{"id":3655,"date":"2014-11-03T20:28:43","date_gmt":"2014-11-03T18:28:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3655"},"modified":"2014-11-03T20:28:43","modified_gmt":"2014-11-03T18:28:43","slug":"vortrag-warschawski-zu-israelpalaestina-eroeffnungsreferat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3655","title":{"rendered":"Vortrag Warschawski zu Israel\/Pal&#228;stina: Er&#246;ffnungsreferat"},"content":{"rendered":"<p>Anbei das von Michel Warschawski in Graz am 17. Oktober         in Graz gehaltene Einleitungsreferat;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>aus dem Franz\u00f6sischen von Johann         Sch\u00f6gler<\/p>\n<div>\n<div>\n<p>DIE KOLONIALISIERUNG<\/p>\n<p>Der Zionismus -entstanden am Ende des19.Jh.- ist eine           Bewegung, die darauf abzielt in Pal\u00e4stina einen j\u00fcdischen           Staat durch die Kolonialisierung des Territoriums und die           Vertreibung der einheimischen Bev\u00f6lkerung, zu schaffen.<\/p>\n<p>Nach drei Jahrzehnten eines Konfliktes zwischen der j\u00fcdischen           Kolonialbewegung und der arabischen Bev\u00f6lkerung auf niedrigem           Niveau, beschlie\u00dft die UNO im Jahre 1947 Pal\u00e4stina in einen           j\u00fcdischen und einen arabischen Staat aufzuteilen\u2026.der           arabische Staat hat nie das Licht der Welt erblickt. Die           Schaffung des israelischen Staates erm\u00f6glichte es das Land der           Vertriebenen bzw. in arabische L\u00e4nder Geflohenen zu           vereinnahmen und es wird zum Eigentum der j\u00fcdischen           Landwirtschaftssiedler. Die in Israel verbliebene           pal\u00e4stinensische Minderheit wird Opfer eines internen           Kolonialismus, der aus Enteignungen, struktureller           Diskriminierung und Unterdr\u00fcckung besteht.<\/p>\n<p>Der Krieg von 1967 er\u00f6ffnet eine dritte Phase der           Kolonialisierung mit der Beschlagnahmung von 67% der           Westjordanlandes, der Enteignung von L\u00e4ndereien und           Wasserquellen und den Bau von mehreren hundert           Kolonial-Siedlungen. ( L\u00e4ndliche D\u00f6rfer, aber auch St\u00e4dte) in           denen heute \u2013 das von Israel annektierte Westjordanland und           Jerusalem Ost mit eingeschlossen \u2013 600 000 bis 700 000\u00a0<span style=\"font-size:13px\">j\u00fcdische Kolonialisten leben.<\/span><\/p>\n<p>Die Kontrolle \u00fcber die arabischen L\u00e4ndereien und die           andauernde systematische Ausweitung der Grenzen Israels haben           sich in den letzten 5 Jahren noch beschleunigt.<\/p>\n<p>Die Entwicklung einer Israelisierung Pal\u00e4stinas ist wohl oder           \u00fcbel der Hintergrund der zionistischen Politik im Laufe der           letzten 115 Jahre. In diesem Sinne ist und bleibt Israel \u2013 das           aus einer Kolonialisierung heraus entstanden ist \u2013 ein           Kolonialstaat.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2013<\/p>\n<p><strong>Die Ruinen von Gaza haben meinen Optimismus begraben<\/strong><\/p>\n<p>Auf meiner Facebook-seite hatte ich eine Chronik \u00fcber das was           man \u201ezu Unrecht\u201c einen \u201eKrieg gegen Gaza\u201c nennt, zu schreiben           begonnen. Aber sehr schnell habe ich damit aufgeh\u00f6rt: alles           spielt sich auf direktem Bauchniveau ab, mit einem st\u00e4ndigen           Gef\u00fchl alles was ich Bauch habe st\u00e4ndig erbrechen zu m\u00fcssen.           F\u00fcnf Wochen sind vergangen, die ihren Tribut an Toten,           Verwundeten, massiven Zerst\u00f6rungen gefordert haben und mein           Gef\u00fchl des Erbrechens ist st\u00e4rker denn je.<\/p>\n<p>Trotzdem ist es unumg\u00e4nglich notwendig zu erz\u00e4hlen und im           Bereich des M\u00f6glichen versuchen zu verstehen was die           Motivation dahinter war von dem was man beim Namen nennen           muss: das Massaker von Gaza.<\/p>\n<p>FLUGHAFEN BEN GOURION<\/p>\n<p>8.Juli: ich war gerade in Tel Aviv nach einer kurzen           Europatournee gelandet. Meistens versuche ich abzuschalten,           wenn ich im Ausland bin, ich h\u00f6ren keine Nachrichten und kaufe           keine Zeitung. In meinem Auto mache ich das Radio an und           entdecke, dass Krieg herrscht. Noch bevor ich h\u00f6re worum es           genau geht, errate ich den Kriegszustand am feierlichen und           kriegerischen Ton den die Sprecher anschlagen.<\/p>\n<p>Wieder einmal spielt es sich in Gaza ab und es scheint sehr           ernst zu sein. Dieses winzige Territorium mit der h\u00f6chsten           Bev\u00f6lkerungsdichte auf der Welt ist der Leidensdruck Israels           und das Martyrium seiner 1,5 Millionen Einwohner \u2013           mehrheitlich aus ihren D\u00f6rfern 1948 Vertriebene Fl\u00fcchtlinge \u2013           und das dauert nun schon Jahrzehnte. Vor mehr als 15 Jahren           schrieb ich: \u201eF\u00fcr die \u00fcberwiegende Mehrheit der Israelis ist           der Gaza-streifen nicht eine Land, ein Ort in dem M\u00e4nner,           Frauen, Kinder leben, in dem man schafft, sich fortpflanzt, wo           man arbeitet und sich manchmal sogar am\u00fcsiert. Gaza ist ein           Ding, eine Bedrohung, die man mit allen m\u00f6glichen Mitteln           entsch\u00e4rfen muss.\u201c<\/p>\n<p>Man spricht von Raketen, die auf j\u00fcdische Ortschaften           niedergehen, die in der N\u00e4he Gazas liegen, wohlweislich           vergessend, dass Israel seit 2007 mit aktiver Unterst\u00fctzung           \u00c4gyptens eine totale Belagerung dieses Territoriums           aufrechterh\u00e4lt: eineinhalb Millionen Menschen sind hier           eingeschlossen, in dem was man das gr\u00f6\u00dfte Freiluftgef\u00e4ngnis           mit einer Gr\u00f6\u00dfe von 365 km2 nennt.<\/p>\n<p>Diese Raketen, die aus eigener Bastelarbeit hergestellt sind,           haben niemals Opfer gefordert und die Sch\u00e4den die sie           anrichten sind ganz minimal.<\/p>\n<p>Der israelische Staat hat seit Langem gelernt mit dieser           kleinen Bel\u00e4stigung zu leben und erst als er beschlossen hatte           zum Angriff \u00fcber zu gehen, hat sich die Regierung an die           Bewohner von Siderot und Umgebung erinnert. Diese Raketen           gerieten \u00fcbrigens nach drei Wochen in Vergessenheit und wurden           durch \u201edie offensiven Tunnel\u201c abgel\u00f6st, die wahrlich eine           \u00dcberraschung f\u00fcr die \u201e besten Geheimdienste der Welt\u201c sein           mussten, die einmal mehr durch die Klugheit seiner Gegner           hineingelegt worden waren.<\/p>\n<p>DAS ZIEL IST ABOU MAZEN<\/p>\n<p>Als ich am 11.Juli vom amerikanischen Fernsehen interviewt           worden war, \u00fcberraschte ich meine Interviewpartner mit der           Erkl\u00e4rung, dass das wahre Ziel der israelischen Aggression           weder Gaza noch die Hamas sei, sondern der Pr\u00e4sident der           pal\u00e4stinensischen Beh\u00f6rde Mahmoud Abbas ( Abou Mazen). In der           Tat besteht das strategische Ziel f\u00fcr die israelische           rechtsextreme Regierung auf \u201esine die\u201c auf den Nimmerleinstag           jegliche Verhandlung \u00fcber die Zukunft der besetzten           pal\u00e4stinensischen Territorien zu verschieben, um die           Kolonisierung weiter fortsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Indem Israel Gaza angreift bringt es den           Pal\u00e4stinenserpr\u00e4sidenten in eine unm\u00f6gliche Situation:<\/p>\n<p>entweder erkl\u00e4rt er sich solidarisch mit den Bewohnern Gazas           ( und damit mit der Hamas) und er erm\u00f6glicht es damit Israel           zu behaupten es g\u00e4be keinen Unterschied zwischen Abou Mazen           und der Hamas, allesamt Terroristen mit denen Israel auf           keinen Fall verhandeln kann; oder aber Abbas solidarisiert           sich nicht mit Gaza, womit er jegliche pal\u00e4stinensische           Legitimit\u00e4t verliert und somit wird er zu einem           Gespr\u00e4chspartner,der keine Bedeutung mehr hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr Netanjahu ist dies auf alle F\u00e4lle ein \u201eich gewinne\u201c: es           gibt keinen ernstzunehmenden Partner mit dem man verhandeln           k\u00f6nnte und John Kerry kann Baden gehen und versuchen andere           Konflikte in der Welt zu l\u00f6sen, im Irak zum Beispiel.<\/p>\n<p>WIR HABEN GEWONNEN<\/p>\n<p>15. Juli: eine Feuerpause scheint sich ab zu zeichnen- das           haben wir naiver Weise noch vor einem Monat geglaubt \u2013 und           beide Lager rufen Sieg.<\/p>\n<p>In Realit\u00e4t ist es ein unentschieden. Israel hat sein Ziel           die Hamas auszurotten nicht erreicht, ja nicht einmal das           Abfeuern von \u201eRaketen\u201c auf sein Territorium zu stoppen und die           Hamas, hatte nicht nur ihre Macht gerettet, sondern sie hat           zudem noch eine gro\u00dfe Aura unter der pal\u00e4stinensischen           Bev\u00f6lkerung \u2013 und dar\u00fcber hinaus \u2013 gewonnen ,aber sie hat es           hingegen nicht geschafft, dass der Belagerungszustand           aufgehoben wird, dem Gaza seit 7 Jahren ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Aber ein Null zu Null, sagen wir zwischen der Mannschaft von           Algerien und jener von Brasilien ist ehrlich gesagt ein Sieg           f\u00fcr Algerien. Gaza hat sich gut geschlagen gegen\u00fcber einer der           besten Armeen der Welt,die auch mit ihren Mitteln nicht           zimperlich umging, um den Widerstand zu brechen. Aber um           welchen Preis? Tausende Tote, vorwiegend Zivilisten und           Zerst\u00f6rungen, die eines jahrelangen Wiederaufbaus bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Im Fernsehen sagt uns Ronny Daniel, dass die Hamas sich           innerhalb der Bev\u00f6lkerung versteckt und deshalb selber die           Schuld am Tod der Zivilisten tr\u00e4gt. Aber wo sollten sie sich           wohl aufhalten in diesem winzigen Territorium in dem 1,5           Millionen Personen zusammengepfercht sind.<\/p>\n<p>Das Kalk\u00fcl Israels auf ein eventuelles Abr\u00fccken der           Unterst\u00fctzung durch die Bev\u00f6lkerung zu setzen , ist daneben           gegangen: wie es immer in einer Situation ist, wenn in einem           Konflikt in dem der Zivilbereich zum Ziel des gegnerischen           Feuers wird, sich diese mit ihrer eigenen F\u00fchrung in einer           Front vereinigen, jenseits aller politischen und ideologischen           Unterschiede.<\/p>\n<p>Reden wir von diesem Ronny Daniel! Ronny Daniel , ein           Legion\u00e4rsgesicht, Milit\u00e4rberichterstatter des 2. Fernsehkanals           verf\u00e4llt in Begeisterung, sobald die ersten Panzer Stellung           bezogen haben; er vergisst seine Rolle, dass er eigentlich           Journalist ist und als Reserveoffizier wird er live zum           freiwilligen Berater des Generalstabs: man muss angreifen,           vorw\u00e4rts! Man muss mehr bombardieren!Geht bis zum Ende!<\/p>\n<p>Die extremistischen Minister der Netanjahu-Regierung haben           aus ihm ihren Wortf\u00fchrer gemacht.<\/p>\n<p>Aber selbst ein Ronny Daniel hat alle M\u00fche uns davon zu           \u00fcberzeugen, dass Israel siegreich aus dieser Konfrontation           hervorgegangen ist, und das ist der Grund warum eine           Feuerpause als zu fr\u00fch erscheint.<\/p>\n<p>KUNDGEBUGEN IN JERUSALEM UND FASCHISTISCHE GEWALT<\/p>\n<p>19. Juli: wir sind nur 200, die wir auf dem Rathausplatz in           Jerusalem demonstrieren zu dem die Friedensmitstreiter           aufgerufen hatten; eine Organisation ehemaliger Wehrdiener,           die zusammen mit ehemaligen pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfern f\u00fcr den           Frieden der Mutigen sich einsetzen.<\/p>\n<p>Am Rednerpult ist gerade eine Familienmutter aus Siderot. Sie           weist zur\u00fcck, dass man sich ihrer bedient, um den Angriff auf           Gaza zu rechtfertigen.\u201c Wir haben es gelernt in der N\u00e4he von           Gaza zu leben, und wenn wir auch von Zeit zu Zeit Raketen           ausgesetzt sind, ist das, was heute passiert nicht nur aus           einem moralischen Gesichtspunkt inakzeptabel, sondern           konterproduktiv f\u00fcr unsere Zukunft. Gaza wird nicht           verschwinden.!\u201c<\/p>\n<p>Nur 20 Meter von unserer Kundgebung \u2013 getrennt durch eine           beeindruckende Milit\u00e4rabteilung \u2013 an die 50           Gegen-Demonstranten, die ihren Hass gegen die Araber und gegen           die Araberfreunde, die wir sind, hinauslassen.<\/p>\n<p>Im Laufe der letzten f\u00fcnf Jahrzehnte habe ich an vielen           Demonstrationen teilgenommen: Massendemonstrationen und andere           die kleiner waren.<\/p>\n<p>Lange Zeit stellten wir eine Minderheit dar, und wurden dann           einige Jahre hindurch zur Mehrheit.;\u00a0<span style=\"font-size:13px\">ich habe Schl\u00e4ge eingesteckt und auch ausgeteilt,             aber niemals hatte ich Angst gehabt. In den vergangenen             Tagen hat uns jedoch Hass und die faschistische Gewalt             entgegengeschlagen und zum ersten Mal habe ich Angst             bekommen. In der vergangenen Nacht bin ich zwei Mal             aufgestanden, um nachzuschauen, ob das Eingangstor wohl             verschlossen ist \u2013 \u00fcblicherweise ist es unverschlossen \u2013 und             es war fest verschlossen.<\/span><\/p>\n<p>Seit der brutalen Ermordung von Mohammad Abou Khdeir, dem           jungen Pal\u00e4stinenser der lebend am 2. Juli 2014 von           rechtsextremen j\u00fcdischen Jugendlichen verbrannt worden war,           haben wir versp\u00fcrt, dass etwas geplatzt war und dass die Roten           Linien von Gestern \u00fcberschritten worden waren.<\/p>\n<p>Der Tag kommt immer n\u00e4her an dem ein pazifistischer Aktivist           von diesen faschistischen Banden ermordet werden wird.<\/p>\n<p>Der Faschismus setzt sich nicht an einem Tag durch, und die           israelische Gesellschaft und ihre politischen Institutionen           gleiten schon seit mehr als einem Jahrzehnt in Richtung           Faschismus:<\/p>\n<p>anti-demokratische Gesetzgebungen, Bedrohungen und Ausschluss           f\u00fcr 6 Monate von den Parlamentssitzungen der pal\u00e4stinensischen           Abgeordneten im Knesset Haanen Zoabi ( sie ist Mitglied der           pal\u00e4stinensischen Balad \u2013 der national-demokratischen           Versammlung \u2013 und das rote Tuch f\u00fcr die israelischen Politiker           und Journalisten, nachdem sie an der Gaza-Flotille           teilgenommen hatte. Angriffe mit Verw\u00fcstungen auf die B\u00fcros           der Organisation f\u00fcr Menschenrechte ( B\u00c4Tselem ) und ganz im           Allgemeinen der losgelassene Rassismus, auf den Stra\u00dfen und in           den Medien; die Oppositionellen, die es nicht mehr wagen           \u00f6ffentlich Stellung zu beziehen.<\/p>\n<p>Das Grundprinzip des Faschismus ist es zu terrorisieren und           in diesem Sinne ist der neue israelische Faschismus jenseits           aller Erwartungen dabei sein Ziel zu erreichen.<span style=\"font-size:13px\"> <\/span><\/p>\n<p>ETHIK MIT VARIABLER GEOMETRIE<\/p>\n<p>Die Intellektuellen, die sich von der Heiligen Allianz gegen           die \u201eislamistische Gefahr\u201c nicht abheben wollen oder einfach           durch die faschistische Stimmung terrorisiert sind, schweigen:           ganz wenige sind es nur, die es wagen \u2013 und sei es nur ein           Mitgef\u00fchl f\u00fcr die zivilen Opfer in Gaza auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Zeit haben wir vor eine \u00f6ffentliche           HOMMAGE\/Ehrung f\u00fcr Gideon Levy, dem Editorialisten der           Tageszeitung Haaretz zu organisieren, der regelm\u00e4\u00dfig die \u00dcbel           der kolonialen israelischen Besatzung anprangert, denn dieser           gro\u00dfe Journalist ist in den Medien vollkommen isoliert, wenn           er von den Kriegsverbrechen der israelischen Armee berichtet.<\/p>\n<p>Alles verl\u00e4uft so, als ob die Ideologie des Schocks der           Kulturen, den wir mit dem Bush-regime begraben zu haben           glaubten, in Tel Aviv von Neuem aufbr\u00e4che.<\/p>\n<p>Dieser Verrat der israelischen Intellektuellen hat seine           Auswirkungen auf Europa: um sich zur israelischen Politik           \u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen, ohne sofort mit Antisemitismus konfrontiert           zu werden, brauchen die Intellektuellen \u2013 und das besonders in           Frankreich \u2013 eine israelische Stimme, auf die sie sich st\u00fctzen           k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Schweigen hier bei uns ruft das Schweigen dort bei Euch           hervor. Das entschuldigt auf keinen Fall die Feigheit dieser           Intellektuellen, deren Ethik mehr denn je von variabler           Geometrie ist, und dessen Hintergrundideologie \u2013 der Schock           der Kulturen \u2013 den modernen Ausdruck der alten kolonialen           Arroganz darstellt.<\/p>\n<p>TEL AVIV ENDLICH AUF DER STRASSE<\/p>\n<p>26. Juli: Zwischen 5000 und 6000 Demonstrationen nehmen teil           gegen den Krieg in Gaza auf dem K\u00f6nigsplatz in Tel Aviv, genau           dort wo Yitzhak Rabin vor bald 20 Jahren ermordet worden war.           Es ist die erste Kundgebung gegen den Krieg mit einer           wesentlichen Bedeutung. Aber richtet sie sich wirklich gegen           den Krieg? Handelt es sich tats\u00e4chlich um Solidarit\u00e4t mit der           Bev\u00f6lkerung in Gaza?<\/p>\n<p>Ich habe meine Zweifel.<\/p>\n<p>Um mich herum sehe ich \u2013 neben den alteingesessenen           Demonstrierern \u2013 M\u00e4nner und Frauen, die jahrelang auf keiner           Demonstration waren.; mein Sohn Nissan und seine Freunde z.B.:           um die vierzig, Liberalberufler oder high tech, obere           Mittelschicht, mit einem Wort gesagt, Tel Aviv, dieses St\u00fcck           Europa das man in den Nahen Osten eingepflanzt hat.<\/p>\n<p>Sie sind f\u00fcr sich demonstrieren gekommen und f\u00fcr ihr Tel           Aviv, das bedroht wird vom faschistischen Abgleiten ihrer           Gesellschaft; sie sind hier, um nein zu den G\u00e4ngstern -und           anderen rechtsextremen Handlangern \u2026\u2026.. zu sagen, die Israel,           das sie als zivilisiert betrachten au\u00dferhalb der Welt           bef\u00f6rdern k\u00f6nnten. In diesem Sinne sind sie selbst betroffen,           aber nicht unbedingt aus den gleichen Motiven wie die hier           anwesende Minderheit, die ihre Auflehnung gegen<\/p>\n<p>die an der Zivilbev\u00f6lkerung in Gaza ver\u00fcbten Verbrechen           ausdr\u00fccken will. Sie sind auch da, weil sie Angst haben von           diesem h\u00e4sslichen Bild, das ihr Land nach au\u00dfen hin abgibt, in           den Augen einer westlichen Welt, aus der sie nicht           herausgeschleudert werden wollen.<\/p>\n<p>WIR WOLLEN WEG; SO WEIT WIE M\u00d6GLICH\u2026..<\/p>\n<p>Wieder zur\u00fcck in Jerusalem gehe ich mit meiner Tochter Talila           auf ein Bier ins Caf\u00e9 Bezalel, 2 Minuten von meinem Haus. Nach           und nach kommen einige ihrer Freunde dazu: um die drei\u00dfig,           Mittelklasse, die gerade dabei sind ihre Lebensplanung zu           machen, ihre Familien, ihre Karrieren.<\/p>\n<p>Sehr schnell fokusiert sich die Diskussion auf ein Thema: von           hier weg.<\/p>\n<p>Maya rei\u00dft das Thema an: \u201e Michel Du, der Du die Welt kennst,           wohin w\u00fcrdest Du mir raten, dass ich gehe? \u201e Zwecks Urlaub ?\u201c           nein, f\u00fcr immer weg; ich kann das Leben hier nicht mehr           aushalten,<\/p>\n<p>die Atmosph\u00e4re, die Gewaltt\u00e4tigkeiten, und vor allem die           Unm\u00f6glichkeit den Leuten zu erkl\u00e4ren, dass wir am Rande des           Abgrunds sind. Sogar meine engsten Freunde sind taub und dumm           geworden\u201c<\/p>\n<p>Eine ganze Stunde lange reden diese Jugendlichen \u00fcber die           Absicht zu fliehen, und das in vollem Ernst. Und das, obwohl           sie alle hier geboren sind und hier ihr ganzes kurzes Leben           gelebt haben:\u00a0<span style=\"font-size:13px\">es ist ihre             Sprache, es sind ihre Landschaften, ihre Ger\u00fcche und ihre             Farben.<\/span><\/p>\n<p>Aber f\u00fcr sie ist der Geruch unertr\u00e4glich stinkig geworden und           die Farbe ist jene des Blutes.<\/p>\n<p>Was soll ich darauf antworten? Ich selbst bin vor einem           halben Jh. hierhergezogen, um mich einzusetzen f\u00fcr eine           bessere Welt, aus Gleichheit, Gerechtigkeit und Respekt. Aber           wir sind gescheitert und wir geben an Maya und ihre           FreundInnen eine Welt weiter, die nach Tod riecht, ein Erbe,           das sie auf keinen Fall haben wollen. Sollte man sie also           ermutigen ihre Koffer zu packen und<\/p>\n<p>ihr Leben anderswo neu zu beginnen? Dort wo sie Entwurzelte,           Unerw\u00fcnschte ohne Anhaltspunkte sein werden? Lange ist es her,           als ich noch glaubte einfache Antworten zu haben, meine           \u00dcberzeugungen weiter zu geben, und die Notwendigkeit die           Verantwortung zu \u00fcbernehmen, sich zu\u00a0<span style=\"font-size:13px\">engagieren und zu k\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p>Ja, doch, ich habe keinen Zweifel, dass Gaza aus den Ruinen           wieder auferstehen wird, ich glaube jedoch immer weniger           daran, dass Israel eines Tages die notwendigen Kr\u00e4fte finden           wird, und vor allem die Intelligenz, um die unumg\u00e4ngliche           Revolution durchzuf\u00fchren,die uns daran hindern kann in den           Abgrund zu st\u00fcrzen. Mein angeborenen, nat\u00fcrlicher Optimismus           ist unter den Ruinen von Gaza begraben worden: Maya, Talila,           Yifth, Hillel und alle anderen, zieht weg von hier bevor es zu           sp\u00e4t ist, damit ihr nicht angesteckt werdet von der fatalen           Infektion, die unsere Gesellschaft befallen hat. Vielleicht           werde ich in einigen Monaten meine Meinung \u00e4ndern k\u00f6nnen und           ein L\u00e4cheln wieder auf meinen Lippen haben, aber heute ist es           das einzige, was ich euch vorschlagen kann.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014-<\/p>\n<p>Warum ist die Friedensbewegung verschwunden? (M.W.)<\/p>\n<p>Raya Rotem, Kriegswitwe, war die Sprecherin des Komitees           gegen den Krieg im Libanon gewesen ; w\u00e4hrend des           Libanonkrieges 1982-1985). Im folgenden analysiert sie \u2013 im           Interview mit M.W. das praktische Verschwinden der           Anti-Kriegsbewegung.<\/p>\n<p>Es gibt 3 Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr das Nichtexistieren einer           Massenbewegung gegen die Aggression in Gaza: der erste ist der           Niedergang der politischen Parteien und ihr Einfluss auf die           junge Generation im Besonderen.<\/p>\n<p>Wenn die Massenbewegung zwar aus nicht organisierten Frauen           u. M\u00e4nnern bestand, so war der harte Kern doch eine Koalition           von politisch sehr erfahrenen Organisationen.<\/p>\n<p>Der zweite Grund ist der Einfluss der herrschenden liberalen           Ideologie die die \u201eBewusstseinslage und das           Engagement\u201cprivatisiert.<\/p>\n<p>Jeder hat seinen kleinen Schrebergarten; die einen den Kampf           gegen die Tierversuche, die anderen\u00a0<span style=\"font-size:13px\">die Verteidigung der sans-papiers; und noch andere             befassen sich mit diversem Feminismus.<\/span><\/p>\n<p>Damals galt der \u201eKonflikt\u201c als zentrale Sache. Im heutigen           Relativismus scheinen alle K\u00e4mpfe die gleiche Bedeutung zu           haben.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich und wohl als wichtigster Grund ist es jener der           moralischen Degeneration unserer Gesellschaft. Alles verl\u00e4uft           so, als ob sich die Werte der Rechten, die in den 80 ger und           90 ger Jahren eine Minderheit darstellten, sich nach und nach           in die kollektive Ideologie Israels eingeschlichen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier im Besonderen den bedingungslosen Respekt vor           dem Gesetz hervorheben:\u00a0<span style=\"font-size:13px\">wo sind             die Widerst\u00e4ndler, die Fahnenfl\u00fcchtlinge geblieben? \u2026\u2026\u2026..die             Perle auf der Krone der Anti-kriegsbewegung der vergangenen             Jahrzehnte?<\/span><\/p>\n<p>Michel Warschawski:<\/p>\n<div>*1949 in Stra\u00dfburg; ab 1965 Studium in\u00a0<span style=\"font-size:13px\">(Theologie, sp\u00e4ter Philsophie;             Gr\u00fcnder &amp; Leiter (bis 1999) des<\/span><\/div>\n<div>Alternative Information Center in Jerusalem; Mitglied des           Friedens<span style=\"font-size:13px\">blocks \u201eGush Shalom\u201c.             Co-Sprecher des binationalen \u201eComitee <\/span><span style=\"font-size:13px\">Against the Iron Fist\u201c.<\/span><\/div>\n<div>Der Sechs-Tage-Krieg 1967 ist eine wesentliche Wurzel           seines bis\u00a0<span style=\"font-size:13px\">heute andauernden             Engagements f\u00fcr Frieden und Menschenrechte.<\/span><\/div>\n<div>Als couragiertem Grenzg\u00e4nger zwischen den Fronten blieb           dem\u00a0<span style=\"font-size:13px\">profilierten Vertreter der             radikaldemokratischen Linken auch die <\/span><span style=\"font-size:13px\">Erfahrung einer Gefangenschaft in             einem Israelischen Gef\u00e4ngnis <\/span><span style=\"font-size:13px\">nicht erspart.<\/span><\/div>\n<p>M.W.<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anbei das von Michel Warschawski in Graz am 17. 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