{"id":3844,"date":"2015-04-11T07:03:27","date_gmt":"2015-04-11T07:03:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3844"},"modified":"2015-04-11T07:03:27","modified_gmt":"2015-04-11T07:03:27","slug":"diskussion-mit-lia-tarachansky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=3844","title":{"rendered":"Diskussion mit Lia Tarachansky"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ausz\u00fcge aus der Diskussion mit Lia Tarachansky mit dem Publikum im Anschluss an die Vorf\u00fchrung ihres Film \u201eOn the Side oft he Road\u201c am 23. Feb. 2015 im Festsaal der Heilandskirche Graz<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: small;\">(Zusammengefasst von Sarah Woywod, die auch die Deutsch-Englisch-<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: small;\">\u00dcbersetzung der Diskussion besorgte)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><b>Was kann man in Europa tun, um den Konflikt in Israel\/Pal\u00e4stina zu l\u00f6sen?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><b>Lia:<\/b><\/span><span style=\"font-size: small;\"> Ich habe leider keinen 5-Punkte-Plan, den man anwenden kann. Ich kann nur sagen, dass wir in Israel\/Pal\u00e4stina unter dem Trauma und der kollektiven Verdr\u00e4ngung leiden. Zur Konfliktl\u00f6sung m\u00fcssen die Menschen in Europa die richtige Balance finden zwischen Aus\u00fcben von Druck, Verhandlungen und begleitender Mediation. Aber eine L\u00f6sung kann ich nicht anbieten. Ihr seid ja auch nur normale Leute, ohne Millionen von Euros auf dem Konto. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><b>Wie ist die Stimmung in Israel? Gibt es nennenswert friedensrelevante Gegenstr\u00f6mungen zur zionistisch dominierten Politik?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><b>Lia:<\/b><\/span><span style=\"font-size: small;\"> Grunds\u00e4tzlich herrschen in Israel ganz kontroverse Meinungen. Die meisten Israelis sind aber eher zynisch gestimmt und haben kein Vertrauen in die Zionisten mehr. Es gibt aber auch eine rechts-konservative Minderheit, die sehr besorgt um die Zukunft Israels ist, zum Beispiel die Geburtenquoten z\u00e4hlt und auch gro\u00dfen Einfluss auf die Medien hat. Im Sommer 2011 und 2012 gab es die gr\u00f6\u00dften Demonstrationen, die Israel je gesehen hat. Im Zentrum stand aber nicht die Friedensfrage sondern die sehr hohen Lebenshaltungskosten, besonders das kaum mehr leistbare Wohnen. Die Leute haben genug von der Zentralisierungspolitik. Die Leute haben genug von den Kriegen, den K\u00e4mpfen, sie sehen keinen Sinn dahinter, w\u00e4hrend sie sehen, dass die Menschen in den USA und im Europa viel ruhiger und bequemer leben. Gleichzeitig sind wir aber auch der Hoffnung, dass alles besser wird. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><b>Wie waren die Reaktionen in Israel bez\u00fcglich des Films?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><b>Lia:<\/b><\/span> <span style=\"font-size: small;\"><i>On the side of the road<\/i><\/span><span style=\"font-size: small;\"> ist ja mein erster Film. Zuvor habe ich als Journalistin gearbeitet. Es erscheint wie ein Wunder, dass mein Film zur Premiere bei einem Filmfestival in Tel Aviv gezeigt wurde. Zuvor hatten wir Kopien an Journalisten geschickt, in der Hoffnung, dass sich jemand daf\u00fcr interessieren w\u00fcrde. Dann rief mich ein Journalist an und ich durfte ein Interview in einer Morgenshow geben. Der Journalist warnte mich, dass mein Film eventuell f\u00fcr anti-semitische Propaganda missbraucht werden k\u00f6nnte, aber als er dann erfuhr, dass ich selber in einer Siedlung aufgewachsen bin, \u00e4nderte er schlagartig seine Meinung und wir diskutierten 40 Minuten \u00fcber die Situation der Fl\u00fcchtlinge. Generell erlebte ich Neugierde und Interesse auf meinen Film, die meisten waren aber der Meinung: Das ist ein sch\u00f6ner Film, aber du liegst falsch. Warum?, fragte ich, aber sie konnten es mir nicht sagen. Die Leute sind von sich selbst der Meinung: \u201eIch bin ein guter Mensch, ich kann nur recht haben\u201c. Aber ich habe diese Erfahrung des Nicht-Recht-Habens selber gemacht. Anfangs dachte ich auch, dass ich recht habe, habe an das zionistische Narrativ geglaubt, und hab mir gedacht: Ich werde es schon beweisen, aber am Ende habe ich realisiert, dass ich sehr ignorant war und die historischen Fakten ganz andere waren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Dieser Film wurde nicht f\u00fcr Pal\u00e4stinenser gemacht. Ihr m\u00fcsst euch das so vorstellen, als m\u00fcsste sich ein Vergewaltigungsopfer anh\u00f6ren, wie schwierig es f\u00fcr den Vergewaltiger ist \u00fcber die Vergewaltigung zu sprechen. Israelis haben Schwierigkeiten \u00fcber die Verdr\u00e4ngung ihrer Verbrechen im Zusammenhang der Pal\u00e4stinensischen Katastrophe (\u201eNaqba\u201c) von 1948\/49 zu sprechen, umso schwieriger ist dieser Film f\u00fcr Pal\u00e4stinenser. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Schlussworte von Franz S\u00f6lkner: Wir alle sollten \u00fcber die Dinge sprechen, die verdr\u00e4ngt werden. Wir in \u00d6sterreich haben lange nicht \u00fcber die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen, aber mittlerweile haben wir das gelernt, genau wie Holland \u00fcber seine Untaten in ihrer ehemaligen Kolonie in Indonesien oder wie es in Gro\u00dfbritannien eine kritische Diskussion gibt \u00fcber die Bombardierung von Dresden. Es geht darum lebensfeindliche und friedenshemmende Mythen zu zerst\u00f6ren. Geschichte ist immer ambivalent. Es ist notwendig nicht nur \u00fcber das Erhebende der eigenen Geschichte, \u00fcber Mozart, die Wiener Ringstra\u00dfenbauten und die Lippizaner zu reden, sondern auch \u00fcber die Schattenseiten der Nationalgeschichten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Etwa auch im Sinne des Zitats von Christa Wolf aus <\/span><span style=\"font-size: small;\"><i>Kassandra<\/i><\/span><span style=\"font-size: small;\">: \u201eWann Krieg beginnt, das kann man wissen. Aber wann beginnt der Vorkrieg? Falls es da Regeln g\u00e4be, m\u00fcsste man sie in Ton ritzen, in Stein meiseln. Weitersagen, aufbewahren f\u00fcr alle Zeit. Was st\u00fcnde da? Da st\u00fcnde, unter anderen: Lasst euch nicht t\u00e4uschen von den Eignen.\u201d <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Ich danke dir f\u00fcr Dein Kommen, Lia, und f\u00fcr Deinen Mut gegen den Strich zu denken.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<a href=\"http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/emaileinladung_JPEG.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3819\" src=\"http:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/emaileinladung_JPEG-212x300.jpg\" alt=\"emaileinladung_JPEG\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/emaileinladung_JPEG-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.friedensplattform.at\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/emaileinladung_JPEG-724x1024.jpg 724w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><\/p>\n<div><\/div>\n<div>Nach Graz zeigte Lia Tarachansky ihren Film in Wien. Auch dieser Abend war mit 80 Personen gut besucht.<\/div>\n<div>Die einleitenden Worte von Lia und Ihre lebhaften Ausf\u00fchrungen in der anschlie\u00dfenden Diskussion (beides in englischer Sprache) k\u00f6nnt Ihr unter folgendem link nachh\u00f6ren.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Teld8M0MEug&amp;feature=youtu.be\" target=\"_blank\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?<wbr \/>v=Teld8M0MEug&amp;feature=youtu.be<\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Hinsichtlich einer Kopie des Films hat Lia gesagt, dass er von der Produktionsfirma erst mit Anfang April zum Erwerb auf einer DVD freigegeben werde. Dann wird man ihn \u00fcber die Website <a href=\"http:\/\/www.naretivproductions.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\"><span style=\"color: #44bbff; font-family: Helvetica;\"><strong>naretivproductions.com\/<\/strong><\/span><\/a> bestellen k\u00f6nnen (Wichtig: Die Version mit den deutschen Untertiteln bestellen)<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausz\u00fcge aus der Diskussion mit Lia Tarachansky mit dem Publikum im Anschluss an die Vorf\u00fchrung ihres Film \u201eOn the Side oft he Road\u201c am 23. 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