{"id":1714,"date":"2011-12-11T19:28:34","date_gmt":"2011-12-11T17:28:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=1714"},"modified":"2011-12-11T19:28:34","modified_gmt":"2011-12-11T17:28:34","slug":"bir-kipferl-istiyorum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=1714","title":{"rendered":"Bir Kipferl istiyorum"},"content":{"rendered":"<p><strong>B\u00e4ckereiangestellte d\u00fcrfen mit Kunden nicht T\u00fcrkisch und Serbisch sprechen<\/strong><br \/>\nAus dem FALTER 46\/2011. Bericht: Joseph Gepp<\/p>\n<p>Eigentlich spricht Ayse** Kurtaran flie\u00dfend Deutsch. Aber manchmal sei es f\u00fcr Kunden leichter, in der Muttersprache zu reden, sagt sie. Zum Beispiel, wenn ein alter Mann, im Deutschen unsicher, auf T\u00fcrkisch frage, was er denn bei Diabetes oder Nussallergie essen k\u00f6nne. Antwortet ihm Kurtaran auf T\u00fcrkisch, r\u00e4uspert sich ihr Filialleiter jedoch mit Missfallen. \u201eEr sagt zu mir: \u201aDu kennst doch die Regel: T\u00fcrkisch mit Kunden zu sprechen, ist nicht erlaubt\u2018\u201c. <!--more--><\/p>\n<p>Kurtaran, die ihren Namen aus Angst um den Job nicht in der Zeitung lesen will, arbeitet in einer Filiale der B\u00e4ckerei Mann in einem Bezirk mit vielen Migranten. Was sie sagt, best\u00e4tigen auch Kolleginnen: Eine Sprachregelung verbiete es Mann-Mitarbeiterinnen, T\u00fcrkisch und Serbo\u00adkroatisch mit Kunden zu reden.<\/p>\n<p>Spricht jemand die Verk\u00e4uferinnen in Zuwanderersprachen an, m\u00fcssen sie auf Deutsch antworten. \u201eDas wird uns bereits bei der Einstellung und sp\u00e4ter in Schulungen gesagt\u201c, sagt Kurtaran. \u201eSonst beschweren sich alteingesessene \u00d6sterreicher, hei\u00dft es.\u201c Diese Regel scheint es nicht nur bei Mann zu geben. T\u00fcrkische Str\u00f6ck- und serbische Anker-Mitarbeiterinnen best\u00e4tigen sie gegen\u00fcber dem Falter ebenfalls f\u00fcr ihre Handelsketten. Ganz im Gegensatz zu Englisch oder Franz\u00f6sisch, wo das fremdsprachige Parlieren sogar erw\u00fcnscht sei.<br \/>\nDabei setzen sich Mann, Str\u00f6ck und Anker sonst gegen Diskriminierung und f\u00fcr ein Zusammenleben der Volksgruppen ein. In Anker-Filialen liegt das Migrantenmagazin Biber auf. Mann engagiert sich im Verein \u201eWirtschaft f\u00fcr Integration\u201c, der wirtschaftstreibenden Migranten zu Selbstbewusstsein verhelfen will. Str\u00f6ck wirbt mit dem Slogan \u201eGrenzenloses Brotvergn\u00fcgen\u201c und propagiert gern das \u201egelebte Miteinander\u201c in seinen Filialen, wo Menschen aus 38 Nationen arbeiten.<\/p>\n<p>Experten bezweifeln jedoch, dass das Muttersprachenverbot dem Miteinander dienlich ist. \u201eEs raubt den Menschen ihr Selbstbewusstsein und signalisiert, dass ihre Sprache nichts wert ist\u201c, sagt der kurdischst\u00e4mmige Sozialarbeiter Ali Gedik, der mit t\u00fcrkischen Jugendlichen arbeitet. Auch Sprachwissenschaftler Rudolf de Cillia von der Uni Wien nennt die Regel \u201erespektlos und sprachlich diskriminierend\u201c. Sie reagiere auf eine \u201eAblehnung von Andersprachigkeit\u201c, die sich seit den 90ern breitmache. Besonders zum Ausdruck gekommen sei dies etwa 1999 im Caf\u00e9 des Hernalser Krankenhauses des g\u00f6ttlichen Heilands. Dort wurden neben dem Sprachverbot gar Mitarbeiterinnennamen eingedeutscht. \u201eFrau Zorica = Fr. Rosi, Frau Dubravka = Fr. Anni, Frau Mara = Fr. Maria\u201c, hie\u00df es in einem Rundschreiben.<\/p>\n<p>Was sagen die B\u00e4ckereien Anker, Str\u00f6ck und Mann selbst dazu? Str\u00f6ck streitet sie ebenso wie Mann schlicht ab. \u201eEin Missverst\u00e4ndnis\u201c, sagt der Sprecher von Str\u00f6ck: \u201eSelbstverst\u00e4ndlich darf man mit Kunden T\u00fcrkisch sprechen, genauso wie etwa Italienisch.\u201c Erw\u00fcnscht sei lediglich als \u201eGebot der H\u00f6flichkeit\u201c, dass Str\u00f6ck-Mitarbeiter untereinander keine Fremdsprache sprechen, wenn Kunden danebenstehen. Auch der Sprecher von Mann bestreitet in knappen Worten die Existenz der Regelung. N\u00e4heres w\u00fcrde er dem Falter aber nur unter der Bedingung erl\u00e4utern, dass er die wahre Identit\u00e4t von Mitarbeiterin Ayse Kurtaran erfahre, um \u201edieses Missverst\u00e4ndnis aufzukl\u00e4ren\u201c.<\/p>\n<p>Einzig die Sprecherin von Anker r\u00e4umt ein, dass Mitarbeiter im Kundengespr\u00e4ch zur deutschen Sprache \u201eangehalten\u201c w\u00fcrden. \u201eAnders kann Integration nicht funktionieren\u201c, meint sie. Die Direktive sei jedoch \u201eeher Empfehlung als Regelung\u201c, es drohen auch keine Sanktionen, wenn man jemandem etwa auf T\u00fcrkisch antwortet.<\/p>\n<p>Ayse Kurtaran von der B\u00e4ckerei Mann hat gelernt, auf ihre Weise mit der Regelung zu leben. Die meisten Kolleginnen w\u00fcrden sich f\u00fcgen, sagt sie. \u201eAber ich rede T\u00fcrkisch, wenn es passend ist.\u201c Einen R\u00fcffel des Filialchefs nehme sie dann eben in Kauf. \u201eEs ist doch gut, wenn man eine Fremdsprache spricht, oder?\u201c<\/p>\n<p>** Name von der Redaktion ge\u00e4ndert<\/p>\n<p><strong>Hier die Kontaktadressen der oben genannten B\u00e4ckereien, falls Sie diese darin best\u00e4rken wollen, die Menschen- und Sprachenrechte zu respektieren:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:presse@stroeck.at\" target=\"_blank\">presse@stroeck.at<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.dermann.at\/kontakt\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.dermann.at\/kontakt\/<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.ankerbrot.at\/index.php?option=com_facileforms&amp;Itemid=40\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ankerbrot.at\/index.php?option=com_facileforms&amp;Itemid=40<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00e4ckereiangestellte d\u00fcrfen mit Kunden nicht T\u00fcrkisch und Serbisch sprechen Aus dem FALTER 46\/2011. 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