{"id":2063,"date":"2012-03-19T10:14:48","date_gmt":"2012-03-19T08:14:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2063"},"modified":"2012-03-19T10:14:48","modified_gmt":"2012-03-19T08:14:48","slug":"iran-wieder-einmal-im-fadenkreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2063","title":{"rendered":"Iran wieder einmal im Fadenkreuz"},"content":{"rendered":"<h2>S\u00e4belrasseln gegen den Iran ist nichts Neues; aber das hei\u00dft nicht, dass die Drohung eines Kriegs nicht real ist<\/h2>\n<p><strong>Von Phyllis Bennis <!--more--><\/strong><\/p>\n<p>Nun denn, auf ein Neues mit der Iran-Hysterie ! Es ist verlockend zu  glauben, dass auch dieses Mal das S\u00e4belrasseln gegen den Iran sich nicht  unterscheidet von den vorangegangenen F\u00e4llen. Allerdings gibt es  signifikante neue Gefahren. Der Arabische Fr\u00fchling, Israels Position ,  \u00c4nderungen im regionalen und globalen Gleichgewicht  der Kr\u00e4fte und  nationale Wahlk\u00e4mpfe, all das deutet auf potenziell gravierendere  Risiken bei der derzeitigen Runde anti-iranischer Hysterie als noch vor  f\u00fcnf oder sechs Jahren hin.<\/p>\n<p>Wir haben das alles ja schon mal erlebt. Die USA versch\u00e4rfen ihren  Tonfall, Israel droht mit einem milit\u00e4rischen Angriff, die versch\u00e4rften  Sanktionen treffen die iranische Bev\u00f6lkerung h\u00e4rter, der Iran weigert  sich von der Urananreicherung abzulassen. Aber zur gleichen Zeit geben  US-Spitzenmilit\u00e4rs und -geheimdienstler tats\u00e4chlich zu, dass der Iran  keine Nuklearwaffe besitzt, sie auch nicht baut, und noch nicht  entschieden hat, ob er \u00fcberhaupt ein Bauprogramm beginnen soll.<\/p>\n<p>2004 prangerte Israels Premierminister die internationale Gemeinschaft  an, dass sie nicht genug unternehme, um den Iran vom Bau einer Atombombe  abzuhalten. 2005 wurde berichtet, dass die israelische Armee bis Ende  M\u00e4rz bereit sei f\u00fcr m\u00f6gliche Schl\u00e4ge gegen geheime  Urananreicherungsanlagen im Iran. 2006 ver\u00f6ffentlichte das US House  Armed Services Committee einen Bericht, entworfen von einem Mitarbeiter  des Kongresses (einem Assistenten des kompromisslosen  Kriegsbef\u00fcrworters, und damaligen US-Botschafters bei der UNO, John  Bolton), in dem behauptet wurde, dass der Iran dabei sei, waffenf\u00e4higes  Uran auf 90 Prozent anzureichern. Im selben Jahr drohte ein anderer  Israelischer Premierminister mit einem Milit\u00e4rschlag gegen den Iran.  2008 besuchte George W. Bush Israel, um dort zu versichern, dass \u201ealle  Optionen\u201c weiterhin auf dem Tisch l\u00e4gen.<\/p>\n<p>Die fr\u00fchere Krise zeigte eine sehr \u00e4hnliche Kluft zwischen der  D\u00e4monisierung, Sanktionen, Drohungen mit Milit\u00e4rschl\u00e4gen gegen Iran und  andererseits der scheinbar widerspr\u00fcchlichen Anerkennung seitens der  USA, Israel, der Vereinten Nationen und anderer Milit\u00e4rs und  Geheimdienstler, dass der Iran in der Tat weder Nuklearwaffen , noch ein  Nuklearwaffenprogramm besa\u00df, und noch nicht einmal eine Entscheidung  zum Beginn desselben getroffen hatte.<\/p>\n<p>Das US National Intelligence Estimate (NIE)* kam 2005 zu dem Schluss,  dass selbst wenn der Iran beschlie\u00dfen sollte, eine Atombombe bauen zu  wollen, dies kaum fr\u00fcher als in f\u00fcnf bis zehn Jahren erfolgen k\u00f6nne, und  dass die Herstellung von genug spaltbarem Material in f\u00fcnf Jahren  unm\u00f6glich sein w\u00fcrde, es sei denn, dem Iran gel\u00e4nge ein schnellerer und  erfolgreicherer Fortschritt als bisher. 2007 machte NIE einen noch  weiteren R\u00fcckzieher  bei der Feststellung \u201emit hoher Glaubw\u00fcrdigkeit,  dass im Herbst 2003 Teheran sein nukleares Waffenprogramm gestoppt  hatte\u2026 Teheran hatte bis Mitte 2007 sein Nuklearwaffenprogramm nicht  wieder gestartet.\u201c   NIE gab sogar zu, \u201ewir wissen nicht ob Teheran  gegenw\u00e4rtig beabsichtigt Nuklearwaffen zu entwickeln.\u201c Das lie\u00df nun die  d\u00fcsteren Drohungen gegen den Iran ziemlich lahm aussehen. Also war es  vielleicht keine \u00dcberraschung dass Newsweek  Magazine beschrieb, wie in  pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen mit dem israelischen Premier Ehud Olmert in der  letzten Woche der Pr\u00e4sident das Dokument praktisch verleugnete.<\/p>\n<p>Die International Atomic Energy Agency (IAEA, der &#8222;Wachhund&#8220; der UNO )  ver\u00f6ffentlichte einen Bericht nach dem anderen mit dem Tenor, sie k\u00f6nne  keine Beweise daf\u00fcr finden, dass der Iran angereichertes Uran abgezweigt  habe f\u00fcr ein Waffenprogramm. Die UN-Inspektion verwarf in scharfen Ton  den Bericht des Armed Services Committee und bezeichnete einige seiner  Behauptungen \u00fcber Irans angebliche Nuklearwaffen-Aktivit\u00e4ten als  unrichtig und andere als \u201eemp\u00f6rend und unaufrichtig\u201c.  Doch neben dem  Wei\u00dfen Haus des George  W. Bush, das einen gro\u00dfen Teil der Hysterie  anf\u00fchrte, waren es Mitglieder des Kongresses, die neo-con  Expertenkommissionen, hysterische Talkshow Gastgeber und viele der  Mainstream Medien, die sich f\u00f6rmlich \u00fcberschlugen.<\/p>\n<p><strong> Damals und heute <\/strong><\/p>\n<p>All dies klingt doch gerade jetzt sehr vertraut. Milit\u00e4r- und  Geheimdienstf\u00fchrung in Israel und den USA geben wieder mal zu, dass der  Iran keine Nuklearwaffen besitzt. ( Israel, nat\u00fcrlich, verf\u00fcgt \u00fcber  solche, aber dar\u00fcber spricht niemand .) Verteidigungsminister Leon  Panetta fragte und beantwortete seine eigene Frage zum Iran .     \u201eVersuchen sie gerade eine Nuklearwaffe zu entwickeln ? Nein.\u201c  Der  Director of National Intelligence, James R. Clapper, Jr., gab zu, dass  die USA noch nicht einmal w\u00fcssten, \u201eob der Iran irgendwann entscheiden  wird Nuklearwaffen zu bauen\u201c. Der letzte 2011 NIE Bericht stellt klar,  dass eine keine neuen Beweise g\u00e4be, die Schlussfolgerungen von 2007 in  Frage zu stellen; der Iran hat immer noch kein Nuklearwaffenprogramm in  Arbeit.<\/p>\n<p>Laut &#8222;Indepedent&#8220; \u201eist beinahe das gesamte obere israelische Milit\u00e4r-  und Geheimdienst-Establishment besorgt \u00fcber einen vorzeitigen Angriff  auf den Iran und noch mehr \u00fcber dessen m\u00f6gliche Auswirkungen.\u201c Der  fr\u00fchere Chef der israelischen Armee (IDF) sagte, \u201ees ist sehr klar, dass  viele, wenn nicht alle, in der Armee-F\u00fchrung eine milit\u00e4rische Aktion  zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt nicht bef\u00fcrworten.\u201c<\/p>\n<p>Aber trotz aller milit\u00e4rischen und Geheimdienst-Experten bleibt die  Gefahr eines Krieges doch weiter drohend am Horizont. Republikanische  Kandidaten h\u00e4mmern auf ihr Rednerpult bei ihren Versprechen, dass \u201ewenn  ich Pr\u00e4sident bin &#8230;\u201c  der Iran internationale Inspektoren akzeptieren  wird \u2013 als ob die IAEA nicht bereits seit Jahren ein Inspektorenteam im  Iran unterh\u00e4lt. Wir h\u00f6ren \u00fcberhitzte Ger\u00fcchte \u00fcber iranische Geistliche,  die ihrem Volk Atombomben versprechen \u2013 als ob nicht die iranische  F\u00fchrung  tats\u00e4chlich Fatwas  gegen Nuklearwaffen ausgesprochen h\u00e4tte,  etwas, das sich nur sehr schwer revidieren lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Es geht in der Tat schon um einige strategische Punkte, aber die  gegenw\u00e4rtige Anti-Iran Mobilisierung ist prim\u00e4r politischer Natur. Sie  hat keinen Bezug zu tats\u00e4chlichen US oder israelischen milit\u00e4rischen  oder geheimdienstlichen Bedrohungseinsch\u00e4tzungen, sondern viel mehr zu  politischen Verh\u00e4ltnissen, die Politiker, hier und in Israel, dr\u00e4ngen,  den Furcht-Faktor \u00fcber iranische Waffen  (wie non-existent auch immer )  und die Dringlichkeit eines Angriffs auf den Iran ( wie ungesetzlich   auch immer ) zu eskalieren. Und nat\u00fcrlich besteht die Gefahr, dass diese  Art von Rhetorik  die F\u00fchrer  gefangen nimmt und sie  glauben macht,  sie k\u00f6nnten von ihren kriegerischen Worten nicht mehr abr\u00fccken.<\/p>\n<p><strong> Israel im Zentrum <\/strong><\/p>\n<p>Einer der Hauptunterschiede zum Propaganda-Vorlauf zum Irak-Krieg ist  die kontinuierliche Schl\u00fcsselrolle Israels und seiner Unterst\u00fctzer,  insbesondere von AIPAC in den USA, beim Dr\u00e4ngen auf einen Krieg gegen  den Iran. Sicherlich war es so, dass Israel auf den Zug eines Kriegs  gegen den Irak aufsprang, als es klar wurde, dass der Krieg unvermeidbar  war, aber die strategischen US-Interessen bez\u00fcglich \u00d6l und der  Ausdehnung der US-Milit\u00e4rmacht hatten absolute Priorit\u00e4t. Bereits damals  sah Israel den Iran als eine bei weitem gr\u00f6\u00dfere Gefahr an als den Irak.  Und jetzt sind die Israelis dabei, diese angebliche Bedrohung als  Druckmittel auf f\u00fchrende Politiker und zur Ausgestaltung der  US-Au\u00dfenpolitik auf eine gef\u00e4hrliche Weise zu verwenden. W\u00e4hrend der  jetzigen Wahlkampf-Kampagne ist Obama unter dem st\u00e4rksten Druck, dem er  jemals ausgesetzt war und wohl auch in Zukunft ausgesetzt sein wird, um  die israelische Position unzweideutig zu verteidigen, und die USA zu  milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung zu verpflichten f\u00fcr jedwede israelische  Aktion, wie ungesetzlich, gef\u00e4hrlich oder die US-Interessen bedrohend  auch immer.<\/p>\n<p>Der Iran ist nun mal nicht, wie der fr\u00fchere CIA-Analyst und  Pr\u00e4sidentenberater Bruce Reidel klarmacht, \u201ceine existentielle  Bedrohung\u201c f\u00fcr Israel. Sogar ein theoretisch gedachter atomar  bewaffneter Iran der Zukunft, selbst wenn er entscheiden sollte, diesen  Weg einzuschlagen, w\u00e4re keine Bedrohung f\u00fcr die Existenz Israels, aber  er w\u00e4re eine Bedrohung f\u00fcr sein lang w\u00e4hrendes Atom Monopol im Nahen  Osten. Dies ist die wirkliche Bedrohung, die derzeit Israels  \u201egreift-den-Iran-jetzt-an\u201c Kampagne motiviert. Ferner, so lange wie  US-Spitzenpolitiker, vom Wei\u00dfen Haus bis zum Kongress, miteinander  wetteifern, wer Israel besser unterst\u00fctzen kann in seiner Konfrontation  mit dem Iran, wird niemand in Washington jemals Druck auf Israel in  Erw\u00e4gung ziehen, seine Verletzungen des internationalen Rechts und der  Menschenrechte bez\u00fcglich seiner Besatzungs- und Apartheid-Politik  gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern zu beenden. F\u00fcr diese bekommt Israel einen  Passierschein.<\/p>\n<p>Israel ist isolierter in der Region denn je. Die US-unterst\u00fctzten  Diktaturen in der Nachbarschaft, auf die Israel einst als Verb\u00fcndete  z\u00e4hlte, sind bedroht durch die Aufst\u00e4nde des Arabischen Fr\u00fchlings.  \u00c4gyptens Mubarak wurde gest\u00fcrzt, der K\u00f6nig Jordaniens sieht sich  wachsendem Druck im Lande gegen\u00fcber, und die Bedrohungen des syrischen  Regimes bedeuten, dass sich Israel konfrontiert sieht mit massiver  Instabilit\u00e4t an seiner Nordgrenze \u2013 etwas, das Bashar al-Assad und sein  Vater  seit der israelischen Besetzung der Golan-H\u00f6hen 1967 weitgehend  abgewendet hatten.<\/p>\n<p><strong> Syriens zwei Konflikte in einem <\/strong><\/p>\n<p>Die sich vollziehende Katastrophe in Syrien ist auch direkt verkn\u00fcpft  mit der Iran-Krise. In Syrien laufen zur Zeit zwei Auseinandersetzungen  ab, und ungl\u00fccklicherweise k\u00f6nnte die eine das Potenzial der anderen  zerst\u00f6ren. Zuerst kam als Eigengew\u00e4chs der Volksaufstand gegen eine  brutale Regierung, inspiriert von und organisch verbunden mit den  anderen Aufst\u00e4nden des Arabischen Fr\u00fchlings, und wie diese zun\u00e4chst mit  dem Ruf nach massiven Reformen und bald darauf nach dem Sturz des  Regimes. Syrien ist ein relativ wohlhabendes und multikulturelles Land,  in dem eine gro\u00dfe Mittelschicht, insbesondere in Damaskus und Aleppo  unter dem Regime prosperierte, trotz der politischen Repression. Daher  bek\u00e4mpfte, anders als in einigen anderen regionalen Aufst\u00e4nden, die  syrische Opposition ein Regime, das noch \u00fcber betr\u00e4chtliche \u00f6ffentliche  Unterst\u00fctzung und Legitimit\u00e4t verf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Der drastische milit\u00e4rische Angriff auf gr\u00f6\u00dftenteils gewaltlose Proteste  f\u00fchrte einige Sektoren der Opposition dazu, sich zu bewaffnen, zusammen  mit einer wachsenden Zahl von Deserteuren der Armee, was nat\u00fcrlich  bedeutete, dass sie ihren demokratischen Kampf auf einem Gebiet f\u00fchrten,  auf dem das Regime am st\u00e4rksten bleibt : die milit\u00e4rische Macht. Die  Sicherheitskr\u00e4fte der Regierung t\u00f6teten tausende, verletzten und   verhafteten dar\u00fcber hinaus noch tausende mehr, und in den letzten Wochen  begann selbst die langw\u00e4hrende Unterst\u00fctzung f\u00fcr Assad zu wanken.  Zeitgleich wuchsen Angriffe auf Regierungskr\u00e4fte an, und der interne  Kampf nimmt mehr und mehr den Charakter eines B\u00fcrgerkriegs an.<\/p>\n<p>Ein weiterer komplizierender Faktor und die Verkn\u00fcpfung zum Iran ist,  dass es gleichzeitig ein regionaler und globaler Konflikt geworden ist.  Syrien ist der bedeutendste Partner des Irans im Nahen Osten, und  deshalb haben sich wichtige L\u00e4nder, die Israels anti-Iran Mobilisierung  unterst\u00fctzen, sich gegen Syrien gewandt  mit dem Bestreben, den Iran zu  schw\u00e4chen durch die Unterminierung Syriens, seines engsten Verb\u00fcndeten.  Vielleicht weil das Assad-Regime die besetzten Golan-H\u00f6hen und die  israelisch-syrische Grenze relativ ruhig gehalten haben, hat sich Israel  \u00f6ffentlich bei der Regionalisierung der syrischen Krise   zur\u00fcckgehalten. Aber es ist eindeutig, dass Saudi-Arabien mit dem Iran  in Syrien um Einfluss in der Region k\u00e4mpft. Die Arabische Liga, deren  Entscheidungsprozesse von den Saudis und den mit ihnen verb\u00fcndeten Golf  Staaten ( wie Katar und die VAE ) dominiert werden, benutzen die  syrische Krise, um gegen den wachsenden Einfluss Irans in den arabischen  L\u00e4ndern vom Irak bis zum Libanon vorzugehen. Und nat\u00fcrlich haben sich  die USA, Frankreich und andere westliche Staaten auf die sehr reale  Menschenrechtskrise in Syrien gest\u00fcrzt, mit dem Versuch einer weiteren  Schw\u00e4chung des Regimes dort, weit weniger aus Sorge um die  Menschenrechte des syrischen Volks als aus Interesse an der  Unterminierung des wichtigsten Verb\u00fcndeten des Iran.<\/p>\n<p><strong> Die schwindende Macht der USA <\/strong><\/p>\n<p>Konfrontiert mit einer Wirtschaftskrise, milit\u00e4rischen Fehlschl\u00e4gen in  Irak und Afghanistan und dem Verlust oder der Schw\u00e4chung von wichtigen  der client states in der arabischen Welt sind die USA schw\u00e4cher und  weniger einflussreich im Nahen bzw. Mittleren Osten. Aber die Bewahrung  der Kontrolle der \u00d6lm\u00e4rkte und strategische US-Kapazit\u00e4ten sind immer  noch die regionalen Schl\u00fcsselziele der USA, was bedeutet, dass  milit\u00e4rische St\u00e4rke ein zentrales Anliegen bleibt. Die Art dieses  milit\u00e4rischen Engagements befindet sich im Wandel \u2013 weg von Entsenden  von Bodentruppen im gro\u00dfen Stil zugunsten einer schnell wachsenden  Flotte bewaffneter Drohnen, Spezialkr\u00e4ften und ein wachsendes St\u00fctzen  auf Seestreitkr\u00e4fte, Marinest\u00fctzpunkte und See-gest\u00fctzte Waffen.<\/p>\n<p>So unterst\u00fctzt die USA die saudische Intervention in Bahrein, um  sicherzustellen, dass die 5. US-Flotte ihre Basis dort beh\u00e4lt;  Washingtons eskalierende Sanktionen geben dem Westen st\u00e4rkere Hebel zur  Kontrolle der \u00d6lm\u00e4rkte; die rhetorische iranische Drohung der Schlie\u00dfung  der Stra\u00dfe von Hormus  ( lediglich als ein Verzweiflungsakt, da er den  Iran am Export des eigenen \u00d6ls hindern w\u00fcrde ) wird benutzt zur  Rechtfertigung der Ausdehnung der US-Marine Pr\u00e4senz in der Region.  Zusammen mit der M\u00f6glichkeit des Verlusts von Syrien als eines wichtigen  K\u00e4ufers von milit\u00e4rischer Ausr\u00fcstung und regionalen Verb\u00fcndeten haben  Sorgen \u00fcber jene strategischen US-Schritte eine gro\u00dfe Rolle beim  russischen Veto der UN-Resolution zu Syrien gespielt.<\/p>\n<p>Im Iran ist der Druck hoch und die Sanktionen fangen wirklich an zu  schmerzen, wobei die gr\u00f6\u00dferen Auswirkungen von der iranischen  Bev\u00f6lkerung gesp\u00fcrt werden als vom  Regime in Teheran. Die T\u00f6tungen  iranischer Nuklearexperten, insbesondere der letzte Mord an einem jungen  Wissenschaftler, auf den von israelischen Offiziellen mit unverhohlener  Freude und kaum verborgenem Triumphgef\u00fchlen reagiert wurde, sind wohl  mehr darauf gerichtet, eine iranische Reaktion zu provozieren als  tats\u00e4chlich Irans  nukleare Kapazit\u00e4ten  zu unterminieren. Bisher hat  der Iran nicht auf diesen K\u00f6der angebissen. Aber wenn Israel seine  Drohung eines Milit\u00e4rschlags wahrmacht \u2013 trotz der praktisch  einstimmigen Opposition seiner eigenen milit\u00e4rischen und  Geheimdienstf\u00fchrung dagegen \u2013 gibt es kaum Grund anzunehmen, dass die  iranische Antwort lediglich aus Worten bestehen w\u00fcrde. Die USA und  Israel sind nicht die einzigen Staaten, in denen den politischen F\u00fchrern  Auseinandersetzungen bevorstehen, Ayatollah Ali Kamenei und sein  Pr\u00e4sident sehen sich ebenfalls mit riesigen politischen  Herausforderungen konfrontiert.<\/p>\n<p>Die Konsequenzen eines Schlags gegen den Iran w\u00e4ren gravierend \u2013 von  Angriffen auf israelische und\/oder US-Milit\u00e4rziele, bis zu Angriffen auf  US-Streitkr\u00e4fte bei den Nachbarn Irans, Irak und Kuwait,  Angriffen auf  die 5. US-Flotte in Bahrein, verminen der Stra\u00dfe von Hormus und noch  mehr. Ein Angriff der USA, einem Nuklearwaffen-Staat, auf  einen nicht  nuklear-bewaffneten Staat wie Iran, w\u00e4re ein direkte Verletzung des  Non-Proliferation Abkommens. Iran k\u00f6nnte die Atominspektoren der UNO  ausweisen. Die h\u00e4rtesten unter den kompromisslosen F\u00fchrer im Iran  k\u00f6nnten beinahe sicher eine gr\u00f6\u00dfere Machtf\u00fclle konsolidieren \u2013 sowohl im  eigenen Land wie auch in den arabischen L\u00e4ndern, und die Rufe nach  einer intensivierten Fortentwicklung des Nuklearprogramms, vielleicht  sogar zum Bau einer Bombe, w\u00fcrden dort anschwellen. In der Tat, die  s\u00e4kulare, auf B\u00fcrgerbeteiligung setzenden Kr\u00e4fte des Arabischen  Fr\u00fchlings w\u00fcrden wahrscheinlich weiteren Einfluss verlieren gegen\u00fcber  dem Iran, mit der drohenden Perspektive des Umwandelns in so etwas wie  einen Islamischen Fr\u00fchling.<\/p>\n<p><strong> Eine Nuklearwaffen-freie Zone <\/strong><\/p>\n<p>Letztendich kann diese Krise nur durch Verhandlungen gel\u00f6st werden,  nicht durch Drohungen und Gewalt. F\u00fcr den Moment bedeutet dies, vom  Wei\u00dfen Haus zu fordern,  in ernsthafte Verhandlungen, ohne gezielte  Zeitbeschr\u00e4nkungen einzutreten, um die gegenw\u00e4rtige Krise zu beenden \u2013  vielleicht auf der Grundlage der erfolgreichen t\u00fcrkisch-brasilianischen  Initiative, die von den USA letztes Jahr verworfen wurde. Das bedeutet  dass der US-Kongress seine derzeitige Politik umkehren muss, um dem  Wei\u00dfen Haus den Einsatz der Diplomatie zu erm\u00f6glichen, und nicht damit  fortfahren kann, st\u00e4ndig neue Gesetze zu verabschieden, die die  Exekutive daran hindern, das Zuckerbrot der Beendigung der Sanktionen  bei den Verhandlungen auf den Tisch zu legen. Und es bedeutet eine  Iran-Politik, die auf den Schlussfolgerungen der Geheimdienste und des  Milit\u00e4rs basiert, dass der Iran weder Nuklearwaffen besitzt noch sie  gerade baut, anstatt sich auf L\u00fcgen \u00fcber nicht existierende  Nuklearwaffen zu verlassen, wie bei den erlogenen  Massenvernichtungswaffen, die die USA in den Irak-Krieg trieben.<\/p>\n<p>Mittel- und langfristig m\u00fcssen wir die dringende Notwendigkeit einer  Atomwaffen-freien Zone im Nahen und Mittleren Osten wieder auf die  Tagesordnung bringen und an die Spitze unserer Agenda stellen. Solch ein  multi-nationales Unterfangen w\u00fcrde sicherstellen, dass der Iran nie  eine Atombombe bauen w\u00fcrde, dass Israel seine 200 bis 300 high-density  Sprengk\u00f6rper und die auf U-Booten stationierten Bomben in seinem Arsenal  aufg\u00e4be, und dass die USA ihre Atombomben aus ihren St\u00fctzpunkten dieser  Region und von ihren Schiffen auf den Meeren dieser Region entfernen  w\u00fcrde. Andernfalls sind wir mit der M\u00f6glichkeit konfrontiert, dass die  gegenw\u00e4rtigen Schwierigkeiten in einer Art Endlos-Schleife im Stile des  Murmeltier-Tags als nukleare Krisen sich wiederholen, dabei eine  bedrohlicher als die vorherige.<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung aus dem Englischen: Eckart Fooken<\/p>\n<p>* Ein National Intelligence Estimate (NIE) ist ein Geheimdienstdossier,  das abgestimmte Analysen, Prognosen, Urteile und  Hintergrundinformationen der sechzehn US-amerikanischen  Nachrichtendienste zur Nationalen Sicherheit enth\u00e4lt und der Exekutive  auf Anfrage vorgelegt wird. Es wird vom National Intelligence Council  (NIC) erstellt und unterliegt grunds\u00e4tzlich der Geheimhaltung.  [Anmerkung der AGF]<\/p>\n<p><em>Der Originalartikel erschien auf der Website von &#8222;red pepper&#8220;, M\u00e4rz 2012: <a href=\"http:\/\/www.redpepper.org.uk\/iran-in-the-crosshairs-again\/\">Iran in the crosshairs again<\/a> [externer Link]<\/p>\n<p>Wir danken der Autorin f\u00fcr die Genehmigung zur \u00dcbersetzung und Publikation.<\/em><\/p>\n<h3>Zur Autorin:<\/h3>\n<p><strong>Phyllis Bennis<\/strong> ist &#8222;Fellow&#8220; (Forschungsstipendiatin) am Institut  f\u00fcr Politikwissenschaft (Institute for Policy Studies) in Washington DC &#8211;  dort ist sie Direktorin des &#8222;New Internationalism Project&#8220; &#8211; und am  Transnationalen Institut (Transnational Institute) in Amsterdam. Sie ist  Expertin f\u00fcr die US-Au\u00dfenpolitik insbesondere mit Bezug auf den Nahen  und Mittleren Osten. Zehn Jahre lang arbeitete sie als Journalstin f\u00fcr  die UNO, f\u00fcr die sie heute noch als Beraterin t\u00e4tig ist. Eines ihrer  letzten B\u00fccher befasst sich mit dem US-gef\u00fchrten &#8222;Krieg gegen den  Terrorismus&#8220;: &#8222;Before &amp; After: US Foreign Policy and the War on  Terrorism&#8220;.<\/p>\n<p>Nachzulesen auf <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/regionen\/Iran\/bennis.html\" target=\"_blank\">AG Friedensforschung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4belrasseln gegen den Iran ist nichts Neues; aber das hei\u00dft nicht, dass die Drohung eines Kriegs nicht real ist Von Phyllis Bennis<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2063","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2063","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2063"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2063\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2063"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2063"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2063"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}