{"id":1904,"date":"2012-02-03T10:19:49","date_gmt":"2012-02-03T08:19:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=1904"},"modified":"2012-02-03T10:19:49","modified_gmt":"2012-02-03T08:19:49","slug":"muslimbrueder-sind-die-neue-kraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=1904","title":{"rendered":"&quot;Muslimbr&#252;der sind die neue Kraft&quot;"},"content":{"rendered":"<h5><span style=\"font-size: small;\">ARABELLION <\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"font-size: small;\">Den USA ist die Stabilit\u00e4t \u00c4gyptens wichtig. Deshalb f\u00fchrt kein  Weg an Gespr\u00e4chen mit den demokratisch gew\u00e4hlten islamischen Parteien  vorbei<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><!--more--><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>INTERVIEW INES KAPPERT<\/p>\n<p><strong>taz: Frau Viola, wie wichtig ist \u00c4gypten nach dem Sturz von  Mubarak noch f\u00fcr die USA?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lora Anne Viola:<\/strong> \u00c4gypten spielt nach wie vor eine  wichtige geostrategische Rolle. Es ist weiterhin der Garant f\u00fcr Stabilit\u00e4t im  Nahen Osten. Deswegen haben die USA die j\u00e4hrliche Milit\u00e4rhilfe von 1,3  Milliarden Dollar auch nach dem R\u00fccktritt von Mubarak nicht gek\u00fcrzt.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem gibt es offenbar eine Entfremdung zwischen den  traditionellen Partnern, also zwischen den USA und dem \u00e4gyptischen Milit\u00e4r. Dies  kann man an der Entscheidung des Milit\u00e4rs sehen, B\u00fcros amerikanischer  Menschenrechtsorganisationen in Kairo zu schlie\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das stimmt. Die USA m\u00fcssen jetzt einen Spagat hinkriegen.  Einerseits gibt es starke Bindungen zum Milit\u00e4r. Das war ja auch der Grund  daf\u00fcr, warum die USA Mubarak so lange wie irgend m\u00f6glich gest\u00fctzt haben.  Andererseits zeigen die Wahlergebnisse, dass die Muslimbr\u00fcder die neue  politische Kraft sind. Die USA m\u00fcssen also auch mit ihnen reden.<\/p>\n<p><strong>Mit islamischen Gruppen zu verhandeln f\u00e4llt den USA nicht  leicht.<\/strong><\/p>\n<p>Nein, sie waren da traditionell immer misstrauisch. Aber die  Obama-Administration hat hier einen Paradigmenwechsel vollzogen. Demokratisch  gew\u00e4hlte islamische Parteien sind kein Tabu mehr, sondern werden nun von den USA  als Verhandlungspartner akzeptiert.<\/p>\n<p><strong>Werden die USA jetzt, nachdem die Diktatur nicht mehr zu  halten ist, die Demokratiebewegung in \u00c4gypten unterst\u00fctzen? Oder werden sie bei  ihrer Strategie bleiben, wonach nur das Milit\u00e4r f\u00fcr Stabilit\u00e4t sorgen kann? <\/strong><\/p>\n<p>Das genau wird gerade diskutiert. Sicher ist, dass es in  Washington inzwischen eine starke Abneigung gegen Interventionen gibt. Selbst  gegen Interventionen, die die Demokratie bef\u00f6rdern sollen.<\/p>\n<p><strong>Weil die Interventionen im Irak und in Afghanistan so  schiefgegangen sind?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Obamas Rede vom Ende der \u00c4ra 9\/11 meint ja, dass man sich  zuk\u00fcnftig mit direkten Einmischungen zur\u00fcckhalten wird. Entsprechend wurde auch  die Milit\u00e4rstrategie ge\u00e4ndert, die keine langfristigen Nation-Building-Projekte  mehr unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><strong>1,3 Milliarden Dollar pro Jahr f\u00fcr das \u00e4gyptische Milit\u00e4r  sind aber doch eine ziemlich direkte Einmischung in das Land. <\/strong><\/p>\n<p>Sicher. Die USA wollen Stabilit\u00e4t, das ist das, was sie  interessiert &#8211; nicht zuletzt auch wegen Israel. \u00c4gypten spielt da eine  Schl\u00fcsselrolle. Und wenn Stabilit\u00e4t bedeutet, dass man das Milit\u00e4r finanzieren  und gleichzeitig mit den Muslimbr\u00fcdern reden muss, dann wird die  Obama-Administration das tun.<\/p>\n<p><strong>Sie finden es richtig, dass die USA mit den Muslimbr\u00fcdern  reden?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist schlicht nicht mehr zu vermeiden und es ist vern\u00fcnftig.  Wenn die USA Interesse daran haben, dass die Muslimbr\u00fcder sich nicht  radikalisieren und dass \u00c4gypten nicht im Chaos versinkt, sondern sich  demokratisiert, dann m\u00fcssen sie mit den gew\u00e4hlten Parteien in Dialog treten. Die  USA m\u00fcssen anerkennen, dass islamische Parteien in der Zukunft des Nahen Ostens  eine zentrale Rolle spielen werden.<\/p>\n<p><strong>Wird diese \u00d6ffnung gegen \u00fcber allen demokratisch gew\u00e4hlten,  also auch islamischen Parteien r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht, wenn die Republikaner die  amerikanischen Wahlen gewinnen?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, das glaube ich nicht. Auch die Republikaner werden  versuchen, Stabilit\u00e4t herzustellen. Und die ist ohne die Muslimbr\u00fcder  beziehungsweise ohne islamische Parteien im Nahen Osten nicht mehr zu haben.  Vielleicht werden die Republikaner sich einer anderen, muslimkritischeren  Rhetorik bedienen, auch um sich von Obama abzugrenzen. Mehr aber auch nicht.<\/p>\n<p><strong>Viele j\u00fcngere Leute, die gegen die Mubarak-Diktatur gek\u00e4mpft  haben, sehen das Milit\u00e4r als die zentrale Gefahr f\u00fcr die Demokratisierung, nicht  die Muslimbr\u00fcder. M\u00fcssten die USA also nicht vor allem darauf dr\u00e4ngen, dass das  Milit\u00e4r sich f\u00fcr demokratisches Gedankengut \u00f6ffnet?<\/strong><\/p>\n<p>In der Obama-Regierung w\u00e4chst ja allm\u00e4hlich die Erkenntnis,  dass das Milit\u00e4r sich nicht korrekt verh\u00e4lt. Die Zukunft des  Demokratisierungsprozesses wird von der Bereitschaft des Milit\u00e4rs abh\u00e4ngen,  Macht abzugeben, aber auch davon, ob sich die islamischen Parteien glaubhaft zu  einer M\u00e4\u00dfigung und zur Demokratie bekennen werden.<\/p>\n<p>Dass islamische Parteien in der Zukunft des Nahen Ostens eine  zentrale Rolle spielen werden, m\u00fcssen die USA anerkenen<\/p>\n<p><span> <\/span><\/p>\n<h1><span style=\"font-size: small;\">LORA ANNE VIOLA<\/span><\/h1>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.taz.de\/gifs\/bl.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" \/> ist Juniorprofessorin am John-F.-Kennedy-Institut der Freien  Universit\u00e4t Berlin. Sie besch\u00e4ftigt sich mit US-Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik,  Internationalen Institutionen und Organisationen, mit &#8222;Global Governance&#8220; und  Diplomatie.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=me&amp;dig=2012%2F01%2F21%2Fa0217&amp;cHash=d5cb13684c\" target=\"_blank\">http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=me&amp;dig=2012%2F01%2F21%2Fa0217&amp;cHash=d5cb13684c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ARABELLION Den USA ist die Stabilit\u00e4t \u00c4gyptens wichtig. 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