{"id":4123,"date":"2016-11-05T21:36:27","date_gmt":"2016-11-05T21:36:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4123"},"modified":"2017-01-22T08:10:37","modified_gmt":"2017-01-22T08:10:37","slug":"franz-soelkner-ueber-johann-schoegler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4123","title":{"rendered":"Franz S\u00f6lkner: Zum Abschied von Johann Sch\u00f6gler (1951 &#8211; 2016)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer in den letzten Jahrzehnten sich im Raum Graz politisch im Zusammenhang der Themen Demokratie, Frieden, Menschenrechte, globale soziale Gerechtigkeit, ArbeitnehmerInnenrechte und \u00f6kologische Nachhaltigkeit\u00a0 engagiert hat, deren oder dessen Wege mussten sich \u00fcber kurz oder lang unvermeidlich mit jenen von Johann Sch\u00f6gler kreuzen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Johann war ein hochgradig politischer Kopf, in den Worten des altgriechischen\u00a0 Philosophen Aristoteles, ein \u201ezoon politikon\u201c, ein im besten Sinn des Wortes\u00a0 \u201epolitisches Tier\u201c. Wie vielen von uns, die wir in den ersten Jahrzehnten nach der Barbarei des Nationalsozialismus geboren, sozialisiert\u00a0 und politisiert wurden, war er tief gepr\u00e4gt vom \u201eNie Wieder!\u201c und dem damit im Zusammenhang stehenden Wissen um die Notwendigkeit der Gestaltung einer global solidarischen Politik. Johanns konkreter programmatischer Zugang zu dieser Politik war gepr\u00e4gt von der linken Tradition der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung\u00a0 und der Denkschule des Marxismus: Die herrschenden Eigentumsverh\u00e4ltnisse an den Produktionsmitteln sollten so umgestaltet werden, dass es den Menschen erm\u00f6glicht wird, an allen sie betreffenden Entscheidungen aktiv mitzuwirken und an den Ergebnissen der gemeinsamen Arbeit\u00a0 teilzuhaben.<\/p>\n<p><strong>Aufgekl\u00e4rter homo politicus <\/strong><\/p>\n<p>Wie keine andere Person aus meinem Bekanntenkreis war Johann in aktuellen politischen Bewegungen pr\u00e4sent. Die \u00d6sterreichischen Sozialforen hat er aktiv mitgepr\u00e4gt, bei Europa-Sozialforen war er regelm\u00e4ssiger und bei Weltsozialforen\u00a0 mehrmaliger Teilnehmer. Die Gr\u00fcndung von zwei steirischen Vereinen ging wesentlich auf seine Initiative zur\u00fcck \u2013 die Steirischen Friedensplattform und die Linke Steiermark. Von diesen organisatorischen Basislagern aus war er unerm\u00fcdlich am Vernetzen von programmatisch \u00e4hnlich gesinnten\u00a0 Menschen und Gruppen von AktivistInnen. In diesem Sinn hat er sich in den letzten Monaten auch noch beim Versuch eingebracht, \u00f6sterreichweit unter Namen \u201eAufbruch\u201c und dem Slogan \u201eWir k\u00f6nnen uns die Reichen nicht mehr leisten!\u201c eine linke Sammlungsbewegung auf die Beine zu bringen. Den \u00fcblichen Mustern einer Politik von oben, setze er\u00a0 &#8211; in immer wieder neuen Anl\u00e4ufen &#8211;\u00a0 seine Version einer von vielen aktiven GesinnungsgenossInnen getragenen Politik von unten entgegen.<\/p>\n<p>Und sich aus konkreten Anl\u00e4sse zusammen zu tun\u00a0 und sich gemeinsam zu wehren, bestand ja wahrlich Jahr f\u00fcr Jahr mehr und mehr Bedarf. Beginnend mit dem Putsch gegen die linke Regierung in Chile 1973 kam es in den Folgejahren zu einem globalen Siegeszug des neoliberal enthemmten Kapitalismus. Im Westen Europas unterh\u00f6hlte dieser zun\u00e4chst das moderatere Modell des sozialstaatlich abgefederten Kapitalismus und f\u00fchrte um 1990 zum Zusammenbruch des\u00a0 wirtschaftlich wenig effizienten und gesellschaftlich unattraktiven kommunistischen Gegenmodells. Im Interesse der Profitmaximierung einer m\u00e4chtigen Minderheit fanden systematisch betriebene Privatisierungen, Deregulierungen, Abbau von Arbeitnehmerrechten und K\u00fcrzungen staatlicher Transferleistungen\u00a0 Eingang in die\u00a0 Regierungspolitiken aller Staaten. Zahlreiche Versuche die Macht des siegreichen Kapitals in Freihandelvertr\u00e4gen festzuschreiben und weiter auszubauen fanden in eing\u00e4ngigen K\u00fcrzeln ihren drohenden Ausdruck: GATS, MAI, NAFTA, CETA, TISA , TTIP, TIP, EPAs \u2026..<\/p>\n<p><strong>Der n\u00fcchterne Blick<\/strong><\/p>\n<p>Die friedenspolitische Folge dieser aggressiv-kapitalistischen Entwicklung der globalen Wirtschaft und Gesellschaft\u00a0 waren weitreichend: Eine neue Weltunordnung, mehrere vom Westen initiierte Kriegsz\u00fcge gegen nicht f\u00fcgsame Regime im islamisch-arabischen Raum, Revolutionen in mehreren arabischen Staaten, gescheiterte Staaten in Afrika und Asien, nach einem vor\u00fcbergehenden R\u00fcckgang in den 1990er-Jahren ein Allzeit-R\u00fcstungshoch, das Heranschieben der Grenzen der EU und der NATO an die Grenzen Russlands und dessen erwartbare Gegenwehr \u2026.<\/p>\n<p><strong>Hirn und Hand<\/strong><\/p>\n<p>Die nach dem Irakkrieg des Jahres 2003\u00a0 gegr\u00fcndete\u00a0 Steirische Friedensplattform hat viele dieser Konflikte in internen und \u00f6ffentlichen Diskussionen analysiert und ihre Standpunkte durch Flugbl\u00e4tter und Kundgebungen an die \u00d6ffentlichkeit zu bringen versucht. Johann war in all diesen Aktivit\u00e4ten ein wichtiger Motor. Im Sinne des Vorwurfs von Karl Marx an den Ludwig Feuerbach, er und seine Philosophenzunft h\u00e4tten\u00a0 \u201edie Welt nur verschieden <em>interpretiert<\/em>; es komme aber darauf an, sie zu <em>ver\u00e4ndern<\/em>\u201c hat Johann dabei konsequent die theoretische Arbeit an Schreibtisch mit der praktischen politischen Aktivit\u00e4t verbunden.\u00a0 In seiner konsequenten Handlungsorientierung war die h\u00e4ufige Lekt\u00fcre kritischer Medien,\u00a0 die Recherche konkreter Fakten am PC und das Verfassen eines Flugblatttextes gleichwertig mit der Anlieferung der Tonanlage, dem Aufbau des Infostandes und mit dem flugblattverteilenden Zugehen auf die Leute in der Grazer Innenstadt.<\/p>\n<p>Johanns Engagement in Friedensfragen war konkret. Mit uns verstand er Frieden als Frucht von Gerechtigkeit.\u00a0 In manifesten Unrechtsverh\u00e4ltnissen eine oberfl\u00e4chliche Vers\u00f6hnungsrede anzustimmen lag ihm fern. Eine solidarische Parteinahme\u00a0 f\u00fcr die Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt war ihm eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Seine und unsere Positionierungen und Aktivit\u00e4ten waren dann Versuche, die\u00a0 Gegner gewaltt\u00e4tiger Konfliktszenarios durch politische Unterst\u00fctzung der unterdr\u00fcckten Seite und entschiedenen Widerspruch gegen die Unterdr\u00fccker zun\u00e4chst auf Augenh\u00f6he zu bringen. Damit sollte ein Verhandlungsraum f\u00fcr einen dann verhandelbaren Ausgleich der Interessen geschaffen werden. Zentraler Bestandteil dieses Verst\u00e4ndnisses von Friedensarbeit war dabei aber immer, im Prozess der Friedens die Unterdr\u00fccker auch aus ihrer selbstverst\u00fcmmelnden Rolle der \u00dcberm\u00e4chtigen mit zu befreien.<\/p>\n<p><strong>Kein Friede ohne Gerechtigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Und weil die Frage der Gerechtigkeit fast immer jener des Friedens zugrunde und voraus liegt, bestand Johanns Bestreben zun\u00e4chst immer darin, die je spezifischen Zusammenh\u00e4nge zwischen gesellschaftlicher Krise und drohenden oder manifesten Zust\u00e4nden des Unfriedens zu durchschauen. Nicht \u00fcberrascht haben ihn daher die jeweiligen Versuche der herrschenden Eliten, das Bewusstsein der Menschen von den\u00a0 Krisenerscheinungen des kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems durch Ausgrenzungen von Minderheiten und Feindbildproduktionen abzulenken. In gleicher Weise waren ihm die verst\u00e4rkte Verbreitung von angstgetrieben\u00a0 Sicherheitsdoktrinen, die\u00a0 Ingangsetzung einer neuen Welle der Hochr\u00fcstung und des Waffenhandels und die wachsende Desorientierung vieler Menschen durch Konsumismus und zusammenhanglos servierte Informationsh\u00e4ppchen\u00a0 logisch erkl\u00e4rbare Ph\u00e4nomene des prim\u00e4r von den Metropolen des Westens ausgehenden und neoliberal entfesselten Herrschaft des Kapitals. Johann war nicht naiv genug um die global aggressiv-zerst\u00f6rerischen Auswirkungen dieses Systems nicht zu sehen oder sie irgendwelchen mystisch-irrationalen Ursachen zuzuschreiben.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Sorge hat Johann in den letzten 25 Jahren verfolgt, wie die USA und die EU \u00fcber eine neokoloniale Wirtschaftspolitik und mittels der NATO ihre hegemonialen Interessen an die Westgrenze Russlands herangeschoben haben.\u00a0 Die Annexion der Krim durch Russland und der Separations- und B\u00fcrgerkrieg in der Ukraine, w\u00e4ren durch eine kluge, nicht von den Interessen westlicher Wirtschaftskreise gesteuerte Politik vermeidbar gewesen. Eine solch kluge Politik w\u00e4re auf die St\u00e4rkung aller ostmitteleurop\u00e4ischen Staaten in ihrer Br\u00fccken-Funktion zu Russland auszurichten gewesen.<\/p>\n<p><strong>Dauerthema Nahost-Konflikt <\/strong><\/p>\n<p>Mit Johann einig waren wir uns auch in der Einsch\u00e4tzung der Notwendigkeit, im bitteren Dauerkonflikt zwischen Juden und Arabern um das historische Pal\u00e4stina,\u00a0\u00a0 \u00f6ffentlich Stellung zu beziehen. Da wir dies in klarer Kritik an der j\u00fcdisch-nationalistischen Politik Israels und in einer grunds\u00e4tzlichen Solidarit\u00e4t mit dem unterdr\u00fcckten pal\u00e4stinensischen Volk taten, traf uns aus proisraelischen Kreisen wiederholt der Vorwurf des Antisemitismus. Die Gr\u00fcne Akademie Steiermark ging dabei so weit, dass sie es seit zwei Jahren ablehnt, mit der Friedensplattform weitere gemeinsame Veranstaltungen durchzuf\u00fchren. Was unsere KritikerInnen dabei offensichtlich nicht verstanden haben, ist die aus historischer Erfahrung gespeiste hohe Wahrscheinlichkeit,\u00a0 dass Israel l\u00e4ngerfristig mit dieser Politik schweren Schiffbruch erleiden wird und dass die Verantwortung Europas aus dem Massenmord unserer Eltern- und Gro\u00dfelterngeneration an den europ\u00e4ischen Juden, u.a. auch darin besteht, der fortgesetzten ethnozentrische Gro\u00df-Israel-Politik im Interesse der israelischen Juden selbst internationalen politischen Widerstand entgegen zu setzen. V\u00f6llig unakzeptabel erschien und erscheint uns in diesem Zusammenhang etwa Kooperationen des Bundesheeres des neutralen \u00d6sterreich mit einer Armee, die in den besetzten\u00a0 pal\u00e4stinensischen Gebieten seit 50 Jahren eine\u00a0 harte und permanent dem\u00fctigende Besatzung\u00a0\u00a0 aufrechterh\u00e4lt und der v\u00f6lkerrechtlich illegalen Enteignung von Land- und Wasserrechten Vorschub leistet.<\/p>\n<p><strong>Lass Dich nicht t\u00e4uschen von den Eigenen! (Christa Wolf)<\/strong><\/p>\n<p>Wie in diesem Fall adressieren wir unsere\u00a0 friedenspolitischen Forderungen meist an politischen Verantwortungstr\u00e4ger \u00d6sterreichs und Europas.\u00a0 H\u00e4ufig ist ja selbst die Politik\u00a0 unserer politischen Eliten &#8211; sei es aus Vorsatz oder Kurzsichtigkeit &#8211;\u00a0 mitverantwortlich f\u00fcr das, was wenige Flugstunden von hier mit brutaler milit\u00e4rischer Gewalt\u00a0 ausgetragen wird.\u00a0 Dies gilt auch f\u00fcr den aktuellen, von fremden Gro\u00df- und Regionalmachtinteressen \u00fcberlagerten\u00a0\u00a0 B\u00fcrgerkrieg in Syrien. Die vor Jahren in gro\u00dfen St\u00fcckzahlen an das Assad-Regime in Syrien gelieferten Steyr-Mannlicher Sturm- und Scharfsch\u00fctzengewehre werden heute von allen B\u00fcrgerkriegsparteien in Syrien als Mordwerkzeuge eingesetzt. Und gerade weil wir zusammen mit Johann unserer eigenen Verantwortung f\u00fcr das, was innerhalb einer global vernetzten Welt scheinbar weit entfernt geschieht, nicht ausweichen wollen, ist es der Steirische Friedensplattform auch ein gro\u00dfen Anliegen bei dem von mehreren Friedensgruppen in Angriff genommenen Projekt der Erarbeitung eines \u201eR\u00fcstungsatlas \u00d6sterreich\u201c mitzuarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Mehr als eine L\u00fccke <\/strong><\/p>\n<p>Der Tod von Johann ist f\u00fcr die friedenspolitische Arbeit in \u00d6sterreich ein herber Verlust.<\/p>\n<p>Fehlen wird er uns als ein uneitler Mitarbeiter, der bereit war sich der jeweils aktuellen friedenspolitischen Herausforderung unterzuordnen.<\/p>\n<p>In den Konfliktanalysen und Diskussionen werden uns seine\u00a0 aus internationalen Qualit\u00e4tsmedien \u2013 meist aus dem frankophonen Raum &#8211;\u00a0 bezogenen Informationen fehlen. Wie segensreich er gerade darin gewirkt hat, kann ich an mir selbst sehen. Er war es, der mir die regelm\u00e4\u00dfige Lekt\u00fcre der monatlichen deutschen Ausgabe der Zeitschrift \u201eLe monde diplomatique\u201c nahebrachte.<\/p>\n<p>Fehlen\u00a0 werden uns etliche seiner guten Kontakte zu anderen links oder linksliberal gesinnten gesellschaftspolitischen Gruppierungen.<\/p>\n<p>Fehlen wird uns sein k\u00e4mpferisches Bewusstsein.<\/p>\n<p>Fehlen wird uns seine F\u00e4higkeit\u00a0 aus dem Stehgreif\u00a0 eine zehnmin\u00fctige, an Fakten reiche Ansprache zu halten ohne dabei die Grammatik der deutschen Sprache auch nur ein einziges mal zu verletzen.<\/p>\n<p>Fehlen wird er uns als Motivator und Motor, der uns immer wieder hinauszog\u00a0 zu jenen, die immer die Adressaten seiner politischen Bestrebungen waren und ohne die eine von ihm ertr\u00e4umte tiefgreifende gesellschaftliche Umw\u00e4lzung nicht gelingen kann: Die Menschen auf der Stra\u00dfe!<\/p>\n<p><strong>St\u00e4rken und Schw\u00e4chen<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich verl\u00e4sst uns mit Johann Sch\u00f6gler kein fehlerfreier Mensch. \u201eDe mortuis nihil nisi bene!\u201c\u00a0 &#8211; \u00fcber die Toten nur Gutes zu sagen, wie uns der altgriechische Philosoph Chilon nahelegt, das mag bei einem Menschen angebracht sein, der wenig starke Seiten\u00a0 vorzuweisen hatte. Bei einer Pers\u00f6nlichkeit des Kalibers von Johann Sch\u00f6gler ist eine solche Scheu nicht notwendig. Der Umgang mit ihm war nicht immer einfach. Auf dem programmatischen Boden der IV. Internationale\u00a0 stehend, war\u00a0 h\u00e4ufig sein Mangel an Fragen und ein \u00dcberschuss an Antworten auffallend.\u00a0\u00a0 Johanns Politikverst\u00e4ndnis\u00a0 war grunds\u00e4tzlich\u00a0 aktivistisch ausgerichtet. Nachdem ihm als Sp\u00e4tfolge einer 1980 unmittelbar vor seinem Gesicht explodierenden Tr\u00e4nengasgranate der Pariser Polizei im Jahr 2011 ein Auge entfernt werden musste, schien seine politische Umtriebigkeit sich noch einmal zu steigern. Als h\u00e4tte er geahnt, dass seine Zeit bereits knapp bemessen war. Die F\u00e4higkeit innezuhalten, sich auch einmal zur\u00fcckzulehnen, mehr auf seine Befindlichkeit zu achten und auch \u00f6fter \u00fcber ganz Pers\u00f6nliches zu reden,\u00a0 w\u00e4re ihm zu w\u00fcnschen gewesen, schien ihm aber nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>N\u00fcchterne Hoffnung \u00fcber den Tod hinaus<\/strong><\/p>\n<p>Es ist in s\u00e4kularen politischen Bewegungen nicht \u00fcblich das Einzelschicksal \u00fcber den Tod hinaus zu denken. Und doch ist angesichts des Todes auch f\u00fcr nicht religi\u00f6se Menschen die Frage nach dem \u201eWas dann? naheliegend. Johanns Weltbild war materialistisch und atheistisch gepr\u00e4gt. Vorstellungen einer Seelenwanderung oder einer Auferstehung lehnte sein logisch\u00a0 n\u00fcchterner Verstand ab. Und doch gibt es eine Antwort, mit der er sich wahrscheinlich h\u00e4tte anfreunden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Antwort l\u00e4sst sich ableiten aus einem Gedicht des sowjetischen Dichters Jewgenij Jewtuschenko:<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn ein Mensch stirbt, dann stirbt mit ihm sein erster Schnee<br \/>\nund sein erster Kuss und sein erster Kampf&#8230; all das nimmt er mit sich.\u201c<\/p>\n<p>Intensive menschliche Erfahrungen also l\u00e4sst der sterbende Mensch nicht einfach zur\u00fcck,\u00a0 sondern &#8211; so der Dichter &#8211; \u201eer nimmt es mit sich\u201c \u2026. \u00a0\u00a0Ist es da vermessen anzunehmen, dass auch eine starke Hingabe an eine\u00a0 gef\u00fchlte politische Berufung energetische Potenzen schafft, die analog zum Newton&#8217;schen Gesetz von der Unzerst\u00f6rbarkeit von Energie nicht mehr ins Nichts fallen k\u00f6nnen?\u00a0 F\u00e4llt der K\u00f6rper mit dem Tod eines Menschen als Basis der Ich-Zentrierung weg, so d\u00e4mmern diese Energien hinein in ein pulsierendes Sein, dass sich st\u00e4ndig in Billiarden und Aberbilliarden von Formen neu als konkretes Leben hervortreibt. Ich halte es f\u00fcr einen vor jeder aufgekl\u00e4rten Vernunft verantwortbaren Trost, darauf hoffen zu d\u00fcrfen, dass Johanns kraftvolles Streben nach Solidarit\u00e4t, Gerechtigkeit, Freiheit und einem Frieden jenseits aller notwendig zu f\u00fchrenden\u00a0 Konflikte, irgendwie immer noch ist, gewandelt immer noch da ist.<\/p>\n<p>Uns, seinen alternativ und\u00a0 politisch links gesinnten Mitaktivistinnen hat Johann ein Verm\u00e4chtnis hinterlassen. In der Entschlossenheit seines politischen Wollens und in seiner Aktionskraft werden wir ihm nicht entsprechen k\u00f6nnen. Diese Einschr\u00e4nkung soll uns aber nicht daran hindern, uns nach diesem schmerzhaften Abschied wieder auf\u00a0 einen gemeinsamen Weg der Hoffnung zu machen: Zur Sonne! Zur Freiheit!<\/p>\n<p>Franz S\u00f6lkner<\/p>\n<p>Thal, am 05. 11. 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in den letzten Jahrzehnten sich im Raum Graz politisch im Zusammenhang der Themen Demokratie, Frieden, Menschenrechte, globale soziale Gerechtigkeit, ArbeitnehmerInnenrechte und \u00f6kologische Nachhaltigkeit\u00a0 engagiert hat, deren oder dessen Wege mussten sich \u00fcber kurz oder lang unvermeidlich mit jenen von Johann Sch\u00f6gler kreuzen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4123","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4123"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4145,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4123\/revisions\/4145"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}