{"id":315,"date":"2008-05-01T16:43:27","date_gmt":"2008-05-01T14:43:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=315"},"modified":"2008-05-01T16:43:27","modified_gmt":"2008-05-01T14:43:27","slug":"gibt-es-passkontrollen-fur-raketen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=315","title":{"rendered":"Gibt es Passkontrollen f&#252;r Raketen?"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;FREITAG&#8220;, 2. 5. 08<\/p>\n<p><em>Johan Galtung<\/em><br \/>\n<strong>Gibt es Passkontrollen f\u00fcr Raketen?<\/strong><\/p>\n<p>GASTKOMMENTAR  Kalter Krieg und NATO-Schild<\/p>\n<p>Der Zweite Kalte Krieg begann, als Pr\u00e4sident Clinton die NATO nach Osten bis an die Grenzen der einstigen Sowjetunion schob und danach den Sicherheitspakt mit Japan (AMPO) westw\u00e4rts ausrollte, um Taiwan und S\u00fcdkorea einzubeziehen. Folglich unterhalten die USA derzeit etwa 700 Milit\u00e4rbasen in 130 L\u00e4ndern. Das Ergebnis ist die Einkreisung der halbenMenschheit, die im Gegenzug die Shanghai Cooperation Organisation (SCO)gr\u00fcndete. Dieser Verbund mit seinen sechs Mitgliedern (China, Russland und vier zentralasiatische muslimischen Republiken) sowie drei Beobachtern (Indien, Pakistan, Iran) l\u00e4sst den alten Warschauer Pakt fast belanglos erscheinen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zu dieser Ansetzung kommt mit dem Islam eine dritte Kraft, die gleichfalls von den USA herausgefordert wird &#8211; mit den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 als Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p>Es gibt keine muslimischen L\u00e4nder im NATO-AMPO-Block, aber sechs davon in der Shanghai-Gruppe. Mit einem davon, dem Iran, haben die USA ein Problem. Warum? &#8222;Weil sie uns hassen&#8220;, ist die Erkl\u00e4rung aus Washington. F\u00fcr die meisten Iraner trifft das nicht zu, f\u00fcr einige schon &#8211; warum? Die Antwort liegt auf der Hand: 1953 verh\u00e4ngten CIA und britischer MI 6 mit dem von ihnen lancierten Putsch gegen den legal gew\u00e4hlten Premier Mossadegh 25 Jahre Diktatur \u00fcber Iran.<\/p>\n<p>Es g\u00e4be einen einfachen Ausweg, der schon lange wartet: Entschuldigung f\u00fcr ?53. Die Kosten: Das Eingest\u00e4ndnis von Amerikanern und Briten, Fehler zu machen. Stattdessen haben die USA die NATO dazu gebracht, eine &#8222;Verteidigung&#8220; aufzubauen gegen &#8222;ausschlie\u00dflich&#8220; iranische nuklearverd\u00e4chtige Raketen. Gibt es so etwas wie Passkontrollen f\u00fcr Raketen? Es geht um einen Raketenschild, der in Tschechien (Radar) und Polen (Raketen) stationiert werden soll. Da es noch viele andere Routen f\u00fcr solche Raketen g\u00e4be, erscheint der russische Vorschlag wesentlich sinnvoller, eine solche &#8222;Verteidigung&#8220; in Aserbaidschan zu platzieren.<\/p>\n<p>Bei alldem f\u00fchle ich mich an eine alte chinesische Fabel erinnert. W\u00e4hrend der Han-Dynastie lebte ein H\u00e4ndler, der verkaufte sowohl Angriffs- als auch Verteidigungswaffen, unter anderem Hellebarden und<br \/>\nSchilde. Zwei auff\u00e4llige Aush\u00e4nge in seinem Gesch\u00e4ft priesen die Vorteile der Waffen an: &#8222;Diese Hellebarde ist so scharf, dass sie jeden Schild spalten kann!&#8220; &#8211; &#8222;Dieser Schild ist so stark, dass keine Hellebarde ihn spalten kann!&#8220;<\/p>\n<p>Genau so verh\u00e4lt es sich auch beim heutigen Wettr\u00fcsten mit Raketen, Antiraketen und Anti-Anti-Raketen. Jedes Kind kann erkennen, dass mit dem NATO-Abwehrschild Russland gemeint ist und eine ewige Spirale von Anti-Anti-Anti-Waffen ausgel\u00f6st wird &#8211; mit Lockvogelwaffen etwa, die Abwehrraketen auf falsche Ziele lenken, oder neuen Abwehrsystemen, die Russland bereits entwickelt.<\/p>\n<p>Zugegeben. Es mag aus Sicht der USA Differenzen mit Moskau geben, die immer wieder zu Spannungen f\u00fchren. Doch es g\u00e4be auch Chancen, sie zu \u00fcberwinden, sollten sich die Amerikaner entschlie\u00dfen, die Einkreisung zu stoppen. Was w\u00fcrde man in Washington denn sagen, wollte Russland Kuba und Venezuela in die Shanghai-Gruppe holen?<\/p>\n<p>Aber die asymmetrische Verwundbarkeit, wie sie mit dem Raketenschild angestrebt wird, ist offenbar Teil einer strategischen Option. Es sieht so aus, als herrsche ein Bed\u00fcrfnis nach gewinnbaren Kriegen &#8211; im Gegensatz zu den Kriegen ohne Fronten wie im Irak und in Afghanistan. Die NATO, inzwischen die gr\u00f6\u00dfte Allianz der Geschichte, hat fast 50.000<br \/>\nSoldaten in einen Krieg am Hindukusch geschickt, der nicht zu gewinnen ist. Man sieht den Irak und err\u00e4t den Rest der Geschichte. Afghanistan ist eine Station auf dem Golgatha-Weg, an dessen Ende es die NATO nicht mehr geben k\u00f6nnte. So sucht die Allianz nach neuer Bestimmung.<\/p>\n<p><em>Johan Galtung, norwegischer Friedens- und Konfliktforscher<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;FREITAG&#8220;, 2. 5. 08 Johan Galtung Gibt es Passkontrollen f\u00fcr Raketen? GASTKOMMENTAR Kalter Krieg und NATO-Schild Der Zweite Kalte Krieg begann, als Pr\u00e4sident Clinton die NATO nach Osten bis an die Grenzen der einstigen Sowjetunion schob und danach den Sicherheitspakt mit Japan (AMPO) westw\u00e4rts ausrollte, um Taiwan und S\u00fcdkorea einzubeziehen. 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