{"id":2843,"date":"2013-01-27T22:41:17","date_gmt":"2013-01-27T20:41:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2843"},"modified":"2013-01-27T22:41:17","modified_gmt":"2013-01-27T20:41:17","slug":"die-buechse-der-pandora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2843","title":{"rendered":"Die B&#252;chse der Pandora"},"content":{"rendered":"<div id=\"ID_Date\">28.01.2013<\/div>\n<h2>Krieg ohne Ende: Wie eine westliche Milit\u00e4rintervention die Voraussetzungen f\u00fcr die n\u00e4chsten schafft<\/h2>\n<address>Von Knut Mellenthin<\/address>\n<div>\n<div>\n<table border=\"0\" width=\"50\" summary=\"Designtabelle\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a><\/p>\n<div><img decoding=\"async\" id=\"img42471\" src=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=42471&amp;ext=.jpg\" alt=\"Malischer Soldat vor einer Wand mit Einschu\u00dfl\u00f6chern i\" \/><\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<div>Malischer Soldat vor einer Wand mit Einschu\u00dfl\u00f6chern in der unl\u00e4ngst zur\u00fcckeroberten Stadt Konna (26.1.2013)<\/div>\n<div>Foto: Reuters<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!--more-->Die am 11. Januar begonnene franz\u00f6sische Milit\u00e4r\u00adintervention in Mali  scheint ihre Ziele \u00fcberraschend schnell erreicht zu haben. Nach der  Einnahme Gaos am Sonnabend blieb nur noch Timbuktu unter Kontrolle der  Rebellen. Dessen \u00bbR\u00fcckeroberung\u00ab durch die franz\u00f6sischen Elitetruppen  ist h\u00f6chstens noch eine Frage von Tagen. Jetzt bleibt abzuwarten, wie  lange die Soldaten der alten, nie ganz aus Nordafrika abger\u00fcckten  Kolonialmacht als Besatzer im Land bleiben sollen. Angeblich werden sehr  bald Einheiten aus dem Nachbarstaat Niger und aus dem weiter \u00f6stlich  gelegenen Tschad das Staffelholz \u00fcbernehmen, verlautet aus dem  Verteidigungsministerium in Paris. Es w\u00e4re aber erstaunlich, wenn nicht  dennoch einige hundert Franzosen als \u00bbMilit\u00e4rberater\u00ab fest in Nordmali  stationiert w\u00fcrden, um die Oberaufsicht zu behalten. Niger und Tschad  geh\u00f6rten, wie Mali, zum franz\u00f6sischen Kolonialimperium. Die Streitkr\u00e4fte  beider L\u00e4nder k\u00e4mpfen im eigenen Land schon seit Jahrzehnten nicht  gerade erfolgreich gegen einheimische Rebellen. Dabei haben sie mehrfach  die Unterst\u00fctzung von Soldaten aus dem alten \u00bbMutterland\u00ab in Anspruch  genommen.<\/p>\n<p>Da\u00df die fr\u00fcheren europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte, die den afrikanischen  Kontinent fast vollst\u00e4ndig unter sich aufgeteilt hatten, nicht daran  denken, den Mali-Feldzug schnell abzuschlie\u00dfen, wird durch eine \u00c4u\u00dferung  des britischen Premierministers David Cameron erhellt. \u00bbDies ist eine  globale Bedrohung und sie wird eine globale Antwort erfordern\u00ab, erkl\u00e4rte  er am Sonntag vor einer Woche. \u00bbSie verlangt eine Antwort, bei der es  um Jahre, sogar um Jahrzehnte gehen wird, und nicht um Monate.\u00ab Die Lage  in Nordafrika sei \u00e4hnlich wie \u00bbin Pakistan und Afghanistan\u00ab; \u00bbdeshalb  mu\u00df die Welt zusammenkommen, um mit dieser Bedrohung fertig zu werden\u00ab.  (Guardian, 20.1.2013)<\/p>\n<p>Mit dem Traum von einem endlosen \u00bbGenerationenkrieg\u00ab (Cameron), f\u00fcr den  sich immer wieder neue Schaupl\u00e4tze finden und erfinden lassen, kn\u00fcpft  der britische Regierungschef direkt an die vor\u00fcbergehend aus der Mode  gekommene Weltkriegspropaganda der US-amerikanischen Neokonservativen  nach dem 11. September 2001 an. Auffallend und wohl kaum zuf\u00e4llig ist,  da\u00df die Bev\u00f6lkerung in den angegriffenen oder durch milit\u00e4rische  Einmischung destabilisierten L\u00e4ndern mehrheitlich der islamischen  Religionsgemeinschaft angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Gern vertauschen die Betreiber und Bef\u00fcrworter dieses Kreuzzugs Ursachen  und Wirkungen. In einem Interview mit Springers Welt (17.1.2013)  ereiferte sich der fr\u00fchere Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus  Naumann, theatralisch: \u00bbDie EU insgesamt kann nicht zusehen, wenn der  Norden Afrikas destabilisiert wird.\u00ab In Wirklichkeit hat gerade die  Europ\u00e4ische Union mit ihrem Eingreifen in den libyschen B\u00fcrgerkrieg 2011  einen entscheidenden Beitrag zu der jetzt beklagten Entwicklung  geleistet. Das ist so eindeutig und unstrittig, da\u00df sogar die  Au\u00dfenministerin der USA offen dar\u00fcber spricht. Bei einer  Kongre\u00df-Anh\u00f6rung beschrieb Hillary Clinton am Mittwoch ausf\u00fchrlich, wie  der Sturz Muammar Al-Ghaddafis die Instabilit\u00e4t in der Region gef\u00f6rdert  habe. Mit den Waffen, die auf diese Weise in den Nahen Osten und nach  Nordafrika gelangt seien, sei \u00bbdie B\u00fcchse der Pandora\u00ab ge\u00f6ffnet worden.  Das sei \u00bbdie Quelle einer der gr\u00f6\u00dften Bedrohungen, denen wir  gegen\u00fcberstehen\u00ab. (Fox News, 23.1.2013)<\/p>\n<p>Erstaunlich ist freilich, da\u00df die Obama-Administration trotz dieser  scheinbaren Einsicht seit Monaten mit den gleichen Methoden gegen Syrien  operiert, mit denen der libysche Staat zerschlagen wurde und die die  USA zuvor in den 1980er Jahren in Afghanistan angewendet hatten. Von  versehentlichen Fehlern kann man vor diesem Hintergrund nicht  glaubw\u00fcrdig sprechen. Durch den mit der umfassenden Hilfe des Westens  f\u00fcr die Rebellen erm\u00f6glichten Umsturz in Libyen kamen nicht nur  ungeheure Mengen an Waffen in Umlauf, darunter nicht zu vergessen auch  aus den modernen Arsenalen, die die reaktion\u00e4rsten Staaten der  arabischen Welt mit dem Segen von EU und USA an die Islamisten geliefert  hatten. Es kehrten auch Tausende Tuareg in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcck,  die in den libyschen Streitkr\u00e4ften gedient hatten und jetzt keine zivile  Perspektive haben. Gleiches gilt f\u00fcr Zehntausende Arbeitsemigranten,  die durch den Rassenha\u00df der \u00bbFreiheitsk\u00e4mpfer\u00ab aus Libyen vertrieben  wurden \u2013 in L\u00e4nder, die schon zuvor unl\u00f6sbare wirtschaftliche und  soziale Probleme hatten.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt: Libyen wurde durch die Milit\u00e4rintervention der NATO in  einen \u00bbFailed state\u00ab, in ein unregierbares Land ohne Zentralmacht,  verwandelt. Weite Gebiete vor allem im S\u00fcden Libyens sind auf diese  Weise genau das geworden, was die westliche Kriegspropaganda dem Norden  Malis zuschreibt: eine \u00bbsichere Zuflucht f\u00fcr Terroristen\u00ab. Die  islamistische Gruppe, die k\u00fcrzlich ein algerisches Erdgasfeld besetzte,  war \u00fcber die nur 60 Kilometer entfernte libysche Grenze gekommen. Sie  war mit Waffen aus Libyen ausger\u00fcstet, darunter mit solchen, die zuvor  ihren Weg \u00fcber Saudi-Arabien und Katar genommen hatten. Es ist wohl nur  eine Frage der Zeit, bis westliche Politiker unverfroren genug sind, mit  solchen Begr\u00fcndungen zum n\u00e4chsten Krieg gegen Libyen aufzurufen.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.01.2013 Krieg ohne Ende: Wie eine westliche Milit\u00e4rintervention die Voraussetzungen f\u00fcr die n\u00e4chsten schafft Von Knut Mellenthin Malischer Soldat vor einer Wand mit Einschu\u00dfl\u00f6chern in der unl\u00e4ngst zur\u00fcckeroberten Stadt Konna (26.1.2013) Foto: Reuters<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-2843","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-afrikanischer-raum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2843","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2843"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2843\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}