{"id":3374,"date":"2014-04-14T07:06:51","date_gmt":"2014-04-14T05:06:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3374"},"modified":"2014-04-14T07:06:51","modified_gmt":"2014-04-14T05:06:51","slug":"aegypten-529-todesurteile-nach-zwei-verhandlungstagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3374","title":{"rendered":"&#196;gypten: 529 Todesurteile nach zwei Verhandlungstagen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\"><\/p>\n<h4>Massenprozess in \u00c4gypten: Nach  nur zwei Verhandlungstagen werden hunderte von Menschen zum Tode  verurteilt. Sie sind angeblich Muslimbr\u00fcder und schuld am Tod eines  Polizisten.<\/h4>\n<p class=\"intro\"><!--more--><a href=\"http:\/\/\">http:\/\/www.taz.de\/!135438\/<\/a><\/p>\n<p><a class=\"picture\" href=\"http:\/\/www.taz.de\/uploads\/images\/684x342\/muslimbruder_kairo_dpa.jpg\" target=\"fullImage\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.taz.de\/uploads\/images\/624\/muslimbruder_kairo_dpa.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"caption\">Zum Tode verurteilt: Ex-Pr\u00e4sident Mursis Anh\u00e4nger.\u00a0 \t\t\t<span class=\"credit\">Bild: \t\t\t\tdpa<\/span><\/p>\n<p class=\"article first odd\">KAIRO <em>taz<\/em> | Ein \u00e4gyptischer  Richter hat dem  Ausdruck, \u201ejemanden den kurzen Prozess machen\u201c eine  neue Bedeutung  verliehen: In einem einzigen Verfahren hat er 529  Menschen zum Tode  verurteilt \u2013 nach nur zwei Prozesstagen. Das  Verfahren hatte am Samstag vor dem Strafgericht im s\u00fcd\u00e4gyptischen Minja  begonnen und wurde nach einer turbulenten Stunde auf Montag  vertagt. Da  hatte der Richter zur \u00dcberraschung aller dann bereits sein  Urteil  parat.<\/p>\n<p class=\"article\">Bei den Verurteilten soll es sich um Anh\u00e4nger der   Muslimbr\u00fcder und des im vergangenen Sommer durch einen Putsch vom Amt   entfernten ehemaligen Pr\u00e4sidenten Muhammad Mursi handeln. Nur 147 der   Verurteilten waren im Gerichtssaal, gegen den Rest erging der   Richterspruch in Abwesenheit. Sechzehn M\u00e4nner wurden freigesprochen. Die  Urteile sind noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Der Oberste Mufti muss sie bis   zum 28. April unterschreiben oder ablehnen, falls das Verfahren nicht   schon vorher in Berufung geht.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Die Anklage lautete auf Beteiligung an einem  Angriff auf eine  Polizeistation in Minja am 14. August 2013. Dort hatte  ein Mob eine  Wache attackiert, wobei ein hochrangiger Polizeibeamter  ums Leben kam.  Zuvor hatte es in Kairo Hunderte von Toten gegeben, als  ein Protestlager der Putschgegner und Muslimbr\u00fcder brutal ger\u00e4umt wurde.  Das Urteil vom  Montag fiel, nachdem die Justiz den Antrag der  Verteidigung  abgeschmettert hatte, das Gericht wegen Befangenheit  abzulehnen. Die  Anw\u00e4lte der Angeklagten hatten 24 Stunden Zeit, ihre  Verteidigung  schriftlich einzureichen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Gamal Eid, der Direktor des Arabischen  Netzwerks f\u00fcr Menschenrechte,  spricht von einem \u201eSkandal\u201c und einer  \u201eKatastrophe f\u00fcr \u00c4gypten\u201c. Amr  Schalaani, Juraprofessor an der  Amerikanischen Universit\u00e4t in Kairo,  geht davon aus, dass das Verfahren  wegen Fehlern im Prozedere und  M\u00e4ngeln in der Beweisaufnahme in die  Berufung gehen wird. \u201eDas ist ein  hochpeinliches Urteil, wenn die  Justiz noch einen Funken von W\u00fcrde hat  und seinen Ruf auch  international sch\u00fctzen will\u201c, sagt er in einem  Gespr\u00e4ch mit dieser  Zeitung. Entweder sei der Richter \u201etotal inkompetent oder er hat  Anweisungen von oben erhalten, ein politisches Urteil zu  f\u00e4llen\u201c.<\/p>\n<h6>Justiz nicht unabh\u00e4ngig<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Die  Exekutive habe die Justiz fest im Griff. Niemand habe in den   vergangenen Jahren ernsthaft versucht, das Rechtswesen zu reformieren \u2013   unter dem obersten Milit\u00e4rrat ebenso wenig wie unter dem   Muslimbruder-Pr\u00e4sidenten Muhammad Mursi oder nach dessen Sturz, sagt   Schalaani. Die Justiz sei schon seit den 1960er Jahren unter dem   damaligen Pr\u00e4sidenten Gamal Abdel Nasser nicht unabh\u00e4ngig. Selbst zu   Mubaraks Zeiten gab es aber immer wieder einzelne Richter, die sich dem   Regime widersetzten und Beschuldigte freisprachen, weil sie nur unter   Folter gestanden hatten.<\/p>\n<p class=\"article even\">Expr\u00e4sident Mubarak hatte die  Milit\u00e4rgerichtsbarkeit gegen Zivilisten und die Notstandsgerichte zu  einem parallelen Gerichtssystem ausgebaut, um auf diese Weise eine f\u00fcr  das Regime verl\u00e4ssliche Justiz zu  gew\u00e4hrleisten. Das funktioniert  offensichtlich bis heute, da 529  Menschen f\u00fcr einen get\u00f6teten  Polizeioffizier zum Tode  verurteilt  werden. Nach dem Sturz Mubaraks  standen 186 Polizeioffiziere wegen des  Todes von 840 Demonstranten vor  Gericht \u2013 doch nur drei kleine Beamte  wurden daf\u00fcr bisher rechtskr\u00e4ftig  verurteilt, alle anderen  freigesprochen. Das Verfahren gegen den  damaligen Innenminister ist  immer noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Am Dienstag beginnt ebenfalls in Minja ein  erneuter Massenprozess  gegen weitere 700 vermeintliche Anh\u00e4nger der  Muslimbr\u00fcder. Gleichzeitig  ging am Montag in Kairo die Verhandlung  gegen 20 Journalisten weiter,  die seit 100 Tagen eingesperrt sind und  denen vorgeworfen wird, bei  ihrer Berichterstattung eine terroristische  Gruppe unterst\u00fctzt zu haben, weil sie Kontakte zur Muslimbruderschaft  hatten. Angeklagt sind unter  anderem der australische Korrespondent  Peter Greste, der  kanadisch-\u00e4gyptische B\u00fcrochef Muhammad Fahmi und der  \u00e4gyptische  Produzent Muhammad Baher, die f\u00fcr den englischsprachigen  Sender Jazeera  International gearbeitet haben. Der n\u00e4chste Prozesstag  wurde auf den 31. M\u00e4rz festgelegt.<\/p>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Massenprozess in \u00c4gypten: Nach nur zwei Verhandlungstagen werden hunderte von Menschen zum Tode verurteilt. 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