{"id":3784,"date":"2015-01-19T09:43:05","date_gmt":"2015-01-19T07:43:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3784"},"modified":"2015-01-19T09:43:05","modified_gmt":"2015-01-19T07:43:05","slug":"gibt-es-die-orte-von-gut-und-boese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3784","title":{"rendered":"Gibt es die Orte von Gut und B&#246;se?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14px;\">In den Tagen nach den Attentaten von  Paris haben sich Medien und Politik \u00fcberboten im Zuweisen von allem  Grausigen, B\u00f6sen und Furchtbaren an die Adresse des Islam \u2013 von den  halbherzig nachgeschobenen  Unterscheidungen zum Islamismus oder  \u201eMehrzahl der friedliebenden Muslime\u201c einmal abgesehen. Denn tats\u00e4chlich  wollten viele in diesem Schrecken den letzten Beweis f\u00fcr die dieser  Religion innewohnende Gewalt sehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14px;\"><!--more--><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14px;\">Das Entsetzen mag auch an der Geografie  liegen. Denn solche Attentate mitten in Frankreich \u2013 s\u00e4kularer Nabel  Europas \u2013 gab es schon lange nicht mehr. Heute muss  nicht viel dar\u00fcber  nachgedacht werden, warum eine Satirezeitung angegriffen wurde. Die  T\u00e4ter, obwohl Franzosen, hatten einen arabischen Hintergrund und sie  waren Muslime. Dass die Angreifer nicht aus der franz\u00f6sischen  Mehrheitsgesellschaft kamen und ihre Rechtfertigung eine religi\u00f6se war,  vereinfachte die totale Distanzierung. Motiv und T\u00e4ter wurden ausserhalb  Frankreichs verortet. Der Boden war bei Politikern und ihren W\u00e4hlern  daf\u00fcr bereitet. Schlie\u00dflich liegen zwischen dem Maghreb und Frankreich  Jahrzehnte grausamer Kolonisation, die sich in der Ungleichbehandlung  der Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien fortschreiben. Sarkozy  wandte sich mit dem Hochdruckreiniger gegen die revoltierende Jugend der  banlieues und kein Politiker, egal ob aus dem rechten oder linken  Lager, h\u00e4lt sich zur\u00fcck, wenn es darum geht Rohstoffe am afrikanischen  Kontinent auch mit Waffengewalt zu erobern.<\/p>\n<p>Die Attacken von Paris nimmt sich das offizielle Frankreich zum Anlass  diese Politik zu intensivieren, jetzt noch gest\u00e4rkter durch den R\u00fcckhalt  der wahlberechtigten und privilegierten Klassen im eigenen Land. Prompt  wurde ein nuklearer Flugzeugtr\u00e4ger in den Persischen Golf  abkommandiert.<\/p>\n<p>Dabei ist es genau dieser fortgesetze Kolonialismus durch Frankreich,  die anderen Wohlstandsstaaten der EU und die USA, die es einem  verbieten, den einfachen Zuweisungen von Gut und B\u00f6se Folge zu leisten.<br \/>\nSklaverei, Ausbeutung, Ausrottung ganzer Bev\u00f6lkerungen, Giftgaseins\u00e4tze,  Erprobung von Medikamenten, Austesten von Waffensystemen \u2013 wie zuletzt  durch Israel an der pal\u00e4stinensischen Zivilbev\u00f6lkerung \u2013 das waren und  sind Praktiken des Kolonialismus.<\/p>\n<p>Die Sklaven von heute treten uns mit dem Gesicht von Kindern gegen\u00fcber,  die in dunklen Bruchbuden den Profit der westlichen Modeindustrie  erarbeiten. Oder in Minen der Zulieferindustie unter lebensbedrohlichen  Umst\u00e4nden f\u00fcr Handys und PC Rohstoffe sch\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Sklaven der Moderne treffen wir auf den Gem\u00fcseplantagen in Spanien, wo  sie ahnungslos jene Tomaten ernten, die als Konserven billigst in ihre  Heimatl\u00e4nder importiert werden um damit auch noch den letzten Bauern um  seine Eink\u00fcnfte zu bringen. Sodass sich auch er \u00fcbers Mittelmeer  aufmachen muss, um letztlich unter einer Plastikplane gefangen zu einem  Hungerlohn arbeitend, weder zur\u00fcck nach Hause noch woandershin fortgehen  kann.<\/p>\n<p>Sklaven von heute sind jene Frauen, die in die Sexindustrie gezwungen  werden und es es sind jene, die f\u00fcr EU-Mittelsstandsfamilien Hausarbeit  und Pflege verrichten, Tag und Nacht, jederzeit k\u00fcndbar und  abschubgef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Und es sind noch viele mehr auf dieser Welt, die durch ungerechte  Handelsbedingungen, Waffenh\u00e4ndler und massenweise Land aufkaufende  Investoren in ihrer Existenz bedroht sind.<\/p>\n<p>Es ist schlimm und verturteilenswert, was in Paris geschehen ist, keine  Frage. Die Menschen emp\u00f6ren sich zu Recht. Und doch dr\u00e4ngt sich ein  bitterer Beigeschmack auf, denn:<br \/>\nDie Emp\u00f6rung \u00fcber die Foltermethoden in Guantanamo und in vielen  Nato-L\u00e4ndern (auch in der EU!) hat nicht ann\u00e4hernd solche Wogen  geschlagen.<br \/>\nAuch das Bombardement der Zivilbev\u00f6lkerung im abgesperrten Gazastreifen  im vergangenen Sommer blieb ohne Konsequenz f\u00fcr den Aggressor Israel.<br \/>\nAls in \u00c4gypten die fr\u00fchlingshafte Demokratie durch einen Milit\u00e4rputsch  vernichtet wurde, hat die EU geschwiegen, wie sie auch die seitdem  tausenden Gefangenen und Todesurteile verschweigt.<br \/>\nEs gibt deswegen keinen Protest auf den Strassen Europas.<br \/>\nLeider h\u00f6ren wir auch nichts \u00fcber EU-weite gewerkschaftliche  Solidarit\u00e4tsaktionen mit Streikenden in anderen Teilen der Welt, obwohl  dadurch viel an gobaler Gerechtigkeit erk\u00e4mpft werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Sich als besserer Mensch in einer besseren Gesellschaft zu f\u00fchlen, ist  sicher ein angenehmes Gef\u00fchl. Wer die Wohlf\u00fchlzone verl\u00e4sst, setzt sich  unweigerlich dem unberechenbaren Klima am Rand des gesellschaftlichen  Konsens aus. Dort reichen simple Einteilungen in \u201eGut und B\u00f6se\u201c als  Erkl\u00e4rungsmuster nicht mehr aus. Nur die Zur\u00fcckweisung der dargebotenen  Projektionsfl\u00e4chen \u201eIslam und Muslime\u201c erm\u00f6glicht eine weniger  verstellte Sicht auf die Realit\u00e4ten hinter den Attentaten von Paris.  Erst dann kann \u00fcber wirklich gerechte L\u00f6sungen f\u00fcr Krieg und Konflikte  nachgedacht werden, denn: Kein Mensch hat mehr Recht auf Gerechtigkeit  als irgendein ein anderer auf der Welt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14px;\">Nicht dass es neu w\u00e4re, dass \u201eder Islam\u201c und mit ihm \u201edie Muslime\u201c als  Projektsfl\u00e4che f\u00fcr alles das herhalten sollen, was europ\u00e4ische  Mittelschichtsgesellschaften nicht sein wollen;- aber jetzt wurde eine  neue Stufe der Zuschreibungen erreicht.<br \/>\nDie Gewalt der Sprache war extrem. Dort der Ort des B\u00f6sen mit Barbaren,  Schl\u00e4chtern aus dem Mittelalter. Gegen sie gilt es den Hort des Guten  hier zu verteidigen:<strong> <\/strong>Menschenrechte in einer aufgekl\u00e4rten s\u00e4kularen Demokratie.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">von Helga Suleiman<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.haberjournal.at\/de\/gibt-es-die-orte-von-gut-und-bose-makale,60.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.haberjournal.at\/de\/gibt-es-die-orte-von-gut-und-bose-makale,60.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Tagen nach den Attentaten von Paris haben sich Medien und Politik \u00fcberboten im Zuweisen von allem Grausigen, B\u00f6sen und Furchtbaren an die Adresse des Islam \u2013 von den halbherzig nachgeschobenen Unterscheidungen zum Islamismus oder \u201eMehrzahl der friedliebenden Muslime\u201c einmal abgesehen. 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