{"id":3767,"date":"2015-01-11T19:54:36","date_gmt":"2015-01-11T17:54:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3767"},"modified":"2015-01-11T19:54:36","modified_gmt":"2015-01-11T17:54:36","slug":"das-wird-man-doch-wohl-noch-zeichnen-duerfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3767","title":{"rendered":"Das wird man doch wohl noch zeichnen d&#252;rfen!"},"content":{"rendered":"<div>\n<address><span id=\"haraldneuber\"> <span><a title=\"Weitere Artikel von Harald Neuber\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/autor\/haraldneuber\/default.html\">Harald Neuber<\/a><\/span> <\/span> <span>10.01.2015<\/span><\/address>\n<\/div>\n<address> <\/address>\n<address><strong>Das Satireblatt Charlie Hebdo ist kein Vorbild f\u00fcr Meinungsfreiheit.  Und die demonstrativ zur Schau gestellte Solidarit\u00e4t mit den toten  Journalisten ist heuchlerisch<\/strong><\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Die blutige Attacke auf die Redaktion der franz\u00f6sischen  Satirezeitschrift Charlie Hebdo k\u00f6nnte f\u00fcr Europa ein Fanal im  Antiterrorkampf werden wie dies der 11. September 2001 f\u00fcr die USA ist.  Darauf deuten sowohl die Brutalit\u00e4t des \u00dcberfalls hin, bei dem die  Angreifer zehn Journalisten und zwei Polizisten ermordeten, als auch die  Reaktionen in Frankreich und anderen EU-Mitgliedsstaaten. Frankreichs  Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande sprach umgehend von einem Terrorangriff,  europ\u00e4ische Amtskollegen verteidigten in ihren Kondolenzbotschaften  &#8222;westliche Werte&#8220;. Es ist m\u00fc\u00dfig, festzustellen, dass keine Zeichnung und  kein journalistischer Beitrag Mord rechtfertigt. Allerdings hilft der  phrasenartige Sermon, der jetzt von Politik und Medien kommt, nicht  weiter, um das Geschehen in allen Dimensionen zu erfassen.<\/address>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist derzeit kaum m\u00f6glich, eine notwendige Trennlinie  zwischen der Solidarit\u00e4t mit den Opfern und ihren Familien auf der einen  Seite sowie einer gebotenen kritischen Auseinandersetzung mit ihrer  redaktionellen Arbeit andererseits zu ziehen. Hier ein Versuch.<\/p>\n<h4>&#8222;Die Republik wurde angegriffen&#8220;<\/h4>\n<p>Die Reaktionen nach dem Anschlag kamen reflexartig.  Obwohl erst vage Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund vorlagen,  waren die Eckpunkte schnell abgesteckt. Noch vor einer Kabinettssitzung  am fr\u00fchen Nachmittag <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2015-01\/frankreich-terroranschlag-charlie-hebdo-reaktionen\">ordnete<\/a> Hollande das Geschehen als &#8222;barbarischen&#8220; Terroranschlag ein, um bei einer <a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JY85lJaisbQ\">Rede<\/a> an die Nation am Abend nachzulegen:<\/p>\n<div>\n<p>Die gesamte Republik wurde angegriffen.<\/p><\/div>\n<p>Die Vorlage des Sozialisten wurde in anderen  EU-Hauptst\u00e4dten dankbar aufgegriffen. Deutschlands Bundeskanzlerin  Angela Merkel sprach von einem &#8222;Angriff auf (&#8230;) ein Kernelement  unserer freiheitlich-demokratischen Kultur&#8220;. Vizekanzler Sigmar Gabriel  (SPD) sah die &#8222;Meinungsfreiheit in unserer offenen Gesellschaft&#8220;  besch\u00e4digt. Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich  ersch\u00fcttert \u00fcber &#8222;frontalen Angriff auf unsere europ\u00e4ischen Werte und  die Freiheit unserer Gesellschaften&#8220;. Die T\u00e4ter, hei\u00dft das, waren nicht  Teil unserer Gesellschaft.<\/p>\n<h4>Vorschnelle Reflexe, falsche Solidarit\u00e4t<\/h4>\n<p>Der Rahmen, soweit die erste Feststellung, war damit  vorgegeben: Sie, die Minderheit, gegen uns, die Mehrheit. Dieser aus den  USA bekannte Terror- und Antiterrordiskurs beruht im Kern auf einem  Konzept der Abgrenzung, das in der Doktrin &#8222;Wer nicht f\u00fcr uns ist, ist  gegen uns&#8220; auch im Inneren wirkt.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn die M\u00f6rder tats\u00e4chlich fanatische Islamisten  gewesen sind, wieso geht dann fast niemand der kommentierenden Politiker  und Medienvertreter davon aus, dass die Muslime ebenso emp\u00f6rt \u00fcber die  Tat sind, wie alle anderen auch?&#8220;, <a title=\"PDF\" href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20150108_IMV-PM_CharlieHebdo.pdf\">merkte<\/a> das deutsche Institut f\u00fcr Medienverantwortung (IMV) am Tag nach der Tat an, um auf vorschnelle Urteile zu verweisen.<\/p>\n<p>So hie\u00df es in einer Unter\u00fcberschrift der Berliner  Zeitung, das Massaker von Paris sei &#8222;Rache f\u00fcr satirische Zeichnungen,  in denen die T\u00e4ter eine Verunglimpfung ihres Propheten sehen&#8220;. Offenbar  merke kaum einer der Journalisten, dass man Muslime &#8222;durch die  Interpretationen und Forderungen, die jetzt ebenso vorschnell in den  Raum geworfen werden&#8220;, aus der Gesellschaft ausgliedere, so das IMV.<\/p>\n<p>Zweitens: Es wurde sofort ein massiver Druck aufgebaut,  in Folge des Massakers in der Charlie-Hebdo-Redaktion auch die  Publikation an sich und ihre Blattlinie zu verteidigen. Die mehrsprachig  online gestellten Druckvorlagen der Losung &#8222;Je suis Charlie&#8220; (Ich bin  Charlie) wurden weltweit von der <a href=\"http:\/\/www.charliehebdo.fr\/\">Homepage<\/a> der Zeitschrift heruntergeladen.<\/p>\n<p>&#8222;Nous sommes Charlie (Wir sind Charlie) war auf dem  gro\u00dffl\u00e4chigen Studiomonitor der Tagesthemen zu lesen, die Angestellten  des Spiegel-Verlags stellten ein <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/charlie-hebdo-solidaritaetsaktion-der-spiegel-gruppe-a-1012097.html\">Gruppenfoto<\/a> online, auf das sie Ausdrucke der Losung in die Kamera halten. Kai Gniffke, erster Chefredakteur von ARD-aktuell, <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/nous-sommes-charlie-103.html\">k\u00fcndigte<\/a> unter diesem Eindruck gleich das in seinem Fall ohnehin angeschlagene journalistische Neutralit\u00e4tsprinzip auf.<\/p>\n<p><a name=\"43818_1\"><\/a><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/bild\/43\/43818\/43818_1.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43818\/43818_1.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"339\" \/><\/a><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/bild\/43\/43818\/43818_1.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/icons\/content\/bild\/bild_plus.gif\" alt=\"\" width=\"14\" height=\"124\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">Screenshot Spiegel<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Diesem errichteten Popanz zum Trotz m\u00fcssen f\u00fcr die  notwendige Debatte zwei Dinge festgehalten werden. Erstens: Die Mehrheit  der Journalisten und Redaktionsleiter, die heute ein Din-A-4-Papier mit  dem Aufdruck &#8222;Je suis Charlie&#8220; in die Kamera halten, h\u00e4tten gestern  noch eine Publikation von Karikaturen dieser Zeitschrift abgelehnt. Und  dies, zweitens, zu Recht. Denn gerade die Islam-Karikaturen waren in  mehr als einem Fall nichts weiter als rassistischer Schund.<\/p>\n<h4>Freie Religionskritik &#8211; aber nicht bei Christen<\/h4>\n<p>Doch zun\u00e4chst zu der heuchlerischen Solidarisierung mit  Charlie Hebdo. Wer angesichts des Massakers von Paris die Presse- und  Meinungsfreiheit verteidigt, der sollte sich zuerst einmal fragen, ob  die Publikation eines Gro\u00dfteils der Karikaturen auch in Deutschland  m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Tats\u00e4chlich geh\u00f6rt es zur Blattlinie von Charlie  Hebdo, gerade auch religi\u00f6se Gruppen zu attackieren.<\/p>\n<p>Wenn also der WDR mit Blick nach Paris \u00fcber einen  &#8222;Anschlag auf die Freiheit&#8220; berichtet, vergisst man im katholischen K\u00f6ln  offenbar die eigene Zensur von Carolin Kebekus\u2019 <a title=\"YouTube\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4Y3IWFLFHbk\">Musikvideo<\/a> &#8222;Dunk dem Herrn&#8220; Mitte 2013. Wenn die Berliner Zeitung sich heute in  Betroffenheitslyrik \u00fcberschl\u00e4gt und journalistisches Erstsemesterwissen  \u00fcber Bord wirft, dann vergessen ihre Macher offenbar, dass die  WDR-Zensur der K\u00f6lner Kabarettistin von dem Blatt dereinst so <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/andere-meinung\/zensur-vorwurf-gegen-wdr-warum-hat-carolin-kebekus-ueberhaupt-eine-sendung\/8316034.html\">kommentiert<\/a> wurde:<\/p>\n<div>\n<p>Der Skandal besteht nicht darin, dass der WDR  dieses Video bearbeitet hat. Der Skandal besteht darin, dass der WDR  Carolin Kebekus \u00fcberhaupt eine Sendung gegeben hat.<\/p><\/div>\n<p>Gerade Deutschland hat eine lange Geschichte von Zensur  und Zensurversuchen, wenn es um den satirischen Umgang mit &#8211; freilich  christlicher &#8211; Religion geht. Die &#8222;Titanic&#8220;-<a href=\"http:\/\/www.zensur-archiv.de\/index.php?title=Satire#Titanic-Satire:__.E2.80.9EIch_war_eine_Dose.E2.80.9C.2C_1987\">Doppelseite<\/a> mit einem Kruzifix unter der \u00dcberschrift &#8222;Ich war eine Dose&#8220; (1987) ist eines der bekannteren Beispiele.<\/p>\n<p>Und noch 2007 stellte das Familienministerium einen <a href=\"http:\/\/www.ferkelbuch.de\/\">Verbotsantrag<\/a> gegen ein religionskritisches Kinderbuch. Angesichts solcher und zahlreicher weiterer <a href=\"http:\/\/www.zensur-archiv.de\/index.php?title=Satire\">F\u00e4lle<\/a> ist wohl klar, dass die &#8222;gouaille&#8220;, die aggressive Spottlust von Charlie Hebdo, hierzulande keine Chance gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Es geht also offenbar nicht um die bedingungslose  Verteidigung von Meinungsfreiheit &#8211; vor allem nicht aus dem  christdemokratischen Lager -, sondern um den Ausdruck eines modernen  Kulturkampfes, dessen diskursive Elemente von linken Karikaturisten und  rechten Islamfeinden zugleich bef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Kompatibel mit dem Front National und Pegida<\/h4>\n<p>Das f\u00fchrt zu der derzeitigen Schwierigkeit, sich  kritisch mit dem wei\u00dfen Mittelschichtsrassismus einer Publikation  auseinanderzusetzen, deren Macher soeben Ziel eines Massakers geworden  sind. Die Mohammed-Karikaturen, die 2011 schon einmal einen  Brandanschlag auf die Redaktionsr\u00e4ume provoziert hatten, wurden von der  Redaktion mit dem unbedingten Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung  verteidigt.<\/p>\n<p>Dieses Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-d\u00fcrfen-Prinzip  aber eint absurderweise die linken Macher von Charlie Hebdo, die aus  einer s\u00e4kularen Religionskritik heraus agierten, und rechte  Islamkritiker, die sich von rassistischen Motiven leiten lassen.  Konkret: Anders als das geschriebene Wort kann das (satirische) Bild von  der Intention losgel\u00f6st umgedeutet und mit anderen politischen Inhalten  gekoppelt werden &#8211; wie dies der Kulturjournalist Jeet Heer anhand  politischer Spottzeichnungen der vergangenen Jahrzehnte <a href=\"http:\/\/penguinrandomhouse.ca\/hazlitt\/feature\/hitlers-cartoon-problem-and-art-controversy\">nachweist<\/a>.<\/p>\n<p>Es ist daher nicht erstaunlich, dass die Islamkritik  eines seinem Selbstverst\u00e4ndnis nach linken Magazins auch rechten  Anti-Islamisten in Frankreich (Front National), Deutschland (Pegida)  oder Gro\u00dfbritannien Aufschwung verleiht. Gleiches trifft auf die  politische Aufarbeitung der Bluttat von Paris zu, von der die genannten  Rechtskr\u00e4fte nun zu profitieren versuchen.<\/p>\n<p>Die Alternative? Empathie f\u00fcr alle Opfer der zunehmend  gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzung zwischen westlichen Staaten und der  islamischen Welt &#8211; sowohl auf geopolitischer als auch auf nationaler  Ebene. Eine Solidarit\u00e4tskampagne mit den Opfern der US-amerikanischen  Terrorjustiz in Guant\u00e1namo w\u00e4re ja mal ein Anfang.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend das deutsch-t\u00fcrkische Folteropfer Murat  Kurnaz hierzulande bis heute stigmatisiert wird, hat Uruguays  Ex-Pr\u00e4sident Jos\u00e9 Mujica sechs M\u00e4nner aus dem US-Lager Guant\u00e1namo auf  Kuba aufgenommen. Einfach so. Als &#8222;Gebot der Menschlichkeit&#8220;, wie er  sagte. Und w\u00e4hrend Abgeordnete der Linkspartei Anfang 2010 des  Bundestags verwiesen wurden, weil sie die Namen der Opfer des  Bundeswehr-Bombardements im nordafghanischen Kundus hochhielten,  inszenieren sich derzeit Medienvertreter und Politiker mit der Parole  &#8222;Je suis Charlie&#8220;. Wie w\u00e4re es mit &#8222;Je suis aussi un Musulman&#8220;? Oder:  &#8222;Je suis un immigrant?&#8220; Und das vielleicht in Rostock-Lichtenhagen,  M\u00f6lln, Hoyerwerda oder Solingen?<\/p>\n<p><a name=\"43818_2\"><\/a><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/bild\/43\/43818\/43818_2.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43818\/43818_2.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" \/><\/a><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/bild\/43\/43818\/43818_2.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/icons\/content\/bild\/bild_plus.gif\" alt=\"\" width=\"14\" height=\"124\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">Linke Abgeordnete mit Namensschildern der Opfer des Kundusbombardements. Bild: Bundestag<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h4>Charlie Hebdo: Wei\u00df, m\u00e4nnlich, gebildet und sozial abgesichert<\/h4>\n<p>Das f\u00fchrt zum &#8222;Rassismus&#8220; von Charlie Hebdo. Nat\u00fcrlich  hat die Redaktion alle religi\u00f6sen Gruppen und politischen Lager ins  Visier genommen. Es ist aber nun mal ein Unterschied, ob man sich selber  beleidigend, obsz\u00f6n und bar jeder Hemmschwelle karikiert oder die  anderen; vor allem, wenn sie einer Minderheit angeh\u00f6ren. Und nat\u00fcrlich  hat die Beleidigung des Islams in Frankreich mit seiner ebenso gro\u00dfen  wie sozial marginalisierten islamischen Migrantengemeinde eine immanent  politische Subbotschaft.<\/p>\n<p>Dennoch haben die antiislamischen Zeichnungen ohne jede  Zur\u00fcckhaltung auf Provokation und Beleidigung gezielt und sich damit die  mitnichten progressive Grundtendenz westlicher Karikaturisten zueigen  gemacht. Wenn aber eine Redaktion aus wei\u00dfen, m\u00e4nnlichen, gut gebildeten  und sozial abgesicherten Mitgliedern &#8211; sei es auch nur satirisch &#8211; auf  soziale Minderheiten eindrischt, dann ist das kein Garant f\u00fcr  k\u00fcnstlerischen Wert.<\/p>\n<p>Auch die aggressiven Reaktionen auf die bewusste  Provokation in der Vergangenheit sind kein Pr\u00e4dikat &#8222;Besonders  wertvoll&#8220;. Und es kommt noch h\u00e4rter: Auch der kaltbl\u00fctige Mord an zehn  Redaktionsmitgliedern macht ihre Arbeit in diesem einen Aspekt nicht  besser. Ein erheblicher Teil der antiislamischen Karikaturen waren  rassistischer, sexistischer und menschenverachtender Schrott, der  hierzulande zu Recht skandalisiert worden w\u00e4re.<\/p>\n<p><a name=\"43818_3\"><\/a><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/bild\/43\/43818\/43818_3.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43818\/43818_3.jpg\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"320\" \/><\/a><\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/bild\/43\/43818\/43818_3.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/icons\/content\/bild\/bild_plus.gif\" alt=\"\" width=\"14\" height=\"124\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">Titel Charlie Hebdo: Boko-Haram-Sexsklavinnen in Aufruhr: &#8222;Fasst unser Kindergeld nicht an!&#8220;<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die zuletzt erschienene Islamkritik von Charlie Hebdo  best\u00e4tigte damit, vor allem im politischen Kontext der erstarkenden  Rechten in Frankreich und des wieder zunehmenden milit\u00e4rischen  Interventionismus des Westens, die 1978 von Edward Said in seinem Werk <a title=\"PDF\" href=\"http:\/\/www.odsg.org\/Said_Edward%281977%29_Orientalism.pdf\">Orientalismus<\/a> formulierte Kritik an dem kolonialen Blick Europas auf den Orient und  seine Menschen. Die rassistische Bildsprache der Darstellungen diene, so  Said, in letzter Konsequenz der Legitimation der eigenen Herrschaft  \u00fcber den nahen Osten. Und, noch einmal: Das gilt geopolitisch ebenso wie  gegen\u00fcber den als Fremdk\u00f6rper betrachteten Migranten.<\/p>\n<p>Charlie Hebdo war 1970 aus dem deutlich linkeren Magazin  Hara-Kiri hervorgegangen, das massive Kritik an der konservativen  Nachkriegsgesellschaft Frankreichs \u00fcbte und unter den Gaullisten  zeitweise verboten war. In dieser Tradition der Kritik an  Machverh\u00e4ltnissen im eigenen Land stand auch Charlie Hebdo als  Nachfolgeblatt. Satire kann und muss nat\u00fcrlich auch andere L\u00e4nder und  Gesellschaften zum Thema machen.<\/p>\n<p>Gute Satire hinterfragt Probleme, spitzt sie zu und  polarisiert. Schlechte Satire urteilt ab und spielt mit rassistischen  Stereotypen. In diese Schiene ist Charlie Hebdo verfallen, wie nun auch  die bed\u00e4chtigeren Kollegen der Mordopfer <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/world\/ng-interactive\/2015\/jan\/09\/joe-sacco-on-satire-a-response-to-the-attacks\">anmerken<\/a>.<\/p>\n<p>Diese Feststellung \u00e4ndert nichts an der Trauer um die  Opfer des Massakers in der Rue Nicolas Appert und an der Solidarit\u00e4t mit  den Hinterbliebenen.<\/p>\n<p>http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43818\/1.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Harald Neuber 10.01.2015 Das Satireblatt Charlie Hebdo ist kein Vorbild f\u00fcr Meinungsfreiheit. Und die demonstrativ zur Schau gestellte Solidarit\u00e4t mit den toten Journalisten ist heuchlerisch Die blutige Attacke auf die Redaktion der franz\u00f6sischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo k\u00f6nnte f\u00fcr Europa ein Fanal im Antiterrorkampf werden wie dies der 11. September 2001 f\u00fcr die USA ist. 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