{"id":2903,"date":"2013-02-03T21:12:16","date_gmt":"2013-02-03T19:12:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2903"},"modified":"2013-02-03T21:12:16","modified_gmt":"2013-02-03T19:12:16","slug":"die-terror-zyniker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2903","title":{"rendered":"Die Terror-Zyniker"},"content":{"rendered":"<p>In Mali k\u00e4mpft der Westen gegen Al Kaida, in Syrien paktiert er mit dem  Netzwerk. Es ist Zeit f\u00fcr eine Kurskorrektur. Der Westen muss diesen  zynischen Pakt mit den Terroristen beenden.\u00a0 Eine Betrachtung <em>von J\u00fcrgen  Todenh\u00f6fer.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als der Westen in Afghanistan einmarschierte,  nannte er als Ziel die \u00dcberwindung des internationalen Terrorismus.  Erreicht hat er das Gegenteil. Die Zahl der Selbstmordanschl\u00e4ge stieg  nach 9\/11 weltweit um ein Vielfaches. F\u00fcr jeden get\u00f6teten Terroristen  standen Dutzende neue auf. Antiterror-Kriege sind Terrorzuchtprogramme.<\/p>\n<p>In  der muslimischen Welt wimmelt es inzwischen von nationalen Terroristen  und ausl\u00e4ndischen \u201eWander-Dschihadisten\u201c. Finanziert werden sie vor  allem durch private Organisationen in Saudi-Arabien. Diese wollen ihren  wahabitisch-salafistischen Radikal-Islam verbreiten, dem weltweit nur  zwei Prozent der Muslime anh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Anders als  der Alarmismus westlicher Innenpolitiker vermuten l\u00e4sst, blieb Europa  vom Terror Al Qaidas bisher weitgehend verschont. Laut Europol hatten  2010 nur drei von 249 vollendeten oder versuchten Terroranschl\u00e4gen  islamistische Beweggr\u00fcnde. 2011 war nicht einer der 174 Anschl\u00e4ge in  Europa islamistisch motiviert. Die meisten T\u00e4ter waren Separatisten und  Linksextreme.<\/p>\n<p>Trotzdem sollten wir die  muslimische Welt mit ihrem Terrorproblem nicht alleine lassen. Die seit  Jahrhunderten andauernde aggressive Politik des Westens gegen\u00fcber der  muslimischen Welt ist schlie\u00dflich Hauptursache dieser Seuche. Pal\u00e4stina,  Afghanistan und Irak sind nur die letzten Beispiele dieser  verh\u00e4ngnisvollen Politik.<\/p>\n<p>Terror-Sponsoren am Golf<\/p>\n<p>Wesentliche  Mitverantwortung f\u00fcr die epidemische Ausbreitung des Terrorismus tragen  seine Sponsoren am Golf. Ohne saudisches Geld k\u00f6nnte Al Qaida nicht  \u00fcberleben. Doch der Westen wagt sich an dieses zentrale Problem der  Terrorbek\u00e4mpfung nicht heran. Er argumentiert, das saudische K\u00f6nigshaus  habe mit den Terrorpaten einen mafia\u00e4hnlichen Pakt. Es bleibe nur so  lange von Anschl\u00e4gen verschont, wie es deren Kreise nicht st\u00f6re. Seine  Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber den Hinterm\u00e4nnern des Terrors sei daher  nachvollziehbar. Der Westen werde f\u00fcr sein Verst\u00e4ndnis reichlich durch  Erd\u00f6l entsch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Todenh\u00f6fer (72) war von 1972 bis 1990  Abgeordneter der CDU im Bundestag, danach bis 2008 Vorstandsmitglied  bei Burda. Todenh\u00f6fer bereiste \u00c4gypten, Marokko und Libyen. Auch  berichtete er aus Afghanistan.<\/p>\n<p>Doch \u00d6l ist nur einer der Gr\u00fcnde, warum sich der  Westen das Hinterland des Terrorismus, Saudi-Arabien, nicht zur Brust  nimmt. Der islamistische Terrorismus hat sich auch als n\u00fctzlicher  Vorwand zur Begr\u00fcndung offensiver Milit\u00e4raktionen erwiesen. Nach dem  Zusammenbruch der Sowjetunion wurde er zum wichtigsten Feindbild der  USA, nachdem Colin Powell 1991 noch geklagt hatte, \u201eihm \u00a0gingen die  Schurken aus\u201c.<\/p>\n<p>Wann immer der Westen  Antiterrorkriege f\u00fchrt oder fordert, geht es um ganz andere Dinge. In  Afghanistan um die zentrale geostrategische Position in Asien, im Irak  um \u00d6l, im Konflikt mit dem angeblich nuklears\u00fcchtigen \u201eTerrorstaat\u201c Iran  um die Vorherrschaft im Mittleren Osten und in Mali um Uran im  Nachbarland Niger. Wenn es in der Ex-Kolonie \u201eFranz\u00f6sisch-Westafrika\u201c  nur Sand g\u00e4be, k\u00f6nnten sich Tuaregs, Terroristen und Malier die K\u00f6pfe  einschlagen, solange sie wollten. Paris w\u00fcrde nie intervenieren. Es wei\u00df  genau, dass sein \u201eAntiterrorkrieg\u201c den islamistischen Terror letztlich  nicht besiegen, sondern weiter anheizen wird. Doch was hei\u00dft das schon  gegen eine gesicherte Stromversorgung Frankreichs durch afrikanisches  Uran?<\/p>\n<p>Tragischer Bruderkrieg<\/p>\n<p>Den  Gipfel des Zynismus hat die westliche Antiterrorpolitik in Syrien  erklommen. Dort k\u00e4mpfen \u00fcber 50.000 bewaffnete Rebellen gegen das  Assad-Regime. 40.000 von ihnen sind nach Aussagen demokratischer  Oppositioneller islamistische Extremisten. Mindestens 15.000 davon  bekennen sich zur Al-Nusra-Front, einem Al-Qaida-Ableger \u2013 unter ihnen  tausende ausl\u00e4ndische Djihadisten. F\u00fcr Demokratie k\u00e4mpft nur noch eine  Minderheit der Rebellen. Bei einem Sieg der extremistischen Rebellen  winkt kein demokratischer Musterstaat, sondern ein \u201eEmirat\u201c religi\u00f6ser  Fanatiker unter Beteiligung von Al Qaida. Es w\u00e4re der gr\u00f6\u00dfte politische  Triumph von Al Qaida seit ihrem Bestehen.<\/p>\n<p>Die  syrischen Rebellen erhalten Geld und Waffen vor allem aus Saudi-Arabien  und Qatar. Saudi-Arabien beliefert haupts\u00e4chlich Al Qaida, mit Wissen  der USA. Der Westen h\u00e4lt der gesamten Rebellion, einschlie\u00dflich Al  Qaida, politisch den R\u00fccken frei. Er ist de facto Verb\u00fcndeter Al Qaidas.  In Mali gegen, in Syrien mit Al Qaida \u2013 zynischer geht es nicht.<\/p>\n<p>Assad  ist ein Diktator. Der K\u00f6nig von Saudi-Arabien und der Emir von Qatar  auch. Den USA sowie den Despoten von Saudi-Arabien und Qatar geht es in  Syrien nicht um Demokratie. Ihr Ziel ist die Ausschaltung eines  wichtigen Verb\u00fcndeten Irans, das ihnen durch den Irakkrieg zu m\u00e4chtig  geworden ist. Dass dabei eines der liebenswertesten multiethnischen  V\u00f6lker Arabiens zerbricht, interessiert unsere \u201eWeltstrategen\u201c nicht.  Auch nicht, dass bei einem Sieg der Extremisten zwei Millionen Christen  ihre Heimat verlieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Es gibt sinnvolle  L\u00f6sungen dieses tragischen Bruderkrieges. Den Schl\u00fcssel hierzu haben  die USA. Sie m\u00fcssten bereit sein, mit Assad zu verhandeln. Wie einst mit  den F\u00fchrern der Sowjetunion. Ronald Reagan hat von diesen nie verlangt,  vor Friedensverhandlungen erst einmal zur\u00fcckzutreten.<\/p>\n<p>Die  USA k\u00f6nnten die vom syrischen Volk so hei\u00df ersehnte Waffenruhe  durchsetzen, wenn sie die Waffenlieferungen Saudi-Arabiens und Qatars  f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum stoppen w\u00fcrden. Russland k\u00f6nnte diesem  Beispiel folgen. Der Waffenstillstand m\u00fcsste f\u00fcr Verhandlungen Assads  mit allen gesellschaftlichen Gruppen genutzt werden \u2013 einschlie\u00dflich der  Exil-Opposition und der syrischen Rebellen, die ihre Waffen  niederlegen. Ziel w\u00e4re die Bildung einer \u00dcbergangsregierung, die  Erarbeitung einer demokratischen Verfassung, die auch die Minderheiten  sch\u00fctzt, sowie die Vorbereitung international \u00fcberwachter freier Wahlen.<\/p>\n<p>Assad  kann den Krieg noch lange f\u00fchren. Alle, die seinen Sturz seit fast zwei  Jahren \u201ef\u00fcr \u00fcbermorgen\u201c verk\u00fcnden, haben sich geirrt. Sie t\u00e4uschen sich  m\u00f6glicherweise auch bez\u00fcglich seiner Zukunftspl\u00e4ne. Nach meiner  Einsch\u00e4tzung ist er nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig interessiert, 2014 erneut zu  kandidieren &#8211; falls es zu einem fairen Friedensschluss kommt.<\/p>\n<p>Kluge  Verhandlungen haben noch immer eine Chance. Es ist Zeit f\u00fcr eine  Kurskorrektur des Westens. Er muss einen zynischen Pakt mit Al Qaida  beenden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/\">http:\/\/www.ksta.de\/debatte\/standpunkt-die-terror-zyniker,15188012,21600174.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Mali k\u00e4mpft der Westen gegen Al Kaida, in Syrien paktiert er mit dem Netzwerk. Es ist Zeit f\u00fcr eine Kurskorrektur. 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