{"id":1783,"date":"2011-12-18T17:50:12","date_gmt":"2011-12-18T15:50:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=1783"},"modified":"2011-12-18T17:50:12","modified_gmt":"2011-12-18T15:50:12","slug":"blutgeld-fuer-regierungsparteien-neues-von-heckler-koch-karitative-waffenfirma-in-spendierlaune","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=1783","title":{"rendered":"Blutgeld f&#252;r Regierungsparteien Neues von Heckler &amp; Koch: \u00bbKaritative\u00ab Waffenfirma in Spendierlaune"},"content":{"rendered":"<address>Von Ren\u00e9 Heilig<\/address>\n<p>Die aktuell am h\u00e4ufigsten  benutzte Kriegswaffe ist  gewiss die Kalaschnikow. Doch es gibt  zahlreiche Belege daf\u00fcr, dass das  <strong>G3 und sein Ableger HK33 in vielen  Konflikten die zweith\u00e4ufigsten  Mordinstrumente sind<\/strong>. Seit der  Entwicklung des G3-Gewehrs in den 50er  Jahren sollen weltweit <strong>\u00fcber zehn  Millionen St\u00fcck<\/strong> produziert worden sein.<!--more--><\/p>\n<p>Die Anzahl der damit Ermordeten d\u00fcrfte ein Vielfaches betragen. Denn  statistisch gesehen wird alle 14 Minuten ein Mensch von einer Kugel aus  dem Lauf einer Waffe von Heck-ler &amp; Koch get\u00f6tet.<\/p>\n<div>\n<div><img decoding=\"async\" id=\"img51068\" src=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/serveImage.php?id=51068&amp;type=o&amp;ext=.jpg\" alt=\"1\" \/><\/p>\n<div>Firmenwerbung<\/div>\n<div>Foto: nd-Screenshot Quelle: Heckler &amp; Koch<\/div>\n<\/div>\n<p>Die Parteispenden waren so gest\u00fcckelt, dass sie stets unterhalb  der ver\u00f6ffentlichungspflichtigen Grenze von j\u00e4hrlich 10 000 Euro  blieben. In den vergangenen zehn Jahren gingen acht solcher  Einzelspenden an den CDU-Kreisverband Rottweil. Die vorerst letzte wurde  angeblich im M\u00e4rz 2010 ausgereicht. Auch der FDP-Kreisverband  Tuttlingen best\u00e4tigte den Eingang von zwei Einzelspenden \u00fcber jeweils  5000 Euro in den Jahren 2009 und 2010.<\/p>\n<p>G\u00f6nner war die Firma Heckler &amp; Koch. Sie verdient gut mit ihren  weltweit begehrten Pistolen und Gewehren. Und damit das so bleibt,  m\u00f6chte sie sich erkenntlich zeigen gegen\u00fcber jenen, die den Erfolg  garantieren helfen. Der R\u00fcstungskonzern best\u00e4tigte jetzt, seit 2002  Parteispenden in H\u00f6he von 93 000 Euro gezahlt zu haben. Insgesamt bekam  die CDU seit 2002 70 000 Euro, der FDP wurden 20 000 Euro und der SPD  3000 Euro zuerkannt.<\/p>\n<p>Vor 60 Jahren stellte Heckler &amp; Koch wegen des Verbots der  Alliierten, Kriegswaffen zu produzieren, noch N\u00e4hmaschinen und  Fahrradteile her. Doch kaum ergaben sich Spielr\u00e4ume zur  Wiederbewaffnung, war man wieder im Kriegsgesch\u00e4ft. Die Firma gewann mit  dem Sturmgewehr G3 eine Ausschreibung der Bundeswehr. Die Lizenz ging  in die H\u00e4nde des Bundes \u00fcber.<\/p>\n<p>Und von dort (bisweilen sogar kostenfrei) an verschiedene andere  ausl\u00e4ndische Hersteller. Dabei war es egal, wie blutig die Diktatoren  regierten, die so an damals moderne Mordinstrumente gelangten. G3 fanden  und finden sich in Portugal, Pakistan, Iran, T\u00fcrkei, Mexiko, Thailand  und Myanmar &#8230; Die Waffen wurden im Jugoslawien-Krieg eingesetzt, sie  sind \u00fcberall in Afrika in Gebrauch, in Sri Lanka schoss man ebenso damit  wie in Kenia, wo das G3 Standardwaffe der Polizei ist. Die  Bundesregierung gibt sich hilflos. Was soll sie machen, wenn andere  einfach Lizenzvertr\u00e4ge \u00fcbergehen?<\/p>\n<p>Zumindest keine neuen abschlie\u00dfen. Beim G36, dem j\u00fcngsten  Exportschlager von Heckler &amp; Koch hat die Regierung nichts  unternommen, um die Vergabe von Lizenzen zu verbieten. Das G36 wird nun  bereits seit einigen Jahren wie in Deutschland so in Spanien gebaut. Im  kommenden Jahr wird es auch in Saudi-Arabien in Serie gefertigt. Das  ginge jedoch nicht ohne die Lieferung von Schl\u00fcsselkomponenten aus  Deutschland. Man habe alles im Griff, beschwichtigt die Bundesregierung.  Sie behauptet auch, den Export solcher Waffen aus Deutschland  \u00bbrestriktiv\u00ab zu handhaben. Beispielsweise durch die sogenannte  Endverbleibsklausel in den Exportvertr\u00e4gen. So ist die Regierung dann  jedes Mal h\u00f6chst erstaunt, wenn G36 in L\u00e4ndern und Regionen auftauchen,  wo sie eigentlich nicht sein d\u00fcrften &#8211; beispielsweise in Libyen, in  mexikanischen Spannungsgebieten oder im Georgien-Krieg.<\/p>\n<p>Der weltweit f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Hersteller von Gewehren und Pistolen ist  schon mehrfach wegen Waffenlieferungen an Embargo-Staaten in die Kritik  geraten. Bereits mehrmals mussten sich Staatsanw\u00e4lte zur Ermittlung  tragen lassen. Die juristischen Konsequenzen bleiben meist mager.<\/p>\n<div>\n<table border=\"0\" width=\"50\" summary=\"Designtabelle\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a title=\"Bild anzeigen: 2\"> <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><strong>Heckler &amp; Koch GmbH: \u00bbDie Spenden &#8230; richten sich an Parteien,  deren sicherheitspolitische Programmatik die Verl\u00e4sslichkeit der  Bundesrepublik Deutschland als NATO-Partner in den Mittelpunkt stellt.  Sie sind weder an bestimmte Zeitpunkte noch an andere Kriterien als das  genannte gebunden, sondern Teil unseres gesellschaftlichen Engagements,  das wir au\u00dferdem mit Spenden f\u00fcr karitative Zwecke wahrnehmen.<\/strong><br \/>\nDerzeit ist die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wieder einmal nicht  umhin gekommen, sehr, sehr bed\u00e4chtig gegen Heckler &amp; Koch zu  ermitteln. Es geht um m\u00f6gliche illegale Lieferungen nach Mexiko und die  Frage, wie G36 in die H\u00e4nde von Gaddafis Sicherheitsbeh\u00f6rden gelangen  konnten. Bei einer Razzia auf dem Firmengel\u00e4nde des Waffenherstellers in  Oberndorf haben sich j\u00fcngst gewisse Anhaltspunkte daf\u00fcr ergeben, dass  eine Spende \u00bbgezielt im Hinblick auf eine bestimmte Genehmigung zum  Export von Waffen nach Mexiko platziert wurde\u00ab. Sagt die Sprecherin der  Staatsanwaltschaft etwas nebul\u00f6s. Die Spende, so l\u00e4sst sie sich noch  entlocken, sei an eine Partei geflossen, der auch ein Beamter angeh\u00f6re,  der f\u00fcr die n\u00f6tigen Ausfuhrgenehmigungen zust\u00e4ndig sei.<\/p>\n<p>Vermutlich geht es um eine Spende von 5000 Euro an den  FDP-Kreisverband Tuttlingen. Dem steht Ernst Burgbacher, ein einstiger  Gymnasiallehrer, vor. Auf dessen Website erf\u00e4hrt man zwar nicht &#8211; wie  behauptet &#8211; \u00bballes\u00ab \u00fcber Burgbacher, wohl aber, dass er Staatssekret\u00e4r  beim Bundesminister f\u00fcr Wirtschaft und Technologie ist und Mittelstand  und Tourismus zu seinen Aufgabengebieten geh\u00f6ren. Das, so sagt er, mache  \u00bbin Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs &#8230; nat\u00fcrlich besonders  Freude\u00ab. H &amp; K boomt. Ein Grund zur Freude?<\/p>\n<p>Burgbachers Ministerium, einst vom heutigen FDP-Fraktionschef im  Bundestag Rainer Br\u00fcderle und nun von seinem Nachfolger, Vizekanzler  Philipp R\u00f6sler, geleitet, ist f\u00fcr R\u00fcstungsexportgenehmigungen zust\u00e4ndig.  Zufall eben.<\/p>\n<p>So wie es nicht strafw\u00fcrdig ist, dass \u00bbHeckler &amp; Koch\u00ab dem  CDU-Kreisverband Rottweil 10 000 Euro gegeben hat, aus dem der  Unionsfraktionschef Volker Kauder stammt. Selbstverst\u00e4ndlich setzt auch  er sich f\u00fcr die Unternehmen seines Wahlkreises und damit f\u00fcr  R\u00fcstungsbetriebe ein. Zufriedene Angestellte sind oft auch brave W\u00e4hler.  Im Fr\u00fchjahr 1998 gr\u00fcndete Kauder die \u00bbAbgeordnetengruppe Wehrtechnik\u00ab  in der Unionsfraktion. Sein Bruder, der Rechtsanwalt und CDU-Abgeordnete  Siegfried Kauder, paukte 1994 einen H &amp; K-Manager raus, der gegen  das Kriegswaffenkontrollgesetz versto\u00dfen haben sollte. CDU und  Waffenschmiede sind durch \u00bbeine lange und intensive Liaison\u00ab verbunden,  betont der R\u00fcstungsgegner J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin, ein ausgewiesenen Kenner der  Oberndorfer Firmenpolitik.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Bundesregierung selbst Abgeordneten Auskunft \u00fcber einen  aktuellen Indien-Deal mit MP5 verweigert, geht der Hersteller in die  Offensive. Die Maschinenpistolen, so wird vermutet, sollen nicht nur an  die Bundespolizei gehen, sondern auch an diverse Polizeikommandos, denen  das deutsche Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zuletzt  Waffen verweigert habe. H &amp; K sagt dazu: \u00bbDer Auftrag entspricht in  allen Punkten den Genehmigungskriterien des deutschen  Kriegswaffenkontrollrechtes.\u00ab Indien z\u00e4hle zu den NATO-Partnern, sei  \u00bbein demokratisch legitimierter souver\u00e4ner Staat\u00ab und werde als  vertrauensw\u00fcrdig eingestuft.<\/p>\n<p>So wie Heckler &amp; Koch. Jedenfalls aus Sicht mancher Parteien.<\/p>\n<p><em>Nicht selten morden Kinder mit den in Deutschland entwickelten  Waffen. Neben den genannten sind die MP5, das G36 und das MG4 weit  verbreitet.<\/em><br \/>\n<em>Die Standardauskunft der Bundesregierung zum  Problem sogenannter Kleinwaffen lautet: \u00bbDie destabilisierende Anh\u00e4ufung  und Verbreitung von Kleinwaffen stellt eine Bedrohung f\u00fcr Frieden,  Sicherheit und Entwicklung dar. In internen und grenz\u00fcberschreitenden  Konflikten werden die weitaus meisten Opfer durch den Einsatz von  Kleinwaffen und leichten Waffen und dazugeh\u00f6riger Munition verursacht.  Insbesondere in Entwicklungsl\u00e4ndern k\u00f6nnen Kleinwaffen h\u00e4ufig durch  international operierende Waffenvermittler billig illegal beschafft  werden, nationale Kontrollmechanismen sind in diesen Staaten zumeist  wenig entwickelt. Oft behindern Kleinwaffen die wirtschaftliche und  soziale Entwicklung und tragen nicht selten zu einer gewaltsamen  Eskalation von Konflikten bei.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Das stimmt. Nur bleiben Folgerungen wie ein striktes Waffenexportverbot aus.<\/em><\/div>\n<p>URL: <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/213266.blutgeld-fuer-regierungsparteien.html\">http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/213266.blutgeld-fuer-regierungsparteien.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Ren\u00e9 Heilig Die aktuell am h\u00e4ufigsten benutzte Kriegswaffe ist gewiss die Kalaschnikow. Doch es gibt zahlreiche Belege daf\u00fcr, dass das G3 und sein Ableger HK33 in vielen Konflikten die zweith\u00e4ufigsten Mordinstrumente sind. Seit der Entwicklung des G3-Gewehrs in den 50er Jahren sollen weltweit \u00fcber zehn Millionen St\u00fcck produziert worden sein.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1783","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1783"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1783\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}