{"id":4022,"date":"2016-02-22T20:10:50","date_gmt":"2016-02-22T20:10:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4022"},"modified":"2016-02-22T20:11:39","modified_gmt":"2016-02-22T20:11:39","slug":"eine-branche-floriert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4022","title":{"rendered":"Eine Branche floriert"},"content":{"rendered":"<h2>Die globalen Exporte von Kriegsger\u00e4t wachsen. Die USA sind weiterhin einsame Spitze, doch deutsche Medien wittern Gefahr aus Peking<\/h2>\n<address>Von Christian Selz<\/address>\n<div class=\"Content\">\n<div class=\"ImageBox Large\">\n<table summary=\"Designtabelle\" width=\"700\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"img79860\" class=\"\" src=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=79860&amp;type=l&amp;ext=.jpg\" alt=\"Nexter_47558699.jpg\" width=\"234\" height=\"137\" \/><\/div>\n<div class=\"Title\">Was darf\u2019s denn sein zur Ausl\u00f6schung der n\u00e4chsten Familie:<\/div>\n<div class=\"Title\">Granatenvitrine bei einer Ausstellung in London (15.9.2015)<\/div>\n<div class=\"Copyright\">Foto: EPA\/FACUNDO ARRIZABALAGA<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>W\u00e4hrend rund um den Globus Kriege entfacht und immer weiter befeuert wurden, sind in den vergangenen f\u00fcnf Jahren weltweit 14 Prozent mehr Waffen verschachert worden als zwischen 2006 und 2010.<\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das meldete das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) am Sonntag. Eine Sperrfrist legte dabei fest, dass Medien weltweit erst ab Montag \u00fcber das Zahlenwerk berichten durften. Um 0.01 Uhr Mitteleurop\u00e4ischer Zeit begann dann das gro\u00dfe Rosinenpicken im schwedischen Zahlenbrei.<\/p>\n<p>\u00bbChina baut Waffenexporte kr\u00e4ftig aus\u00ab, titelte die Nachrichtenagentur <em>dpa<\/em>, z\u00e4hlte \u2013 von der gelben Gefahr offensichtlich verunsichert \u2013 im Zeitraum von 2011 bis 2015 aber nur vier Jahre. Die Zahlenjongleure von <em>Spiegel online<\/em> schlossen sich der mathematischen Glanzleistung an und fassten obendrein mit schlafwandlerischer Sicherheit zusammen: \u00bbChina exportiert, Saudi-Arabien kauft ein\u00ab. Das nennt man dann wohl kreativen Umgang mit Fakten: China soll seine R\u00fcstungsausfuhren laut SIPRI gegen\u00fcber den f\u00fcnf Vorjahren 2006 bis 2010 um 88 Prozent gesteigert haben, die Kriegslust der saudischen Herrscher schlug sich gar in einem Einfuhrzuwachs von 275 Prozent nieder. Der suggerierte Zusammenhang allerdings, der existiert nicht. Im weniger fett gedruckten wird das auch klar, wenn das Leitmedium SIPRI-Rechercheur Pieter Wezeman zitiert. Der hatte in der Ursprungsmeldung der schwedischen Friedensforscher festgestellt: \u00bbEine Koalition arabischer Staaten setzt haupts\u00e4chlich aus den USA und Europa bezogene, hochentwickelte Waffen im Jemen ein.\u00ab Vor allem der gro\u00dfe Friedensstifter Washington bleibt mit einem Anteil von 33 Prozent aller transnationalen Kriegsger\u00e4tedeals, deutlich vor Russland (25 Prozent), nach wie vor unangefochtener K\u00f6nig der internationalen Waffenschieber\u00adszene und konnte seine gigantischen Exporte noch einmal um 27 Prozent steigern. Doch derlei Details schaffen es in der deutschen Qualit\u00e4tspresse nur in den hinteren Teil der Bleiw\u00fcste.<\/p>\n<p>Wichtiger erscheint da schon eine alarmierende Erkenntnis, die die Nachrichtenagentur <em>Reuters <\/em>aus dem Bericht der vom schwedischen Staat gegr\u00fcndeten Stiftung extrahierte. \u00bbDeutsche Waffenexporte haben sich halbiert\u00ab, titelte der wirtschaftsnahe Dienst. Das hat drastische Folgen: \u00bbIn der Rangliste der gr\u00f6\u00dften Exporteure weltweit rutschte Deutschland demnach vom dritten auf den f\u00fcnften Platz ab\u00ab, trauerte <em>Reuters<\/em>. Diese Schmach konnte das Bundeswirtschaftsministerium freilich nicht auf sich sitzen lassen. Bei den SIPRI-Zahlen handele es sich um \u00bbfiktive Werte\u00ab hie\u00df es laut <em>dpa<\/em> aus Berlin, die Rangliste der Schweden sei \u00bbsehr mit Vorsicht zu genie\u00dfen\u00ab.<\/p>\n<p>Das gilt freilich auch f\u00fcr die Werte zu China, trotzdem noch etwas Aufkl\u00e4rung vom Stockholmer Rechenschieber: Peking hat sich demnach nicht nur bei den Exporten \u00bbauf Rang drei vorgeschoben\u00ab (<em>Reuters<\/em>), sondern importiert nach Indien und Saudi-Arabien auch die drittmeisten (4,7 Prozent) der weltweit verkauften Waffen. \u00bbChina baut seine milit\u00e4rischen Kapazit\u00e4ten mit importierten und im eigenen Land hergestellten Waffen weiter aus\u00ab, erkl\u00e4rte SIPRI-Rechercheur Siemon Wezeman. In der Region f\u00e4llt das allerdings nicht weiter auf: Auch Indien, auf das zwischen 2011 und 2015 14 Prozent der weltweiten Waffenimporte entfielen, Australien (3,6 Prozent), Pakistan (3,3 Prozent), Vietnam (2,9 Prozent) und S\u00fcdkorea (2,6 Prozent) geh\u00f6ren laut SIPRI zu den zehn L\u00e4ndern, die am st\u00e4rksten aufger\u00fcstet haben. Einigen von ihnen werden engere Beziehungen zu den USA nachgesagt.<\/p>\n<p>junge Welt vom 22.2. 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die globalen Exporte von Kriegsger\u00e4t wachsen. 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