{"id":1789,"date":"2011-12-24T13:51:37","date_gmt":"2011-12-24T11:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=1789"},"modified":"2011-12-24T13:51:37","modified_gmt":"2011-12-24T11:51:37","slug":"im-fadenkreuz-der-rechtspopulisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=1789","title":{"rendered":"Im Fadenkreuz der Rechtspopulisten"},"content":{"rendered":"<p>Die Medienwissenschaftlerin <strong>Sabine Schiffer,<\/strong> die im Herbst 2009 auf Einladung der Steir. Friedensplattform zum Thema <strong><em>Islambild im Kontext von Kriegsberichtserstattung<\/em><\/strong> referierte, ist immer \u00e4rgeren Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt. Die deutsche Kriminalpolizei ermittelt in ihrem Fall nicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"img51442\" src=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/serveImage.php?id=51442&amp;type=o&amp;ext=.jpg\" alt=\"0179465073054564462b2c3205734bde.jpg\" width=\"253\" height=\"170\" \/><\/p>\n<div>\n<pre><span style=\"color: #808080;\">IMV-Chefin Sabine Schiffer\nFoto: Online-Zeitung Schattenblick, www.schattenblick.de<\/span><\/pre>\n<\/div>\n<h5><\/h5>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/213857.im-fadenkreuz-der-rechtspopulisten.html\">http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/213857.im-fadenkreuz-der-rechtspopulisten.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Von Susann Witt-Stahl<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/ausgabe\/2011-12-22\">22.12.2011<\/a> \/  \t<a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/rubrik\/inland\">Inland<\/a><\/p>\n<h2>Die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer wird wegen ihrer Studien zur Islamophobie zunehmend angefeindet<\/h2>\n<div>\n<div>Massiven Anfeindungen von Ultrarechten und Rechtspopulisten ausgesetzt  zu sein, das geh\u00f6rt f\u00fcr die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer zum  Alltag. Sie wird zunehmend zum Zielobjekt \u00fcbler Diffamierungen und  aggressiver Beschimpfungen &#8211; neuerdings auch einer Morddrohung. Die  Kripo ermittelt jedoch nicht.<\/div>\n<p>Die anonymen Briefe an die Leiterin des Instituts f\u00fcr  Medienverantwortung (IMV) strotzen vor verschw\u00f6rungstheoretischen  Weltbildern: \u00bbNSDAP, SED-PDS-LINKE, Gr\u00fcne\u00ab seien \u00bblinks vereint\u00ab.  Schiffer sei eine \u00bbrote Mauerm\u00f6rderin\u00ab und im Pakt mit den  \u00bbmohammedanischen Halsabschneidern\u00ab.<\/p>\n<p>Was die P\u00f6bler offenbar auf die Palme bringt: Schiffer leistet mit  dem Erlanger IMV seit sechs Jahren Aufkl\u00e4rungsarbeit \u00fcber die Techniken  der Erzeugung und Verbreitung fremdenfeindlicher Ressentiments. In  Publikationen wie \u00bbAntisemitismus und Islamophobie &#8211; ein Vergleich\u00ab  haben Schiffer und ihre Kollegen mittels Sprach- und Bildanalysen eine  Reihe von Strategien rechter Demagogen zur Manipulation und  Desinformation der \u00d6ffentlichkeit aufgedeckt.<\/p>\n<p>Auf dem 4. Wunsiedler Forum im vergangenen Monat problematisierte  Schiffer den ideologischen Missbrauch der Meinungsfreiheit durch rechte  Gruppierungen und Parteien. Seit sie im Oktober einen Artikel mit dem  Titel \u00bbIslamfeinde im straffreien Raum\u00ab ver\u00f6ffentlicht hat, w\u00e4chst die  Drohkulisse: \u00bbDu hast Dich des Hochverrats am Deutschen Volk schuldig  gemacht\u00ab, lautete eine Morddrohung, deren anonyme Verfasser ank\u00fcndigten,  Schiffer werde \u00bbin K\u00fcrze\u00ab ihre \u00bbgerechte Strafe\u00ab empfangen und  exekutiert.<\/p>\n<p>Diese Vernichtungsrhetorik geh\u00f6rt auf Internet-Prangern wie  Politically Incorrect (PI) zum guten Ton. Die Betreiber von N\u00fcrnberg 2.0  haben f\u00fcr Schiffer in der Abteilung \u00bbLinksextremisten\u00ab eine \u00bbAkte\u00ab mit  \u00bbSteckbrief\u00ab angelegt und wollen sie wegen des Straftatbestandes der  \u00bbrechtswidrigen Islamisierung Deutschlands\u00ab nach \u00bbdem Muster des  N\u00fcrnberger Kriegsverbrecher-Tribunals von 1945\u00ab aburteilen.<\/p>\n<p>Die Hetze kommt nicht nur vom rechten Rand der Gesellschaft: Auch der  Sarrazin- und Wilders-Sympathisant Henryk M. Broder, dem  \u00f6ffentlich-rechtliche Sendeanstalten eine eigene TV-Serie finanziert  haben, bl\u00e4st schon seit Jahren mit seinem Internet-Portal \u00bbDie Achse des  Guten\u00ab zur Treibjagd auf Schiffer. Broder f\u00fchrt die Wissenschaftlerin  unter der Kategorie \u00bbLRG-Fraktion (linksreaktion\u00e4re Gutmenschen)\u00ab.  Schiffers angebliches Vergehen: Sie unterhalte eine \u00bbprivate  Reichsschrifttumskammer f\u00fcr den politisch korrekten Umgang mit der  Berichterstattung \u00fcber den Islam\u00ab.<\/p>\n<p>Broder f\u00fchrt den Feldzug gegen Schiffer nicht zuletzt in eigener  Sache: Schon lange ist er vom Wut- zum Hass-B\u00fcrger aufgestiegen, der wie  ein Berserker nicht nur gegen den Islam, sondern auch gegen  \u00bblinksreaktion\u00e4re Schlampen\u00ab (wie die LINKE-Politikerin Ulla Jelpke)  tobt. Seine \u00bbAchse\u00ab hat Verbindung zur Neuen Rechten: 2005 feierten  Broder &amp; Co mit PI-Gr\u00fcnder Stefan Herre und rund 60 anderen  Internet-Megafonen rassistischer und antikommunistischer Tiraden einen  \u00bbProwestlichen Heimatabend\u00ab. Laut \u00bbFrankfurter Rundschau\u00ab stehen Broder  und Herre zumindest in regem E-Mail-Kontakt.<\/p>\n<p>Lange hatte Schiffer alle Verbalinjurien ignoriert oder bel\u00e4chelt.  \u00bbMittlerweile weisen die nicht selten mit Broder-Zitaten angereicherten  Hass-Mails und -Blogs eine bedenkliche Radikalit\u00e4t auf\u00ab, stellt die  Medienp\u00e4dagogin fest. Als Anfang Oktober die Todesdrohung kam,  entschloss sie sich, die Kripo einzuschalten. Mitarbeiter des IMV hatten  die IP-Adresse des australischen Internet-Dienstes festgehalten, \u00fcber  den der Absender seine Drohung verschickt hatte. \u00bbNat\u00fcrlich wird  ermittelt\u00ab, versicherte eine Sprecherin des Polizeipr\u00e4sidiums  Mittelfranken gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab. Diese Aussage kann Schiffer nicht  best\u00e4tigen: \u00bbIch erhielt die Auskunft, dass nicht mehr ermittelt werden  k\u00f6nne, weil die Verbindungsdaten nur sieben Tage gespeichert werden  d\u00fcrfen.\u00ab Das klingt nach einer Ausrede. Erstens gelten die Vorschriften  nur f\u00fcr Deutschland; zweitens hatte Schiffer rechtzeitig Anzeige  erstattet. Die Kripo h\u00e4tte noch drei Tage Zeit gehabt, um die Daten  zur\u00fcckzuverfolgen. Dass gar kein Versuch unternommen worden war, so  Schiffer, habe sich \u00bberst auf Nachfrage zwei Monate sp\u00e4ter  herausgestellt\u00ab.<\/p>\n<p>Die Zur\u00fcckhaltung der Polizei \u00fcberrascht nicht: Obwohl auf rechten  Krawall-Webseiten wie PI Volksverhetzung betrieben wird &#8211; sie bleiben  vom Bundeskrimimalamt und Verfassungsschutz unbehelligt. Eine Ermutigung  f\u00fcr die T\u00e4ter. Sie zerren immer mehr ihrer Kritiker &#8211; darunter die  Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan und die Publizistin Mely Kiyak &#8211;  ins Fadenkreuz ihrer hasserf\u00fcllten Angriffe.<\/p>\n<div><strong>Von Susann Witt-Stahl<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/ausgabe\/2011-12-22\">22.12.2011<\/a> \/  \t<a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/rubrik\/inland\">Inland<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer, die im Herbst 2009 auf Einladung der Steir. Friedensplattform zum Thema Islambild im Kontext von Kriegsberichtserstattung referierte, ist immer \u00e4rgeren Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt. Die deutsche Kriminalpolizei ermittelt in ihrem Fall nicht. 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