{"id":3760,"date":"2015-01-01T22:36:04","date_gmt":"2015-01-01T20:36:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3760"},"modified":"2015-01-01T22:36:04","modified_gmt":"2015-01-01T20:36:04","slug":"angriff-auf-aleppo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3760","title":{"rendered":"Angriff auf Aleppo"},"content":{"rendered":"<h2>Armee will K\u00e4mpfer aus der syrischen Stadt vertreiben. Russland schl\u00e4gt innersyrischen Dialog vor<\/h2>\n<p><strong>Von Karin Leukefeld *<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWas bezweckt De Mistura mit seinem Plan? Haben die Vereinten Nationen  ihr Vorgehen gegen\u00fcber Syrien ge\u00e4ndert oder handeln sie etwas hinter den  T\u00fcren etwas anderes aus?\u201c<!--more--> Dr. Riad Ch. ist pensionierter Agraringenieur  der syrischen Beh\u00f6rde f\u00fcr die Verwaltung der Naturressourcen (ANNR) und  Wasserexperte. Mit gro\u00dfem Interesse verfolgt der 65-J\u00e4hrige die  politische und milit\u00e4rische Entwicklung in seinem Land. Von den USA  erwarte er nichts als Krieg, die europ\u00e4ischen Staaten seien machtlos und  erhielten ohnehin \u201eihre Anordnungen aus Washington\u201c, sagt er (im  Gespr\u00e4ch mit der Autorin in Damaskus). Russland werde seine Position zu  Syrien nicht \u00e4ndern, darum vertraue er dem russischen Engagement mit den  Vereinten Nationen. Doch was De Mistura wirklich wolle, sei ihm noch  unklar.<\/p>\n<p>Der UN-Sondervermittler f\u00fcr Syrien, Staffan De Mistura, hatte mit dem  russischen Au\u00dfenministerium in Moskau gesprochen, bevor er seinen Plan,  den Konflikt in Aleppo beispielhaft \u201eeinzufrieren\u201c der syrischen  Regierung in Damaskus vorstellte. Pr\u00e4sident Bashar al-Assad sagte die  Pr\u00fcfung der Pl\u00e4ne zu, mit dem Au\u00dfenministerium, das f\u00fcr die Kontakte mit  den Vereinten Nationen und internationalen Hilfsorganisationen  zust\u00e4ndig ist, traf De Mistura gleich zweimal zusammen, um Details des  Plans zu besprechen.<\/p>\n<p>\u201eEin Waffenstillstand ist gut, das wollen wir alle\u201c, sagt Dr. Riad und  seine Frau Delal, eine \u00c4rztin, stimmt zu. \u201eDoch wie kann der Kampf in  Aleppo \u201eeingefroren\u201c werden, ohne dass die Nusra Front sich dort  festsetzt und weiter aus der T\u00fcrkei \u2013 gegen uns \u2013 unterst\u00fctzt wird?!\u201c   Der Ingenieur ist mit seinen Zweifeln nicht allein. Viele  Gespr\u00e4chspartner in Damaskus sind \u00fcberzeugt, dass der Krieg nur beendet  werden k\u00f6nne, wenn die T\u00fcrkei ihre Grenzen f\u00fcr K\u00e4mpfer nach Syrien  schlie\u00dft und Saudi Arabien und Katar ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die K\u00e4mpfer  einstellen. \u201e Die T\u00fcrkei ist ein NATO-Staat. Ihr Verhalten gegen Syrien  sagt uns, dass die NATO Syrien zerst\u00f6ren will\u201c, res\u00fcmiert Dr. Riad.<\/p>\n<p>Die syrischen Streitkr\u00e4fte zeigen sich derweil entschlossen, die  Einkreisung der nordsyrischen einstigen Handelsmetropole Aleppo  fortzusetzen. In den letzten Tagen wurden die Angriffe, auch Luftschl\u00e4ge  auf die Viertel der Stadt intensiviert, in denen sich Kampfverb\u00e4nde  aufhalten. Ziel der Streitkr\u00e4fte ist es, die Nachschubwege der  Kampfverb\u00e4nde aus der T\u00fcrkei \u00fcber die Stadt Azaz zu unterbrechen und die  K\u00e4mpfer zu zwingen, Aleppo zu verlassen. Sollte das nicht geschehen und  die Stadt von den Streitkr\u00e4ften eingeschlossen werden, drohe eine  \u00e4hnliche Situation wie in der Altstadt von Homs, sagt ein  Gespr\u00e4chspartner, der namentlich nicht genannt werden m\u00f6chte. \u201eBei einer  Belagerung wird vor allem die Zivilbev\u00f6lkerung leiden.\u201c<\/p>\n<p>Die Altstadt von Homs war fast zwei Jahre lang abgeriegelt, nachdem  Kampfverb\u00e4nde dort im Fr\u00fchsommer 2012 eingezogen waren.  Am 8. Mai 2014  erst waren die K\u00e4mpfer abgezogen, nachdem die Streitkr\u00e4fte ihnen in  einer  von den Vereinten Nationen vermittelten Vereinbarung  freies  Geleit in einen Ort im Umland von Homs zugesichert hatten. Vermutlich  gebe es indirekte Gespr\u00e4che, um die K\u00e4mpfer zum Abzug aus Aleppo zu  bewegen, so der Gespr\u00e4chspartner gegen\u00fcber der Autorin. Allerdings  d\u00fcrfte eine Vereinbarung in Aleppo schwierig werden, da die t\u00fcrkische  Regierungen ihren Einfluss dort nicht aufgeben will.<\/p>\n<p>In Moskau ist es derweil zu ersten Gespr\u00e4chen zwischen dem  Au\u00dfenministerium und syrischen Oppositionellen gekommen, die zu einem  Dialog mit der syrischen Regierung bereit sind. Der Sprecher des  russischen Au\u00dfenministeriums Alexander Lukaschewitsch sagte am  Donnerstag vor Journalisten, Russland unterst\u00fctze Syrien und dr\u00e4nge  daher \u201cauf den Beginn eines Dialogs zwischen den Syrern, um eine  politische L\u00f6sung f\u00fcr die Krise im Land zu finden\u201d. Demnach haben der  ehemalige Vorsitzende der (vom Westen anerkannten) Nationalen Koalition  (Etilaf), Mouaz al-Katib und Kadri Jamil von der oppositionellen Partei  des Volkswillens einem Dialog zugestimmt. Auch das Nationale  Koordinationskomitee f\u00fcr Demokratischen Wandel in Syrien, NCC und die  (kurdische) Partei der Demokratischen Union (PYD) sollen teilnehmen. Von  Seiten der syrischen Regierung gibt es bisher keine Stellungnahme zu  dem Vorschlag. Die Regierungsdelegation k\u00f6nnte allerdings, wie bei den  Gespr\u00e4chen in Genf,  von Au\u00dfenminister Walid Mou\u2019allem geleitet werden.  Russland m\u00f6chte Opposition und Regierung in Syrien zu dem Dialog nach  Moskau einladen, wo sie abseits von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen miteinander  verhandeln sollen.<\/p>\n<p>Die libanesische Tageszeitung Al Akhbar berichtete, dass die Gespr\u00e4che  zur Bildung einer \u201eSyrischen \u00dcbergangsregierung\u201c f\u00fchren sollen, die aus  Vertretern der amtierenden syrischen Regierung und der Opposition \u2013 wie  Mouaz al-Katib und Kadri Jamil \u2013 zusammengesetzt werden soll.  Ministerpr\u00e4sident sollte eine \u201enicht provozierende\u201c Pers\u00f6nlichkeit  werden, auf die sich die Syrer einigen k\u00f6nnten. Die \u00dcbergangsregierung  soll \u201eweitgehende Befugnisse\u201c erhalten, w\u00e4hrend Pr\u00e4sident Bashar  al-Assad weiterhin Oberbefehlshaber der Streitkr\u00e4fte und des  Sicherheitsapparates bleiben soll. Vorrangige Aufgabe der  \u00dcbergangsregierung soll die Einrichtung einer Konstitutionellen  Versammlung sein, die eine neue Verfassung ausarbeiten soll. In zwei  Jahren sollen Wahlen zu einem neuen Parlament stattfinden. Anschlie\u00dfend  soll es Pr\u00e4sidentschaftswahlen geben, bei denen Bashar al-Assad  kandidieren kann.<\/p>\n<p>Vorbereitet wurde die Initiative von den Au\u00dfenministerien Russlands und  \u00c4gyptens, unter Beteiligung des B\u00fcros von UN-Sondervermittler De  Mistura. Mit der Entwicklung des politischen Prozesses in Syrien sollen  so viele \u201enational gesinnte Kr\u00e4fte\u201c wie m\u00f6glich geb\u00fcndelt werden, um  gegen die Terrororganisation des \u201eIslamischen Staat im Irak und in der  Levante\u201c (ISIL), die Nusra Front und andere zu k\u00e4mpfen. Dabei sollen die  syrischen Streitkr\u00e4fte durch die Soldaten und Offiziere verst\u00e4rkt  werden, die in den letzten Jahren desertiert waren, sich aber nicht den  Terrorgruppen angeschlossen hatten.<\/p>\n<p>Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP sollen die terroristischen  Gruppen ISIL und Nusra Front (Al-Khaida) sich auf einen gemeinsamen  Kampf gegen die syrischen Streitkr\u00e4fte geeinigt haben. Der m\u00f6rderische  Konkurrenzkampf der zwei Kampfverb\u00e4nde solle demnach eingestellt werden.   Die Nachricht basiert auf Aussagen eines namentlich nicht genannten  \u201eprominenten syrischen Oppositionsvertreter und einem  Rebellenkommandeur\u201c, die von einem Geheimtreffen am 2. November im  Norden Syriens berichteten.<\/p>\n<p>Die am Mittwoch bei der Ausreise in den Libanon verf\u00fcgte Festnahme des  Oppositionspolitikers Louay Hussein wurde am Donnerstag von einem  Gericht in  Damaskus best\u00e4tigt. Hussein, der 2011 die oppositionelle  Bewegung \u201eDen syrischen Staat aufbauen\u201c gr\u00fcndete, wurde in das Adra  Gef\u00e4ngnis n\u00f6rdlich von Damaskus gebracht. Die Beh\u00f6rden werfen ihm vor,  gegen \u201enationale Interessen\u201c versto\u00dfen zu haben.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag erschien \u2013 gek\u00fcrzt \u2013 in \u201ejunge Welt\u201c vom 15.11.2014<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armee will K\u00e4mpfer aus der syrischen Stadt vertreiben. 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