{"id":4170,"date":"2017-03-24T14:48:39","date_gmt":"2017-03-24T14:48:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4170"},"modified":"2017-03-24T14:48:39","modified_gmt":"2017-03-24T14:48:39","slug":"arnold-hottinger-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4170","title":{"rendered":"Arnold Hottinger"},"content":{"rendered":"<h2>Failed States Teil 3<\/h2>\n<h3>JEMEN<!--more--><\/h3>\n<div class=\"panel-pane pane-summary\">Die Region von Libyen bis Pakistan und von Somalia bis zum Irak zeigt vergleichbare Erscheinungen des Niedergangs. \u2013 Ein zeitgeschichtlicher \u00dcberblick in sechs Teilen.<\/div>\n<div class=\"panel-pane pane-entity-field pane-node-body\">\n<p>Die Teile 1 und 2 dieser Serie behandelten generelle Ursachen staatlichen Scheiterns in Nahost und zeigten dessen Erscheinungsformen an den Beispielen Somalia und Afghanistan.<\/p>\n<p><strong>JEMEN<\/strong><\/p>\n<p>Im Jemen ist der Staatszerfall gegenw\u00e4rtig im vollen Gang. Er begann 2012 mit dem Sturz des langj\u00e4hrigen Machthabers und fr\u00fcheren Offiziers, Ali Abdullah Saleh. Der Pr\u00e4sident musste nach 32j\u00e4hriger Herrschaft unter dem doppelten Druck eines Volksaufstands und der Aussenm\u00e4chte am Golf einschliesslich Saudi-Arabiens seine Position aufgeben. Doch er konnte in der Hauptstadt verbleiben und behielt seine Stellung als Vorsitzender seiner bisherigen Staatspartei.<\/p>\n<p>Der beschlossene \u00dcbergang zu einer Demokratie sollte von den Golfstaaten und der Uno gelenkt werden. Doch im Verlauf dieses Prozesses spaltete sich die jemenitische Armee. Ein Teil blieb gegen\u00fcber dem alten Pr\u00e4sidenten und seinem Sohn loyal, ein anderer hing Abdrabbo Mansour al-Hadi an, dem neuen von der Uno bestimmten und vom Volk gew\u00e4hlten \u00dcbergangspr\u00e4sidenten. Al-Hadi hatte zuvor als Vizepr\u00e4sident des fr\u00fcheren Machthabers Saleh gedient.<\/p>\n<p>Dem abgesetzten Pr\u00e4sidenten gelang es, Verb\u00fcndete zu finden, die sich \u2013 wie er selbst \u2013 durch den \u00dcbergangsprozess benachteiligt sahen. Dies war die zaiditische Huthi-Bewegung, fr\u00fchere Feinde, die der Pr\u00e4sident von 2004 bis 2010 in mehreren Kriegen bitter bek\u00e4mpft hatte. In Zusammenarbeit mit den Armeeeinheiten, die den Weisungen des abgesetzten Staatschefs gehorchten, konnten die Huthis im September 2014 \u00fcberraschend schnell die jemenitische Hauptstadt erobern und dann ihre Macht bis nach Aden ausdehnen. \u00dcbergangspr\u00e4sident al-Hadi und seine Regierung mussten fliehen, zuerst nach Aden, dann nach Riad in Saudi-Arabien.<\/p>\n<p><strong>Bomben f\u00fcr Wiedereinsetzung al-Hadis<\/strong><\/p>\n<p>Darauf griffen die \u00e4usseren M\u00e4chte ein. Saudi-Arabien beschloss Ende M\u00e4rz 2015 Jemen solange zu bombardieren, bis die Huthis und der fr\u00fchere Pr\u00e4sident aus Sanaa weichen m\u00fcssten und al-Hadi wieder eingesetzt werde. Die Unterst\u00fctzung, welche die Huthis angeblich aus Iran erhielten, diente Saudi-Arabien als Rechtfertigung f\u00fcr diesen Schritt.<\/p>\n<p>Die Amerikaner und Engl\u00e4nder verkauften den Saudis Bomben und Waffen f\u00fcr Milliarden und erkl\u00e4rten al-Hadi zum rechtm\u00e4ssigen Pr\u00e4sidenten, den es wieder einzusetzen gelte. Die Uno versuchte krampfhaft, den Staat Jemen zu retten, indem sie eine Vers\u00f6hnung der beiden feindlichen Kr\u00e4fte anstrebte. Doch ohne Erfolg. Riad und al-Hadi beharrten auf ihrem Standpunkt, wonach die Huthis die Hauptstadt verlassen und ihre schweren Waffen abliefern m\u00fcssten. Die Huthis erkl\u00e4rten sich mit Unterst\u00fczung durch den ehemaligen Pr\u00e4sidenten bereit, dies zu tun. Sie stellten jedoch die Bedingung, es m\u00fcsse zuvor zwischen ihnen und den Kr\u00e4ften al-Hadis eine \u00dcbereinkunft \u00fcber das Gesicht des zuk\u00fcnftigen Staates ausgehandelt werden.<\/p>\n<p><strong>Nord-S\u00fcd-Spaltung<\/strong><\/p>\n<p>Saudische und mit dem K\u00f6nigreich und al-Hadi verb\u00fcndete jemenitische Landtruppen wurden eingesetzt, um gegen die Huthis zu k\u00e4mpfen. Sie konnten die s\u00fcdjemenitischen Provinzen mit der Hafenstadt Aden von den Huthis befreien, weil die dortige lokale Bev\u00f6lkerung die Kr\u00e4fte al-Hadis unterst\u00fctzte. Die S\u00fcdjemeniten sind Sunniten und \u00fcberwiegend Bef\u00fcrworter einer s\u00fcdjemenetischen Autonomie oder gar einer vollen Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Doch bisher konnten die Huthis mit den Armeeteilen, die weiter Ex-Pr\u00e4sident Saleh gehorchen, die Hauptstadt und die meisten der bewohnten Teile Jemens ausserhalb der S\u00fcdprovinzen gegen al-Hadi halten. Das hatte zur Folge, dass die Saudis und deren Verb\u00fcndete, prim\u00e4r die Golfstaaten, ihre seit Ende M\u00e4rz 2015 andauernden Bombardierungen Jemens unentwegt fortsetzen.<\/p>\n<p><strong>Wachsende Not der Zivilbev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Saudi-Arabien und seine Verb\u00fcndeten unterziehen das Land auch einem Boykott zur See mit der Begr\u00fcndung, sie wollten Waffenimporte f\u00fcr die Huthis aus Iran verhindern. Boykott und Bombardierung der Infrastrukturen und St\u00e4dte haben die Wirtschaft Jemens zu Grunde gerichtet und das Land an den Rand einer Hungersnot gef\u00fchrt. Nach Uno-Sch\u00e4tzungen bed\u00fcrfen 80 Prozent der Jemeniten der Unterst\u00fctzung f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Unterkunft oder anderer Grundbed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p>Am kritischsten sind die Unterern\u00e4hrung der Kleinkinder und die Zerst\u00f6rung der medizinischen Versorgung. Es gibt etwa drei Millionen aus ihren H\u00e4usern Vertriebener, bei einer Gesamtbev\u00f6lkerung von rund 21,5 Millionen. Fast die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung ist f\u00fcr ihre Ern\u00e4hrung und medizinische Versorgung auf Hilfe der Aussenwelt angewiesen. Doch die Einfuhr und Verteilung der Hilfsg\u00fcter sind wegen der Kriegshandlungen, des Boykotts zur See und der Bombardierungen extrem erschwert.<\/p>\n<p>Laut internationalen Hilfsorganisationen wurden im vergangenen Oktober die Hilfsmassnahmen auf vier Millionen Personen ausgedehnt. Doch nach ihren Sch\u00e4tzungen w\u00e4ren gegen 16 Millionen hilfsbed\u00fcrftig. Gegen sieben Millionen wissen nicht, woher ihre n\u00e4chste Mahlzeit kommen soll. Die doppelte Zahl gilt als ungen\u00fcgend versorgt (\u201efood insecure\u201c). Hungersnot ist f\u00fcr das kommende Jahr zu erwarten.<\/p>\n<p>Die Huthis, zusammen mit dem Ex-Pr\u00e4sidenten, haben eine provisorische Regierung in Sanaa eingerichtet. Die Gegenregierung, international anerkannt aber abwesend, befindet sich meist in Riad. Die Hafenstadt Aden ist offiziell in ihrem Besitz, ist aber zu unsicher, um Minister und Staatschef zu beherbergen. Die Gegenregierung sucht durch die Bomben zur Macht zu kommen. Sie versucht dies nun schon seit fast zwei Jahren, vergeblich. Doch die stetigen Bombardierungen und K\u00e4mpfe schw\u00e4chen das ohnehin improvisierte Huthi-Saleh-Regime.<\/p>\n<p><strong>Die Jihadisten in Wartestellung<\/strong><\/p>\n<p>Al-Kaida und der IS befinden sich im Lande und sind in Wartestellung. Beide f\u00fchren Bombenanschl\u00e4ge durch, um ihre Pr\u00e4senz zu zeigen und um einander wom\u00f6glich auszustechen. Al-Kaida verf\u00fcgt \u00fcber R\u00fcckzugsgebiete in den W\u00fcsten Ostjemens, wo auch Verbindungen zu den lokalen St\u00e4mmen bestehen. Der IS hingegen existiert quasi unterirdisch in versteckten Wohnungen (\u201esafe houses\u201c), von denen aus er seine Bombenanschl\u00e4ge vorbereitet. Al-Kaida richtet ihre Schl\u00e4ge gegen Armee und Polizei. Der IS wiederum geht r\u00fccksichtslos auf maximale Opferzahlen aus. Moscheen der Zaiditen sind f\u00fcr ihn bevorzugte Bombenziele.<\/p>\n<p>Die Amerikaner bek\u00e4mpfen Al-Kaida unter Zustimmung der al-Hadi Exilregierung mit Drohnen. Dabei besteht stets die Gefahr, dass diese Attacken, denen auch Zivilisten zum Opfer fallen, den Amerikanern weitere Feinde schaffen. Je l\u00e4nger die Bombenangriffe andauern, die den Staat, beziehungsweise seine noch bestehenden \u00dcberreste zerst\u00f6ren, desto mehr wachsen die Chancen der beiden einander feindlichen Jihadisten-Gruppierungen in dem durch K\u00e4mpfe, Bomben und Hunger verheerten Land.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Failed States Teil 3 JEMEN<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4170","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4170","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4170"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4170\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4171,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4170\/revisions\/4171"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}