{"id":2428,"date":"2012-10-22T16:39:36","date_gmt":"2012-10-22T14:39:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2428"},"modified":"2012-10-22T16:39:36","modified_gmt":"2012-10-22T14:39:36","slug":"keine-ueberzeugende-wahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2428","title":{"rendered":"Keine &#252;berzeugende Wahl"},"content":{"rendered":"<h2>Von Tom Strohschneider 12.10.2012 \/ Kommentar<\/h2>\n<p>Ja, auch die EU hat nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Periode des  Friedens in Europa beigetragen.<!--more--><!--more--><\/p>\n<div>\n<div>Trotzdem vermag die Osloer Entscheidung  nicht zu \u00fcberzeugen: F\u00fcr ihre aktuelle Politik hat die Europ\u00e4ische Union  den Friedensnobelpreis nicht verdient<\/div>\n<\/div>\n<div>Es ist vielleicht nicht die allergr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung; eine Entscheidung,  die berechtigte Diskussionen ausl\u00f6sen wird, ist es in jedem Fall: Der  Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Europ\u00e4ische Union. In  seiner Begr\u00fcndung verweist das Osloer Komitee auf den Beitrag der EU,  die seit mehr als sechs Jahrzehnten zu Frieden und Vers\u00f6hnung,  Demokratie und Menschenrechten auf dem Kontinent beigetragen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Daran  ist eines richtig: Auch der Prozess der europ\u00e4ischen Einigung hat dazu  beigetragen, dass nach einer historischen Periode m\u00f6rderischer Kriege  lange Zeit die Waffen in Europa schwiegen. Selbst unter den  konfliktreichen Bedingungen der Jahre der Systemkonkurrenz blieb der  Kontinent von neuen milit\u00e4rischen Konflikten zwischen den beiden  politischen Bl\u00f6cken verschont. Das freilich w\u00e4re im R\u00fcckblick nicht nur  als eine Leistung der EU zu w\u00fcrdigen. Und es kann auch nicht vergessen  werden, dass es seit Ende der 1990er Jahre einen Krieg in Jugoslawien  gab, der nicht zuletzt von EU-Mitgliedsstaaten gesch\u00fcrt wurde. Doch  ausgerechnet die &#8222;Befriedung des Balkans&#8220; wird in der Begr\u00fcndung der  Preisvergabe genannt.<\/p>\n<p>Vor allem aber vermag die Osloer  Entscheidung nicht zu \u00fcberzeugen, wenn man das Augenmerk auf die  gegenw\u00e4rtige Europ\u00e4ische Union, ihre Politik und die ihrer  Mitgliedsstaaten richtet. Weder hat sich die schon lange formulierte  Kritik an der Militarisierung der EU-Au\u00dfenpolitik er\u00fcbrigt, noch ist die  Rolle europ\u00e4ischer Staaten im weltweiten R\u00fcstungswettlauf zu \u00fcbersehen:  Unter den zehn f\u00fchrenden Todesexporteuren sind mehrheitlich EU-L\u00e4nder;  wo immer weltweit Konflikte durch die Maschinerie der Waffenproduzenten  gen\u00e4hrt werden, ist Europa mit dabei.<\/p>\n<p>Mehr noch: Die EU ist  verantwortlich f\u00fcr die Durchsetzung eines Grenzregimes zur Abwehr von  Fl\u00fcchtlingen, das in den vergangenen Jahren an seinen Au\u00dfengrenzen  Hunderte, wenn nicht Tausende Opfer gefordert hat. Die Liste der Kritik  an der Gemeinschaft lie\u00dfe sich auf dem Feld der Handelspolitik  fortsetzen. Was jetzt als friedensstiftender Beitrag der EU belobigt  wird, stand in vielen F\u00e4llen unter dem Druck \u00f6konomischer und  hegemonialer Interessen.<\/p>\n<p>Wer au\u00dferdem noch Fragen der sozialen  Sicherheit, des solidarischen Ausgleichs und der \u00f6kologischen Wohlfahrt  als Elemente, wenigstens als Voraussetzung f\u00fcr Frieden verstehen will,  wird \u00fcberdies mit Blick auf die von Deutschland dominierte Krisenpolitik  der EU nicht von einem f\u00f6rderlichen Beitrag sprechen wollen. Die EU  will in ihren Mitgliedsstaaten zudem die Vorratsdatenspeicherung  verankern, sie verfolgt eine Politik, welche demokratische Rechte in den  einzelnen Staaten aush\u00f6hlt und die Gefahr neuer sozialer Spaltungen  bef\u00f6rdert \u2013 mit allen denkbaren, ganz unfriedlichen Konsequenzen.<\/p>\n<p>Offenbar  hatte das Osloer Komitee nicht den Mut, sich statt f\u00fcr eine Institution  des Oben f\u00fcr die Menschen da unten zu entscheiden \u2013 f\u00fcr die vielen  Europ\u00e4er, die in Athen, Madrid, Paris und anderswo f\u00fcr ein solidarisches  Miteinander, f\u00fcr ein wirklich friedliches Europa demonstrieren. Das  h\u00e4tte dann vielleicht sogar jene Ermutigung sein k\u00f6nnen, von der nun so  oft die Rede ist.<\/p>\n<p>Nein, dieser Friedensnobelpreis ist keine gute  Wahl. So hoch man die historischen Verdienste einsch\u00e4tzen mag &#8211; und eine  mehr als 60 Jahre w\u00e4hrende Periode des Friedens hatte es in Europa  zuvor nur selten gegeben &#8211; so wenig darf aus dem Blick geraten, wof\u00fcr  die EU heute steht. \u00dcbrigens: Eine Verleihung, welche sich vorrangig auf  die Vergangenheit bezieht, widerspricht dem Testament des Preisstifters  genauso wie Vorratsvergaben wie im Falle des US-Pr\u00e4sidenten Barack  Obama 2009. Alfred Nobel wollte, dass derjenige ausgezeichnet wird, der  im jeweils vorherigen Jahr am meisten f\u00fcr den Frieden getan habe. Die EU  war das mit Sicherheit nicht.<\/p><\/div>\n<div>Quelle:\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/801074.keine-ueberzeugende-wahl.html\" target=\"_blank\">neues deutschland<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Tom Strohschneider 12.10.2012 \/ Kommentar Ja, auch die EU hat nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Periode des Friedens in Europa beigetragen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2428","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2428"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2428\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}