{"id":3100,"date":"2013-06-06T09:10:39","date_gmt":"2013-06-06T07:10:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3100"},"modified":"2013-06-06T09:10:39","modified_gmt":"2013-06-06T07:10:39","slug":"stell-dir-vor-man-feiert-faschismus-und-niemand-schaut-hin-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3100","title":{"rendered":"Stell dir vor man feiert Faschismus und niemand schaut hin"},"content":{"rendered":"<div style=\"font-size: 1.3em; color: #454545; font-weight: bold; line-height: 1.5em; margin-top: 15px;\">Jahr f\u00fcr Jahr finden in der Gegend um Bleiburg\/Pliberk in K\u00e4rnten  Gedenkveranstaltungen statt, bei denen die Symboliken der faschistischen  Usta\u0161a-Milizen das Bild beherrschen. Die \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden  tolerieren dies, und auch die Medien finden keinen Anlass zur  Berichterstattung.<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es war ein deutsches Medium, die Frankfurter Rundschau \u2013 kein Blatt, das  sich ansonsten regionalen Vorg\u00e4ngen in \u00d6sterreich widmet \u2013 das am  14.3.2013 eine <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/kroatien-gedenken-mit-einem-schuss-faschismus,1472596,22757932.html\" target=\"_blank\">Recherche von Danijel Majic<\/a> ver\u00f6ffentlichte. M\u00f6glichweise war man auf das Spektakel aufmerksam  geworden, weil ein verfassungsschutzbekannter Jungfaschist aus Stuttgart  mit einigen Gleichgesinnten angereist war. Der Mann mit Namen Toli\u0107  wirbt im Web unumwunden f\u00fcr die kroatische rechtsradikale A-HSP, einen  Ableger der HSP, jener \u201ePartei des Rechts\u201c, deren militanter Fl\u00fcgel in  den 1930iger Jahren die faschistische Usta\u0161a-Bewegung organisierte.<\/p>\n<p>Auf der Internetseite Toli\u0107s stie\u00df der Autor auf typisch  rechtsextreme Stereotype, wie das von der Verschw\u00f6rung der Freimaurer  und dem Weltjudentum, welche die Ausrottung der wei\u00dfen Rasse planten.  Auf der Veranstaltung um Bleiburg, im kleinen Ort Loibach\/Libu\u010de sind  Hitlergr\u00fc\u00dfe nicht selten. Doch Verletzungen des Verbotsgesetzes wollen  die Beh\u00f6rden in K\u00e4rnten nicht gesehen haben, so ihr Statement aus dem  Jahr 2010 an das <a href=\"http:\/\/www.dasbiber.at\/content\/die-offene-wunde-der-kroaten\" target=\"_blank\">Wiener multiethnische Magazin biber<\/a> \u2013 dem einzigen inl\u00e4ndischen Medium, das dieses Ereignis einer breiteren \u00d6ffentlichkeit bekannt gemacht hatte.<\/p>\n<p>Doch wie kommt es dazu, dass sich der kroatische Faschismus in \u00d6sterreich derartig offen feiern darf?<\/p>\n<p>Der Anlass ist traurig: Zwischen zehntausend und 100 000 Menschen  sind in den Kriegstagen des Mai 1945 im Grenzgebiet zwischen K\u00e4rnten und  Slowenien umgekommen. Zahlen und Umst\u00e4nde sind nach wie vor umstritten.  Nach der Kapitulation des kroatischen Vasallenstaats flohen Usta\u0161a und  andere Verb\u00e4nde, die mit der deutschen Wehrmacht kollaboriert hatten vor  der vorr\u00fcckenden jugoslawischen Volksbefreiungsarmee. Das Ziel der  45-65 Kilometer langen Kolonne, unter ihnen auch ZivilistInnen, war  \u00d6sterreich. Dort erhofften sich die Fl\u00fcchtlinge eine Aufnahme durch die  britische Besatzungsmacht. Die jedoch \u00fcbergab die bis dahin \u00dcberlebenden  \u2013 gem\u00e4\u00df dem zuvor getroffenen Abkommen mit Marschall Tito \u2013an die  jugoslawische Volksarmee. Um das Bleiburger Feld kam es zu Exekutionen  und Hinrichtungen, sogenannte Todesm\u00e4rsche sind \u00fcberliefert, zahlreiche  Massengr\u00e4ber wurden gefunden.<\/p>\n<p>Nach wie vor gibt es Diskussionen um den historischen Ablauf der  Geschehnisse im Jahr 1945, f\u00fcr die auch die britische Besatzungsmacht  Verantwortung tr\u00e4gt, weil sie die Aufnahme der Fl\u00fcchtlinge verweigert  hat.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren haben kroatische Regierungsvertreter von  nationalistischer bis hin zu sozialdemokratischer Gesinnung den  Gedenkfeierlichkeiten beigewohnt. Dies mutet merkw\u00fcrdig an, zumal  Gedankengut und Symbole der Usta\u0161a in Kroatien verboten sind und als  Wiederbet\u00e4tigung gelten. Erst 2012 hatte das Parlament in Zagreb die  Schirmherrschaft aufgek\u00fcndigt mit dem Argument, dass man kein  \u201eHappening\u201c unterst\u00fctzen wolle, auf dem faschistische Symbole gezeigt  und Verbrechen der Usta\u0161a relativiert w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Erzbischof von Split, Marin Bari\u0161i\u0107, sah keinen Anlass, sich dem  Parlamentsbeschluss anzuschlie\u00dfen. Er f\u00fchrte die diesj\u00e4hrige  Gedenk-Prozession in Loibach\/Libu\u010de an. Schaurig, denn zahlreiche  katholische Geistliche hatten das Usta\u0161a Regime und dessen Politik der  ethnischen S\u00e4uberungen <a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd7899\/t227899.html\" target=\"_blank\">aktiv mitgetragen<\/a>.  Alojzije Stepinac, der damalige Erzbischof von Zagreb, ist eine  umstrittene Figur. Der von Papst Johannes Paul II. 1998 selig  Gesprochene hatte die faschistische Diktatur von Anfang an begr\u00fc\u00dft und  die Usta\u0161a zwar in den Mitteln, aber niemals in ihren Zielen kritisiert.<\/p>\n<p>Solch ein Ziel war \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ustascha\" target=\"_blank\">die  Wiederherstellung des freien und unabh\u00e4ngigen kroatischen Staates auf  dem gesamten historischen und ethnisch geschlossenen Gebiet des  kroatischen Volkes.<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Die vom Usta\u0161a-Staat nach Vorbild des Dritten Reiches erlassenen  Rassengesetze waren Grundlage f\u00fcr die brutale Ermordung von Angeh\u00f6rigen  der serbischen, j\u00fcdischen und Roma-Sinti Bev\u00f6lkerungsgruppen sowie  AntifaschistInnen im KZ Jasenovac, dem gr\u00f6\u00dften Vernichtungslager in  S\u00fcdosteuropa.<\/p>\n<p>Doch wie will man dem Erzbischof von Split vorhalten, an diese  Verbrechen bei seiner Ansprache in Loibach\/Libu\u010de nicht zu erinnern,  wurde doch der Ultranationalist und Usta\u0161a -Verehrer Franjo Tu\u0111man von  Teilen der \u00f6sterreichischen Staatstr\u00e4gerschaft geradezu hofiert. Es  spielte keine Rolle, dass der seine rassistischen Ansichten \u00fcber  bosnische Moslems, Juden und Roma offen kundtat. Er bediente die  Kulturkampfargumentation, wonach <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/1999\/12\/tudj-d14.html\" target=\"_blank\">das katholische Kroatien die kulturelle Wasserscheide sei, die den Westen vom orthodoxen und muslimischen Balkan trenne<\/a>; \u2013 das ist erst weniger als 25 Jahre her.<\/p>\n<p>Bereits 1991 besuchte der frisch gew\u00e4hlte kroatische Pr\u00e4sident Wien.  Das kam einer symbolischen Anerkennung des angestrebten kroatischen  Staates gleich. Dahinter standen die schon jahrelang besonders durch den  damaligen \u00d6VP-Au\u00dfenminister Mock vorangegangenen Bestrebungen zur  Unterst\u00fctzung der kroatischen und slowenischen Separationsbewegungen.  Wirtschaftliche Interessen waren der eigentliche Antrieb. <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/politik\/zeitgeschichte\/672648\/Zerfall-Jugoslawiens_Mock-wollte-Alleingang\" target=\"_blank\">Mit dem Generalsekret\u00e4r der Industriellenvereinigung wurde der Ausbau der Phyrnautobahn an die Adria verhandelt<\/a>.<\/p>\n<p>Und auch Deutschland unter Helmut Kohl hatte es eilig mit der  Anerkennung. Seit den 70iger Jahren gab es Kontakte des BND zu Franjo  Tu\u0111man. Prompt waren es Kohl und Genscher, die gegen den Willen anderer  EU-L\u00e4nder gemeinsam mit \u00d6sterreich die Anerkennung forcierten.<\/p>\n<p>Die EU hingegen z\u00f6gerte den kroatischen Beitritt bis nunmehr 1. Juli  2013 hinaus; \u2013 war der kroatische Nationalismus als Kriegsmotor lange  gut, wollte man in friedlicheren Zeiten nichts mehr von ihm wissen. Im  labilen EU-Gef\u00fcge h\u00e4tte er Destabilisierungstendenzen verst\u00e4rken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und auch erst nach der \u00c4ra Tu\u0111man, in der versucht worden war, die  Geschichte Kroatiens vom Kommunismus zu reinigen, kam es zu einer  neuerlichen Revision des Geschichtsbilds.<\/p>\n<p>Seitdem erfahren Traditionen des Gedenkens an den antifaschistischen  Kampf ein Wiederaufleben. So wurde in Novigrad\/Cittanova am 1.3.2013 dem  68. Jahrestag der Ermordung von Irma Ben\u010di\u0107 gedacht. Die junge  Partisanin wurde gegen Kriegsende von deutschen Soldaten erschossen.  Antifaschistische Verb\u00e4nde fordern die Wiederumbenennung der lokalen  Volkschule auf ihren Namen.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Bleiburg\/Pliberk ist das Ringen um <a href=\"http:\/\/www.das-parlament.de\/2013\/17\/Beilage\/005.html\" target=\"_blank\">historische Fakten und Interpretation der Geschehnisse nicht abgeschlossen<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn allerdings das kroatische Parlament die Schirmherrschaft f\u00fcr die  Gedenkfeier mit Hinweis auf die Usta\u0161a -Verherrlichung verweigert,  fragt sich, warum das \u00f6sterreichische Parlament ihm in dieser  Argumentation nicht folgt und die Usta\u0161a-Aufm\u00e4rsche untersagt.  Bef\u00fcrchtet man denn, dass die \u00f6sterreichische Rolle im Jugoslawienkrieg  ins n\u00e4here Blickfeld r\u00fcckt? Dass diese Rolle als Anstifterin der Fronten  und als Unterst\u00fctzerin eines rassistischen und antisemitischen  Kriegsverbrechers Franjo Tu\u0111man Schwierigkeiten mit sich bringen k\u00f6nnte?  Als mitverantwortlich f\u00fcr Krieg und Terror mag man nicht dastehen.<\/p>\n<p>So ist es nur folgerichtig, dass gerne weggeschaut wird, wenn  Usta\u0161a-Fans mit erhobenem rechtem Arm in Bleiburg\/Pliberk aufmarschieren  und faschistische Parolen br\u00fcllen.<\/p>\n<div id=\"singlecontentinfo\">\n<div class=\"entry\">\n<p style=\"font-style: italic; line-height: 16px;\"><span style=\"font-size: 0.8em; font-weight: bold; color: #333; font-style: normal; padding-right: 5px;\">VON<\/span>Helga Suleiman\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ver\u00f6ffentlicht am 4. Juni 2013 auf \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/\"> http:\/\/www.migazin.de\/2013\/06\/04\/stell-dir-vor-man-feiert-faschismus-und-niemand-schaut-hin\/<\/a><\/p>\n<div id=\"contentad\" style=\"text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><strong>Buchtipp zum Thema<\/strong>:  Hannes Hofbauer (Hg.): Balkankrieg: Zehn Jahre Zerst\u00f6rung Jugoslawiens,  Edition Brennpunkt Osteuropa. G\u00e4nzlich umgearbeitete und erweiterte  Auflage. Promedia-Verlag<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"post-61201\" class=\"post\"><\/div>\n<h3 id=\"comments\">Ein Kommentar<br \/>\n<a title=\"Hinterlasse einen Kommentar\" href=\"http:\/\/www.migazin.de\/2013\/06\/04\/stell-dir-vor-man-feiert-faschismus-und-niemand-schaut-hin\/#respond\">Diskutieren Sie mit!\u00bb<\/a><\/h3>\n<div class=\"comment-author vcard\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"avatar avatar-32 photo\" src=\"http:\/\/0.gravatar.com\/avatar\/a6a3387cffaaf33abe43de16eef555a7?s=32&amp;d=http%3A%2F%2F0.gravatar.com%2Favatar%2Fad516503a11cd5ca435acc9bb6523536%3Fs%3D32&amp;r=G\" alt=\"\" width=\"32\" height=\"32\" \/> <cite class=\"fn\">Balkan<\/cite> <span class=\"says\">sagt:<\/span><\/div>\n<div class=\"comment-meta commentmetadata\"><a href=\"http:\/\/www.migazin.de\/2013\/06\/04\/stell-dir-vor-man-feiert-faschismus-und-niemand-schaut-hin\/comment-page-1\/#comment-42455\"> 4. Juni 2013 um 14:49<\/a><\/div>\n<p>\u00dcber die Verehrung von Alojzije Stepinac in Wien habe ich mich  ebenfalls gewundert. Das hier ist ein Photo aus dem Wiener Stephansdom  wo diesem [&#8230;] gedacht wird<\/p>\n<p><a rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/sphotos-e.ak.fbcdn.net\/hphotos-ak-frc1\/197600_1011629741409_8573_n.jpg\">http:\/\/sphotos-e.ak.fbcdn.net\/hphotos-ak-frc1\/197600_1011629741409_8573_n.jpg<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahr f\u00fcr Jahr finden in der Gegend um Bleiburg\/Pliberk in K\u00e4rnten Gedenkveranstaltungen statt, bei denen die Symboliken der faschistischen Usta\u0161a-Milizen das Bild beherrschen. 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