{"id":4190,"date":"2017-06-06T20:03:21","date_gmt":"2017-06-06T20:03:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4190"},"modified":"2017-06-06T20:03:21","modified_gmt":"2017-06-06T20:03:21","slug":"der-weg-in-den-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4190","title":{"rendered":"Der Weg in den Krieg"},"content":{"rendered":"<h3>Vor 50 Jahren endete die dritte bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn mit einem \u00fcberw\u00e4ltigenden Sieg des \u00adzionistischen Staates<\/h3>\n<address>Von Knut Mellenthin<\/address>\n<div class=\"Content\">\n<div class=\"ImageBox Large\">\n<table summary=\"Designtabelle\" width=\"700\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"img95654\" class=\"\" src=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/img\/700\/95654.jpg\" alt=\"asdasfasfas.jpg\" width=\"260\" height=\"152\" \/><\/p>\n<div class=\"Title\">Der Streit um Ostjerusalem, das die Pal\u00e4stinenser als k\u00fcnftige Hauptstadt eines eigenen Staates beanspruchen, h\u00e4lt bis heute an \u2013 Der israelische Verteidigungsminister Moshe Dayan (Mitte, mit Augenbinde), Generalstabschef Jitzchak Rabin (rechts davon) und weitere Gener\u00e4le am 7. Juni 1967 in der eroberten Altstadt Jerusalems<\/div>\n<div class=\"Copyright\">Foto: ILAN BRUNER\/GPO\/Wikimedia Commons<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<div id=\"Infobox\" class=\"Infobox Narrow\">\n<p>Knut Mellenthin schrieb an dieser Stelle zuletzt am 3.5.2017 \u00fcber die Au\u00dfenpolitik Donald Trumps nach den ersten hundert Tagen im Amt als US-Pr\u00e4sident<\/p>\n<\/div>\n<p>Am Vormittag des 5. Juni 1967 erfuhr die Welt aus Israel:<\/p><\/div>\n<div class=\"Content\"><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div class=\"Content\">\u00bbSeit dem heutigen fr\u00fchen Morgen finden an der S\u00fcdfront heftige K\u00e4mpfe zwischen \u00e4gyptischen Panzer- und Luftstreitkr\u00e4ften, die sich gegen Israel in Bewegung gesetzt haben, und unseren Streitkr\u00e4ften statt, die Ma\u00dfnahmen zur Abwehr ergriffen.\u00abDie meisten westlichen Medien reagierten mit Ersch\u00fctterung und riefen ihre Regierungen zu tatkr\u00e4ftiger Hilfe auf, um den bedr\u00e4ngten j\u00fcdischen Staat vor der Vernichtung durch die arabische \u00dcbermacht zu bewahren. Aber die Meldung aus Jerusalem war eine Propagandal\u00fcge: Israel hatte um 7.45 Uhr (Ortszeit) den Krieg mit verheerenden Luftangriffen gegen \u00c4gyptens Milit\u00e4r- und Zivilflugh\u00e4fen er\u00f6ffnet, ohne dass \u00e4gyptische Milit\u00e4raktionen vorausgegangen waren. Von den 245 Kampfflugzeugen, die \u00c4gypten w\u00e4hrend des sechst\u00e4gigen Krieges verlor, wurden 240 gleich am ersten Tag zerst\u00f6rt, die meisten noch am Boden. Die \u00e4gyptische Luftwaffe, die st\u00e4rkste in der gesamten arabischen Welt, wurde in den ersten neun Stunden des israelischen Angriffs praktisch vollst\u00e4ndig ausgeschaltet. Die so gewonnene Luft\u00fcberlegenheit war eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr das rasche Vorr\u00fccken der israelischen Panzertruppen auf der Sinaihalbinsel, deren Landschaft kaum nat\u00fcrliche Deckung bot.<\/p>\n<p>Am Mittag desselben Tages griffen israelische Kampfflugzeuge die Luftwaffenst\u00fctzpunkte in den mit \u00c4gypten verb\u00fcndeten Staaten Syrien und Jordanien an. Auch dort schienen sie auf einen \u00fcberraschten, unvorbereiteten Gegner zu treffen: Syrien verlor am 5. Juni 45 seiner 142 besten Kampfflugzeuge am Boden, Jordanien 18 von 22.<\/p>\n<h3>Gro\u00dfe Gel\u00e4ndegewinne<\/h3>\n<p>Der Krieg Israels gegen \u00c4gypten endete am 9.\u00a0Juni. Schon einen Tag zuvor hatte die \u00e4gyptische Regierung, deren Streitkr\u00e4fte schwer angeschlagen und desorganisiert waren, einen von der UNO vorgeschlagenen Waffenstillstand akzeptiert. Aber die israelische Milit\u00e4rf\u00fchrung lie\u00df den Vormarsch fortsetzen, um ihre Positionen zu verbessern. Bei Kriegsende stand die Armee in ganzer Breite am Suezkanal. Einem Teil der \u00e4gyptischen Truppen auf der Sinaihalbinsel war durch die raschen israelischen Panzervorst\u00f6\u00dfe der R\u00fcckweg abgeschnitten worden. W\u00e4hrend des Junikrieges wurden etwa 10.000 \u00e4gyptische Soldaten get\u00f6tet und 20.000 verletzt. Israels Verluste an dieser Front waren sehr viel geringer: 275\u00a0Tote, 800 Verletzte.<\/p>\n<p>Israels Feldzug gegen Jordanien endete am Abend des 7. Juni. Das ganze Gebiet westlich des Jordans einschlie\u00dflich Ostjerusalems mit der Altstadt war nun unter israelischer Kontrolle. Jordanien verlor nach eigenen Angaben rund 6.000\u00a0Mann. Israels Verluste: 550 Tote, 2.500\u00a0Verletzte. Die zahlenm\u00e4\u00dfig nicht sehr gro\u00dfe, von britischen Kolonialoffizieren aufgebaute jordanische Armee galt damals als bestger\u00fcstete und bestausgebildete aller arabischen Staaten. Sie verf\u00fcgte im Gegensatz zu \u00c4gypten und Syrien \u00fcber moderne westliche Waffen, wie auch Israel sie hatte.<\/p>\n<p>Israel hatte zwar schon am ersten Kriegstag der syrischen Luftwaffe schwere Verluste zugef\u00fcgt, danach aber an der Nordfront zun\u00e4chst Ruhe gehalten. Das Land hatte nicht genug Soldaten, um gleichzeitig an drei Fronten einen offensiven Bewegungskrieg zu f\u00fchren. Die syrischen Streitkr\u00e4fte ihrerseits unternahmen, abgesehen vom Beschuss grenznaher israelischer D\u00f6rfer, nichts, um \u00c4gypten und Jordanien milit\u00e4risch zu entlasten. Erst am Morgen des 9. Juni, also des f\u00fcnften Kriegstages, griff Israel an der von den Syrern stark befestigten Golan-Front an, nachdem die \u00c4gypter praktisch aus dem Krieg ausgeschieden waren. Am Abend des 10. Juni wurde ein Waffenstillstand geschlossen, der die israelischen Truppen allerdings nicht daran hinderte, an den folgenden zwei Tagen ihre Positionen noch etwas zu verbessern. Insgesamt war ihr Gel\u00e4ndegewinn an dieser Front mit 1.200 Quadratkilometern gering \u2013 kaum mehr als ein F\u00fcnftel des in diesem Krieg eroberten Westjordanlandes. Ein bedeutender Vorteil f\u00fcr Israel war aber, dass es durch die Besetzung der Golanh\u00f6hen und eines Teils des Hermon-Bergmassivs seine Kontrolle \u00fcber die Ursprungsfl\u00fcsse des Jordan verbessern konnte. Der arabisch-israelische Streit um das von dort kommende Wasser hatte in den Jahren vor 1967 eine wichtige Rolle gespielt.<\/p>\n<p>Noch heute behauptet die offizielle israelische Geschichtsschreibung, der Staat Israel sei durch seine Nachbarn von Vernichtung bedroht gewesen und habe deshalb einen Krieg der Selbstverteidigung f\u00fchren m\u00fcssen. Der Untergang drohte dem j\u00fcdischen Staat 1967 aber ganz sicher nicht, nicht einmal eine milit\u00e4rische Niederlage. Kein arabischer Soldat betrat w\u00e4hrend dieses Krieges israelischen Boden. Selbst rein quantitativ betrachtet war Israel nur auf der Sinaihalbinsel unterlegen, w\u00e4hrend es an den Fronten gegen Syrien und Jordanien sogar zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegen war. Dazu trug bei, dass Israel nicht gezwungen war, gleichzeitig an allen drei Fronten Krieg zu f\u00fchren, und dass es die F\u00e4higkeit hatte, seine Truppen sehr schnell zu verlegen.<\/p>\n<p>Vier arabische Staaten mit einer Bev\u00f6lkerung von insgesamt 41,7 Millionen Menschen \u2013 \u00c4gypten, Syrien, Jordanien und Irak \u2013 hatten zusammen nicht einmal doppelt so viele Soldaten zur Verf\u00fcgung wie Israel mit seinen damals etwa 2,5\u00a0Millionen Menschen: 395.000 Mann die einen, 275.000 die anderen. F\u00fcr L\u00e4nder, deren Politiker st\u00e4ndig damit prahlten, Israel \u00bbverschlingen\u00ab und \u00bbausl\u00f6schen\u00ab zu wollen, war der tats\u00e4chliche arabische Militarisierungs- und Mobilisierungszustand erstaunlich niedrig. Au\u00dferdem hatte \u00c4gypten einen betr\u00e4chtlichen Teil seiner Streitkr\u00e4fte, zeitweise bis zu 70.000 Mann, im Jemen stationiert. Sie k\u00e4mpften dort seit 1962 an der Seite der Republikaner gegen die von Saudi-Arabien bewaffneten und finanzierten Anh\u00e4nger des gest\u00fcrzten K\u00f6nigs. \u00c4gypten beendete seine Intervention erst aufgrund des Junikrieges 1967.<\/p>\n<h3>Vorprogrammierter Konflikt<\/h3>\n<p>Dem israelischen \u00dcberfall am 5. Juni war eine dreiw\u00f6chige Krise vorausgegangen, die vordergr\u00fcndig betrachtet vor allem durch mehrere Schritte des \u00e4gyptischen Staatschefs Gamal Abdel Nasser ausgel\u00f6st und versch\u00e4rft worden war. Zum besseren Verst\u00e4ndnis ein kurzer R\u00fcckblick auf die vorangegangene Entwicklung des israelisch-arabischen Konflikts.<\/p>\n<p>Am 29. November 1947 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit 33 gegen 13 Stimmen bei zehn Enthaltungen dem Vorschlag einer Kommission zu, das britische Mandatsgebiet Pal\u00e4stina in einen Staat f\u00fcr Araber und einen Staat f\u00fcr Juden aufzuteilen. Die Resolution enthielt eine genaue Beschreibung der Grenzen zwischen beiden Territorien. Daraus ergab sich, dass der j\u00fcdische Staat rund 54 Prozent des Gebiets einnehmen sollte, obwohl zu diesem Zeitpunkt nur etwa ein Drittel der Einwohner Juden waren. Diese offensichtlich ungerechte Aufteilung wurde damit begr\u00fcndet, dass der j\u00fcdische Staat eine \u00bbReserve\u00ab brauche, um mehr \u00dcberlebende des Holocaust aus Osteuropa aufnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dem Teilungsvorschlag zufolge sollten beide Staaten jeweils aus drei separaten Gebieten bestehen, die so ineinander verkeilt waren, dass die Verbindungswege immer nur \u00fcber das Gebiet des anderen Staates f\u00fchrten. Das h\u00e4tte ein Maximum an gutem Willen auf beiden Seiten vorausgesetzt, um zu funktionieren. In der sehr angespannten realen Situation stellte dieser Plan praktisch eine Aufforderung zur schnellen Kl\u00e4rung der Verh\u00e4ltnisse durch Krieg dar.<\/p>\n<div class=\"row Anzeige Ad-700\"><\/div>\n<p>Der zionistischen Lesart zufolge wurde der erste arabisch-israelische Krieg durch den Angriff der Streitkr\u00e4fte mehrerer arabischer Staaten am 15. Mai 1948 ausgel\u00f6st. In Wirklichkeit begann er aber unmittelbar nach der Verabschiedung der UN-Resolution im November 1947. Anfang April 1948 hatten die Zionisten so weit die Oberhand gewonnen, dass sie zur Offensive \u00fcbergehen konnten und bis zur Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung am 14. Mai weitgehend die im Teilungsplan vorgesehenen Linien erreichten. Zum Zeitpunkt des ersten Waffenstillstands am 7. Juni 1948 konnten die israelischen Streitkr\u00e4fte melden, dass mit Ausnahme der Negevw\u00fcste das gesamte Gebiet, das die UNO f\u00fcr den j\u00fcdischen Staat vorgeschlagen hatte, fest unter Kontrolle war. Die Fortf\u00fchrung des Krieges bis in den M\u00e4rz 1949 hinein diente nur noch der Erweiterung des Territoriums.<\/p>\n<p>Israel dehnte sich nunmehr weit \u00fcber die im UN-Teilungsbeschluss vorgesehenen Linien hinaus aus, so dass es 78 Prozent des fr\u00fcheren Mandatsgebiets einnahm. Von 1,2 Millionen Arabern, die vor dem Krieg in Pal\u00e4stina gelebt hatten, waren ungef\u00e4hr 700.000 gefl\u00fcchtet oder vertrieben worden. Im vergr\u00f6\u00dferten Gebiet Israels waren nur noch etwa 100.000 Araber zur\u00fcckgeblieben, die auf absehbare Zeit keine \u00bbdemographische Gefahr\u00ab darstellten. Israel weigerte sich trotz mehrerer UN-Resolutionen, auf die Linien des UN-Teilungsvorschlags zur\u00fcckzugehen und die R\u00fcckkehr der Fl\u00fcchtlinge zu erlauben.<\/p>\n<p>Nicht zustande kam auch der von der UNO vorgeschlagene pal\u00e4stinensische Staat. Das jordanische Regime annektierte das Land westlich des Jordans, soweit es nicht von Israel erobert worden war. Nur zu diesem Zweck hatte sich das eng mit Gro\u00dfbritannien verbundene K\u00f6nigreich \u00fcberhaupt an dem Krieg beteiligt. \u00c4gypten unterstellte den Gazastreifen seiner Verwaltung, betrachtete ihn aber offiziell nicht als Teil seines Territoriums. In den folgenden Jahren verfestigten sich die Waffenstillstandslinien von 1949. Sp\u00e4testens seit dem Junikrieg halten die meisten Staaten der Welt diese Linien f\u00fcr Israels legitime Grenzen, im Gegensatz zu den 1967 besetzten Gebieten.<\/p>\n<h3>Suezkrise<\/h3>\n<p>Am 26. Juli 1956 gab Nasser die Nationalisierung des Suezkanals bekannt, der bis dahin der Kontrolle durch eine britisch gef\u00fchrte Gesellschaft unterstanden hatte. Das brachte \u00c4gypten in einen schweren Konflikt mit Gro\u00dfbritannien und Frankreich. Israel nutzte die Gunst der Stunde und verabredete mit den beiden Regierungen einen gemeinsamen Angriff, der am 29. Oktober 1956 begann. Das Kriegsziel bestand darin, das nationalistische Idol Nasser zu st\u00fcrzen oder sein Ansehen im eigenen Land und in der arabischen Welt zumindest schwer zu besch\u00e4digen. Der israelischen F\u00fchrung ging es au\u00dferdem darum, ihre Zusammenarbeit mit den beiden westlichen Gro\u00dfm\u00e4chten auf milit\u00e4rischem Gebiet, einschlie\u00dflich der Entwicklung eigener Atomwaffen, zu festigen. Nebenbei hoffte Israel, den Gazastreifen zu annektieren, der Ausgangspunkt pal\u00e4stinensischer \u00dcberf\u00e4lle war.<\/p>\n<p>Am 6. November 1956 wurden alle K\u00e4mpfe eingestellt, nachdem \u00c4gypten einem Waffenstillstand mit Israel zugestimmt hatte. Die schnelle Beendigung des Krieges war darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass sich nicht nur die Sowjetunion, sondern auch die USA massiv gegen den Angriff aussprachen. Die israelischen Streitkr\u00e4fte, die bis zum Suezkanal vorgedrungen waren, mussten alle eroberten Gebiete r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Die Lage blieb auch in den folgenden Jahren instabil. Die pal\u00e4stinensischen Kommandoaktionen gegen Israel gingen weiter. Aber w\u00e4hrend in den 1950er Jahren vor allem \u00c4gypten der Ausgangspunkt solcher \u00dcberf\u00e4lle gewesen war, verschob sich in den 1960er Jahren der Schwerpunkt nach Syrien und Jordanien. Nachdem die Arabische Liga im Januar 1964 die Gr\u00fcndung der Palestine Liberation Organization (Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation, PLO) veranlasst hatte, steigerte sich ab 1965 die Zahl der Aktionen und das Ausma\u00df der israelischen Reaktionen. Zwei Zwischenf\u00e4lle spielten im Vorfeld des Junikrieges eine besondere Rolle.<\/p>\n<p>Der erste: In der Nacht des 11. Novembers 1966 wurden drei israelische Soldaten get\u00f6tet, als ihr Fahrzeug nahe der jordanischen Grenze auf eine Mine auffuhr. Israel konzentrierte daraufhin rund 4.000 Soldaten, von denen die meisten als Flankenschutz und Reserve dienten, w\u00e4hrend 600 Mann am 13. November mit elf Panzern nach Jordanien eindrangen und dort das Dorf Samu vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rten. Das Ziel der \u00bbStrafexpedition\u00ab war willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt. Es war nicht einmal sicher, ob die Gruppe, die die Minen verlegt hatte, \u00fcberhaupt aus Jordanien gekommen war.<\/p>\n<p>Der zweite: An der syrisch-israelischen Grenze waren nach dem Waffenstillstand 1949 drei entmilitarisierte Zonen errichtet worden. Die israelischen Streitkr\u00e4fte f\u00fchrten dort regelm\u00e4\u00dfig \u00bbLandarbeiten\u00ab mit gepanzerten Traktoren durch, die syrisches Gewehrfeuer auf sich zogen, und antworteten dann mit \u00bbVergeltungsaktionen\u00ab. Bei einem solchen Vorfall warf die israelische Luftwaffe am 7. April 1967 mehrere schwere Bomben auf syrische Milit\u00e4rstellungen ab und zerst\u00f6rte au\u00dferdem ein Dorf. Es kam zu einem Luftkampf zwischen syrischen MiG-21 und israelischen \u00bbMirage III\u00ab, bei dem die Israelis ohne eigene Verluste sechs syrische Maschinen abschossen.<\/p>\n<p>Die rund drei Wochen andauernde Krise, die schlie\u00dflich zum Junikrieg f\u00fchrte, begann am 13.\u00a0Mai 1967 mit einer sowjetischen Warnung an die \u00c4gypter. Ihr Inhalt: Israel konzentriere an seiner Nordgrenze ein Dutzend Brigaden, zusammen 30.000 bis 40.000 Mann, f\u00fcr eine ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe Operation gegen Syrien. Tats\u00e4chliche oder angenommene Kenntnis \u00fcber einen solchen Vorgang konnte die sowjetische Regierung nur durch Aufkl\u00e4rer in Israel erhalten haben. Dabei kann die M\u00f6glichkeit einer bewussten T\u00e4uschung durch israelische Stellen mit dem Ziel, Nasser zu Reaktionen zu provozieren, nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<h3>\u00c4gyptens Reaktion<\/h3>\n<p>Nach den grenz\u00fcberschreitenden Aktionen der Israelis am 13. November 1966 und am 7. April 1967 hielt der \u00e4gyptische Staatschef die Mitteilung aus Moskau zumindest f\u00fcr plausibel. Diese Einsch\u00e4tzung wurde zudem durch kriegerische \u00c4u\u00dferungen und Signale aus Jerusalem unterst\u00fctzt. Ein Pakt zwischen Kairo und Damaskus, der am 4. November 1966 geschlossen worden war, verpflichtete \u00c4gypten im Fall eines israelischen Angriffs auf Syrien zum milit\u00e4rischen Beistand. Au\u00dferdem war Nasser, der st\u00e4ndig andere arabische Politiker als Feiglinge verh\u00f6hnte, ein Gefangener seiner eigenen Rhetorik. Die Ma\u00dfnahmen, die er aufgrund der sowjetischen Warnung veranlasste, dienten aus seiner Sicht vermutlich dazu, an Israels S\u00fcdgrenze ein Drohpotential aufzubauen, um die israelischen Streitkr\u00e4fte mit dem Risiko eines Zweifrontenkrieges zu konfrontieren und sie von einem Angriff auf Syrien abzuhalten.<\/p>\n<p>Am 14. Mai gab Nasser die Entsendung schwerbewaffneter \u00e4gyptischer Verb\u00e4nde auf die Sinaihalbinsel bekannt. Das Gebiet galt aufgrund der Vereinbarungen nach dem Krieg von 1956 als entmilitarisiert. Der \u00e4gyptische Staatschef hatte allerdings im Februar 1960 in einer \u00e4hnlichen Situation schon einmal Truppen mit rund 500 Panzern in den Norden der Halbinsel geschickt. Damals mit dem Erfolg, dass sich die Situation an der israelisch-syrischen Grenze entspannte.<\/p>\n<p>Am 16. Mai lie\u00df Nasser den Kommandeur der United Nations Emergency Force (UNEF) auffordern, seine Truppen \u00bbzu ihrer eigenen Sicherheit\u00ab unverz\u00fcglich abzuziehen. Die UNEF, deren Personalst\u00e4rke zwischen 3.400 und 6.000 Mann schwankte, war nach dem Krieg von 1956 in der N\u00e4he der Grenze zu Israel, aber ausschlie\u00dflich auf \u00e4gyptischem Boden, stationiert worden. Die israelische Regierung hatte es abgelehnt, UN-Truppen auf ihrem Territorium zuzulassen. Der Abzug begann am 19. Mai, war aber so langwierig, dass sich bei Kriegsbeginn immer noch Blauhelm-Soldaten im Grenzgebiet befanden und in israelische Gefangenschaft gerieten.<\/p>\n<p>Am 22. Mai gab Nasser seine schwerwiegendste Entscheidung bekannt: Vom folgenden Tag an werde die Seestra\u00dfe von Tiran f\u00fcr die gesamte israelische Schiffahrt, aber auch f\u00fcr Frachter anderer Staaten mit \u00bbstrategischem Material\u00ab gesperrt. Auf diesem Weg erreichten ungef\u00e4hr 15\u00a0Prozent der gesamten israelischen Einfuhr und 90 Prozent seiner \u00d6limporte den Hafen Eilat. Die juristische Lage war widerspr\u00fcchlich: Zwar ist die gesamte Meerenge von Tiran eindeutig \u00e4gyptisches Territorium. Nach internationalem Recht ist \u00c4gypten aber verpflichtet, in Friedenszeiten die Schiffahrt anderer Staaten zuzulassen. Nasser berief sich deshalb darauf, dass sein Land sich, da 1949 nur ein Waffenstillstand vereinbart worden war, mit Israel immer noch im Krieg befinde.<\/p>\n<p>Praktisch gab es indessen gar keine Behinderung der Schiffahrt. Auch Nassers Behauptung, seine Marine habe die Seestra\u00dfe vermint, war nur ein Bluff. Das war wahrscheinlich durch Satellitenaufnahmen bekannt. Es spielte aber vor dem Hintergrund seiner aggressiven Rhetorik in der internationalen Wahrnehmung keine Rolle.<\/p>\n<h3>US-Unterst\u00fctzung<\/h3>\n<p>Am 23. Mai beschloss das israelische Kabinett, den Befehl zum Krieg zu geben, falls Nasser die Blockadedrohung nicht bis zum 25. Mai zur\u00fcckziehen w\u00fcrde. Israels Regierungen hatten in den vorangegangenen Jahren bei vielen Gelegenheiten \u00f6ffentlich erkl\u00e4rt, dass sie die Schlie\u00dfung der Stra\u00dfe von Tiran als \u00bbCasus belli\u00ab betrachten und entsprechend reagieren w\u00fcrden. Von der US-Administration hatte Israel nach dem Krieg von 1956 die Zusicherung erhalten, dass Washington im Fall einer Schlie\u00dfung des Seewegs nach Eilat das israelische \u00bbRecht zur Selbstverteidigung\u00ab anerkennen und politisch unterst\u00fctzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Am 25. Mai traf Israels Au\u00dfenminister Abba Eban zu einem zweit\u00e4gigen Besuch in den USA ein, um sich mit Pr\u00e4sident Lyndon B. Johnson und f\u00fchrenden Mitgliedern von dessen Regierung zu beraten. Eban hatte den Auftrag, eine materielle Hilfszusage der USA, insbesondere Waffenlieferungen f\u00fcr den geplanten Krieg, anzustreben. Zu diesem Zweck war er mit Berichten des israelischen Milit\u00e4rs und des Auslandsgeheimdienstes Mossad ausgestattet worden, die ein \u00e4u\u00dferst d\u00fcsteres Bild der Lage zeichneten. Die CIA, die von Johnson mit einer \u00dcberpr\u00fcfung dieser Dokumente beauftragt worden war, verwarf sie rundum und h\u00f6hnte: \u00bbWir glauben nicht, dass die israelische Bewertung (\u2026) eine ernsthafte Einsch\u00e4tzung von der Art ist, die sie ihren eigenen obersten Vorgesetzten pr\u00e4sentieren w\u00fcrden\u00ab. Die zust\u00e4ndigen US-Stellen hatten, ebenso wie in Wirklichkeit ihre israelischen Kollegen, eine klare und erstaunlich genaue Prognose: Israel werde im Kriegsfall jede feindliche Koalition in sieben bis zehn Tagen kampfunf\u00e4hig machen.<\/p>\n<p>Eban verlie\u00df Washington am 26. Mai mit der dringenden Bitte der US-Regierung, Israel m\u00f6ge nichts \u00fcbereilen, sondern noch zwei Wochen abwarten, um zu sehen, ob die diplomatischen Bem\u00fchungen der Amerikaner erfolgreich seien. Zugleich hatte Pr\u00e4sident Johnson aber zwei Kernpunkte seiner Haltung deutlich zu erkennen gegeben: Erstens, dass die Entscheidung allein bei der politischen und milit\u00e4rischen F\u00fchrung Israels liege. Die USA w\u00fcrden sich darin nicht einmischen. Zweitens: Johnson war zu diesem Zeitpunkt nicht bereit, eine Luftbr\u00fccke mit neuen Waffenlieferungen zu genehmigen, um die Israel gebeten hatte.<\/p>\n<p>Am 30. Mai antwortete Nasser auf eine elf Tage zur\u00fcckliegende Aufforderung Johnsons zu Gespr\u00e4chen und k\u00fcndigte an, dass Vizepr\u00e4sident Zakaria Muhieddin am 7. Juni nach Washington kommen werde. Gleichzeitig setzten beide Seiten die Kriegsvorbereitungen fort. Jordanien unterzeichnete am 30. Mai ein Beistandsabkommen mit \u00c4gypten. Mehrere arabische Staaten, die nicht an Israel grenzten, darunter Irak, Sudan, Kuwait und Algerien, gaben eine Teilmobilisierung ihrer Streitkr\u00e4fte bekannt. Einige dieser L\u00e4nder verlegten kleine Truppenkontingente nach Jordanien.<\/p>\n<p>In den ersten Junitagen wurde in Israel eine \u00bbRegierung der Nationalen Einheit\u00ab gebildet. Mosche Dajan, Chef des Generalstabs w\u00e4hrend des Krieges von 1956, \u00fcbernahm das Verteidigungsministerium, das bis dahin von Premierminister Levi Eschkol geleitet worden war. Auch Menachem Begin, Chef des ultranationalistischen Parteienb\u00fcndnisses Gahal, wurde ins Kabinett aufgenommen. Die Entscheidung zum Krieg war gefallen.<\/p>\n<p>Quelle: jungewelt.de vom 6.6.17<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 50 Jahren endete die dritte bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn mit einem \u00fcberw\u00e4ltigenden Sieg des \u00adzionistischen Staates Von Knut Mellenthin Der Streit um Ostjerusalem, das die Pal\u00e4stinenser als k\u00fcnftige Hauptstadt eines eigenen Staates beanspruchen, h\u00e4lt bis heute an \u2013 Der israelische Verteidigungsminister Moshe Dayan (Mitte, mit Augenbinde), Generalstabschef Jitzchak Rabin (rechts &hellip; <a href=\"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4190\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Der Weg in den Krieg<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4190","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4190","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4190"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4190\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4191,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4190\/revisions\/4191"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}