{"id":2319,"date":"2012-10-04T09:26:58","date_gmt":"2012-10-04T07:26:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2319"},"modified":"2012-10-04T09:26:58","modified_gmt":"2012-10-04T07:26:58","slug":"israelisches-kunstprojekt-will-image-kampagne-ueber-europaeische-muslime","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2319","title":{"rendered":"Israelisches Kunstprojekt will Image-Kampagne &#252;ber europ&#228;ische Muslime"},"content":{"rendered":"<p><strong>In Graz findet im Rahmen der Kunstaktionstage \u201esteirischer herbst\u201c  dieser Tage eine Gala zur Vorstellung des Kunstprojekts \u201eRebranding  European Muslims\u201c statt. Die Ausrichtung des Projekts regt zum  Hinterfragen an. <!--more--><\/strong>Am 28.9.2012 wird in Graz im Rahmen der Kunstaktion \u201esteirischer  herbst\u201c eine gro\u00dfe Gala vom Stapel gelassen. Sie soll das Projekt  \u201eRebranding European Muslims\u201c der israelischen K\u00fcnstlergruppe \u201epublic  movement\u201c vorstellen und wohl auch finanziell ausstatten. Ein <a href=\"http:\/\/rebrandingeuropeanmuslims.org\/\" target=\"_blank\">gro\u00dffl\u00e4chiges Plakat<\/a> \u2013 es wurde in Berlin\/Auguststrasse und jetzt in Graz\/Lendplatz  angebracht \u2013 wirbt f\u00fcr das Projekt. Auf ihm ist ein b\u00e4rtiger Mann in  Lederjacke zu sehen, der seine H\u00e4nde nach islamischer Art zum Bittgebet  erhebt. Darunter steht: \u201eDer Ansatz f\u00fcr Multikulti ist gescheitert,  absolut gescheitert\u201c, eine Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Merkel.  Dana Yahalomi, Leiterin des Projekts dazu: <em>Wir sollten ihr die H\u00e4nde sch\u00fctteln, und danke sagen, f\u00fcr was, was wir schon wussten.<\/em><\/p>\n<div id=\"contentad\"><span style=\"color:#999; font-size:10px; float:right; margin-top:-4px; padding-right:0px;\"><\/span>Mit diesem \u201ebranding-Auftakt\u201c will Dana Yahalomi anl\u00e4sslich des  100-Jahr-Jubil\u00e4ums der Anerkennung des Islams als offizielle Religion in  \u00d6sterreich eine Auseinandersetzung mit der Situation der Muslime in  Europa anregen. Dazu wurden von ihr drei PR-Agenturen- bzw. Strategen  ausgew\u00e4hlt, \u00fcber deren Standorte es unterschiedliche Ausk\u00fcnfte im  Internet gibt. Bei der Gala sollen die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die \u201ebranding  Kampagne\u201c der drei bislang unbekannten Agenturen vorgestellt werden und  durch Publikumsabstimmung die \u201eSiegeridee\u201c ermittelt werden, mit der  Yahalomi dann weiterarbeiten will. Wie, in welcher Form, h\u00e4lt sich die  K\u00fcnstlerin offen.<\/div>\n<p><em>Man will eine Debatte inszenieren<\/em>, sagt Yahalomi. Doch was soll damit erreicht werden? Einerseits liest man: <em>damit Europa die Integration von Muslimen anerkennt<\/em>, andererseits, <em>dass die verschiedenen Definitionen Anregungen bekommen, um die Positionen zu erweitern, die wir haben<\/em>.  Wer ist hier mit \u201ewir\u201c gemeint? Welche Anregungen, wenn verschiedene  Aussagen (und welche?) einfach hingestellt werden, sodass dich jede\/r  erst recht best\u00e4tigt f\u00fchlen kann, in dem was er\/sie sowieso denkt? Sie  sei n\u00e4mlich, so sagt sie gegen\u00fcber der \u00f6sterreichischen Tageszeitung <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1347492462216\/Nicht-interessiert-einen-Konsens-zu-kreieren\" target=\"_blank\">der Standard<\/a>, <em>nicht  daran interessiert, einen Konsens zu kreieren \u2013 Ziel sei, die  agonistischen Beziehungen auf die B\u00fchne zu bringen und im Mittelpunkt  stehen zu lassen, ohne jemanden abzuweisen<\/em>.<\/p>\n<p>Es ist zu bef\u00fcrchten, dass damit auch die Positionen der  rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei gemeint sind, mit denen sich  Yahalomi auch getroffen hat, um ihre Meinungen einzuholen, um ihre  \u00c4ngste zu verstehen, wie sie sagt. Welche \u00c4ngste bittesch\u00f6n? Muezzin  statt Pummerin<sup><a id=\"identifier_0_51542\" title=\"Name der Glocke im Stephansdom\/Wien\" href=\"http:\/\/www.migazin.de\/2012\/09\/25\/israelisches-kunstprojekt-will-image-kampagne-uber-europaische-muslime\/#footnote_0_51542\">1<\/a><\/sup> oder Daham<sup><a id=\"identifier_1_51542\" title=\"Dialektform f\u00fcr \u201edaheim\u201c\" href=\"http:\/\/www.migazin.de\/2012\/09\/25\/israelisches-kunstprojekt-will-image-kampagne-uber-europaische-muslime\/#footnote_1_51542\">2<\/a><\/sup> statt Islam?<\/p>\n<p>Welche weiteren gro\u00dffl\u00e4chigen Plakatentw\u00fcrfe sind mit so einem Zugang zu erwarten?<\/p>\n<p>Branding ist ein Ausdruck aus dem Marketing-Repertoire der  Werbewirtschaft, mit dem Images, und eben \u201eMarken\u201c produziert werden.  Auch Staaten bedienen sich solcher PR-Strategien. Die Frage ist, ob  EU-B\u00fcrgerInnen Best\u00e4tigungen und Wiederholungen von Vor- und Urteilen im  Umgang mit MuslimInnen, die derzeit in medialen und politischen  Diskursen kursieren, wirklich brauchen, <em>um zu einer Identit\u00e4t zu kommen, die die MuslimInnen miteinschlie\u00dft<\/em> \u2013 wieder eine Position, die public movement gem\u00e4\u00df Aussage ihrer Leiterin etablieren will.<\/p>\n<p>Abseits der widerspr\u00fcchlichen Aussagen zu Sinn, Zweck und Ausrichtung  dieses Projekts l\u00e4sst sie mit der Ank\u00fcndigung aufhorchen, wer als  Moderator bei der gro\u00dfen Gala auftreten soll. Yahalomi hat daf\u00fcr den  israelischen Diplomaten und ehemaligen Botschafter Israels in  Deutschland, Avi Primor ausgew\u00e4hlt. Damit ist die offenkundige Frage auf  dem Tisch: Was hat ein israelischer Diplomat mit den europ\u00e4ischen  Muslimen zu tun?<\/p>\n<p>Dana Yahalomi hat eine Antwort: Er sei der <em>perfekte Repr\u00e4sentant, wegen seiner Arbeit auf dem meeting-point zwischen Europa und dem Mittleren Osten<\/em>.  Nun bleibt offen, was mit meeting-point gemeint ist. Sollte damit  Israel gemeint sein, stellt sich zuerst die gro\u00dfe Frage nach dem  Verh\u00e4ltnis Israels zu den Muslimen und muslimischen Gemeinschaften in  Israel\/Pal\u00e4stina selbst; \u2013 ein Verh\u00e4ltnis, das angesichts der Apartheid  Politik Israels, gekennzeichnet ist durch Gewalt, Vertreibung,  Menschenrechtsverletzungen. Man denke an die fortgesetzte  Siedlungspolitik mit ihrem permanenten Landraub an den  Pal\u00e4stinenserInnen, den Sperrwall, die Zerst\u00f6rung ganzer arabischer  Stadtviertel in Ost-Jerusalem, den Bau eines \u201eToleranz-Museums\u201c direkt  auf einem muslimischen Friedhof, die Blockade und Aushungerung der  Bev\u00f6lkerung in Gaza.<\/p>\n<p>Interessierte wissen, dass Ostjerusalem in der besetzten Westbank  liegt, dass in Ostjerusalem die drittheiligste St\u00e4tte des Islam, die  ber\u00fchmte Al-Aqsa Moschee liegt. Der israelische Regierungschef Netanjahu  hat verk\u00fcndet, dass ganz Jerusalem, West- und Ost, Hauptstadt eines  j\u00fcdischen Staates sein soll. Damit wiederholte er die israelische  Proklamation Jerusalems zur \u201cewigen und unteilbaren\u201d Hauptstadt Israels  von 1980, welche von der UNO-Vollversammlung mehrmals f\u00fcr illegal und  \u201cnull und nichtig\u201d erkl\u00e4rt worden war. Auch die EU will keinen Status  Jerusalems anerkennen, der nicht in direkten Verhandlungen zwischen  israelischer und pal\u00e4stinensischer Seite festgelegt worden ist.<\/p>\n<p>Avi Primor, als Stellvertreter Israels, soll also der richtige Mann  sein, um das Verh\u00e4ltnis europ\u00e4ischer Muslime in Graz zu moderieren? Ein  Mann, der sich \u2013 im Einklang mit der israelischen Regierung \u2013 gegen die  Anerkennung eines pal\u00e4stinensischen Staates bei der UNO ausspricht.<\/p>\n<p>Muss man sich angesichts dessen nicht vielmehr fragen, ob der  steirische herbst in der \u201eMenschenrechtshauptsstadt Graz\u201c hier  Repr\u00e4sentanten eines v\u00f6lker- und menschenrechtsverletzenden Staates ein  Forum zur Selbstdarstellung bietet, zum eigenen \u201ebranding\u201c also, und  zwar auf dem R\u00fccken der Muslime in Europa?<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass EU-ParlamentarierInnen und andere, die  offenbar \u00fcber den steirischen herbst zu einer weiteren Finanzierung der  Kampagne gewonnen werden sollen, bessere M\u00f6glichkeiten finden,  zivilgesellschaftliche Debatten zu f\u00f6rdern \u2013 solche, die ohne  Kulturalisierungsklischees auskommen, partizipativ und  mainstreamkritisch sind, vielf\u00e4ltig und parteiisch gegen Rechts.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr lohnt es sich, einen Blick auf die Homepage dieser K\u00fcnstlerInnengruppe zu werfen: <a href=\"http:\/\/www.gods-entertainment.org\" target=\"_blank\">www.gods-entertainment.org<\/a><\/p>\n<ol>\n<li id=\"footnote_0_51542\">Name der Glocke im Stephansdom\/Wien [<a href=\"http:\/\/www.migazin.de\/2012\/09\/25\/israelisches-kunstprojekt-will-image-kampagne-uber-europaische-muslime\/#identifier_0_51542\">\u21a9<\/a>]<\/li>\n<li id=\"footnote_1_51542\">Dialektform f\u00fcr \u201edaheim\u201c [<a href=\"http:\/\/www.migazin.de\/2012\/09\/25\/israelisches-kunstprojekt-will-image-kampagne-uber-europaische-muslime\/#identifier_1_51542\">\u21a9<\/a>]<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Helga Suleiman<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/\">http:\/\/www.migazin.de\/2012\/09\/25\/israelisches-kunstprojekt-will-image-kampagne-uber-europaische-muslime\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Graz findet im Rahmen der Kunstaktionstage \u201esteirischer herbst\u201c dieser Tage eine Gala zur Vorstellung des Kunstprojekts \u201eRebranding European Muslims\u201c statt. 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