{"id":2963,"date":"2013-03-30T08:37:20","date_gmt":"2013-03-30T06:37:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2963"},"modified":"2013-03-30T08:37:20","modified_gmt":"2013-03-30T06:37:20","slug":"bruessels-diktate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2963","title":{"rendered":"Br&#252;ssels Diktate"},"content":{"rendered":"<div id=\"ID_Date\">jW 30.03.2013<\/div>\n<h3>Weltsozialforum in Tunis. Kritik an diskriminierender EU-Politik<\/h3>\n<address>Von Wolfgang Pomrehn, Tunis<\/address>\n<div>\n<div>\n<table border=\"0\" width=\"50\" summary=\"Designtabelle\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a><\/p>\n<div><img decoding=\"async\" id=\"img43589\" src=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=43589&amp;ext=.jpg\" alt=\"Teilnehmer am Weltsozialforum am Donnerstag in Tunis\" \/><\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<div>Teilnehmer am Weltsozialforum am Donnerstag in Tunis<!--more--><\/div>\n<div>Foto: Mohamed Messara\/EPA\/dpa-bildfunk<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>In Tunesiens Hauptstadt Tunis geht am heutigen Samstag das diesj\u00e4hrige  Weltsozialforum zu Ende. Rund 50000 Teilnehmer hatten sich bis  Donnerstag nachmittag angemeldet. Zum Wochenende wurde ein weiterer  Ansturm erwartet. Etwa 80 Prozent der Teilnehmer seien Einheimische,  berichtet Mouhieddine Cherbib vom Organisationskomitee.<\/p>\n<p>Mit umgerechnet 50 Cent f\u00fcr Studenten, Rentner und Arbeitslose und 2,50  Euro f\u00fcr andere ist der Eintritt f\u00fcr die meisten erschwinglich, wenn  auch nicht gerade billig. Der monatliche Durchschnittslohn betr\u00e4gt in  Tunesien 300 bis 350 Dinar (etwa 150 bis 175 Euro), der Mindestlohn  liegt bei 246 Dinar (zirka 125 Euro). Tunesien hat die sogenannten  Strukturanpassungsprogramme, die die Bundesregierung derzeit mit Hilfe  des Internationalen W\u00e4hrungsfonds S\u00fcdeuropa aufzwingt, bereits hinter  sich. Das Ergebnis ist eine hochgradig von Agrar- und Textilexporten in  den Norden abh\u00e4ngige Wirtschaft, deren Handelsbilanzdefizit derzeit  weiter w\u00e4chst. Verh\u00e4ltnisse wie sie in vielf\u00e4ltiger Form auch auf dem  Forum thematisiert wurden.<\/p>\n<p>In einem gut besuchten, von ATTAC Deutschland organisierten Seminar  diskutierten zum Beispiel Teilnehmer aus diversen nordafrikanischen und  europ\u00e4ischen L\u00e4ndern die Verhandlungen \u00fcber ein neues  Freihandelsabkommen, die die EU derzeit mit den sogenannten  Aghir-Staaten Marokko, Jordanien, Tunesien und \u00c4gypten f\u00fchrt. Die  Kritik, so Said Salim von ATTAC, f\u00e4ngt damit an, da\u00df die EU zwar ein  einheitliches und sehr weitgehendes Abkommen mit diesen L\u00e4ndern will,  aber mit jedem einzeln verhandelt. Das schw\u00e4cht nat\u00fcrlich die ohnehin  prek\u00e4re Position dieser L\u00e4nder gegen\u00fcber dem m\u00e4chtigen Br\u00fcsseler Block  zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Ziel der EU ist die Beseitigung aller Handelshindernisse wie Z\u00f6lle oder  st\u00f6rende \u00f6rtliche technische Standards. Dar\u00fcber hinaus wird auf  umfassende Rechte f\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmen gedr\u00e4ngt. Schon jetzt  genie\u00dfen diese, so Salim, durch bilaterale Abkommen Privilegien wie die  zeitweise Befreiung von Steuern und Sozialabgaben oder besonders  g\u00fcnstigen Zugang zu Land. Die \u00f6rtlichen kleinen oder mittleren  Unternehmer k\u00f6nnen hingegen von derlei nur tr\u00e4umen. Die Folgen dieser  Politik scheint in Br\u00fcssel und Berlin niemand zu interessieren. ATTAC  kritisiert an den Verhandlungen unter anderem auch, da\u00df die EU nicht  zun\u00e4chst die sozialen und \u00f6konomischen Auswirkungen der bereits  bestehenden bilateralen Vertr\u00e4ge untersucht. Immerhin, so Salim, wird es  nach dem Seminar auf dem Forum nun eine internationale Gruppe aus  Vertretern sozialer Bewegungen von beiderseits des Mittelmeeres geben,  die die weiteren Verhandlungen gemeinsam beobachtet und analysiert.  Einige Freihandelsabkommen, wie das f\u00fcr den amerikanischen Kontinent  geplante FTAA, konnten in der Vergangenheit durch massiven \u00f6ffentlichen  Widerstand verhindert werden.<\/p>\n<p>Eine weitere Kritik von ATTAC an dem geplanten neuen Vertrag, wird auf  dem Weltsozialforum sicherlich von den allermeisten geteilt. Faktisch  geht es der EU darum, die s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen Mittelmeeranrainer in  einen einheitlichen Markt zu integrieren, ohne da\u00df die Regierungen der  Nicht-EU-Mitglieder dessen Regeln mitbestimmen und ohne da\u00df sich die  B\u00fcrger Nordafrikas und der Levante frei in ihm bewegen k\u00f6nnten.  Freiz\u00fcgigkeit gibt es nur f\u00fcr europ\u00e4isches Kapital und europ\u00e4ische  Exportwaren. Die Behinderung der Migration und vor allem das aggressive  und oft m\u00f6rderische Grenzregime der EU an ihrer S\u00fcdgrenze waren  Gegenstand zahlreicher Debatten in Tunis. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung  organisierte dazu vor \u00fcberf\u00fcllten Zuh\u00f6rerreihen ein Seminar, an dem auch  mehrere Parlamentarier und Fraktionsmitarbeiter der Bundestags-Linken  teilnahmen.<\/p>\n<p>Von einem ganz besonderen Schicksal berichteten sudanesische und  somalische Fl\u00fcchtlinge aus dem Lager in Schuscha an der Grenze zu  Libyen, die das Nachbarland aufgrund des B\u00fcrgerkrieges und der  nachfolgenden Pogrome gegen Schwarzafrikaner verlassen mu\u00dften. Nach dem  etliche 100 durch ein vom UN-Fl\u00fcchtlingskommissariat, dem UNHCR,  organisiertes Umsiedlungsprogramm in verschiedene L\u00e4nder weiterreisen  konnten, sind dort rund 230 Menschen gestrandet, f\u00fcr die sich keiner  mehr zust\u00e4ndig f\u00fchlt. Betroffene berichten, ihnen sei die Umsiedlung  verweigert worden. Im Juli wolle der UNHCR das Lager schlie\u00dfen, aber die  Menschen wollen weder in Tunesien bleiben, noch k\u00f6nnen sie wegen der  dort herrschenden Kriege in ihre Heimat im sudanesischen Dafur oder in  Somalia zur\u00fcck. In Tunesien aber, so berichteten sie in Tunis der  Presse, leiden sie unter extremem Rassismus. Polizisten w\u00fcrden sie als  \u00bbdreckige Sklaven\u00ab beschimpfen. Gleich nach der Errichtung des Lagers  hatte es einem \u00dcberfall aus der einheimischen Bev\u00f6lkerung gegeben, bei  dem mehrere Menschen get\u00f6tet und Zelte verbrannt worden seien.<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><span>nicht mit Facebook verbunden<\/span>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/images\/socialmediabuttons\/dummy_facebook.png\" alt=\"Facebook &quot;Like&quot;-Dummy\" \/><\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>jW 30.03.2013 Weltsozialforum in Tunis. 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