{"id":2207,"date":"2012-05-20T14:49:19","date_gmt":"2012-05-20T12:49:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2207"},"modified":"2012-05-20T14:49:19","modified_gmt":"2012-05-20T12:49:19","slug":"neue-studie-ueber-die-opferzahl-des-war-on-terror","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2207","title":{"rendered":"Neue Studie &#252;ber die Opferzahl des \u00bbWar on Terror\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Der 2001 ausgerufene \u00bbWar on Terror\u00ab hat nach einer neuen Studie der  Internationalen \u00c4rzte zur Verh\u00fctung des Atomkrieges (IPPNW) im Irak, in  Afghanistan und Pakistan rund 1,7 Millionen Menschenleben gekostet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u00bbPr\u00e4zisionswaffen \u00e4ndern nichts am hohen Prozentsatz get\u00f6teter  Zivilisten in asymmetrischen Kriegen\u00ab, erkl\u00e4rte Vorstandsmitglied Jens  Wagner zur Vorstellung des IPPNW-Reports \u00bbBody Count \u2013 Opferzahlen nach  zehn Jahren Krieg gegen den Terror\u00ab am Freitag in Berlin. Die Autoren  Joachim Guilliard, L\u00fchr Henken und Knut Mellenthin hatten f\u00fcr den Report  systematisch wissenschaftliche Studien \u00fcber die Toten auf beiden Seiten  der Kriege im Irak, in Afghanistan und Pakistan zusammengestellt und  aktualisiert, um die Konsequenzen und den \u00bbhumanit\u00e4ren Preis\u00ab des \u00bbWar  on Terror\u00ab aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung war mit Bedacht gew\u00e4hlt, denn am  Freitag abend sollte in Camp David der Gipfelmarathon der Staats- und  Regierungschefs der G8, der NATO und der EU beginnen.<\/p>\n<p>Immer noch w\u00fcrden \u00fcber den Irak-Krieg Opferzahlen um 100000 herum  publiziert, kritisierte IPPNW-Vorstand Wagner. Sp\u00e4testens seit einer  medizinisch-epidemiologischen Studie in der Zeitschrift Lancet im Jahr  2006 m\u00fcsse aber das wahre Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung durch das \u00fcberlegene  US-Waffenarsenal und das von Besatzungstruppen verursachte Chaos  deutlich geworden sein. Trotzdem bez\u00f6gen sich fast alle Medien bis heute  auf den \u00bbIraq Body Count\u00ab, ein Projekt, das weniger als zehn Prozent  der Kriegsopfer registriere \u2013 zum Beispiel, weil oft nicht eindeutig  nachweisbar sei, da\u00df es sich um Zivilisten handle.<\/p>\n<p>Nach \u00dcberzeugung der IPPNW-Autoren hat der Irak seit der NATO-Invasion  im Jahr 2003 bis heute zus\u00e4tzlich zur normalen Sterblichkeit \u00fcber eine  Million, wom\u00f6glich 1,5 Millionen Todesopfer durch direkte  Gewalteinwirkung zu verzeichnen. Grundlage dieser Sch\u00e4tzung ist eben  jene Lancet-Studie \u00fcber die Mortalit\u00e4t im Irak. Daf\u00fcr hatte im Jahr 2006  ein US-amerikanisch-irakisches Team unter der Leitung von  Wissenschaftlern der Bloomberg School of Public Health an der John  Hopkins University 1850 repr\u00e4sentativ ausgew\u00e4hlte Haushalte im Irak  befragt. Demnach hatte sich die Sterblichkeit von 5,5 Toten pro tausend  Einwohner im Jahr vor Kriegsbeginn auf 13,3 in der Zeit danach erh\u00f6ht.  F\u00fcr 90 Prozent der Verstorbenen lagen Totenscheine vor. Hochgerechnet  auf die Gesamtbev\u00f6lkerung ergab sich daraus die Zahl von 655000  Menschen, die ohne die Invasion noch am Leben w\u00e4ren, davon rund 601000  direkte Gewaltopfer und 54000 durch kriegsbedingte Umst\u00e4nde wie  medizinische Mangelversorgung zu Tode gekommen.<\/p>\n<p>Das angewandte Verfahren sei Standard und auch im Kongo, in Angola und  Bosnien angewandt worden, ohne da\u00df es prinzipiell angezweifelt worden  w\u00e4re, so die IPPNW-Autoren. Die tats\u00e4chliche Zahl der Opfer im Irak  bewegte sich demnach bis 2006 mit einer Wahrscheinlichkeit von 95  Prozent zwischen 390000 und 940000. Allerdings, so Wagner, seien bei der  Befragung Orte mit besonders intensivem Kampfgeschehen wie Nadschaf und  Falludscha au\u00dfen vor geblieben. Den Mittelwert des  \u00bb95-Prozent-Konfidenzintervalls\u00ab von 655000 rechnete IPPNW unter  Ber\u00fccksichtigung des sp\u00e4teren Kampfgeschehens und weiterer Quellen bis  heute hoch.<\/p>\n<p>In Afghanistan, wo die Datenlage schlechter sei als im Irak, k\u00f6nne von  keinesfalls weniger als 70604 Kriegstoten, davon mindestens 43000  Zivilisten ausgegangen werden. In Pakistan seien bisher 2300 bis 3000  Menschen US-Drohnenangriffen zum Opfer gefallen, davon rund 80 Prozent  Zivilisten. 40000 bis 60000 Tote habe es aber durch K\u00e4mpfe der von der  US-Regierung unterst\u00fctzten pakistanischen Armee mit unterschiedlichen  Widerstandsgruppen gegeben.<\/p>\n<p><em>Von Claudia Wangerin<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/\">http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/05-19\/038.php<\/a><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Anmerkung StFP:<\/span><\/strong><\/p>\n<p>In jedem Krieg in jeder bewaffneten Auseindaersetzung nahm die Zahl der get\u00f6teten ZivilsitInnen im Vergleich zu der der get\u00f6teten Bewaffneten zu. Waren unter den Toten des Ersten Weltkriegs noch 95% Soldaten und 5% ZivilistInnen, kehrte sich dieses Verh\u00e4ltnis in den letzten Jahrzehnten um: 90-95% ZivilistInnen als &#8222;Kriegstote&#8220;.<\/p>\n<p>Schlussfolgerung: Jede bewaffnete Auseinandersetzung geht heute auf ungeheuerliche Kosten der ZivilistInnen.<\/p>\n<p><em>Quelle gem\u00e4\u00df Sch\u00e4tzung des Internat. Komitees des Roten Keuzes in Ritz, Hauke: &#8222;Wenn Nachrichten zu Waffen werden&#8220;, Suppl. der Zeitschrift Sozialismus 12\/2011, S. 5<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 2001 ausgerufene \u00bbWar on Terror\u00ab hat nach einer neuen Studie der Internationalen \u00c4rzte zur Verh\u00fctung des Atomkrieges (IPPNW) im Irak, in Afghanistan und Pakistan rund 1,7 Millionen Menschenleben gekostet.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2207","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2207\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}