{"id":3430,"date":"2014-07-20T10:52:08","date_gmt":"2014-07-20T08:52:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3430"},"modified":"2014-07-20T10:52:08","modified_gmt":"2014-07-20T08:52:08","slug":"mediale-zerrbilder-des-nahost-konflikts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3430","title":{"rendered":"Mediale Zerrbilder des Nahost-Konflikts"},"content":{"rendered":"<address>Der einzige Rechtsstaat in Nahost k\u00e4mpft lediglich gegen Terroristen?  Die deutschen Medien zeichnen vielfach ein zu einseitiges und einfaches  Bild des Konflikts zwischen Israel und den Pal\u00e4stinensern, meint Loay  Mudhoon. <!--more--><\/address>\n<div><a style=\"cursor: pointer;\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.dw.de\/kommentar-mediale-zerrbilder-des-nahost-konflikts\/a-17794058#\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.dw.de\/image\/0,,17776403_303,00.jpg\" border=\"0\" alt=\"Luftangriffe auf Gaza am 10.07.2014 (Foto: picture-alliance\/dpa)\" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a><\/div>\n<div>\n<div>\n<p>&#8222;Hamas-Funktion\u00e4re im Visier&#8220;, &#8222;Krieg gegen radikale Pal\u00e4stinenser&#8220;,  &#8222;Hass auf Hamas&#8220;, &#8220; Israels Krieg gegen Hamas&#8220; &#8211; so oder \u00e4hnlich  betitelten die meisten Medien hierzulande ihre Berichte \u00fcber die neueste  Runde der milit\u00e4rischen Konfrontation im Nahen Osten. Diese Sichtweise  ist jedoch problematisch &#8211; und zwar in mehrfacher Hinsicht.<\/p>\n<p>Erstens suggeriert sie eine Ausgewogenheit, die in Wirklichkeit nicht  existiert. Nach dem Motto: Zwei Kriegsparteien beschie\u00dfen sich  gegenseitig mit Raketen; dass dabei unschuldige Zivilisten auf beiden  Seiten sterben, ist zwar bedauerlich, l\u00e4sst sich aber leider nicht  vermeiden. Zumal mit dem Einmarsch der israelischen Armee in den  Gaza-Streifen nun abermals eine neue Eskalationsstufe erreicht ist.<\/p>\n<p><strong>Vor allem pal\u00e4stinensische Zivilisten leiden<\/strong><\/p>\n<p>Dass unter dem Einsatz massiver Gewalt haupts\u00e4chlich die schutzlose  Zivilbev\u00f6lkerung im Gazastreifen leidet, wird zwar allgemein zur  Kenntnis genommen, \u00e4ndert an der Praxis der realit\u00e4tsfremden  Gleichsetzung der beiden Kriegsakteure jedoch kaum etwas.<\/p>\n<p>Um keine Missverst\u00e4ndnisse aufkommen zu lassen, sei an dieser Stelle  ausdr\u00fccklich betont: Es geht nicht um eine zynische Aufrechnung von  Opferzahlen. Jedes Opfer ist eines zu viel! Und Gewalt ist stets und  grunds\u00e4tzlich als Mittel zur Austragung von Konflikten abzulehnen.  Dennoch f\u00fchrt diese Gleichsetzung dazu, dass bei vielen Arabern und  Muslimen das Gef\u00fchl entsteht, dass das Leben eines Pal\u00e4stinensers  weniger wert ist.<\/p>\n<p><strong>Hamas ist nicht Al-Kaida<\/strong><\/p>\n<p>Zweitens: In vielen europ\u00e4ischen Medien wird die Hamas ausschlie\u00dflich  als &#8222;Terror-Organisation&#8220; dargestellt, die nur das Ziel habe, wahllos  unschuldige israelische B\u00fcrger zu t\u00f6ten und damit eine &#8222;Kultur des  Todes&#8220; propagiere. Und noch problematischer wird es, wenn die  islamistische Organisation, die nur in den Pal\u00e4stinensergebieten aktiv  ist, mit global agierenden Terroristen vom Schlage Al-Kaidas  gleichgesetzt wird.<\/p>\n<div><a style=\"cursor: pointer;\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.dw.de\/kommentar-mediale-zerrbilder-des-nahost-konflikts\/a-17794058#\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Loay Mudhoon, Leiter des Dialog-Portals Qantara.de\" src=\"http:\/\/www.dw.de\/image\/0,,17121280_404,00.jpg\" border=\"0\" alt=\"Deutsche Welle Kultur Hintergrund Qantara Loay Mudhoon \" width=\"159\" height=\"89\" \/> <\/a>Loay Mudhoon, Leiter des Dialog-Portals Qantara.de<\/div>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Hamas ein ideologischer Ableger der  Muslimbruderschaft. Sie ist aber auch ein Produkt des Scheiterns des  Friedensprozesses und dem Fortbestand der v\u00f6lkerrechtswidrigen  Besatzung, unter der sich die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung in den  vergangenen Jahrzehnten radikalisiert hat. Und sie hat dar\u00fcber hinaus  neben ihrem bewaffneten Fl\u00fcgel einen politisch-pragmatischen Fl\u00fcgel.  Dieser zieht Verhandlungen vor und stellt die Mehrheit der  pal\u00e4stinensischen Abgeordneten. Aber noch wichtiger ist: Israel hat  mehrfach mit der Hamas indirekt verhandelt und dabei tragf\u00e4hige  Ergebnisse erzielt.<\/p>\n<p><strong>Der wahre Kern des Nahostkonflikts<\/strong><\/p>\n<p>Drittens ist die Perspektive hiesiger Medien auf die neue Spirale der  Gewalt nicht zuletzt deswegen problematisch, weil sie durch eine  ausschlie\u00dfliche Fixierung auf die Hamas als eine &#8222;irrationale und  aggressive Terror-Organisation&#8220; den nationalen Kampf der Pal\u00e4stinenser  um Selbstbestimmung und Eigenst\u00e4ndigkeit auf einen Kampf zwischen Israel  und Terroristen reduziert.<\/p>\n<p>Durch diese Perspektive geht der Blick auf den politischen Kern des  Nahostkonflikts verloren: Den Kampf der Pal\u00e4stinenser f\u00fcr einen eigenen  Staat. Damit d\u00fcrfte auch die Verwirklichung der international  favorisierten Zweistaatenl\u00f6sung in weite Ferne r\u00fccken.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/\">http:\/\/www.dw.de\/kommentar-mediale-zerrbilder-des-nahost-konflikts\/a-17794058<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der einzige Rechtsstaat in Nahost k\u00e4mpft lediglich gegen Terroristen? 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