. Es fand sich damit in einer Front mit Russland,         China, Indien und Brasilien gegen die Nato-Partner Frankreich,         Gro\u00dfbritannien und USA \u2013 ein Ereignis mit weit reichenden         Folgen.<\/p>\n<p>Diese Spaltungen ergeben sich aus dem imperialistischen         Charakter des Kriegs. Es ist bezeichnend, dass England und         Frankreich erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder in einem         milit\u00e4rischen Konflikt gemeinsam einen anderen Standpunkt         vertreten als Deutschland. Man sollte sich auch daran erinnern,         dass der letzte Zusammenstoss zwischen deutschen und britischen         Armeen in Nordafrika stattfand.<\/p>\n<p>Deutschland lehnt ein Vorgehen gegen Libyen allerdings nicht         grunds\u00e4tzlich ab und hat stets auf harte wirtschaftliche         Sanktionen gedr\u00e4ngt. Aber es hat seinen Einfluss in Nordafrika         und im Nahen Osten bisher weniger auf milit\u00e4rische Macht als auf         wirtschaftliche Faktoren gest\u00fctzt und f\u00fcrchtet nun, ihn durch         ein unkalkulierbares milit\u00e4risches Abenteuer zu verlieren.         \u201eDeutschland unterst\u00fctzt die wirtschaftlichen Sanktionen voll,         denn die Herrschaft des Muammar al-Gaddafi ist vorbei und muss         beendet werden\u201c, begr\u00fcndete der UN-Botschafter Peter Wittig die         deutsche Stimmenthaltung. \u201eAber der Einsatz des Milit\u00e4rs ist         immer extrem schwierig und wir sehen gro\u00dfe Risiken.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es innerhalb der europ\u00e4ischen und der amerikanischen         herrschenden Klasse noch Meinungsverschiedenheiten \u00fcber den Sinn         einer Milit\u00e4roffensive gegen Libyen gibt, findet sie unter den         \u201ehumanit\u00e4ren\u201c Imperialisten uneingeschr\u00e4nkte und begeisterte         Zustimmung. Zu dieser Kategorie z\u00e4hlen politische Str\u00f6mungen,         die milit\u00e4rische Eins\u00e4tze im Namen einer abstrakten \u201eHumanit\u00e4t\u201c         bef\u00fcrworten und dabei Klassenfragen und Fragen der Geschichte         ignorieren \u2013 Gr\u00fcne, Sozialdemokraten, Linksparteien usw.<\/p>\n<p>Seit die deutschen Gr\u00fcnen 1999 die Bombardierung Jugoslawiens         durch die Nato unterst\u00fctzten, haben sich diese politischen         Str\u00f6mungen zu enthusiastischen Kriegsbef\u00fcrwortern entwickelt,         die f\u00fcr die imperialistische Kriegspropaganda unersetzlich sind.         So auch in der Vorbereitung einer milit\u00e4rischen Intervention         gegen Libyen.<\/p>\n<p>So hat sich der Gr\u00fcne Daniel Cohn-Bendit, ein Wortf\u00fchrer der         1968er Studentenbewegung, im Europaparlament unerm\u00fcdlich f\u00fcr die         Anerkennung des libyschen Nationalen \u00dcbergangsrats und die         Errichtung einer Flugverbotszone eingesetzt, bis das Parlament         schlie\u00dflich am 10. M\u00e4rz eine entsprechende Resolution mit         \u00fcberwiegender Mehrheit annahm.<\/p>\n<p>Neben den Gr\u00fcnen hat in Frankreich eine Vielzahl von         Organisationen die Anerkennung des Nationalen \u00dcbergangsrats         verlangt. Eine entsprechende Resolution des Solidarit\u00e4tskomitees         mit dem libyschen Volk tr\u00e4gt unter anderem die Unterschriften         der Kommunistischen Partei, der Linkspartei und der Neuen         Antikapitalistischen Partei. Pr\u00e4sident Sarkozy hat diese         Forderung schlie\u00dflich erf\u00fcllt und zum Auftakt seiner         milit\u00e4rischen Offensive gemacht.<\/p>\n<p>In Deutschland haben die Gr\u00fcnen Au\u00dfenminister Westerwelle         angegriffen, weil er die Flugverbots-Resolution des         Sicherheitsrats nicht unterst\u00fctzte. \u201eWir sind in der         Verantwortung, Menschenrechte zu verteidigen\u201c, begr\u00fcndete         Fraktionschefin Renate K\u00fcnast ihr Eintreten f\u00fcr einen         Milit\u00e4rseinsatz. Auch die Sozialdemokraten griffen Westerwelle         an, weil er den Kriegseinsatz nicht bef\u00fcrwortete.<\/p>\n<p>Die WSWS appelliert an Arbeiter und Jugendliche, diese         Kriegspropaganda in \u201ehumanit\u00e4rem\u201c Gewand mit der Abscheu         zur\u00fcckzuweisen, die sie verdient. Der Kampf gegen politische         Unterdr\u00fcckung und soziale Ausbeutung ist heute untrennbar mit         einer sozialistischen Perspektive verbunden, die die         international Arbeiterklasse im Kampf gegen Kapitalismus und         Imperialismus zusammenschlie\u00dft.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herausgegeben vom Internationalen Komitee der Vierten Internationale (IKVI) Nein zur imperialistischen Intervention in Libyen! Von der Redaktion der World Socialist Web Site 19. M\u00e4rz 2011 Die WSWS lehnt eine milit\u00e4rische Intervention in Libyen kategorisch ab. 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