{"id":2316,"date":"2012-10-04T06:56:06","date_gmt":"2012-10-04T04:56:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2316"},"modified":"2012-10-04T06:56:06","modified_gmt":"2012-10-04T04:56:06","slug":"in-syrien-wird-laengst-interveniert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2316","title":{"rendered":"In Syrien wird l&#228;ngst interveniert"},"content":{"rendered":"<h2>Wenn eine friedliche L\u00f6sung \u00fcberhaupt noch eine Chance haben soll, dann muss die internationale Einmischung aufh\u00f6ren<\/h2>\n<p><strong>Von Jan van Aken *<\/strong><\/p>\n<p><strong><!--more--><\/strong><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2011 begann mit einer Demonstration f\u00fcr die Freilassung  verhafteter und gefolterter Kinder in der syrischen Kleinstadt Dera\u2018a  eine Protestwelle, die sich innerhalb eines Jahres zu einem offenen  B\u00fcrgerkrieg ausgeweitet hat. Von Beginn an war der Konflikt begleitet  von internationaler Einmischung bis hin zu der Androhung, milit\u00e4risch in  Syrien einzugreifen.<\/p>\n<p>Eine internationale Milit\u00e4rintervention w\u00e4re zweifellos katastrophal,  das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung, das Leid f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung und die  Auswirkungen auf die Region w\u00e4ren unvorstellbar. Doch was seit \u00fcber  einem Jahr in Syrien geschieht, ist l\u00e4ngst eine internationale  Intervention mit enormer Zerst\u00f6rungskraft.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit Bildung der Freien Syrischen Armee (FSA) im Juli 2011  begann die ausl\u00e4ndische Unterst\u00fctzung einer milit\u00e4rischen Eskalation des  Konfliktes. W\u00e4hrend der UN-Sicherheitsrat noch um eine einheitliche  Position gegen\u00fcber Syrien stritt, syrische Oppositionsgruppen ein Ende  der Gewalt und Verhandlungen forderten, Assad Reformen ank\u00fcndigte und  weiter brutal gegen friedliche Demonstrationen vorging, begannen  Saudi-Arabien, Katar, die T\u00fcrkei und die USA die verdeckte Aufr\u00fcstung  der bewaffneten Rebellen. Die EU-Staaten, auch Deutschland, gaben daf\u00fcr  von Beginn an politische R\u00fcckendeckung.<\/p>\n<p>Saudi-Arabien und Katar unterst\u00fctzen seither syrische Rebellengruppen  mit Geld und Waffen, die USA hilft mit Logistik, die T\u00fcrkei mit  R\u00fcckzugsr\u00e4umen und Training der Anti-Assad-K\u00e4mpfer. Auch die deutsche  Bundesregierung ist beteiligt &#8211; sie sammelt vom Mittelmeer aus mit einem  Spionageschiff geheimdienstliche Informationen, die sie \u00bban befreundete  Dienste\u00ab weiterleitet, die diese wiederum auch an die FSA weitergeben.<\/p>\n<p>Ihnen gegen\u00fcber stehen die Assad-Verb\u00fcndeten Russland und Iran, die  internationale Forderungen nach einem R\u00fccktritt Assads und jegliche  milit\u00e4rische Einmischung kategorisch zur\u00fcckweisen, auf Verhandlungen  bestehen und die syrische Regierung weiterhin st\u00fctzen, auch mit Waffen.<\/p>\n<p>Mit der von au\u00dfen unterst\u00fctzten Gewalteskalation soll das System zur  Implosion gebracht und Assad beseitigt werden. Eine politische &#8211; sprich:  nicht-milit\u00e4rische &#8211; L\u00f6sung, die wohl nur mit Assad zu bekommen gewesen  w\u00e4re, war schon im vergangenen Sommer von der Koalition der  Assad-Gegner nicht gewollt. Die ins Wanken geratene Assad-Regierung  sollte vielmehr durch ein neues, dem Westen und den Golfmonarchien  zugewandtes, sunnitisch dominiertes Regime ersetzt werden. Damit w\u00e4re  auch der letzte Verb\u00fcndete Irans in der Region beseitigt. Jegliche  Bem\u00fchungen der Vereinten Nation und der Arabischen Liga, eine politische  L\u00f6sung herbeizuf\u00fchren, wurden durch die milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der  bewaffneten Opposition zunichte gemacht.<\/p>\n<p>Mehr als ein Jahr nach Ausbruch der K\u00e4mpfe zeigt sich, dass das Regime  robuster als erwartet ist und die milit\u00e4rische Auseinandersetzung l\u00e4nger  dauern k\u00f6nnte als angenommen. Dennoch setzen die internationalen  \u00bbFreunde des syrischen Volkes\u00ab weiter darauf, dass Assad eher fr\u00fcher als  sp\u00e4ter aufgeben oder bezwungen wird, und verst\u00e4rken derweil ihre  milit\u00e4rischen und politischen Aktivit\u00e4ten, um seinen Sturz auch ohne  offene Milit\u00e4rintervention herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger der von au\u00dfen gesch\u00fcrte B\u00fcrgerkrieg aber andauert, desto  komplizierter wird er, da sich immer mehr Akteure einmischen und  versuchen, den Konflikt f\u00fcr die Durchsetzung ihrer Interessen zu  vereinnahmen. Die Fragmentierung der innersyrischen Opposition auch  entlang konfessioneller und ethnischer Linien und die wachsende Zahl  extremistischer bewaffneter Gruppen, die in Syrien agieren, haben eine  Eigendynamik ausgel\u00f6st, die sich mehr und mehr der Kontrolle der  internationalen \u00bbFreunde\u00ab oder \u00bbFeinde\u00ab Syriens entzieht. Neben al Kaida  sollen auch K\u00e4mpfer aus Saudi-Arabien und Katar sowie Milizen aus dem  Irak und Libyen zu den bewaffneten Gruppen in Syrien geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Mittlerweile sind mehr als 20.000 Menschen den K\u00e4mpfen zum Opfer  gefallen, Opfer sowohl der Regierungstruppen als auch der Rebellen.  Gesch\u00e4tzt zwei Millionen Syrerinnen und Syrer mussten vor den K\u00e4mpfen  innerhalb des Landes oder in die Nachbarl\u00e4nder T\u00fcrkei, Jordanien und  Libanon fliehen. Der anf\u00e4ngliche Protest f\u00fcr Reformen ist zu einem  religi\u00f6sen und ethnischen Konflikt herangewachsen, der sich l\u00e4ngst nicht  mehr allein gegen die Regierung Assads richtet. Er wird zunehmend  innerhalb der syrischen Bev\u00f6lkerung gef\u00fchrt. Das Zynische daran ist:  Manche Angeh\u00f6rige von Minderheiten, die zu Beginn an den Protesten gegen  Assad beteiligt waren, haben heute Angst vor seinem Sturz, da sie  f\u00fcrchten, in einem sunnitisch dominierten Syrien noch weniger Rechte zu  haben als unter Assad.<\/p>\n<p>Die von au\u00dfen unterst\u00fctzte Gewalteskalation hat dazu gef\u00fchrt, dass die  friedlichen Proteste heute fast zum Erliegen gekommen sind. Wer kann auf  die Stra\u00dfe gehen und demonstrieren, wenn dort gek\u00e4mpft wird und man  entweder von den bewaffneten Rebellen oder von der Regierungsarmee  angegriffen und get\u00f6tet werden kann? Die Zivilbev\u00f6lkerung wird zwischen  den bewaffneten Konfliktparteien zerrieben und zu Geiseln eines  Konfliktes gemacht, der von regionalen und internationalen Interessen  geleitet ist &#8211; was die syrische Bev\u00f6lkerung will, spielt dabei keine  Rolle. Und es wird immer schwerer zu beurteilen, wer innerhalb der  syrischen Opposition demokratische und soziale Ziele verfolgt, wer rein  machtpolitisch, ethnisch oder konfessionell orientiert ist oder wer als  verl\u00e4ngerter Arm ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte agiert. Umso wichtiger ist es,  dass wir LINKE uns positiv auf die syrischen Oppositionsgruppen  beziehen, die sich f\u00fcr ein Ende der Gewalt auf allen Seiten und eine  politische L\u00f6sung einsetzen und bis heute, wo m\u00f6glich, friedlich f\u00fcr ein  demokratisches und s\u00e4kulares Syrien demonstrieren.<\/p>\n<p>Syrien zeigt, welche katastrophalen Auswirkungen internationale  Interventionen schon weit unterhalb der Schwelle eines offenen  milit\u00e4rischen Angriffs haben. Es sind auch Interventionen wie  Geldzahlungen und Waffenlieferungen, die Ausbildung von K\u00e4mpfern, die  F\u00f6rderung bestimmter politischer Str\u00f6mungen und die mediale  Kriegsf\u00fchrung, die einen regime change und die ethnische und  konfessionelle Zersplitterung eines Landes herbeif\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und die Bundesregierung darf nicht damit durchkommen, dass sie sich an  einer solchen Intervention direkt &#8211; zum Beispiel mit dem Spionageboot im  Mittelmeer &#8211; oder indirekt &#8211; etwa durch den Aufbau einer zuk\u00fcnftigen  syrischen F\u00fchrungselite &#8211; beteiligt und L\u00e4nder wie Saudi-Arabien, Katar,  die T\u00fcrkei und die USA auch noch mit Waffen beliefert, die dann  wiederum den B\u00fcrgerkrieg in Syrien mit Waffen befeuern.<\/p>\n<p>Wenn eine friedliche L\u00f6sung \u00fcberhaupt noch eine Chance haben soll, dann  muss die internationale Einmischung aufh\u00f6ren. Keine Waffenlieferungen an  keine der Konfliktparteien &#8211; auch nicht von Russland an Assad. Keine  logistische, finanzielle und personelle Unterst\u00fctzung der Gewalt. Es  geht immer noch darum, die Syrerinnen und Syrer dabei zu unterst\u00fctzen,  den Wandel auf friedlichem Wege und selbstbestimmt herbeizuf\u00fchren.  Schluss mit der internationalen Intervention.<\/p>\n<p>20. September 2012<\/p>\n<p><em>* Jan van Aken ist stellvertretender Parteivorsitzender und au\u00dfenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion.<\/p>\n<p>Quelle: http:\/\/www.die-linke.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn eine friedliche L\u00f6sung \u00fcberhaupt noch eine Chance haben soll, dann muss die internationale Einmischung aufh\u00f6ren Von Jan van Aken *<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2316","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2316","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2316"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2316\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}