{"id":3559,"date":"2014-08-15T09:45:52","date_gmt":"2014-08-15T07:45:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3559"},"modified":"2014-08-15T09:45:52","modified_gmt":"2014-08-15T07:45:52","slug":"vom-gazakrieg-profitiert-die-ruestungsindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3559","title":{"rendered":"Vom Gazakrieg profitiert die R&#252;stungsindustrie"},"content":{"rendered":"<p><strong> \u2013 der zivile Sektor in Israel leidet. Ein Gespr\u00e4ch mit Shir Hever<\/strong><\/p>\n<p><strong><!--more--><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/08-14\/025.php\" target=\"_blank\">http:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/08-14\/025.php<\/a><\/p>\n<p>14.08.2014 \/ Ausland \/ Seite 8<\/p>\n<p><strong>\u00bbDer Verkauf beginnt noch w\u00e4hrend des Feldzugs\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>Shir Hever erforscht als israelischer \u00d6konom die wirtschaftlichen Aspekten der Besatzungspolitik in Pal\u00e4stina<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Israel ist einer der bedeutendsten Waffenexporteure der Welt. Nach der Milit\u00e4roperation in Gaza 2012 erreichten die Verk\u00e4ufe ein Volumen von sieben Milliarden Dollar. Wird das dieses Mal genauso sein?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die israelische R\u00fcstungsindustrie ist einer der bedeutendsten Sektoren. Ihr Export steuert 3,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Hinzu kommen weitere zwei Prozent f\u00fcr Verk\u00e4ufe im Inland. Israel ist nicht der gr\u00f6\u00dfte Waffenexporteur auf der Welt, aber die Nummer 1, was die Anzahl der verkauften Waffen pro Kopf, das hei\u00dft je Einwohner, anbelangt. Die R\u00fcstungsbranche hat einen enormen Einflu\u00df auf die Entscheidungen der Regierung.<\/p>\n<p>Nach jedem Angriff auf Gaza veranstalten sie Messen, w\u00e4hrend der die \u00f6ffentlichen und die privaten Firmen die eingesetzten und an der Bev\u00f6lkerung von Gaza getesteten Produkte pr\u00e4sentiert. Die K\u00e4ufer vertrauen darauf, weil sie ihre Wirkung bewiesen haben. Auch dieser Krieg wird die Profite der Milit\u00e4rindustrie erheblich steigen lassen. Man braucht nur daran zu denken, da\u00df die hiesige Luft- und Raumfahrtindustrie vor wenigen Tagen private Investoren zur Produktion einer neuen Bombe aufgefordert hat. Sie haben 150 Millionen Dollar eingenommen. Hunderttausend f\u00fcr jeden get\u00f6teten Pal\u00e4stinenser. Der Verkauf beginnt noch w\u00e4hrend des Feldzugs.<\/p>\n<p><strong><em>W\u00e4hrenddessen erleidet aber der zivile Sektor betr\u00e4chtliche Verluste&#8230;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Erstens geht die Aufstockung des Budgets f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte auf Kosten der \u00f6ffentlichen Dienste. Jeder Angriff sorgt f\u00fcr Einschnitte bei der Bildung, dem Gesundheits- und dem Transportwesen. Bevor diese Runde der Gewalt begann, versuchten politische Fraktionen der Mitte den Milit\u00e4rhaushalt zugunsten der sozialen Dienste zu k\u00fcrzen. Und siehe da, kurz darauf begann die Operation aufgrund des enormen Einflusses, den das Milit\u00e4rsystem auf die Regierungspolitik hat. Hinzu kommen die direkten und indirekten Belastungen f\u00fcr die Zivilwirtschaft. Die Raketen haben Eigentum besch\u00e4digt. Menschen haben Angst, zur Arbeit zu gehen. Zahlreiche Fabriken haben ihre T\u00e4tigkeit unterbrochen und auch in der Landwirtschaft herrscht vielerorts Stillstand. Drittens sind da die indirekten Kosten, wie die f\u00fcr die Tourismusbranche. In vielen Hotels haben Delegationen ausl\u00e4ndischer Unternehmer ihre Buchungen storniert und sind in andere L\u00e4nder gereist, um da Gesch\u00e4fte zu machen.<\/p>\n<p><strong><em>Gaza ist ein Gef\u00e4ngnismarkt, der zum Kauf israelischer Produkte gezwungen ist. Schadet die Offensive den Lieferanten?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nicht wirklich. Gaza ist zwar ein Knastmarkt, garantierte aber vor Beginn der Blockade sehr viel h\u00f6here Gewinne. Vor dem Embargo war es f\u00fcr die israelischen Gesellschaften sehr viel einfacher ihre Produkte in die dortigen Superm\u00e4rkte zu bringen und billige Arbeitskr\u00e4fte auszubeuten. Von einer gelockerten Blockade w\u00fcrde die israelische Wirtschaft profitieren, weil sie 1,8 Millionen Menschen noch st\u00e4rker ausbeuten k\u00f6nnte. Denn das ist eine Gemeinschaft, die nicht genug produzieren kann, aber konsumiert.<\/p>\n<p><strong><em>K\u00f6nnte dieser neuerliche Angriff die Boykottkampagne st\u00e4rken?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es gab weltweit eine beachtliche Intensivierung der Kampagne. Das erkennt man auch an den Reaktionen bestimmter Politiker. Der Finanzminister und Siedler Naftali Bennett bem\u00fcht sich den Handel mit China, Indien und Japan zu erh\u00f6hen und sich von der Abh\u00e4ngigkeit von Europa zu befreien, wo der Boykott st\u00e4rker Fu\u00df fa\u00dft. Und doch hat das Israelische Institut f\u00fcr Statistik vor zwei Tagen einen deutlichen R\u00fcckgang des Wertes der Exporte verzeichnet, bevor diese Operation begann. Anfang 2014 sank der Wert um sieben Prozent und in Richtung Asien um 10 Prozent. Viele exportorientierte Unternehmen haben eine Notstandssitzung des Kabinetts verlangt, um diese Krise zu behandeln.<\/p>\n<p><strong><em>Viele meinen, da\u00df es bei dem Angriff auf Gaza auch um die Kontrolle der Energievorkommen vor der K\u00fcste ging. Ist das der Fall?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube nicht, da\u00df es da einen direkten Zusammenhang gibt. Israel hat bereits begonnen, die eigenen Lagerst\u00e4tten auszubeuten und Abkommen \u00fcber den Verkauf der Energietr\u00e4ger mit der T\u00fcrkei, Zypern und Griechenland geschlossen. Wenn die Pal\u00e4stinenser eines Tages in der Lage sind, ihr Erdgas zu f\u00f6rdern, werden sie keinen Markt daf\u00fcr finden, weil Israel sich den Mittelmeerraum geschnappt hat und in der Lage sind wird, zu niedrigeren Preisen anzubieten.<\/p>\n<p><strong>Dieses Interview erschien zuerst in der linken italienischen Tageszeitung \u00bbil manifesto\u201c vom 2.8.2014.<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung: Andreas Schuchardt<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2013 der zivile Sektor in Israel leidet. 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