{"id":3294,"date":"2014-01-13T14:54:38","date_gmt":"2014-01-13T12:54:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3294"},"modified":"2014-01-13T14:54:38","modified_gmt":"2014-01-13T12:54:38","slug":"treffen-der-steirischen-friedensplattform-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3294","title":{"rendered":"Pal&#228;stina-Aktivist misshandelt und abgeschoben"},"content":{"rendered":"<h2>\u00abEin Beamter trat mich in die Rippen und ins Gesicht\u00bb<\/h2>\n<div id=\"metaLine\">\n<h5>Interview: <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/stichwort\/autor\/lynn-scheurer\/s.html\">Lynn Scheurer<\/a>. Aktualisiert am 17.01.2014<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/panorama\/vermischtes\/Ich-wurde-gefesselt-und-getreten\/story\/26870765?comments=1\"><\/a><\/h5>\n<\/div>\n<p class=\"teaser\">Der Pro-Pal\u00e4stina-Aktivist Vincent  Mainville wurde nach einem Vorfall mit israelischen Soldaten gestern  nach Genf abgeschoben. Im Interview sagt der Schweizer, wie es dazu kam.<!--more--><\/p>\n<div id=\"inlineGallery_134097\" class=\"inlineGallery standalone\" style=\"overflow: hidden;\">\n<div id=\"inlineGalleryPic_134097\" class=\"inlineGalleryPic\"><img decoding=\"async\" id=\"articlefeature\" style=\"width: 201.01875px; height: 426px;\" src=\"http:\/\/files.newsnetz.ch\/bildlegende\/134097\/1654159_pic_970x641.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<div class=\"captionWrapper\">\n<p class=\"caption\"><span id=\"diashow_counter\" class=\"counter counter134097\">1\/2<\/span> <span class=\"captionCopy\"> <span id=\"image_legend134097\">War \u00fcber zwei Monate im Einsatz: Vincent Mainville.<br \/>\nBild: International Solidarity Movement<\/span><br \/>\n<span style=\"float: left;\"> <\/span> <\/span><\/p>\n<div id=\"articleGalleryNav\"><a class=\"navLeft navLeft134097\"> <\/a> <a class=\"navRight navRight134097\"> <\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"contentbox\">\n<h4>Infobox<\/h4>\n<p>Vincent Mainville wuchs gem\u00e4ss eigenen Angaben  mehrheitlich in Kanada auf. Er besitzt den Schweizer Pass und flog von  Genf aus nach Israel. Nach seiner Verhaftung und Abschiebung wurde er  mit einem 10-j\u00e4hrigen Einreiseverbot f\u00fcr Israel belegt, das er mit einem  Anwalt anfechtet. Mainville sagt, sein Ziel sei es, in der Schweiz eine  ISM-Gruppe aufzubauen und bald wieder nach Israel zu reisen.<\/p><\/div>\n<p><strong>Sie sind Mitglied der pro-pal\u00e4stinensischen Organisation  International Solidarity Movement (ISM) und wurden vor gut einer Woche  in Hebron festgenommen. Gestern wurden Sie von den israelischen Beh\u00f6rden  in die Schweiz abgeschoben. Was ist genau passiert?<\/strong><br \/>\nEine meiner  t\u00e4glichen Aufgaben als ISM-Mitglied war es, pal\u00e4stinensische Schulkinder  durch die Checkpoints zu begleiten. Wir sind in solchen Situationen  pr\u00e4sent und dokumentieren, wenn jemand ungerecht behandelt oder verletzt  wird. Am 8. Januar bewarfen pal\u00e4stinensische Jugendliche israelische  Soldaten mit Steinen, worauf diese mit Tr\u00e4nengas reagierten. Als mein  Kollege und ich versuchten, die Soldaten daran zu hindern, wurden wir  festgenommen.<\/p>\n<p><strong>Was geschah dann?<\/strong><br \/>\nWir  verbrachten 18 Stunden am St\u00fcck in einer Zelle. Dann brachten uns die  Polizisten zum Migrationsamt; sie wollten unsere Visa aufheben. Als mein  Kollege und ich uns wehrten, trat mich ein Beamter des Migrationsamts  in die Rippen und ins Gesicht. Die Verletzungen sind nicht so  gravierend, dass ich \u00e4rztliche Hilfe gebraucht h\u00e4tte. Aber es ist keine  sch\u00f6ne Erfahrung, getreten zu werden, wenn man bereits mit Handschellen  gefesselt ist. Als ich einem israelischen Richter kurz darauf davon  erz\u00e4hlte, hat er es einfach ignoriert.<\/p>\n<p><strong>ISM behauptet,  komplett gewaltfrei zu sein. Warum haben Sie die pal\u00e4stinensischen  Jugendlichen nicht daran gehindert, Steine zu werfen?<\/strong><br \/>\nIch finde  es nicht gut, wenn irgendjemand Steine wirft. Aber man muss verstehen,  warum die Pal\u00e4stinenser dies tun. Angesichts der absurden \u00dcberlegenheit  der Soldaten ist es ein Statement.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem widerspricht dies doch der angeblich strikt gewaltfreien Philosophie des ISM.<\/strong><br \/>\nWenn  die Pal\u00e4stinenser in dieser Situation wirklich gewaltt\u00e4tig gewesen  w\u00e4ren, w\u00e4ren wir eingeschritten. Ich unterst\u00fctze keine Art von Gewalt,  auch nicht solche, die sich gegen israelische Soldaten richtet.<\/p>\n<p><strong>Der Ruf des ISM ist umstritten. Gr\u00fcndungsmitglied Adam Shapiro schrieb laut <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/middleeast\/israel\/1451730\/The-peace-group-that-embraces-violence.html\" target=\"_blank\">einem Zeitungsbericht<\/a>, der pal\u00e4stinensische Widerstand m\u00fcsse mit friedlichen und gewaltt\u00e4tigen Mitteln erreicht werden. <\/strong><br \/>\nDavon  h\u00f6re ich zum ersten Mal. Ich glaube, das ist einfach seine pers\u00f6nliche  Meinung. Ich bin \u00fcberzeugt, dass jedes ISM-Mitglied, das Gewalt  anwendet, sofort ausgeschlossen w\u00fcrde. Das ISM zwingt auch niemanden,  Eins\u00e4tze zu leisten, bei denen man sich nicht wohlf\u00fchlt.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie miterlebt, dass Mitglieder diese Freiheit beanspruchten?<\/strong><br \/>\nJa, ich habe mehrere Mitglieder kennen gelernt, die nach Hause zur\u00fcckkehrten, weil ihnen die Situation zu angespannt war.<\/p>\n<p><strong>Sie blieben. Hatten Sie keine Angst, verletzt oder get\u00f6tet zu werden?<\/strong><br \/>\nNein,  h\u00e4tten wir Angst, dann w\u00e4re das Ziel der Besatzer erreicht. Es gibt  nat\u00fcrlich ein gewisses Risiko, aber das ist f\u00fcr internationale  Aktivisten deutlich kleiner als f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser.<\/p>\n<p><strong>Zwei  junge Menschen starben bei ISM-Eins\u00e4tzen: Die Amerikanerin Rachel  Corrie und der Brite Tom Hundrall. Sind Sie bereit, Ihr Leben zu  riskieren f\u00fcr den pal\u00e4stinensischen Widerstand?<\/strong><br \/>\nNiemand m\u00f6chte  sterben, auch ich nicht. Aber diese Eventualit\u00e4t geh\u00f6rt zum Einsatz  dazu. Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, ist aber extrem  klein, und die letzten Todesf\u00e4lle beim ISM sind \u00fcber zehn Jahre her.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie ein Held sein?<\/strong><br \/>\nDarum  geht es nicht. Wir sind dort, um zu dokumentieren und zu  ver\u00f6ffentlichen, was mit der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung geschieht.  Traurigerweise braucht es verletzte Westler, damit Aufmerksamkeit f\u00fcr  ihre Lage geschaffen wird.<\/p>\n<p><strong>Waren Sie bei Ihren Eins\u00e4tzen bewaffnet? <\/strong><br \/>\nNein,  ich besuchte den obligatorischen Anti-Gewalt-Kurs des ISM. Dort wurde  uns beigebracht, wie man sich zu verhalten hat, wenn es Konflikte gibt.  Hauptaufgabe der ISM-Mitglieder ist es, den Pal\u00e4stinensern zu helfen und  Ungerechtigkeiten festzuhalten.<\/p>\n<p><strong>Wie tun sie dies?<\/strong><br \/>\nWir  schreiben Berichte, filmen und machen Fotos. Das taten mein Kollege und  ich auch bevor wir verhaftet wurden. Doch die israelische Polizei nahm  uns die Kameras weg.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es dazu, dass Sie sich dem ISM anschlossen?<\/strong><br \/>\nIch  habe das nicht geplant; nach Israel gereist bin ich als Tourist mit  zwei Schweizer Freunden. Eigentlich wollte ich nur zehn Tage bleiben,  ich hatte auch ein Ticket f\u00fcr den R\u00fcckflug.<\/p>\n<p><strong>Israel ist keine typische Feriendestination.<\/strong><br \/>\nMeine  Freunde hatten mich dazu \u00fcberredet, sie reisten nach den zehn Tagen  aber zur\u00fcck in die Schweiz, weil sie arbeiten mussten. Nat\u00fcrlich wusste  ich um den Nahostkonflikt, aber erst als ich dort war, erfuhr ich auch  emotional, was dies f\u00fcr die Menschen bedeutet.<\/p>\n<p><strong>Wurden Sie vom ISM angesprochen?<\/strong><br \/>\nIch  kam auf der Strasse mit Mitgliedern ins Gespr\u00e4ch, davor hatte ich noch  nie etwas von der Organisation geh\u00f6rt. Ich war sehr betroffen von den  Ungerechtigkeiten, die ich sah, und wollte etwas tun \u2013 also schloss ich  mich an.<\/p>\n<p><strong>Was erhoffen Sie sich von Ihrem Engagement?<\/strong><br \/>\nZiel  unseres Einsatzes ist es nicht, die Besatzung zu beenden. Das m\u00fcssen  die Pal\u00e4stinenser selbst tun. Nat\u00fcrlich ist es nicht viel, was man als  Einzelner beisteuern kann, aber wenn jeder von uns eine Woche vor Ort  verbringen w\u00fcrde und die t\u00e4gliche Dem\u00fctigung und Unterdr\u00fcckung der  Pal\u00e4stinenser miterleben w\u00fcrde, w\u00e4re die Besatzung schnell vorbei. Davon  bin ich \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p><span class=\"idcode\">(Tagesanzeiger.ch\/Newsnet)<\/span><\/p>\n<p class=\"publishedDate\">Erstellt: 17.01.2014, 17:03 Uhr<\/p>\n<h4>Artikel zum Thema<\/h4>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/naher-osten-und-afrika\/Schweizer-Aktivist-wird-morgen-ausgewiesen\/story\/24716209\">Schweizer Aktivist wird morgen ausgewiesen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/panorama\/vermischtes\/Schweizer-PalaestinaAktivist-in-Genf-gelandet\/story\/14529789\">Schweizer Pal\u00e4stina-Aktivist in Genf gelandet<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/naher-osten-und-afrika\/Israels-Verteidigungsminister-entschuldigt-sich-bei-Kerry\/story\/16846903\">Israels Verteidigungsminister entschuldigt sich bei Kerry<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/naher-osten-und-afrika\/Junger-Schweizer-in-Hebron-festgenommen\/story\/26944255\">Junger Schweizer in Hebron festgenommen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abEin Beamter trat mich in die Rippen und ins Gesicht\u00bb Interview: Lynn Scheurer. Aktualisiert am 17.01.2014 Der Pro-Pal\u00e4stina-Aktivist Vincent Mainville wurde nach einem Vorfall mit israelischen Soldaten gestern nach Genf abgeschoben. Im Interview sagt der Schweizer, wie es dazu kam.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3294","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3294"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3294\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}