{"id":2529,"date":"2012-11-19T16:14:29","date_gmt":"2012-11-19T14:14:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2529"},"modified":"2012-11-19T16:14:29","modified_gmt":"2012-11-19T14:14:29","slug":"keinen-krieg-gegen-gaza-die-eskalation-der-gewalt-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2529","title":{"rendered":"Keinen Krieg gegen Gaza &#8211; Die Eskalation der Gewalt stoppen"},"content":{"rendered":"<div id=\"articlemaincontent\">\n<h2>Presseerkl\u00e4rung des Bundesausschusses Friedensratschlag<\/h2>\n<ul>\n<li>Hamas und Israel zu Waffenstillstand dr\u00e4ngen<\/li>\n<li>Einseitige Schuldzuweisungen sind fehl am Platz<\/li>\n<li>Ursachen der Gewalt liegen in israelischer Besatzungspolitik <!--more--><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Kassel, Berlin, Hamburg, Frankfurt a.M., N\u00fcrnberg,  18. November 2012  &#8211; Zur neuerlichen Explosion der Gewalt im israelisch-pal\u00e4stinensischen  Konflikt erkl\u00e4rten die Sprecher des Bundesausschusses in einer  Stellungnahme:<\/em><\/p>\n<p>Die neuerliche Eskalation  der Gewalt im israelisch-arabischen Konflikt,  insbesondere zwischen dem Hamas-regierten Gazastreifen und der  rechtsradikalen Regierung in Tel Aviv, kann leicht in einen gr\u00f6\u00dferen  Krieg m\u00fcnden, in dessen Verlauf die Menschen im Gazastreifen Opfer der  \u00fcberm\u00e4chtigen israelischen Milit\u00e4rmaschine w\u00fcrden. Erinnerungen an die  Milit\u00e4roffensive im Dez. 2008\/Januar 2009, werden wach. Damals starben  \u00fcber 1.400 Bewohner des Gazastreifens, 65 Prozent von ihnen  Zivilpersonen, Tausende wurden verletzt und verloren ihre H\u00e4user und  Wohnungen. Auf israelischer Seite wurden 13 Todesopfer gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die israelische Regierung, die US-Administration, die hohe Vertreterin  der EU f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik und die deutsche  Bundeskanzlerin haben in diesen Stunden nichts eiligeres zu tun, als die  im Gazastreifen regierende Hamas zu verurteilen und der israelischen  Regierung ihre Solidarit\u00e4t zu bekunden \u2013 verbunden mit der Bitte, sich  bei der &#8222;Verteidigung&#8220; gegen den Hamas-Terror Zur\u00fcckhaltung  aufzuerlegen. Dieser Politik liegt die Vorstellung zu Grunde, das  bedrohte Israel setze sich gegen die &#8222;terroristische Gewalt&#8220; zur Wehr.  Alle Milit\u00e4rschl\u00e4ge der israelischen Streitkr\u00e4fte seien Reaktionen auf  Gewalt, die von der anderen Seite ausginge.<\/p>\n<p><strong>Die Realit\u00e4t sieht anders aus.<\/strong> Was die aktuelle Entwicklung  betrifft, so ist l\u00e4ngst nicht ausgemacht, wer den ersten Stein warf und  wer nur reagierte. Nach israelischer Lesart begann alles am Samstag, den  10. November: <em>&#8222;Die gegenw\u00e4rtige Krise begann am Samstag, als eine  Panzerabwehrrakete aus dem Gazastreifen einen Jeep der Israelischen  Verteidigungsstreitkr\u00e4fte (ZAHAL) traf und vier Soldaten verwundete,  zwei von ihnen schwer.&#8220;<\/em> (Information der israelischen Botschaft in Berlin.) Seither flog die Luftwaffe <em>&#8222;Angriffe gegen Ziele im Gazastreifen, die als Basis f\u00fcr terroristische Aktivit\u00e4ten dienen&#8220;<\/em>. Und erst am Mittwoch, den 14. November, habe Israel die <em>&#8222;Operation Wolkens\u00e4ule begonnen&#8220;<\/em>,  in deren Verlauf der Hamas-Milit\u00e4rchef Ahmed al-Dschabari gezielt  get\u00f6tet wurde \u2013 was wiederum Hamas dazu veranlasste, die seit dem Vortag  bestehende Waffenruhe zu beenden sowie Raketen in Stellung zu bringen  und zahlreich auf israelisches Gebiet abzufeuern. Das Amt der Vereinten  Nationen zur Koordinierung humanit\u00e4rer Angelegenheiten OCHA stellte in  ihrem j\u00fcngsten Wochenbericht fest, dass die Gewalt schon einige Tage  fr\u00fcher datiert. Bereits am 4. November t\u00f6teten israelische Soldaten  einen 23j\u00e4hrigen geistig behinderten Pal\u00e4stinenser; erst zwei Stunden  sp\u00e4ter erlaubte das israelische Milit\u00e4r den Rettungskr\u00e4ften, zum Ort des  Geschehens zu kommen \u2013 als jede Hilfe zu sp\u00e4t kam. Und am 8. November  drang die israelische Armee wieder im Gazastreifen ein und er\u00f6ffnete in  der N\u00e4he von Khan Younis auf offenem Gel\u00e4nde das Feuer und t\u00f6tete einen  dreizehnj\u00e4hrigen Jungen, der dort spielte. \u2013 Der Name der israelischen  Operation <em>&#8222;Wolkens\u00e4ule&#8220;<\/em> d\u00fcrfte nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt sein. Er  verweist auf eine Episode aus dem Alten Testament, in der Gott sein  auserw\u00e4hltes Volk vor den \u00c4gyptern rettet. Die israelische Milit\u00e4raktion  zielt offenbar \u00fcber Hamas hinaus auf die neue F\u00fchrung in \u00c4gypten, die  sich bisher demonstrativ hinter ihre &#8222;Br\u00fcder&#8220; im Gazastreifen gestellt  hat.<\/p>\n<p><strong>Wie so oft in diesem Konflikt lassen sich Aktion und Reaktion, Gewalt  und Gegengewalt, Angriff und Verteidigung schwer voneinander abgrenzen.  Daher ist eine einseitige Schuldzuweisung an die Adresse der  &#8222;radikalislamischen&#8220; Hamas fehl am Platz.<\/strong><\/p>\n<p>In Israel wird derzeit dar\u00fcber debattiert, wie man mit dem Hamas-Spuk  endg\u00fcltig fertig werden k\u00f6nne. Es scheint, als gew\u00e4nnen die Hardliner um  Netanjahu und noch weiter rechts von ihm die Oberhand. Deren Ziel hat  in aller Deutlichkeit soeben ein Oberst der Reserve in einem Artikel zum  Ausdruck gebracht, der \u2013 sicherlich mit Bedacht \u2013 im Newsletter der  israelischen Botschaft (Datum: 16.11.2012.) verbreitet wurde. In dem  Artikel hei\u00dft es u.a.:<br \/>\n<em>&#8222;In den Stra\u00dfen Gazas laufen blutd\u00fcrstige Terroristen herum, sie  verstecken sich in Kinderg\u00e4rten und Schulen und diktieren einer Million  Einwohner S\u00fcdisraels ihren Tagesablauf. Was kommt als n\u00e4chstes? Eine  Hochzeit im Luftschutzkeller in Ashdod, oder Bar Mitzva-Feiern im Bunker  in Beer Sheva? Solche zerst\u00f6rerischen Kr\u00e4fte d\u00fcrfen nicht an unserer  s\u00fcdlichen Grenze zu Hause sein, und die Zeit ist gekommen, dass wir sie  ein f\u00fcr alle Mal zum Schweigen bringen.&#8220;<\/em> Und etwas weiter unten wird der Oberst noch deutlicher: <em>&#8222;Daher  muss Israel der Hamas den Krieg erkl\u00e4ren, ihre F\u00fchrung und ihre  Institutionen ausl\u00f6schen. Israel muss die Hamas endg\u00fcltig bezwingen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Wir sagen ganz klar:<\/strong> Wenn sich solche Meinungen durchsetzen,  werden wir demn\u00e4chst ein f\u00fcrchterliches Gemetzel im Gazastreifen erleben  \u2013 mit un\u00fcbersehbaren Folgen f\u00fcr die ganze Region. Schon jetzt ist  deutlich, dass die Zivilbev\u00f6lkerung am meisten unter den Angriffen  leidet: Neben den 30 get\u00f6teten Pal\u00e4stinensern (auf israelischer Seite  wurden bisher drei Opfer gez\u00e4hlt) wird die Infrastruktur des kleinen  Landstriches zerst\u00f6rt. So wurden bisher f\u00fcnf Trafostationen in Gaza  zerst\u00f6rt, wodurch die Stromversorgung f\u00fcr 400.000 Menschen lahmgelegt  wurde.<\/p>\n<p><strong>Allen milit\u00e4rischen Optionen in diesem Dauerkonflikt muss eine Absage erteilt werden.<\/strong> Stattdessen muss endlich das Recht der Pal\u00e4stinenser auf einen eigenen  Staat und auf ein lebenswertes Leben anerkannt werden. Der Chef der  UN-Hilfsorganisation f\u00fcr pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge, Filippo Grandi,  hat vor wenigen Tagen seinen Bericht \u00fcber die Lage vor der  UN-Generalversammlung abgegeben. Darin malt er ein d\u00fcsteres und  alarmierendes Szenario insbesondere f\u00fcr die eineinhalb Millionen  Menschen im Gazastreifen, die zu 80 Prozent auf Hilfe angewiesen sind, <em>&#8222;\u00f6konomisch stranguliert&#8220;<\/em> werden und deren <em>&#8222;frustrierte&#8220;<\/em> Jugend (weit mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung) ohne jede Perspektive  auf einen Job ist. Die Frustration, so der UN-Repr\u00e4sentant w\u00f6rtlich, <em>&#8222;nimmt  unter der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingsbev\u00f6lkerung zu und reflektiert  die sie \u00fcberw\u00e4ltigende Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung&#8220;<\/em>. (<a href=\"http:\/\/www.unrwa.org\/etemplate.php?id=1490\">www.unrwa.org<\/a>;  externer Link.) Filippo Grandi nennt auch die Ursachen: das  jahrzehntelange Besatzungsregime, und fordert demnach die Aufhebung der  Blockade des Gazastreifens, den Stopp des Siedlungsbaus im  Westjordanland und Ostjerusalem, das Ende der Siedlergewalt und der  Landenteignungen. Die Verl\u00e4ngerung des jetzigen Zustands sei das  Haupthindernis f\u00fcr den Frieden.<\/p>\n<p>In das gleiche Horn st\u00f6\u00dft die israelische Friedensorganisation Gush  Shalom. Deren Stimme mag derzeit marginalisiert erscheinen, sie dr\u00fcckt  aber die einzige realistische Perspektive f\u00fcr eine L\u00f6sung des Konflikts  aus. Im eigenen Interesse, so ihr Credo, m\u00fcsse Israel auf den Pfad des  Friedens, der Gewaltlosigkeit und des internationalen Rechts  zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Der Bundesausschuss Friedensratschlag fordert die Bundesregierung auf,  ihre bedingungslose Unterst\u00fctzung der israelischen Politik aufzugeben  und m\u00e4\u00dfigend auf die israelische Regierung einzuwirken. Der  israelisch-pal\u00e4stinensische Konflikt muss internationalisiert und zu  einer erstrangigen Angelegenheit der Vereinten Nationen werden. Die  Friedensbewegung ist aufgerufen, in diesem Sinne die \u00f6ffentliche  Diskussion zu suchen, Veranstaltungen, Informationsst\u00e4nde, Mahnwachen  u.\u00e4. zu organisieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Bundesausschuss Friedensratschlag:<br \/>\nL\u00fchr Henken, Berlin<br \/>\nWolfgang Kirstein, Hamburg<br \/>\nWilli van Ooyen, Frankfurt a.M.<br \/>\nB\u00e4rbel Schindler-Saefkow, Berlin<br \/>\nPeter Strutynski, Kassel<br \/>\nHorst Trapp, Frankfurt a.M.<br \/>\nEwald Ziegler, N\u00fcrnberg<\/p>\n<h2>Waffenstillstand und Stopp deutscher R\u00fcstungsexporte in die Region<\/h2>\n<p><strong>IPPNW-Presseinformation vom 15.11.2012 <\/strong><\/p>\n<p>Die deutsche Sektion der \u00c4rzte f\u00fcr die Verh\u00fctung des Atomkrieges nimmt  \u00e4u\u00dferst besorgt die gewaltt\u00e4tige Eskalation zwischen dem Gaza und Israel  zur Kenntnis. An beide Seiten geht der eindringliche Appell zu einem  sofortigen Waffenstillstand. Die Eskalation des Konfliktes mit der  Gefahr eines dar\u00fcber weit hinausgehenden Krieges in der Region ist gro\u00df,  so die IPPNW. Sowohl das Beschie\u00dfen israelischer Siedlungen von Gaza  aus, wie auch das gezielte T\u00f6ten von Hamas-Vertretern sind eklatante  Verst\u00f6\u00dfe gegen das V\u00f6lkerrecht.<\/p>\n<p>&#8222;Die Geschichte des jahrzehnte alten Konflikts zeigt, dass die  kriegerischen Waffeng\u00e4nge den Menschen der Region, wenn \u00fcberhaupt, nur  eine scheinbare Sicherheit gebracht haben&#8220;, erkl\u00e4rte Sabine Farrouh vom  Vorstand der IPPNW. &#8222;Eine vor Waffen starrende Sicherheit ist  letztendlich keine. Deswegen erkl\u00e4ren wir uns solidarisch mit den  Demonstrantinnen und Demonstranten in Gaza und in Israel, die gegen den  kriegerischen Wahnsinn protestieren und sich als Minderheit beherzt f\u00fcr  Frieden einsetzen. Ein deutscher Beitrag f\u00fcr den dortigen Frieden muss  sein, alle Waffenlieferungen in die Region einzustellen.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr die IPPNW ist der pal\u00e4stinensisch-israelische Konflikt seit vielen  Jahren ein wichtiges Thema. J\u00e4hrliche Delegationsreisen dienen dazu, vor  Ort in pal\u00e4stinensischen Gebieten und in Israel zu recherchieren und  Verbindungen zur dortigen Friedensbewegung aufzubauen.<\/p><\/div>\n<div>\n<p>Quelle:\u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/regionen\/Gaza\/baf.html<\/p><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Presseerkl\u00e4rung des Bundesausschusses Friedensratschlag Hamas und Israel zu Waffenstillstand dr\u00e4ngen Einseitige Schuldzuweisungen sind fehl am Platz Ursachen der Gewalt liegen in israelischer Besatzungspolitik<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,3,18],"tags":[],"class_list":["post-2529","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-antimilitarismus","category-palaestina-solidaritaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2529"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2529\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}