{"id":3797,"date":"2015-02-03T21:52:35","date_gmt":"2015-02-03T19:52:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luxorbis.org\/friedensplattform.at\/?p=3797"},"modified":"2015-02-03T21:52:35","modified_gmt":"2015-02-03T19:52:35","slug":"eskalationspoker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3797","title":{"rendered":"Eskalationspoker"},"content":{"rendered":"<h3>US-Waffenlieferungen an Kiew<br \/>\nVon Reinhard Lauterbach<\/h3>\n<p>Sollte US-Pr\u00e4sident Barack Obama tats\u00e4chlich beschlie\u00dfen, die Ukraine mit Waffen zu beliefern, w\u00e4re dies eine entscheidende Drehung an der Eskalationsschraube im Krieg um den Donbass. Damit w\u00fcrde sich ein bitteres ukrainisches Sprichwort best\u00e4tigen, nach dem \u00bbRussen und Amerikaner sich bis zum letzten Ukrainer bek\u00e4mpfen\u00ab.<!--more--> Der Krieg w\u00fcrde auch explizit das werden, was er in Wirklichkeit von Anfang an war: ein Konflikt um geopolitische Positionen, darum, ob Moskaus weltpolitischer Hauptgegner in der Lage ist, sich direkt an der russischen S\u00fcdwestflanke politisch und milit\u00e4risch einzunisten.<\/p>\n<p>Nachgeschobene Erl\u00e4uterungen aus Washington sollten niemanden in Sicherheit wiegen. Wenn ein US-Sicherheitsberater jetzt erkl\u00e4rt, \u00bbin naher Zukunft\u00ab seien keine Waffenlieferungen an Kiew geplant, dann dementiert er etwas, was niemand behauptet hat. Denn was hei\u00dft \u00bbin naher Zukunft\u00ab? N\u00e4chste Woche, n\u00e4chsten Monat, n\u00e4chstes Jahr? Milit\u00e4rexperten gehen davon aus, dass es schon aus technischen Gr\u00fcnden sechs bis zw\u00f6lf Monate dauern w\u00fcrde, bis US-Waffenlieferungen an die Ukraine tats\u00e4chlich einsatzbereit w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Einiges spricht daf\u00fcr, dass es Washington einstweilen darum geht, im eigenen Lager die \u00d6ffentlichkeit auf den Gedanken einer neuen Eskalationsstufe in Osteuropa einzustimmen. Es ist nat\u00fcrlich kein Zufall, dass das interne Memorandum der Bef\u00fcrworter von Waffenlieferungen an die New York Times gelangt ist. Zwei Tage vor dem entsprechenden Bericht in dem US-Blatt hatte der Washington-Korrespondent der polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza in einem Leitartikel genau solche Lieferungen gefordert. Polens staatstragende Presse kann es prompt kaum erwarten, dass nun \u00bbendlich\u00ab \u00bbetwas getan wird\u00ab gegen das \u00bbeurasische Imperium\u00ab \u2013 und freut sich auf Auftr\u00e4ge f\u00fcr die polnische R\u00fcstungsindustrie.<\/p>\n<p>Dass die USA bereit sind, durch Waffenlieferungen einen Stellvertreterkrieg fernab des eigenen Territoriums anzufachen, zeigt die Skrupellosigkeit zumindest eines Teils der amerikanischen Elite. In die Quere k\u00f6nnte den Eskalationsstrategen allenfalls noch ein Faktor kommen, auf den in den letzten Tagen der US-Analysedienst Stratfor aufmerksam gemacht hat: Solange Russland milit\u00e4risch noch \u00fcberlegen ist, k\u00f6nnte es sich versucht sehen, der Aufr\u00fcstung seines Gegners mit einer wirklichen Offensive zuvorzukommen. Die w\u00fcrde dann mindestens bis zum Fluss Dnjepr reichen und die Ukraine ihres industriellen Potentials berauben. Ginge es darum, die \u00bbfriedliche Wahl des ukrainischen Volkes\u00ab zu unterst\u00fctzen, w\u00e4re das f\u00fcr die USA ein gewichtiges Argument, auf Waffenlieferungen zu verzichten. Denn von der Ukraine bliebe in diesem Fall ein nationalistisch z\u00e4hnefletschender Rumpfstaat ohne wirtschaftliche Grundlage \u00fcbrig, ein Dauerkandidat f\u00fcr die Alimentierung durch Washington und Br\u00fcssel. Will Obama aber die Konfrontation mit Russland, dann fallen die Kosten f\u00fcr den Unterhalt der Ukraine kaum noch ins Gewicht.<br \/>\nJunge Welt, Ausgabe vom 04.02.2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>US-Waffenlieferungen an Kiew Von Reinhard Lauterbach Sollte US-Pr\u00e4sident Barack Obama tats\u00e4chlich beschlie\u00dfen, die Ukraine mit Waffen zu beliefern, w\u00e4re dies eine entscheidende Drehung an der Eskalationsschraube im Krieg um den Donbass. 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