{"id":3315,"date":"2014-02-09T10:00:55","date_gmt":"2014-02-09T08:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3315"},"modified":"2014-02-09T10:00:55","modified_gmt":"2014-02-09T08:00:55","slug":"gelassen-in-den-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3315","title":{"rendered":"Gelassen in den Krieg"},"content":{"rendered":"<h2>Frankreichs Freundschaft, Fl\u00fcchtlingsabwehr und \u00bbfairer Handel\u00ab sind  Deutschlands Interessen in Mali. Dort sollen Soldaten wieder \u00bbbereit  sein\u00ab, f\u00fcr ihr \u00bbHeimatland zu sterben\u00ab<\/h2>\n<address>Von Christian Selz<\/address>\n<div class=\"Content\">\n<div class=\"ImageBox\">\n<table border=\"0\" width=\"50\" summary=\"Designtabelle\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a><\/p>\n<div><img decoding=\"async\" id=\"img49335\" src=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=49335&amp;ext=.jpg\" alt=\"Ordentlich laden: Ein deutscher Soldat kontrolliert im Mai die P\" \/><!--more--><\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<div class=\"Title\">Ordentlich laden: Ein deutscher Soldat kontrolliert im Mai die Patronenlager der Gewehre malischer Soldaten<\/div>\n<div class=\"Copyright\">Foto: Bundeswehr\/Falk Baerwald\/dpa &#8211; Bildfunk<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"Content\">Cheick Oumar Diarrah gab sich dem\u00fctig. Den Blick meist auf den Boden  gerichtet, lie\u00df der malische Minister f\u00fcr Nationale Vers\u00f6hnung und  Entwicklung der Regionen des Nordens am vergangenen Freitag in Berlin  die j\u00fcngere Geschichte seines Heimatlands Revue passieren. Eingeladen  hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) zur Veranstaltung \u00bbDen Frieden  gewinnen: Nachhaltige L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr Mali\u00ab. Von den Wahlen im  vergangenen Jahr sprach Diarrah, die \u00bbso transparent wie noch nie\u00ab  gewesen seien, von \u00bbLegitimierung in der Bev\u00f6lkerung\u00ab, der \u00bbErrichtung  eines neuen Staates\u00ab und einem \u00bbneuen Gesellschaftsvertrag\u00ab. Das Bild  des westafrikanischen Landes, das im Norden immer wieder von Anschl\u00e4gen  islamistischer K\u00e4mpfer ersch\u00fcttert wird, malte Diarrah so blumig, da\u00df  sich fast die Frage nach dem Sinn des geplanten Einsatzes deutscher  Truppen stellte.<\/p>\n<p>Den \u00bbKampf gegen den Terrorismus\u00ab, der \u00bbderzeit dank der franz\u00f6sischen  Truppen\u00ab gef\u00fchrt werde, lobte Diarrah aber nat\u00fcrlich auch noch. Er war  schlie\u00dflich nicht ohne Ziel nach Deutschland gekommen: Malis Regierung  braucht die R\u00fcckendeckung europ\u00e4ischer Milit\u00e4rm\u00e4chte. Der Auftritt in  Berlin war Teil der Kriegslobby gegen die Rebellen im Norden. Und f\u00fcr  Rainer Arnold war er der perfekte Einstieg in sein Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr  Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr. Aus seinen Interessen machte der  verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag kaum  einen Hehl: \u00bbH\u00e4tten wir Frankreich hier im Stich gelassen, h\u00e4tten wir  unsere Reden von gemeinsamer Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik einstampfen  k\u00f6nnen\u00ab, verlegte Arnold die eigentliche Bedeutung des Einsatzes nach  Europa. F\u00fcr Frankreich sei Mali eine \u00bbNagelprobe\u00ab, die Bundesregierung  h\u00e4tte \u00bbgerade noch in letzter Sekunde die Kurve gekriegt\u00ab.<\/p>\n<p>Dabei war es f\u00fcr das Fraktionsvorstandsmitglied auch kein Hindernis, da\u00df  \u00fcber 60 Prozent der Deutschen sich Umfragen zufolge gegen  Kriegseins\u00e4tze aussprechen. \u00bbTrotzdem gelassen\u00ab sehe er das, so Arnold,  die Frage m\u00fcsse nur \u00bbrichtig gestellt werden\u00ab. Aus einer \u00bbethischen und  humanit\u00e4ren Verpflichtung aufgrund unserer Geschichte\u00ab heraus m\u00fcsse sie  statt dessen lauten: \u00bbWollen wir zusehen?\u00ab Deutschland habe schlie\u00dflich  \u00bbStabilit\u00e4tsinteressen\u00ab. Zum einen ist das die Abwehr von Fl\u00fcchtlingen,  in deren \u00bbStr\u00f6men\u00ab Arnold zufolge \u00bbschwerste Kriminalit\u00e4t mitwandert\u00ab.  Die \u00bbSicherheit\u00ab werde deshalb \u00bbl\u00e4ngst international verteidigt, nicht  nur in Deutschland\u00ab. Zum anderen ist da aber auch ein \u00bbfairer Handel\u00ab,  den der SPD-Mann anstrebt. Mali hat Bodensch\u00e4tze, Gold und Uran, aber so  konkret wurde Arnold nicht, er sei schlie\u00dflich \u00bbkein Experte f\u00fcr  wirtschaftliche Zusammenarbeit\u00ab.<\/p>\n<p>Doch auch in seinem Kerngesch\u00e4ft sollte dem deutschen  Freiheitsverteidiger noch ein St\u00fcck unappetitlicher Realit\u00e4t in die  Quere kommen. Zu \u00bbschlimmen Menschenrechtsverletzungen der malischen  Armee\u00ab sei es gekommen, \u00bbals die Franzosen interveniert haben\u00ab,  berichtete Fabienne Dietzsch, die f\u00fcr Amnesty International auf dem  Podium sa\u00df, und von den drei Rednern mit Abstand am seltensten zu Wort  kam. Auch \u00bbUnbeteiligte\u00ab seien von den zu unterst\u00fctzenden malischen  Truppen gefoltert, verschleppt und get\u00f6tet worden. Erst k\u00fcrzlich sei  wieder ein Massengrab entdeckt worden.<\/p>\n<p>Da\u00df die Kriegslobby Arnolds und Diarrahs dennoch weitgehend  unwidersprochen bleibt, liegt auch daran, da\u00df kritische Stimmen aus den  Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern deutscher \u00bbHilfe\u00ab nicht erw\u00fcnscht sind. Das mu\u00dfte die  Rosa-Luxemburg-Stiftung im vergangenen April erfahren. Zusammen mit der  Bundestagsfraktion der Linken hatte sie den malischen Oppositionellen  Oumar Mariko eingeladen, der den franz\u00f6sischen Kriegseinsatz in seinem  Land offen kritisiert hatte. Doch Marikos Visaantrag wurde abgelehnt,  weil er nach offizieller Lesart \u00bbeine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche  Ordnung, die nationale Sicherheit oder die \u00f6ffentliche Gesundheit\u00ab  darstellte. En vogue sind eben andere Stimmen, wie die von Diarrah: \u00bbEin  Soldat mu\u00df wissen, da\u00df er bereit sein mu\u00df, f\u00fcr sein Heimatland zu  sterben\u00ab, sagte der am vergangenen Freitag. Widerspruch blieb aus.<\/p><\/div>\n<div class=\"Content\">\n<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/02-05\/index.php\"><\/a><\/div>\n<p>Quelle: jungeWelt0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5.02.2014 \/ Schwerpunkt \/ Seite 3<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankreichs Freundschaft, Fl\u00fcchtlingsabwehr und \u00bbfairer Handel\u00ab sind Deutschlands Interessen in Mali. 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