{"id":3735,"date":"2014-12-22T08:58:03","date_gmt":"2014-12-22T06:58:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3735"},"modified":"2014-12-22T08:58:03","modified_gmt":"2014-12-22T06:58:03","slug":"palaestina-anerkennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3735","title":{"rendered":"Pal&#228;stina anerkennen!"},"content":{"rendered":"<h4>Auf dem Weg in den n\u00e4chsten Gaza-Krieg? \u00bbRussell-Tribunal\u00ab fordert  EU auf, Assoziierungsabkommen Israels bis zu einer Friedensl\u00f6sung  auszusetzen<\/h4>\n<p><!--more-->https:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/12-17\/062.php<\/p>\n<address>Von Norman Paech<\/address>\n<div>\n<table border=\"0\" width=\"700\" summary=\"Designtabelle\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div><img decoding=\"async\" id=\"img67356\" src=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=67356&amp;type=l&amp;ext=.jpg\" alt=\"Die EU soll Pal\u00e4stina anerkennen \u2013 Protestaktion in Br\u00fcsse\" \/><\/div>\n<div>Die EU soll Pal\u00e4stina anerkennen \u2013 Protestaktion in Br\u00fcssel am 12. September 2011<\/div>\n<div>Foto: Olivier Hoslet\/dpa-Bildfunk<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Im Gazastreifen werden m\u00fchsam die Tr\u00fcmmer des letzten Krieges  beseitigt. Das wird lange dauern. Noch l\u00e4nger wird der Wiederaufbau  dauern, f\u00fcr den 30 Staaten auf einer Geberkonferenz Mitte Oktober in  Kairo 4,3 Milliarden Dollar versprochen haben. Wir haben das gleiche  Szenario schon einmal gehabt. Nach dem Krieg zur Jahreswende 2008\/2009  spendeten die Staaten, die das Massaker ebenso gleichg\u00fcltig verfolgt  hatten wie die erneute Zerst\u00f6rung von Gaza in diesem Jahr, etwa die  gleiche Summe f\u00fcr den Wiederaufbau. Geld spielt nie eine Rolle, wenn es  darum geht, die Ruinen, die Israels Armee hinterl\u00e4sst, zu beseitigen. Es  konnte jedoch nur zu einem Bruchteil abgerufen werden, weil Israel  keinen freien Warenverkehr mit Gaza zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das \u00bbRussell-Tribunal zu Pal\u00e4stina\u00ab hat bereits im September die  Ergebnisse seiner Untersuchungen und Anh\u00f6rungen \u00fcber den dritten Krieg  gegen die Pal\u00e4stinenser in Gaza publiziert. Die \u00d6ffentlichkeit in  Deutschland hat davon bis heute nichts erfahren. Dabei hat Israel mit  seiner \u00bbOperation Protective Edge\u00ab, wie das Bombardement vom 8. Juli bis  26. August genannt wurde, ein alles Bisherige \u00fcbertreffendes Ma\u00df an  Gewalt und Zerst\u00f6rung entwickelt. \u00dcber 700 Tonnen Sprengstoff, das sind  zwei Tonnen pro Quadratkilometer, explodierten in Gaza. 2.188 get\u00f6tete  Pal\u00e4stinenser sind zu beklagen, davon mindestens 1.658 Zivilisten. Hinzu  kommen 11.200 Verletzte. 18.000 Wohnungen wurden zerst\u00f6rt, das sind 13  Prozent aller Wohneinheiten, 110.000 Einwohner wurden obdachlos. 17 der  32 Krankenh\u00e4user wurden besch\u00e4digt, sechs vollkommen zerst\u00f6rt. Die  Wasserversorgung wurde stark besch\u00e4digt. Die Zerst\u00f6rung des einzigen  elektrischen Kraftwerkes hat dazu gef\u00fchrt, dass die Bev\u00f6lkerung des  Gazastreifens t\u00e4glich \u00fcber noch maximal vier Stunden Strom verf\u00fcgt.<\/p>\n<h3>Ohnmacht der Verteidigung<\/h3>\n<p>Diese Fakten sind weitgehend unstrittig und ber\u00fccksichtigen nicht  einmal die psychischen Kriegsfolgen, die Traumatisierung der Kinder und  das Leid der Familien. Die gesamte Bev\u00f6lkerung war faktisch wehrlos. Die  Raketen, die vom Gazastreifen zwar in gro\u00dfer Zahl auf Israel abgefeuert  wurden, konnten die eigene Bev\u00f6lkerung nicht sch\u00fctzen und den Angriff  nicht aufhalten. 70 Tote und einige besch\u00e4digte Geb\u00e4ude in Israel zeugen  von der Ohnmacht der Verteidigung.<\/p>\n<p>Das Tribunal war 1966 von Lord Bertrand Russell nicht nur ins Leben  gerufen worden, um die Zerst\u00f6rungen und Folgen von Kriegen zu  dokumentieren. Das erste Tribunal galt dem Vietnam-Krieg. Es sollte vor  allem mangels einer internationalen Strafgerichtsbarkeit eine  strafrechtliche Bewertung nach den Prinzipien der N\u00fcrnberger Prozesse  von 1946 vornehmen. Jetzt gibt es seit 2002 den Internationalen  Strafgerichtshof in Den Haag, doch eine Anklage israelischer  Kriegsverbrechen ist tabu. So gab es nach dem Krieg von 2008\/2009  bereits vier Sessionen des \u00bbRussell-Tribunals zu Pal\u00e4stina\u00ab in  Barcelona, London, Johannesburg und New York, in deren Ergebnis Israel  wegen schwerster Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die  Menschlichkeit \u201everurteilt\u201c wurde. Kaum anders ist das Urteil des  Br\u00fcsseler Tribunals vom September ausgefallen. Auf der Richterbank sa\u00dfen  namhafte Juristen und Pers\u00f6nlichkeiten wie u.a. John Dugard, Richard  Falk, Ken Loach, Vandana Shiva und Roger Waters.<\/p>\n<h3>Recht auf Widerstand<\/h3>\n<p>Das Tribunal r\u00e4umt vor allem mit einem zentralen Argument der  Regierung in Tel Aviv auf, Israel habe in Selbstverteidigung gehandelt:  \u00bbAls Besatzer kann sich Israel nach internationalem Recht bei seiner  Gewalt gegen Gaza nicht auf Selbstverteidigung berufen. Israel hat nicht  auf einen bewaffneten Angriff von Streitkr\u00e4ften eines Staates reagiert;  vielmehr handelt es als Besatzungsmacht, die Gewalt einsetzt, um ihre  Kontrolle \u00fcber das besetzte Territorium und seine Herrschaft \u00fcber die  besetzte Bev\u00f6lkerung zu festigen. Nach internationalem Recht hat das  Volk, das unter kolonialer Herrschaft oder fremder Besatzung lebt, das  Recht auf Widerstand gegen die Besatzung. Die anhaltende Besatzung der  pal\u00e4stinensischen Territorien ist selbst ein Akt der Aggression, wie sie  in der Resolution 3314 von 1974 der UN-Generalversammlung definiert  wurde. Das Tribunal stellt fest, dass ein Aggressor sich nicht auf  Selbstverteidigung gegen den Widerstand gegen seine Aggression berufen  kann.\u00ab<\/p>\n<h3>Schwere Kriegsverbrechen<\/h3>\n<p>Der Bericht z\u00e4hlt zahlreiche schwere Kriegsverbrechen der  israelischen Armee auf, wie gezielte T\u00f6tung von Zivilisten durch  Scharfsch\u00fctzen und summarische Exekutionen durch Bodentruppen, extensive  Zerst\u00f6rung von Eigentum, die nicht durch milit\u00e4rische Notwendigkeit  gerechtfertigt waren, extensiver und grob fahrl\u00e4ssiger  Artilleriebeschuss und Luftbombardements von dicht bewohnten zivilen  Gebieten, die ausdr\u00fcckliche Anwendung unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Gewalt  (sogenannte Dahiya-Doktrin), um die Bev\u00f6lkerung kollektiv f\u00fcr die  Aktivit\u00e4ten der Widerstandsgruppen und der politischen F\u00fchrer zu  bestrafen.<\/p>\n<p>Dies sind alles schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die  Menschlichkeit, wie sie das R\u00f6mische Statut des Internationalen  Gerichtshofs von 1998 in Anlehnung an die Prinzipien des N\u00fcrnberger  Tribunals unter Strafe stellt. Da die israelische Regierung jede  Unterst\u00fctzung der Untersuchungen des Tribunals abgelehnt hat, konnten  ihre Vorw\u00fcrfe gegen die Kriegsf\u00fchrung der Hamas nur begrenzt \u00fcberpr\u00fcft  werden. Eindeutig hat es den ziellosen Abschuss von Raketen auf zivile  Einrichtungen als Kriegsverbrechen verurteilt. 60 Soldaten der  israelischen Armee und sieben Zivilisten kamen dabei ums Leben. F\u00fcr den  Vorwurf, die Pal\u00e4stinenser h\u00e4tten gezielt auf Zivilisten geschossen und  Zivilisten als menschliche Schilde benutzt, konnte das Tribunal  allerdings keine Beweise finden. Im Gegenteil, das Tribunal musste  feststellen, dass die israelische Armee pal\u00e4stinensische Zivilisten  derart missbraucht hatten.<\/p>\n<p>Statt Strafen, die es ohnehin nicht aussprechen kann, gibt das  \u00bbRussell-Tribunal\u00ab etliche Empfehlungen ab. An die Adresse Israels  gerichtet fordert das Tribunal vor allem die Beendigung der Besatzung,  die unbedingte Befolgung des V\u00f6lkerrechts, die volle Entsch\u00e4digung der  Opfer und die Freilassung der politischen Gefangenen. Von der EU fordert  das Tribunal die Suspendierung des Assoziationsabkommens mit Israel,  des Abkommens \u00fcber wissenschaftliche Zusammenarbeit und die Beendigung  aller milit\u00e4rischen Kooperationen. Es fordert ein umfassendes  Waffenembargo gegen Israel und einen Stopp jeglichen Imports von  milit\u00e4rischem Ger\u00e4t aus Israel. Au\u00dferdem fordert das Tribunal von der  EU, die israelische und die pal\u00e4stinensische F\u00fchrung dazu zu dr\u00e4ngen,  das R\u00f6mische Statut von 1998 zu ratifizieren, um den Weg zum  Internationalen Strafgerichtshof zu \u00f6ffnen, sowie die Anerkennung des  pal\u00e4stinensischen Staates durch alle Mitgliedsstaaten der UNO.<\/p>\n<p>Man war sich auf der Kairoer Geberkonferenz wie seinerzeit 2009  einig, dass Geld den Frieden nicht garantieren werde, es bed\u00fcrfe einer  politischen L\u00f6sung. Doch diese legt man wieder in die H\u00e4nde der Israeli  und Pal\u00e4stinenser \u2013 bis zum n\u00e4chsten, dem dann vierten Gaza-Krieg. Denn  die israelische Regierung ist zu keinen Konzessionen bereit. Sie will  keinen souver\u00e4nen pal\u00e4stinensischen Staat. Sie will die Grenzen Israels  bis zum Jordan, wo sie jetzt schon sind, auch um den Preis eines  Apartheidstaates. Der gegenw\u00e4rtige Zustand der Unterdr\u00fcckung und des  latenten B\u00fcrgerkriegs ist \u2013 so irrational und zynisch es auch erscheint  \u2013, f\u00fcr die politische und milit\u00e4rische Klasse in Israel der  komfortabelste und am besten beherrschbare Umgang mit einer Bev\u00f6lkerung,  die man am liebsten vertreiben w\u00fcrde. Die Frage ist nur, wie lange sich  die USA und die EU noch ihrer Verantwortung gegen\u00fcber den  Pal\u00e4stinensern entziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Norman Paech ist emeritierter Professor f\u00fcr V\u00f6lkerrecht. Von  2005 bis 2009 war er Mitglied des Deutschen Bundestages und  au\u00dfenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Weg in den n\u00e4chsten Gaza-Krieg? \u00bbRussell-Tribunal\u00ab fordert EU auf, Assoziierungsabkommen Israels bis zu einer Friedensl\u00f6sung auszusetzen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3735","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-palaestina-solidaritaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3735"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3735\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}