{"id":2965,"date":"2013-03-30T08:51:37","date_gmt":"2013-03-30T06:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2965"},"modified":"2013-03-30T08:51:37","modified_gmt":"2013-03-30T06:51:37","slug":"optimale-einsatzfaehigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2965","title":{"rendered":"Optimale Einsatzf&#228;higkeit"},"content":{"rendered":"<div id=\"ID_Date\">jW 25.03.2013<\/div>\n<h2>Hintergrund. Hegemonial- und Kriegsstrategien der USA. Teil II (und  Schlu\u00df): Der Raketenabwehrschirm und die \u00bbIntelligente Verteidigung\u00ab der  NATO<\/h2>\n<address>Von L\u00fchr Henken<\/address>\n<div>\n<div>\n<table border=\"0\" width=\"50\" summary=\"Designtabelle\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a><\/p>\n<div><img decoding=\"async\" id=\"img43489\" src=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=43489&amp;ext=.jpg\" alt=\"Langstreckenaufkl\u00e4rungsdrohne \u00bbGlobal Hawk\u00ab: Si\" \/><\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<div>Langstreckenaufkl\u00e4rungsdrohne \u00bbGlobal Hawk\u00ab<!--more-->: Sie  liefert der F\u00fchrungsebene und aktiven \u00adEinsatzkr\u00e4ften dasselbe Lagebild  f\u00fcr den koordinierten Kampf gegen den \u00bbFeind\u00ab<\/div>\n<div>Foto: Handout\/ Reuters<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Die NATO ist auch nach Beendigung des Kalten Krieges das wichtigste  Instrument der USA zur weltweiten Machtprojektion. S\u00e4mtliche  strategische Beschl\u00fcsse des Pakts werden von den USA erlassen. Die auf  dem letzten NATO-Gipfel in Chicago im Mai 2012 vorgestellten Vorhaben  sind von weitreichender Bedeutung. Dazu z\u00e4hlen die schon zum Teil  arbeitende Raketenabwehr und die geplante \u00bbSmart Defence\u00ab, die  \u00bbIntelligente Verteidigung\u00ab.<\/p>\n<h3>Abwehrschild gegen Iran<\/h3>\n<p>Auf dem NATO-Gipfel wurde ungeachtet russischer Einw\u00e4nde die  Anfangsbef\u00e4higung einer Raketenabwehr f\u00fcr S\u00fcdosteuropa verk\u00fcndet. Sie  stellt den Beginn der ersten von vier Aufbauphasen dieses Systems aus  Satelliten, Radaranlagen und Raketen auf See und an Land sowie ihrer  Kontroll- und Kommandozentrale in Ramstein dar. Ab 2020 soll es voll  einsatzf\u00e4hig sein. In der ersten Phase bis 2013 erfa\u00dft das bereits  arbeitende Radarsystem AN\/TPY-2 mit einer Radarreichweite von 1000  Kilometern im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei m\u00f6gliche, aus dem Iran anfliegende  Mittelstreckenraketen, etwa Shahab-3-Raketen. Diese k\u00f6nnen dann von  US-amerikanischen Lenkwaffenzerst\u00f6rern mit dem AEGIS-System zerst\u00f6rt  werden. So sei S\u00fcdosteuropas Schutz gesichert.<\/p>\n<p>In der zweiten Phase von 2013 bis 2015 sollen verbesserte bodengest\u00fctzte  Raketen in Rum\u00e4nien (SM-3 IIA), in Phase 3 von 2015 bis 2018 auch in  Polen aufgestellt werden. Ab 2016 werden deutsche Patriot-Abfangraketen  und niederl\u00e4ndische Fregatten mit Fr\u00fchwarnradarger\u00e4ten hinzukommen.  Damit sei der Schutz Nordeuropas vor iranischen Raketen gew\u00e4hrleistet.  F\u00fcr 2020 war geplant, da\u00df mittels in Polen und Rum\u00e4nien stationierter  Raketen (SM-3 II B) die USA vor anfliegenden iranischen  Langstreckenraketen gesch\u00fctzt werden. Auf diese vierte Phase wird seit  Mitte M\u00e4rz 2013 verzichtet. Die USA wollen Mittel freisetzen, um ab 2017  zus\u00e4tzliche Abfang\u00adraketen in Alaska gegen Interkontinentalraketen aus  Nordkorea aufzustellen. Sie k\u00f6nnten zwar auch Raketen aus der  Volksrepublik China und Ru\u00dfland abfangen \u2013 nicht jedoch aus dem Iran.<\/p>\n<p>Die Anzahl der derzeitig vom Iran einsatzf\u00e4higen Mittelstreckenraketen  vom Typ \u00bbShahab 3\u00ab ist nur spekulativ. Die Sch\u00e4tzungen reichen von 25  bis 100. Mit Massenvernichtungswaffen sind sie nicht best\u00fcckt. Der  ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Meir Dagan, geht  im Spiegel vom 7. November 2011 davon aus, \u00bbda\u00df Iran eine Atombombe  fr\u00fchestens Mitte des Jahrzehnts entwickelt haben werde und das auch nur,  wenn nichts und niemand in die Quere komme. Bis Iran einen nuklearen  Sprengkopf entwickelt habe, w\u00fcrden noch einmal drei Jahre vergehen. Das  w\u00e4re 2018.\u00ab Dagegen machte US-Pr\u00e4sident Barack Obama neuerdings eine  andere \u2013 dramatischere \u2013 Rechnung auf: Der Iran brauche lediglich \u00bbrund  ein Jahr, um eine Atomwaffe zu entwickeln\u00ab. Er strebe nach wie vor eine  diplomatische L\u00f6sung an, \u00bbwerde es aber nicht zulassen, da\u00df Iran die  \u203arote Linie\u2039 zur Atommacht \u00fcberschreite\u00ab, sagte Obama und versicherte,  \u00bber habe in seinem Kabinett den n\u00f6tigen R\u00fcckhalt f\u00fcr einen milit\u00e4rischen  Angriff\u00ab (FAZ vom 16.3.2013).<\/p>\n<h3>Einkreisung Ru\u00dflands<\/h3>\n<p>Die NATO zeigt mit der Stationierung von Radaranlagen und  AEGIS-Fregatten Entschlossenheit. Ebenso wie die im Osten der T\u00fcrkei neu  postierten Patriot-Batterien sind diese gegen iranische Raketen und  Flugk\u00f6rper einsetzbar.<\/p>\n<p>Ru\u00dflands Argument gegen das Raketenabwehrsystem von USA und NATO macht  sich daran fest, da\u00df der Iran \u00fcber keine gef\u00e4hrliche Raketentechnik  verf\u00fcge, schon gar nicht \u00fcber Atomwaffen. Folglich sei das Raketensystem  gar nicht gegen den Iran gerichtet, sondern gegen Ru\u00dfland. Das stellt  die NATO-Gipfelerkl\u00e4rung von Chicago in Abrede. Russische Milit\u00e4rs  sch\u00e4tzen ein, da\u00df der \u00bbAbwehrschild\u00ab erst am Anfang stehe. Zun\u00e4chst  seien es Dutzende, sp\u00e4ter Hunderte oder Tausende Abfang\u00adraketen, die  zudem auf See \u00fcberall dorthin verlegt werden k\u00f6nnten, wo man sie  brauche. Schon heute seien Japan und S\u00fcdkorea einbezogen. Au\u00dferdem habe  man mit den USA im \u00bbNew Start\u00ab-Vertrag vereinbart, die Zahl der  strategischen Nuklearplattformen bis 2018 auf jeweils 800 (mit 1550  Nuklearsprengk\u00f6pfen) zu begrenzen. Ru\u00dfland unterschreitet schon heute  diese Marke deutlich: An Land d\u00fcrfte Ru\u00dfland zur Zeit nur noch etwa 400  und auf See zehn strategische Atomwaffentr\u00e4ger zur Verf\u00fcgung haben.  Obama strebt f\u00fcr die Zeit danach eine weitere Reduzierung atomarer  Sprengk\u00f6pfe auf jeweils 1000 an \u2013 bei gleichzeitigem Ausbau der  US-amerikanischen Raketenabwehr.<\/p>\n<p>Im \u00bbWorst Case\u00ab-Szenario f\u00fcrchtet die russische Seite nach einem  NATO-Erstschlag wegen des Raketenabwehrsystems um seine  Zweitschlagkapazit\u00e4t. Ein gemeinsamer Betrieb des Raketenabwehrschilds  durch NATO und Ru\u00dfland scheitert daran, da\u00df die USA ein russisches  Mitspracherecht nicht zulassen.<\/p>\n<p>Die Raketenabwehr der USA stellt ein weltumspannendes Mammutprojekt dar,  welches geeignet ist, die US-dominierte Weltordnung zu verfestigen.  Alle Freunde kommen unter den Schirm, alle anderen bleiben au\u00dfen vor.  Da\u00df die Raketenabwehr keine zeitlich oder r\u00e4umlich begrenzte Sache ist,  macht auch die Under Secretary of State im US-Au\u00dfenministerium Ellen  Tauscher, die f\u00fcr internationale Sicherheit und R\u00fcstungskontrolle  zust\u00e4ndig ist, deutlich. Die europ\u00e4ische Raketenabwehr werde auch dann  verwirklicht, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, \u00bbwenn es in  Iran zu einem Regimewechsel k\u00e4me. Es gehe darum, neue Technologien zu  beherrschen\u00ab (FAZ vom 19.5.2012). NATO-Generalsekret\u00e4r Anders Fogh  Rasmussen warnte einen Tag zuvor in der Welt davor, da\u00df mehr als 30  L\u00e4nder im Besitz der Technologie f\u00fcr ballistische Raketen seien oder  daran arbeiteten.<\/p>\n<p>Ru\u00dfland reagiert milit\u00e4risch auf die NATO-Raketenabwehr, indem es  Pr\u00e4ventivschl\u00e4ge auf NATO-Raketenstellungen androht und sein  territoriales Radarsystem erweitert. Ein Aufr\u00fcstungsprogramm ist  aufgelegt: 400 Interkontinentalraketen, acht strategische U-Boote, 50  Kriegsschiffe, 600 Flugzeuge und 1000 Helikopter. Die Aufr\u00fcstung l\u00e4\u00dft  sich Moskau in den n\u00e4chsten zehn Jahren j\u00e4hrlich 75 Milliarden US-Dollar  kosten. Zum Vergleich: Die USA geben j\u00e4hrlich fast doppelt soviel Geld  f\u00fcr neue Waffen aus.<\/p>\n<h3>\u00bbSmart Defence\u00ab<\/h3>\n<div>\n<table border=\"0\" width=\"50\" summary=\"Designtabelle\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a><\/p>\n<div><img decoding=\"async\" id=\"img43490\" src=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=43490&amp;ext=.jpg\" alt=\"Weltweit einsatzbereit: Die ersten f\u00fcnf Radpanzer vom Typ &amp;\" \/><\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<div>Weltweit einsatzbereit: Die ersten f\u00fcnf Radpanzer  vom Typ \u00bbBoxer\u00ab kommen in Afghanistan bereits zum Einsatz (\u00dcbergabe des  Kriegsger\u00e4ts an das Gefechts\u00fcbungszentrum in Letzlingen, 30.5.2011)<\/div>\n<div>Foto: Eckehard Schulz\/dapd<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Hinter dem freundlich, aber irref\u00fchrend daherkommenden Begriff \u00bbSmart  Defence\u00ab verbirgt sich eine neue, auf weltweite Kriegf\u00fchrung  ausgerichtete, integrierte Zusammenarbeit. Die deutsche \u00dcbersetzung  lautet offiziell \u00bbintelligente Verteidigung\u00ab. Die Irritation ist nicht  so sehr das Wort \u00bbsmart\u00ab, sondern \u00bbDefence\u00ab.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risch integrierte Verb\u00e4nde setzt die NATO bisher lediglich in den  fliegenden Gefechtsplattformen AWACS und bei der Luftraum\u00fcberwachung des  Baltikums ein. Diese F\u00e4higkeiten sollen zun\u00e4chst um etwa 20 Aufgaben  erweitert werden. Das Milit\u00e4rb\u00fcndnis strebt dabei eine Zusammenarbeit  mit der EU an, zumal zahlreiche EU-L\u00e4nder Mitglied des Paktes sind.<\/p>\n<p>Das Schl\u00fcsselprojekt der \u00bbSmart Defence\u00ab ist das System \u00bbAlliance Ground  Surveillance\u00ab, kurz AGS, das ebenso irref\u00fchrend mit \u00bbSystem zur  Boden\u00fcberwachung\u00ab \u00fcbersetzt wird. Irref\u00fchrend, weil es viel mehr ist als  das.<\/p>\n<p>Weitere geplante Projekte der \u00bbSmart Defence\u00ab sind die gemeinsame  Luftbetankung, Seefernaufkl\u00e4rung, Entsch\u00e4rfung von Sprengfallen durch  ferngesteuerte Roboter und die Vereinheitlichung des Nachschubs von  Treibstoff und von Munition f\u00fcr Kampfflugzeuge. Zu den einzelnen  Aufgabenfeldern bilden sich jeweils verschieden zusammengesetzte  L\u00e4ndergruppen, die ihre gemeinsamen F\u00e4higkeiten b\u00fcndeln. So \u00fcbernimmt  Deutschland die F\u00fchrung bei der Seefernaufkl\u00e4rung und Frankreich die  F\u00fchrung bei der Luftbetankung.<\/p>\n<p>Den Kern des Systems AGS bilden f\u00fcnf Gro\u00dfdrohnen des Typs \u00bbGlobal Hawk\u00ab,  an denen sich die Bundesregierung mit einem Drittel der Kosten  beteiligen will. \u00bbGlobal Hawks\u00ab sollen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Kampff\u00fchrung  essentiell sein, liefern sie doch auf jedes Display der Einsatz- und  F\u00fchrungsebene dasselbe Lagebild, welches Infanteristen den  entscheidenden Kriegsvorteil im Kampf um Ort, Stra\u00dfe und Haus  verschaffen soll. AGS ist das zentrale Element der neuen sogenannten  vernetzten Operationsf\u00fchrung. Ohne sie ist k\u00fcnftig ein Krieg au\u00dferhalb  des B\u00fcndnisgebiets undenkbar. Damit \u00bbk\u00f6nnen bewegliche Ziele entdeckt  und verfolgt werden. Von station\u00e4ren Zielen werden hochaufgel\u00f6ste  Radarbilder geliefert\u00ab, hei\u00dft es im Fachmagazin Europ\u00e4ische Sicherheit  und Technik, Heft 9\/2012. Das AGS kann \u00bbBewegungen \u00fcber Zeitr\u00e4ume  nachzeichnen\u00ab (FAZ vom 19.4.2012). Damit werden pr\u00e4zise Zielzuweisungen  m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Mit den f\u00fcnf \u00bbGlobal Hawk\u00ab wird die NATO in die Lage versetzt, \u00bbzwei  operationelle Einsatzr\u00e4ume an unterschiedlichen Schaupl\u00e4tzen  gleichzeitig aufzukl\u00e4ren und zu \u00fcberwachen\u00ab (Europ\u00e4ische Sicherheit und  Technik, ebd.). Es ist angestrebt, diese M\u00f6glichkeit auf bis zu acht  Kriegsschaupl\u00e4tze gleichzeitig auszubauen. Daf\u00fcr sind die 13  NATO-Mitgliedstaaten, die sich an der AGS beteiligen, aufgefordert,  weitere \u00bbGlobal Hawks\u00ab zu finanzieren. Die deutsche Regierung \u00fcberlegt  deshalb, vier weitere zu kaufen.<\/p>\n<h3>Kriegstreiber in der BRD<\/h3>\n<p>Zur Durchsetzung der eigenen Gro\u00dfmachtpl\u00e4ne reicht Teilen der deutschen  Wirtschaft dies alles noch nicht. Im Vorfeld des letzten NATO-Gipfels  fielen eine Reihe von Artikeln in deutschen Leitmedien auf, die sich mit  der angeblich mangelnden Bereitschaft der Europ\u00e4er befa\u00dften, einen  angemessenen R\u00fcstungsbeitrag in der NATO zu leisten. Zum Beispiel der  Namensartikel des CDU-Abgeordneten und damaligen Pr\u00e4sidenten der  \u00bbParlamentarischen Versammlung der NATO\u00ab Karl A. Lamers in der FAZ vom  19. Mai 2012: \u00bbDer Anteil der Vereinigten Staaten von nunmehr 71 Prozent  ist bereits heute eine Zumutung f\u00fcr unsere amerikanischen Partner.\u00ab  Oder Ulrich Speck wenige Tage zuvor in der NZZ: \u00bb1980 trug Europa 40  Prozent der NATO-Milit\u00e4rausgaben, heute sind es 20 Prozent.\u00ab Der Spiegel  lie\u00df eine Woche vor dem NATO-Gipfel Mitarbeiter konservativer Think  tanks zu Wort kommen. Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und  Politik (SWP): \u00bbIn j\u00fcngster Zeit entspricht Deutschland weder den  Erwartungen der B\u00fcndnispartner noch dem eigenen Selbstbild einer  sicherheitspolitischen Mittelmacht mit globaler Verantwortung.\u00ab  Christian M\u00f6lling, ebenfalls von der SWP, wird im Spiegel vom 14. Mai  wiedergegeben: Die Bundeswehr verkomme \u00bbzu einer Bonsai-Armee, die zwar  das gesamte F\u00e4higkeitsspektrum abdecke, aber kaum noch milit\u00e4rische  Durchsetzungskraft besitze. Zur Sorge der alliierten Partner.\u00ab Patrick  Keller von der Konrad-Adenauer-Stiftung meint die Ursache daf\u00fcr zu  kennen: \u00bbIn der breiten Bev\u00f6lkerung fehlt es an grundlegendem  Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Sicherheitspolitik\u00ab (Spiegel vom 14.5.2012).<\/p>\n<p>Das wohl schwerste Gesch\u00fctz bot die S\u00fcddeutsche am 18. Mai 2012 auf.  Unter der \u00dcberschrift \u00bbEin schwaches Deutschland schw\u00e4cht auch die  Allianz\u00ab gibt das Blatt ein Interview mit dem ehemaligen US-Botschafter  bei der UNO unter George W. Bush, Nicholas Burns, wieder. Auf die Frage,  ob Europa unwichtig werde, weil Obama eine Wende nach Asien vollziehen  will, antwortete Burns, \u00bbNein, die Vereinigten Staaten m\u00fcssen  reinvestieren in diese Beziehung (mit Europa, L. H.) \u2013 gerade weil die  gro\u00dfe strategische Herausforderung der Aufstieg Chinas ist. Aber w\u00e4hrend  die USA sich aus gutem Grund Asien zuwenden, d\u00fcrfen wir uns nicht von  Europa abwenden. (\u2026) Europa mu\u00df global denken und handeln, trotz all  seiner Probleme etwa mit der Euro-Krise. Denn Europa hat weltweite  Interessen \u2013 im Nahen Osten, in S\u00fcdostasien, in Ostasien. Also mu\u00df  Europa den Willen, den Ehrgeiz und auch die milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten  haben, um gemeinsam mit den USA zu agieren und Frieden in diese Regionen  der Welt zu bringen. Wir brauchen ein starkes Europa \u2013 und ein Europa,  das mehr f\u00fcr seine Sicherheit investiert. Seit fast vier Jahrzehnten  verlangt die NATO, die Alliierten sollen wenigstens zwei Prozent ihres  Bruttoinlandsprodukts f\u00fcr die Verteidigung ausgeben. Nur drei Verb\u00fcndete  tun das, allen voran die USA mit 4,4 Prozent. Aber Deutschland leistet  gerade einmal 1,3 Prozent. (\u2026) Deutschland ist der Schl\u00fcsselstaat des  Kontinents, es f\u00fchrt Europa. Aber w\u00e4hrend Berlin Europa wirtschaftlich  lenkt, scheut es die politische und auch milit\u00e4rische F\u00fchrung, die die  NATO so dringend braucht. Ein schwaches Deutschland schw\u00e4cht die  Allianz.\u00ab<\/p>\n<p>Etwas sp\u00e4ter im Interview sagte er: \u00bbDas deutsche Problem ist doch  systemisch \u2013 und partei\u00fcbergreifend: Alle (deutschen, L. H.) Parteien  verweigern der Bundeswehr die Mittel, die n\u00f6tig w\u00e4ren, damit Deutschland  seine Rolle und seine Verantwortung in der NATO und in der Welt  wahrnehmen kann.\u00ab Da die USA in den n\u00e4chsten zehn Jahren 450 Milliarden  Dollar im Verteidigungshaushalt einsparen m\u00fc\u00dften, \u00bbbrauchen wir jetzt  europ\u00e4ische Opfer, um die St\u00e4rke der Allianz zu bewahren. Europa mu\u00df  diese Herausforderung annehmen. Die Zeiten, da die USA alle diese Kosten  tragen, sind vorbei\u00ab (SZ vom 18.5.2012). So Burns, der f\u00fcnf Jahre lang  unter den US-Pr\u00e4sidenten George Bush senior und William Clinton im  Nationalen Sicherheitsrat der USA f\u00fcr Eurasien zust\u00e4ndig war.<\/p>\n<p>Burns spricht am deutlichsten aus, wohin die Community der Kriegstreiber  die deutsche Gesellschaft haben m\u00f6chte. Sie soll es als normal  akzeptieren, da\u00df die Bundeswehr \u00fcberall in der Welt milit\u00e4risch  interveniert, und entsprechend mehr Geld f\u00fcr die Kriegf\u00fchrung  lockermachen. Vor allem diesem Anliegen soll die allj\u00e4hrliche M\u00fcnchner  Sicherheitskonferenz dienen. Deshalb ist es so wichtig, gegen sie auf  die Stra\u00dfe zu gehen.<\/p>\n<h3>Aufr\u00fcstung der Bundeswehr<\/h3>\n<p>Aus dem Personalabbau der Bundeswehr wird die Infanterie personell nicht  nur ungeschoren hervorgehen \u2013 sie wird gest\u00e4rkt. F\u00fcr die Infanterie  werden eigens ein neuer Sch\u00fctzenpanzer \u00bbPuma\u00ab und ein neuer Radpanzer  \u00bbBoxer\u00ab hergestellt. 11000 Infanteristen werden f\u00fcr jeweils 150000 Euro  mit neuer pers\u00f6nlicher Ausr\u00fcstung eingekleidet. Weil die bestehenden  \u00dcbungsorte f\u00fcr den H\u00e4user- und Stadtkampf nicht ausreichen, wird f\u00fcr 100  Millionen Euro n\u00f6rdlich von Magdeburg eine ganze \u00dcbungsstadt  \u00bbSchn\u00f6ggersburg\u00ab mit \u00fcber 500 Geb\u00e4uden und Hochh\u00e4usern, Stra\u00dfen,  U-Bahn-Tunneln, Kanalisation, Industriegebiet, eine stadttypische  Bebauung sowie einem 22 Meter breiten Flu\u00df und einem Waldgebiet  erstellt. Ziel ist es, eine schnell verlegbare f\u00fcr alle Kriegsszenarien  durchsetzungsf\u00e4hig einsetzbare Kampftruppe auszubilden.<\/p>\n<p>Statt 7000 sollen k\u00fcnftig 11000 Soldaten dauerhaft, also \u00fcber Jahre, im  Ausland eingesetzt werden k\u00f6nnen. Jeder Infanterist wird im Stadt- und  H\u00e4userkampf in Echtzeit \u00fcber \u00bbGlobal Hawks\u00ab und andere Drohnen seinen  Standort, den seiner Gruppe und den seiner Feinde angezeigt und der in  den Panzern mitgef\u00fchrte Waffenmix macht ihn Tag und Nacht kampff\u00e4hig.  Das weltweite Transportkonzept, mit Military-Airbussen schnell in  Kampfzonen einfliegen zu k\u00f6nnen, ist in Arbeit. Mit einem Airbus k\u00f6nnen  entweder \u00fcber 100 Infanteristen transportiert werden oder ein \u00bbPuma\u00ab,  ein \u00bbBoxer\u00ab oder zwei \u00bbTiger\u00ab-Kampfhubschrauber. In drei bis f\u00fcnf Jahren  sind diese Vorhaben, die bis dahin rund 100 Milliarden Euro  verschlungen haben werden, Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ein seit sp\u00e4testens 1992 mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien  verfolgtes Konzept, durch den Aufbau von \u00bbKrisenreaktionskr\u00e4ften\u00ab die  weltweite milit\u00e4rische Interventionsf\u00e4higkeit zu erlangen, k\u00f6nnte  umgesetzt werden. Daf\u00fcr fehlt jedoch dem milit\u00e4risch-industriellen  Komplex noch eine Voraussetzung: die Akzeptanz durch die deutsche  Bev\u00f6lkerung. Daran wird massiv gearbeitet. Wie sensibel das Vorhaben  ist, die Bundeswehr im Interesse der Wirtschaft einzusetzen, zeigte Ende  Mai 2010 der erzwungene R\u00fccktritt des Bundespr\u00e4sidenten Horst K\u00f6hler,  der f\u00fcr Politik und Wirtschaft etwas zu schnell vorpreschte, als er im  Deutschlandradio feststellte: \u00bbMeine Einsch\u00e4tzung ist aber, da\u00df  insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der  Gesellschaft zu verstehen, da\u00df ein Land unserer Gr\u00f6\u00dfe mit dieser  Au\u00dfenhandelsorientierung und damit auch Au\u00dfenhandelsabh\u00e4ngigkeit auch  wissen mu\u00df, da\u00df im Zweifel, im Notfall auch milit\u00e4rischer Einsatz  notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie  Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilit\u00e4ten zu verhindern,  die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zur\u00fcckschlagen negativ  durch Handel, Arbeitspl\u00e4tze und Einkommen\u00ab (<a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/aktuell\/1191138\" target=\"_blank\">www.dradio.de\/aktuell\/1191138<\/a>).<\/p>\n<h5>L\u00fchr Henken ist Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, er  arbeitet in der Berliner Friedenskoordination mit und ist Beirat der  Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V.<\/h5>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>jW 25.03.2013 Hintergrund. 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