{"id":2981,"date":"2013-04-02T20:59:21","date_gmt":"2013-04-02T18:59:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=2981"},"modified":"2013-04-02T20:59:21","modified_gmt":"2013-04-02T18:59:21","slug":"zurueck-zum-faustrecht-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=2981","title":{"rendered":"Zur&#252;ck zum Faustrecht"},"content":{"rendered":"<h1><\/h1>\n<h2>Gezieltes Morden mit Kampfdrohnen als westliche Kriegsstrategie<\/h2>\n<p><strong>Von Klaus Eichner *<\/strong><\/p>\n<p>Bereits unter US-Pr\u00e4sident \u00adGeorge Bush jr. hatten die USA begonnen,  eine neue Doktrin der \u00bbmodernen Kriegf\u00fchrung\u00ab auszuarbeiten und aktiv  anzuwenden. <!--more-->Darin sollten zwei geheime Programme vereinigt werden \u2013 der  Einsatz von unbemannten Waffensystemen und der Krieg der  Informationssysteme (Cyber War).<\/p>\n<p>Diese Doktrin wurde zum grundlegenden Operationsprinzip des nach dem 11.  September 2001 verk\u00fcndeten \u00bbKriegs gegen den Terror\u00ab. Damit erkl\u00e4rten  sich die Vereinigten Staaten als im permanenten Kriegszustand  befindlich. Washington suchte sich aus dem Kriegsv\u00f6lkerrecht alle jene  Regelungen heraus, die seiner Aggressionspolitik eine Scheinlegalit\u00e4t  verleihen k\u00f6nnten. Die alte Kanonenbootdiplomatie zur Durchsetzung der  Interessen der amerikanischen Monopole sollte abgel\u00f6st werden durch  unbemannte Killermaschinen.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Barack Obama erweiterte und effektivierte die  Kriegf\u00fchrungsdoktrin seines Vorg\u00e4ngers. Sein Ziel besteht darin,  Eins\u00e4tze mit Zehntausenden Soldaten, Panzern etc. zu beenden. Anfang  2012 erkl\u00e4rte er in einer Rede im Pentagon, er werde die \u00fcberholten  Systeme aus der Zeit des Kalten Krieges abschaffen.<\/p>\n<p><strong> Blo\u00dfer Verdacht reicht <\/strong><\/p>\n<p>Kriege der Zukunft sollen im verborgenen, mit einem Joystick oder per  Mausklick aus der Ferne ohne eigene Verluste realisiert werden. Ab und  zu werden sie erg\u00e4nzt durch Kommando\u00adunternehmen von  Spezialeinsatzkr\u00e4ften. Gezielte T\u00f6tungen mit unbemannten Killermaschinen  werden damit zu einem Merkmal der Politik von Friedensnobelpreistr\u00e4ger  Obama. Er ist stolz darauf, da\u00df die Todeslisten \u2013 meist auf der  Grundlage von Informationen der US-Geheimdienste \u2013 in regelm\u00e4\u00dfigen  Abst\u00e4nden von ihm pers\u00f6nlich best\u00e4tigt werden. Obamas aktuelle  Kriegf\u00fchrung ist die Verh\u00e4ngung der Todesstrafe auf blo\u00dfen Verdacht hin \u2013  ob es Unschuldige trifft, ist den daf\u00fcr Verantwortlichen gleichg\u00fcltig.  So wird aus dem V\u00f6lkerrecht wieder einmal das angema\u00dfte Recht des  St\u00e4rkeren, ein Faustrecht gemacht.<\/p>\n<p>Die fliegenden T\u00f6tungsmaschinen sind also nicht nur ein neues, h\u00f6chst  effektives Waffensystem, sie sind vor allem Instrumente zur massenhaften  T\u00f6tung von Menschen au\u00dferhalb jeder Rechtsprechung. Wenn z.B. ein  angeblicher Al-Qaida-F\u00fchrer von einer \u00bbHellfire\u00ab-Rakete in seinem Auto  oder seinem Haus get\u00f6tet wird, dann nehmen die verantwortlichen  Einsatzleiter billigend in Kauf, da\u00df seine dort befindlichen Angeh\u00f6rigen  oder auch zuf\u00e4llige Besucher mit ermordet werden. Noch perfider wird es  durch die Einsatzgrunds\u00e4tze der \u00bbDouble-tap\u00ab-Angriffe, bei denen nach  zirka 30 Minuten ein erneuter Raketenangriff auf dasselbe Ziel erfolgt,  um Helfer aus der Nachbarschaft, die \u00dcberlebende suchten oder Leichen  bergen wollten, ebenfalls zu vernichten.<\/p>\n<p>In keinem der F\u00e4lle liegen jedoch der Angriffsentscheidung der  Operatoren, die einen Joystick in ihren vollklimatisierten Einsatzr\u00e4umen  bedienen, rechtlich gesicherte Informationen \u00fcber die Angriffsziele  zugrunde. Oft darf der Operationsoffizier den Abschu\u00df einer  todbringenden Rakete auch schon veranlassen, wenn er \u00bbder Meinung\u00ab ist,  bei dem Zielobjekt k\u00f6nnte es sich um einen Terroristen handeln. Obama  konnte in seinen Wahlk\u00e4mpfen jedoch mit den Argumenten punkten, durch  den Einsatz von Drohnen brauche kein US-Soldat sein Leben aufs Spiel  setzen, mit anderen Worten: Die Zahl der in der Heimat eintreffenden  Zinks\u00e4rge k\u00f6nne damit drastisch reduziert werden.<\/p>\n<p>Die Operationsgebiete f\u00fcr die Drohneneins\u00e4tze werden immer mehr  ausgeweitet. Neben Pakistan, Afghanistan und dem Jemen ist Somalia  zunehmend Ziel. Das United \u00adStates Southern Command forderte die  Stationierung von Drohnen f\u00fcr den Bereich Lateinamerika. Als offizielle  Begr\u00fcndung dient die Aufkl\u00e4rung \u2013 aber ganz verschleiert erscheint auch  die Unterst\u00fctzung der \u00bbAufstandsbek\u00e4mpfung\u00ab. Dazu erw\u00e4hnen Insider die  logistische Hilfe f\u00fcr die kolumbianische Armee in ihrem Kampf gegen die  Revolution\u00e4ren Streitkr\u00e4fte Kolumbiens (FARC).<\/p>\n<p><strong> Doppelter Nutzen <\/strong><\/p>\n<p>Der Ersteinsatz der neuen Waffensysteme erfolgte am 4. Februar 2002 in  Afghanistan, seitdem sind allein in Pakistan mehr als 400  Drohneneins\u00e4tze bekannt geworden, davon mehr als 350 (90 Prozent) in der  Amtszeit Obamas. Die vorsichtigen Sch\u00e4tzungen der Opferzahlen reichen  von 2500 bis zu mehr als 3300 get\u00f6teten und etwa 1300 verletzten  Personen. Unter den Toten sollen zwischen 474 und 884 \u00bbZivilisten\u00ab,  darunter 176 Kinder, gewesen sein. Aber auch die offiziell als  \u00bbKombattanten\u00ab ausgewiesenen Opfer waren in der Mehrzahl \u00f6rtliche  Stammeskrieger, von denen keinerlei terroristische Bedrohung gegen die  Vereinigten Staaten ausging.<\/p>\n<p>Die milit\u00e4rische F\u00fchrung liegt in den USA in den H\u00e4nden des Kommandos  f\u00fcr Sonderoperationen (Joint Special Operations Command), die  milit\u00e4rische Leitzentrale ist auf dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt Creech in  Nevada stationiert. Bis 2020 sollen allein 28 Milliarden Dollar f\u00fcr die  Ausr\u00fcstung der Streitkr\u00e4fte (Geheimdienste nicht mitgerechnet!) mit  Kampfdrohnen ausgegeben werden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich nutzt die Obama-Administration ihren Einflu\u00df, damit diese  Kriegf\u00fchrung auch in der Operationsplanung der NATO ihren entsprechenden  Platz findet (abgesehen davon, da\u00df sich die US-R\u00fcstungskonzerne damit  neue riesige Absatzm\u00e4rkte erschlie\u00dfen). Die NATO hat auf ihrem Gipfel im  Mai 2012 in Chicago das Programm einer allianzeigenen Boden\u00fcberwachung  mit Gro\u00dfdrohnen (\u00bbAlliance Ground Surveillance \u2013 AGS\u00ab) und daf\u00fcr die  Beschaffung von dieser Maschinen vom Typ \u00bbGlobal Hawk\u00ab beschlossen. Die  Bundesregierung tr\u00e4gt daf\u00fcr ein Drittel der Gesamtkosten von 1,5  Milliarden Euro \u2013 aufgestockt von urspr\u00fcnglich \u00bbnur\u00ab 400 Millionen Euro  auf vorl\u00e4ufig 483 Millionen Euro. Die strategischen Zielstellungen sind  aus folgendem Beispiel erkennbar: In Vorbereitung der Aggression gegen  Libyen 2011 hatten die USA Planungen in Auftrag gegeben, wie in die  F\u00fchrungssysteme der libyischen Streitkr\u00e4fte eingedrungen und die  Luftverteidigung Libyens elektronisch lahmgelegt werden kann.<\/p>\n<p><em>* Aus: junge Welt, Dienstag, 12. Februar 2013 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gezieltes Morden mit Kampfdrohnen als westliche Kriegsstrategie Von Klaus Eichner * Bereits unter US-Pr\u00e4sident \u00adGeorge Bush jr. hatten die USA begonnen, eine neue Doktrin der \u00bbmodernen Kriegf\u00fchrung\u00ab auszuarbeiten und aktiv anzuwenden.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,20],"tags":[],"class_list":["post-2981","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antimilitarismus","category-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2981","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2981"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2981\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2981"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2981"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}