{"id":3407,"date":"2014-06-16T06:53:05","date_gmt":"2014-06-16T04:53:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3407"},"modified":"2014-06-16T06:53:05","modified_gmt":"2014-06-16T04:53:05","slug":"spendenaufruf-fuer-schulkinder-in-hebron","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3407","title":{"rendered":"Spendenaufruf f&#252;r Schulkinder in Hebron"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Pal\u00e4stinenserin Nedaa Amraish wohnt in Graz. Sie kommt aus Hebron, einer der \u00e4ltesten St\u00e4dte der Welt. Obwohl die Stadt im Westjordanland zu den proklamierten pal\u00e4stinensischen Autonomiegebieten z\u00e4hlt, ist sie in zwei Zonen geteilt, H1 und H2. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0H2 wird von israelischen Soldaten kontrolliert und besetzt. Die Lage f\u00fcr die dort lebenden Pal\u00e4stinenser ist sehr hart<\/em><em>.<\/em><\/p>\n<p><em><!--more--><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>In der Innenstadt von Hebron gibt es zwei Schulen. Die \u201cQurtuba\u201c Schule f\u00fcr M\u00e4dchen und die \u201cTariq bin Zyiad\u201c Schule f\u00fcr Buben. Diese Schulen liegen im H2-Gebiet. Das macht die Situation f\u00fcr die Sch\u00fcler sehr schwer um zu studieren. Seit 1994 ist die Hauptstra\u00dfe geschlossen, wodurch die Familien nicht mehr arbeiten und somit auch kein Geld verdienen k\u00f6nnen. <\/em><\/p>\n<p><em>Nedaa Amraish, ihr Mann und Freunde haben sich entschlossen, diesen Familien mit einer Spendenaktion zu helfen.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Helga Suleiman von der Steirischen Friedensplattform hat mit ihr dar\u00fcber gesprochen. <\/em><em> <\/em><\/p>\n<p>Helga: Du hast die Aktion \u201eSpa\u00df und Essen f\u00fcr Pal\u00e4stina\u201c ins Leben gerufen. Warum?<\/p>\n<p>Nedaa: Weil ich 24 Jahre in Hebron gelebt habe. Und meine Volksschule war in H2, das ist der Bezirk, der seit 1994 unter israelischer Kontrolle ist.<\/p>\n<p>Helga: Wie war dein Schulweg?<\/p>\n<p>Nedaa: Mein Weg war unsicher. Ich musste jeden Tag einen Checkpoint (Stra\u00dfensperre mit Milit\u00e4rkontrolle) passieren. Unser Haus ist an der Grenze zu H2. Am Checkpoint musste ich meine Schultasche aufmachen, um zu beweisen, dass ich keine Bombe drinnen habe. Und so geht es den Kindern bis heute.<\/p>\n<p>Ich komme selbst aus keiner reichen Familie. Aber es gibt immer Leute denen es schlechter geht. Und das sind die Leute in H2.<\/p>\n<p>Ich habe mir gedacht: Ich m\u00f6chte nicht warten, bis ich vielleicht einmal reich bin. Ich kann jederzeit beginnen etwas f\u00fcr diese Leute zu tun.<\/p>\n<p>Mein erster Gedanke war, dass ich etwas f\u00fcr die Sch\u00fcler machen kann. Und ich wei\u00df, wie gl\u00fccklich sie sind nur \u00fcber ein kleines Geschenk. Sie kaufen vielleicht alle f\u00fcnf Jahre eine Schultasche oder borgen sie woanders aus. Alles was nicht n\u00f6tig ist, kaufen wir in Hebron nicht. So ist eine Kleinigkeit f\u00fcr uns Luxus. Eine Schultasche kostet 12 \u20ac. Das ist nicht viel in Europa, vielleicht eine Pizza oder zwei Getr\u00e4nke. Aber dieses wenige Geld hier bedeutet sehr viel Geld in Hebron.<\/p>\n<p>Ich wollte die Leute hier um Spenden fragen, aber dann ich habe gedacht, dass ich was daf\u00fcr zur\u00fcckgeben will, und deshalb haben wir das Abendessen angeboten.<\/p>\n<p>H: Wie habt ihr das geschafft?<\/p>\n<p>Wir haben das Abendessen mit unserem Freund Klaus organisiert, er hat das Lokal \u201aCafe Sonnenstrasse\u2018 zur Verf\u00fcgung gestellt und wir haben gekocht.<\/p>\n<p>H: Wie viele Leute sind gekommen?<\/p>\n<p>Wir sind sehr gl\u00fccklich, dass rund 40 Leute gekommen sind, aus der pal\u00e4stinensischen Gemeinschaft und unsere internationalen Freunde.<\/p>\n<p>H: Wissen die Leute hier Bescheid \u00fcber die Lage in Hebron?<\/p>\n<p>N: Nein. Ich habe mit vielen gesprochen, sie waren \u00fcberrascht \u00fcber die Lage dort. Sie wissen nicht, dass Pal\u00e4stinenser und Siedler in einem Bezirk leben und es f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser sehr schwer ist.<\/p>\n<p>Es gibt viele Probleme dort, weil die j\u00fcdischen Siedler die H\u00e4user der Pal\u00e4stinenser besetzt haben und die Pal\u00e4stinenser sich mit den Siedlern arrangieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im ganzen Bezirk H2 ist das Leben schwer, da die Pal\u00e4stinenser dort keine Gesch\u00e4fte er\u00f6ffnen und nicht arbeiten d\u00fcrfen. Das f\u00e4llt auf die finanzielle Situation der Familien und der Kinder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>H: Wovon leben die Menschen in H2?<\/p>\n<p>N: Viele der Familienv\u00e4ter haben ein Gesch\u00e4ft in der \u201eNeuen Stadt\u201c. Sie m\u00fcssen aber durch die Checkpoints und wenn sie Pech haben, k\u00f6nnen sie nach 19 Uhr nicht zur\u00fcck in die Altstadt. Die meisten Frauen arbeiten nicht. Denn dort muss immer jemand zu Hause bleiben. Wenn niemand zu Hause ist und die Siedler und das Milit\u00e4r das merken, sprengen sie die T\u00fcr auf, gehen hinein und verriegeln das Haus. Kurz darauf wohnt eine Siedlerfamilie darin und die Pal\u00e4stinenser haben das Haus verloren.<\/p>\n<p>H: Wie leben die Kinder in H2?<\/p>\n<p>N:\u00a0 Kinder sind keine Kinder mehr. Denn die Eltern sagen ihnen, dass sie stark sein sollen und keine Angst vor dem israelischen Milit\u00e4r haben m\u00fcssen. Sie sagen den Kindern: Das ist unser Land, das ist unser Leben \u2013 wir verlassen diesen Bezirk nicht und wir tauschen ihn nicht gegen ein anderes Land.<\/p>\n<p>Wenn die Sch\u00fcler nach Hause gehen, kommen die Siedler mit ihren Kindern, die Steine auf die pal\u00e4stinensischen Sch\u00fcler werfen. Und nat\u00fcrlich ist das Milit\u00e4r da, aber es tut nichts. Es sch\u00fctzt nur die Siedler. In der Altstadt haben die Siedler die oberen Stockwerke der H\u00e4user okkupiert. Von dort aus werfen sie Glasflaschen auf die Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Es ist gef\u00e4hrlich, denn manchmal werfen die pal\u00e4stinensischen Kinder Steine auf das Milit\u00e4r und es kann sein, dass sie dann ein oder zwei N\u00e4chte im Gef\u00e4ngnis bleiben.<\/p>\n<p>Es gibt eine Dokumentation \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WUH9vPg724E\">This is my land Hebron<\/a>\u201c In dieser Dokumentation ist mein Lehrer zu sehen und meine Schule.<\/p>\n<p>H: Gibt es nur solchen Kontakt mit den Israelis?<\/p>\n<p>N: Die Situation mit den Siedlern und den Pal\u00e4stinensern in Hebron ist besonders. Es gibt eine Gruppe im israelischen Milit\u00e4r, die drei Jahre lang in Hebron stationiert waren.\u00a0 Sie nennen sich \u201ebreaking the silence\u201c und jetzt, nach dem Milit\u00e4rdienst sagen sie was sie dort den Pal\u00e4stinensern angetan haben. Sie merken, dass das nicht normal war, denn sie k\u00f6nnen nach ihrem Armeedienst nicht mehr zur\u00fcck in ihr normales Leben.<\/p>\n<p>Ich finde das ist gut, denn es bringt mehr Aufmerksamkeit in die israelische Gesellschaft. Es ist wichtig, dass die Israelis merken: Das ist nicht gut. Das geht nicht mehr.<\/p>\n<p>Auch sie sollen \u00fcber das Unrecht sprechen, nicht nur wir Pal\u00e4stinenser, die wir unsere H\u00e4user, Land und Freiheit verloren haben.<\/p>\n<p>Nelson Mandela hat gesagt: Vielleicht wir k\u00f6nnen jetzt nichts \u00e4ndern, aber wir k\u00f6nnen immer wieder der ganzen Welt sagen, dass uns Unrecht geschieht und dass wir das nicht akzeptieren.<\/p>\n<p>H: Warum ist Hebron so wichtig?<\/p>\n<p>N: Es muss gesagt werden, dass die Siedler in Hebron sehr religi\u00f6s sind und fest davon \u00fcberzeugt, dass sie das Land von den Pal\u00e4stinensern nehmen m\u00fcssen, weil sie glauben, dass ihnen das Gott gesagt hat. Sie beanspruchen Heiligt\u00fcmer dort. Es sind 700 Siedler und sie haben mehr als 2000 Milit\u00e4rs, die sie besch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Wir in Hebron sehen nur Israelis als Milit\u00e4r oder Siedler. Das hat eine starke Wirkung. Wir k\u00f6nnen sie uns nicht als normale Menschen vorstellen, die Fu\u00dfball spielen oder so was.<\/p>\n<p>Eines Morgens kamen Milit\u00e4rs im Morgengrauen und durchsuchten unser Haus.<\/p>\n<p>Mein Bruder war 10 Jahre alt und er schlief drau\u00dfen. Meine Mutter fragte die Soldaten, ob sie ihn aufwecken gehen kann, doch sie sagten Nein.<\/p>\n<p>So erwachte mein Bruder und sah vor sich einen Soldat mit Maschinenpistole. Sie verh\u00f6rten ihn und fragten ihn aus, ob er Leute von Hamas oder Fatah kenne. Er konnte nichts sagen und danach sprach er zwei Tage lang nicht.<\/p>\n<p>Und so geht es vielen Kindern. Sie sind traumatisiert. Denn viele Kinder sind gestorben am checkpoint. Sie wurden erschossen. Und weil die Altstadt klein ist kennen sich alle, so waren es ihre Freude oder Verwandte.<\/p>\n<p>Diese Kinder k\u00f6nnen sich keine Vers\u00f6hnung mit den Israelis vorstellen. Es ist ein Hass in ihnen, den man nicht herausbringen kann, denn sie wissen: diese Leute haben meinen Freund, meinen Bruder get\u00f6tet und sie k\u00f6nnen es nicht vergessen.<\/p>\n<p><em>Nedaa Amraish wird mit dem gespendeten Geld B\u00fccher, Schultaschen f\u00fcr Bildung und Sportb\u00e4lle f\u00fcr die pal\u00e4stinensischen Sch\u00fcler kaufen. <\/em><\/p>\n<p><em>Wenn Sie sich mit einer Spende beteiligen wollen, \u00fcberweisen Sie bitte an:<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\nEmpf\u00e4ngername: Steirische Friedensplattform (bitte unbedingt angeben!)<br \/>\nVerwendungszweck: Schultaschen f\u00fcr Hebron<\/em><\/p>\n<p><em>IBAN: AT15 4666 0000 0005 2128<\/em><\/p>\n<p><em>BLZ: 46660<\/em><\/p>\n<p><em>SPARDA BANK<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pal\u00e4stinenserin Nedaa Amraish wohnt in Graz. Sie kommt aus Hebron, einer der \u00e4ltesten St\u00e4dte der Welt. Obwohl die Stadt im Westjordanland zu den proklamierten pal\u00e4stinensischen Autonomiegebieten z\u00e4hlt, ist sie in zwei Zonen geteilt, H1 und H2. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0H2 wird von israelischen Soldaten kontrolliert und besetzt. Die Lage f\u00fcr die dort lebenden Pal\u00e4stinenser ist sehr hart.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3407","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-palaestina-solidaritaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3407"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3407\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}