{"id":2445,"date":"2012-10-31T12:48:54","date_gmt":"2012-10-31T10:48:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2445"},"modified":"2012-10-31T12:48:54","modified_gmt":"2012-10-31T10:48:54","slug":"eu-importiert-weiter-aus-illegalen-israelischen-siedlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2445","title":{"rendered":"EU importiert weiter aus illegalen israelischen Siedlungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die EU  betrachtet israelische Siedlungen im Westjordanland als  illegal, als  Handelspartner sind sie f\u00fcr EU-Staaten aber gut genug. Pro  Jahr  importiert Europa von dort Waren im Wert von 230 Millionen Euro.   Menschenrechtler werfen der Union vor, ihre eigenen Ziele zu   torpedieren. <!--more--><\/strong><\/p>\n<h2><span>Handel mit der EU <\/span><span> <\/span><\/h2>\n<h2><span>Aktivisten wollen Importstopp aus Israels Siedlungen<\/span><\/h2>\n<p>Von <a href=\"mailto:christoph_sydow@spiegel.de\">Christoph Sydow<\/a><\/p>\n<div id=\"spArticleTopAsset\">\n<div style=\"width: 522px;\"><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/bild-864057-418520.html\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Siedlung Givat Zeev im Westjordanland: Massive Subventionen vom israelischen Staat\" src=\"http:\/\/cdn1.spiegel.de\/images\/image-418520-panoV9free-ofca.jpg\" border=\"0\" alt=\"Siedlung Givat Zeev im Westjordanland: Massive Subventionen vom israelischen Staat\" width=\"520\" height=\"250\" align=\"middle\" \/><img decoding=\"async\" title=\"Zur Gro\u00dfansicht\" src=\"http:\/\/www.spiegel.de\/static\/sys\/v9\/icons\/ic_lupe.png\" border=\"0\" alt=\"Zur Gro\u00dfansicht\" \/> <\/a><\/p>\n<div>\n<div>REUTERS<\/div>\n<p>Siedlung Givat Zeev im Westjordanland: Massive Subventionen vom israelischen Staat<\/p><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p id=\"spIntroTeaser\">\n<div id=\"spArticleSection\">\n<p>Berlin &#8211; Eigentlich ist die Position der Europ\u00e4ischen Union  eindeutig: Israelische Siedlungen in den besetzten pal\u00e4stinensischen  Gebieten sind &#8222;nach internationalem Recht illegal, stellen ein Hindernis  f\u00fcr den Frieden dar und drohen eine Zweistaatenl\u00f6sung unm\u00f6glich zu  machen&#8220;. Ein nun erschienener Bericht von 22 europ\u00e4ischen  Nichtregierungsorganisationen enth\u00fcllt jedoch, dass die EU gleichzeitig  hilft, <a title=\"die Siedlungen im Westjordanland und in Ostjerusalem\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/siedlungsbau_in_israel\/\">die Siedlungen im Westjordanland und in Ostjerusalem<\/a> zu erhalten.<\/p>\n<p>Inzwischen importieren die europ\u00e4ischen Staaten etwa 15-mal mehr G\u00fcter  aus den Siedlungen als aus den pal\u00e4stinensischen Gebieten. Nach  Sch\u00e4tzungen der israelischen Regierung werden aus den Siedlungen pro  Jahr Waren im Wert von umgerechnet etwa 230 Millionen Euro in die <a title=\"EU\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/eu\/\">EU<\/a> ausgef\u00fchrt. Das sind etwa zwei Prozent aller israelischen Exporte nach  Europa. Demgegen\u00fcber lagen die Ausfuhren aus den pal\u00e4stinensischen  Gebieten nach Europa zwischen 2007 und 2011 pro Jahr im Schnitt bei 15  Millionen Euro. Zu den Produkten, die aus den Siedlungen in die EU  geliefert werden, geh\u00f6ren neben Obst und Gem\u00fcse auch Kosmetika,  Textilien, Spielzeug und <a title=\"Wassersprudler\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/importe-aus-dem-westjordanland-eu-straft-israel-ab-a-658112.html\">Wassersprudler<\/a>.<\/p>\n<p>Die EU hat sowohl mit Israel als auch der Pal\u00e4stinensischen  Autonomiebeh\u00f6rde Zollfreiheitsabkommen unterzeichnet. Produkte aus den  Siedlungen sind davon jedoch ausdr\u00fccklich ausgenommen, <a title=\"wie der Europ\u00e4ische Gerichtshof 2010 in einem Grundsatzurteil feststellte\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/streit-um-siedlungsgebiete-soda-club-urteil-stellt-israel-bloss-a-680133.html\">wie der Europ\u00e4ische Gerichtshof 2010 in einem Grundsatzurteil feststellte<\/a>.  Sie m\u00fcssen also verzollt werden. Eigentlich. Denn Israel umgeht diese  Regelung, indem es auch G\u00fcter aus den Siedlungen mit dem Hinweis  kennzeichnet: &#8222;Herkunftsland Israel&#8220;. Damit obliegt es weiterhin  europ\u00e4ischen Zollbeh\u00f6rden, anhand der Postleitzahlen auf den Lieferungen  zu erkennen, ob die Waren aus Israel oder aus Siedlungen in den  besetzten Gebieten stammen. In der Praxis ist dieses Prozedere nur  selten umsetzbar.<\/p>\n<p><strong>Israel subventioniert die Siedlungen massiv<\/strong><\/p>\n<p>Die EU l\u00e4sst auch weiterhin zu, dass Produkte aus den Siedlungen in  europ\u00e4ischen Gesch\u00e4ften mit dem Label &#8222;Made in Israel&#8220; verkauft werden  d\u00fcrfen. Lediglich Gro\u00dfbritannien und D\u00e4nemark haben bislang Richtlinien  erlassen, laut denen die Herkunft aus den Siedlungen zumindest bei  Nahrungsmitteln offengelegt werden muss. Die Autoren des Berichts  fordern, dass die anderen EU-Staaten nachziehen.<\/p>\n<p>Die Produkte aus den Siedlungen, in denen inzwischen etwa eine halbe  Million Menschen leben, sind auch deshalb international konkurrenzf\u00e4hig,  weil der israelische Staat sie massiv subventioniert. Unternehmen, die  sich dort niederlassen, werden bezuschusst und steuerlich beg\u00fcnstigt.  Die Regierung hat auch einen Fonds f\u00fcr Unternehmen bereitgestellt, die  f\u00fcr ihre Exporte Strafz\u00f6lle leisten m\u00fcssen. Paradoxerweise finanziert  selbst die EU innerhalb ihres Forschungsrahmenprogramms mit 1,2  Millionen Euro Untersuchungen der Kosmetikfirma Ahava, die in einer  israelischen Siedlung vorgenommen werden.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem graben die Siedler den Pal\u00e4stinensern das Wasser ab.  Besonders eklatant ist dieses Problem im Jordantal. Dort verbrauchen  nach Angaben der Menschenrechtsorganisation B&#8217;Tselem 10.000 Siedler ein  Viertel der Wassermenge, die den dort lebenden 2,5 Millionen  Pal\u00e4stinensern zur Verf\u00fcgung steht. Die Siedlungen im Jordantal brauchen  das Wasser, um Obst und Gem\u00fcse anzubauen. Ein Gro\u00dfteil davon geht in  den Export.<\/p>\n<p>Die EU unterst\u00fctzt ihrerseits die Pal\u00e4stinenser massiv. Zwischen 1994  und 2011 flossen nach Angaben der Europ\u00e4ischen Kommission f\u00fcnf  Milliarden Euro Entwicklungshilfe aus EU-T\u00f6pfen in die besetzten Gebiete  &#8211; allein 525 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Hinzu kommen noch  Hilfszahlungen der einzelnen EU-Regierungen.<\/p>\n<p><strong>Pal\u00e4stinenser leiden unter eingeschr\u00e4nkter Bewegungsfreiheit<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch diese gewaltige Unterst\u00fctzung hat die Lage der  pal\u00e4stinensischen Wirtschaft nicht verbessern k\u00f6nnen. Denn neben einer  korrupten Autonomiebeh\u00f6rde und einer ineffizienten Verwaltung erschweren  Restriktionen der israelischen Besatzer den Handel. Laut einem  Uno-Bericht vom September hat die pal\u00e4stinensische Wirtschaft durch die  Besatzung und den Siedlungsbau &#8222;den Zugang zu 40 Prozent der West Bank,  82 Prozent des Grundwassers und mehr als zwei Drittel des Weidelandes  verloren&#8220;. Hinzu kommt, dass pal\u00e4stinensische Bauern bestimmte  D\u00fcngemittel nicht importieren d\u00fcrfen, weil sie zur Herstellung von  Sprengstoff verwendet werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dftes Problem sind jedoch die zahlreichen Hindernisse beim Vertrieb pal\u00e4stinensischer Waren. Bevor die G\u00fcter nach <a title=\"Israel\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/israel\/\">Israel<\/a> oder in die Exportl\u00e4nder gelangen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie oft mehrere  Checkpoints passieren, dort werden sie begutachtet, entladen, manchmal  auf unbestimmte Zeit festgehalten. Potentielle Kunden k\u00f6nnen sich so  kaum auf festgelegte Lieferzeiten verlassen.Durch den Import von Waren aus den israelischen Siedlungen trage die  EU ihren Teil dazu bei, diesen Status quo zu erhalten, so der Bericht.  Damit torpedierten die Europ\u00e4er ihre eigene Au\u00dfen- und  Entwicklungspolitik. Letzte Konsequenz m\u00fcsse deshalb ein Importverbot  von Siedlungsg\u00fctern sein, fordern die Autoren. In jedem Fall m\u00fcsse der  Druck auf Unternehmen erh\u00f6ht werden, die derzeit noch mit Siedlungen  handeln und damit die Rechte der Pal\u00e4stinenser missachten.<\/p>\n<p>Die Vergangenheit hat bewiesen, dass \u00f6ffentlicher Druck durchaus Wirkung zeigen kann. Im vorigen Jahr <a title=\"zog sich die Deutsche Bahn aus dem Neubauprojekt der Schnellzugverbindung Tel Aviv-Jerusalem zur\u00fcck\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/israel-bahn-steigt-aus-schnellzugprojekt-aus-a-759991.html\">zog sich die Deutsche Bahn aus dem Neubauprojekt der Schnellzugverbindung Tel Aviv-Jerusalem zur\u00fcck<\/a>.  Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in einem Brief  an Bahn-Chef R\u00fcdiger Grube auf die politische Brisanz des Projekts  hingewiesen. Der Grund: Die geplante Streckenf\u00fchrung sei &#8222;aus  v\u00f6lkerrechtlicher Sicht&#8220; problematisch, weil die Gleise sechs Kilometer  weit durch das <a title=\"Westjordanland\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/westjordanland\/\">Westjordanland<\/a> f\u00fchren sollten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/aktivisten-fordern-importstopp-aus-israelischen-siedlungen-in-die-eu-a-864057.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU betrachtet israelische Siedlungen im Westjordanland als illegal, als Handelspartner sind sie f\u00fcr EU-Staaten aber gut genug. Pro Jahr importiert Europa von dort Waren im Wert von 230 Millionen Euro. 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