{"id":4228,"date":"2017-07-03T20:38:06","date_gmt":"2017-07-03T20:38:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4228"},"modified":"2017-07-03T20:38:06","modified_gmt":"2017-07-03T20:38:06","slug":"antwort-auf-antisemitismus-vorwurf-der-jungen-gruenen-zu-farid-esack","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4228","title":{"rendered":"Antwort auf Antisemitismus-Vorwurf der Jungen Gr\u00fcnen zu Farid Esack"},"content":{"rendered":"<p>An die <a class=\"profileLink\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/stmk.junge.gruene.at\/?fref=mentions\" data-hovercard=\"\/ajax\/hovercard\/page.php?id=106119095937&amp;extragetparams=%7B%22fref%22%3A%22mentions%22%7D\" data-hovercard-prefer-more-content-show=\"1\">Junge Gr\u00fcne Steiermark<\/a><br \/>\nViele Passagen eures Artikels auf <a class=\"profileLink\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/notes\/junge-gr%C3%BCne-steiermark\/farid-esack-eine-absage-erteilen-antisemitismus-eine-absage-erteilen\/10154429150625938\/?fref=mentions\">https:\/\/www.facebook.com\/notes\/junge-gr%C3%BCne-steiermark\/farid-esack-eine-absage-erteilen-antisemitismus-eine-absage-erteilen\/10154429150625938\/<\/a><br \/>\nverlangen nach einer Erwiderung. Einiges kann ich hier verk\u00fcrzt anf\u00fchren. Aufgrund der tiefgehenden Strukturen und weitreichenden Zusammenh\u00e4nge zu diesem Thema w\u00e4ren f\u00fcr eine ernsthafte Auseinandersetzung mehrere Diskussionsrunden n\u00f6tig. Das Angebot von Franz S\u00f6lkner (Steirische Friedensplattform) dazu wurde ausgesprochen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"js_q\" class=\"_5pbx userContent\" data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}\">\n<p>Zum Ersten erw\u00e4hnt ihr Farid Esack \u201eals Vorstandsmitglied im s\u00fcdafrikanischen Ableger des BDS.\u201c Keine seine anderen Aktivit\u00e4ten f\u00fchrt ihr an. Dass er im s\u00fcdafrikanischen Befreiungskampf eine Rolle gespielt hat, ist euch keine Erw\u00e4hnung wert. Warum?<\/p>\n<p>Ich habe in der Diskussion Farid Esack nicht als jemanden erlebt, der \u201eeifrig das Narrativ eines israelischen Apartheidsstaats vorantreibt\u201c. Farid hat in seinem Vortrag viele Facetten von Apartheid erl\u00e4utert und ist dabei insbesondere auf die Vernetztheiten von Rassismus, Kolonialismus, Eurozentrismus, Gender und Antisemitismus eingegangen. Letzteren hat er an Hand von Beispielen klar benannt und jedem Versuch seine Aktivit\u00e4ten und Aussagen in diese Richtung auch nur ann\u00e4hernd zu interpretieren, eine klare Absage erteilt.1<\/p>\n<p>Es ist eine arrogante Haltung, diesem Mann aus dem globalen S\u00fcden mit dieser Geschichte, dem Erfahrungshorizont und wissenschaftlicher Expertise auszurichten, er solle \u201evern\u00fcnftige Politik machen und legitime K\u00e4mpfe f\u00fchren\u201c. Das von euch verwendete Wort \u201eWahn\u201c erinnert mich an autorit\u00e4re Kommunikationsmethoden, die beabsichtigen politischen Gegnern ein gesundes Wahrnehmungsverm\u00f6gen abzusprechen, um sie damit unglaubw\u00fcrdig erscheinen zu lassen.<\/p>\n<p>Ihr erw\u00e4hnt, &#8222;Israelkritik&#8220; sei die \u201evornehmste\u201c Form des Antisemitismus. In mena-watch, das ihr zitiert, habe ich keine Kritik an der israelischen Politik gefunden. Dieser Thinktank ist nicht unabh\u00e4ngig, wie er von sich behauptet, sondern ordnet undifferenziert jede Kritik an der israelischen Politik als antisemitisch ein. Ich meine, es geht zu allererst darum, Strukturen der Unterdr\u00fcckung deutlich zu machen und danach Verantwortliche zu benennen. Gerade die strukturellen Dimensionen des Konflikts um Pal\u00e4stina\/Israel bed\u00fcrfen grundlegender Analysen und zugleich, wie Farid Esack sagte, konsequenter Selbstreflexion. Denn: mit welcher Brille schaue ich auf die Situation? Auf welche Seite stelle ich mich, wenn der Mann seine Frau schl\u00e4gt, wobei er doch selbst Opfer seines rassistischen\/ausbeuterischen Chefs ist? In welchem Kontext geschehen einzelne Ereignisse?<\/p>\n<p>Ihr f\u00fchrt in eurem Schreiben einige Gr\u00fcnde an, warum es keine Apartheitsstrukturen in Israel g\u00e4be. Ja, unter den vielen Faktoren, die Apartheid kennzeichnen sind einige, die nicht in derselben Form auf z.B. die israelische Legislative zutreffen, wie es in S\u00fcdafrika der Fall war. Jedoch: nicht alle der in der UN-Anti-Apartheidskonvention von 1973 festgeschriebenen Kriterien m\u00fcssen erf\u00fcllt sein, damit von Apartheid gesprochen werden kann. Drei wichtige Pfeiler von Apartheid sind 1-Kategorisierung und Segregation der Bev\u00f6lkerung nach ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit, 2-institutionalisierte systematische Diskriminierung und 3-strenge Sicherheitsgesetze.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mehrere Studien haben die Apartheid in Israel belegt. Manche unterscheiden zwischen den besetzten Gebieten (Westjordanland) und dem Land innerhalb der Gr\u00fcnen Linie. 3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und es gibt auch vielfach die Analyse\u2013 wie auch Farid Esack best\u00e4tigt \u2013 dass die Art der strukturellen Unterdr\u00fcckung israelischer Regierungen gegen\u00fcber Pal\u00e4stinenserInnen noch andere, h\u00e4rtere Dimensionen beinhaltet als einst die Apartheid in S\u00fcdafrika. Ronnie Kasrils, Freiheitsk\u00e4mpfer, Kommunist und Minister im Kabinett Mandela, sprach dar\u00fcber klare Worte . 4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vertriebene Pal\u00e4stinenserInnen erinnern immer wieder daran, dass sie keine M\u00f6glichkeit haben, in ihre Heimat von 1947\/48 zur\u00fcckzukehren. S\u00fcdafrikanerInnen konnten \u2013 wenn auch unter schlimmen Bedingungen- in ihrem Land bleiben.<\/p>\n<p>Farid Esack hat in seinem Vortrag aus seiner Perspektive gesprochen. Er hat auch deutlich ausgedr\u00fcckt, dass er auf der Seite der Unterdr\u00fcckten steht. Dass seine Erfahrung in und mit dem s\u00fcdafrikanischen Befrei\u00fangskampf ihm ein sensibles Wahrnehmungsverm\u00f6gen f\u00fcr jeden Ausdruck von \u201ewhite supremacy\u201c (wei\u00dfer Vorherrschaft) verschafft hat, ist nach diesem Vortrag sicher nicht nur mein Eindruck.<\/p>\n<p>Zuletzt kann nach dieser Veranstaltung sicher nicht behauptet werden, dass Farid Esack \u201ekein Interesse an einer sachlichen und offenen Diskussion \u00fcber den Nahost Konflikt\u201c habe, so wie ihr das im Vornhinein geglaubt habt festschreiben zu k\u00f6nnen. Farid hat alle Statements ausf\u00fchrlich beantwortet.<\/p>\n<p>Ihr meint BDS w\u00fcrde Antisemitismus sch\u00fcren. Das International Jewish Anti-Zionist Network schreibt zum Vorwurf des Antisemitismus gegen\u00fcber BDS: \u201eBDS ist nicht antisemitisch. Wir weisen den Gedanken zur\u00fcck, dass der BDS-Aufruf von 2005 aus Pal\u00e4stina und die BDS-Kampagne aus aller Welt, die es ins Leben rief aus einem antij\u00fcdischen Gef\u00fchl herkommt. Im Gegenteil BDS ist eine antirassistische Bewegung gegen die t\u00e4gliche brutale Besetzung Pal\u00e4stinas und die milit\u00e4rische Bedrohung der Region durch den Staat Israel. Falsche Behauptungen von Antisemitismus verdrehen die wahre Natur des pal\u00e4stinensischen Kampfes und sind ein Affront und Verrat an der langen Geschichte des j\u00fcdischen \u00dcberlebens und Widerstandes gegen\u00fcber Verfolgung.\u201c 5<\/p>\n<p>Eurer Meinung \u201eSolidarit\u00e4t mit der Bev\u00f6lkerung kann nur dann geschehen, wenn die wahren Unterdr\u00fcckerInnen von Freiheit und Demokratie, wie die Hamas, Hisbollah und andere TerroristInnen benannt und bek\u00e4mpft werden\u201c, stimme ich nicht zu. Ich bin solidarisch mit den Pal\u00e4stinenserInnen und trete f\u00fcr die Verwirklichung der ihnen durch das V\u00f6lkerrecht und die Menschenrechte garantierten Rechte ein. Es ist weder friedenspolitisch sinnvoll, noch wird es den \u2013durch die Besatzung vielfach verunm\u00f6glichten &#8211; demokratischen Prozessen innerhalb der pal\u00e4stinensischen Zivilgesellschaft gerecht, diese oder jene politische Partei als \u201eterroristisch\u201c zu brandmarken. Die Sicht durch meine europ\u00e4ische Brille auf ihre internen politischen Situationen hilft den Pal\u00e4stinenserInnen absolut nicht. Farid Esack sagte sinngem\u00e4\u00df: Freiheit ist kein Lollipop, den man als Belohnung f\u00fcr Wohlverhalten bekommt. Ich bef\u00fcrworte BDS, weil diese Bewegung ihre Wurzeln in der pal\u00e4stinensischen Zivilgesellschaft hat. Sie ist weltumspannend und gewaltfrei. Ich glaube an ihren Erfolg.<\/p>\n<p>Zuletzt noch eines: Der Slogan \u201eFree Gaza from Hamas\u201c! klingt wie ein erneuter Aufruf zur Bombardierung des Gaza-Streifens. Solche Bombardierungen wie 2008\/9, 12 und 14, haben Tausende von Menschen get\u00f6tet. Zu Recht sprach die pal\u00e4stinensische Politikerin Hanan Ashrawi von \u201eStaatsterrorismus\u201c. 6<\/p>\n<p>Um es zu wiederholen: Aufgrund der tiefgehenden Strukturen und weitreichenden Zusammenh\u00e4nge zu diesem Thema w\u00e4ren f\u00fcr eine ernsthafte Auseinandersetzung mehrere Diskussionsrunden n\u00f6tig. Das Angebot von Franz S\u00f6lkner (StFp) dazu wurde ausgesprochen.<br \/>\nHelga Suleiman<br \/>\n1 Ausf\u00fchrlich dazu hier: <a href=\"https:\/\/bdsgruppebonn.wordpress.com\/2017\/02\/15\/stellungnahme-von-farid-esack-zu-den-hamburger-vorkommnissen\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">https:\/\/bdsgruppebonn.wordpress.com\/\u2026\/stellungnahme-von-fa\u2026\/<\/a><br \/>\n2 Wild, Petra: Apartheid und ethnische S\u00e4uberung in Pal\u00e4stina, S. 26<br \/>\n3 Ebd. S 26ff<br \/>\n4 Ebd. S 28<br \/>\n5 <a href=\"http:\/\/www.arendt-erhard.de\/deutsch\/palestina\/Stimmen_Israel_juedische\/international_jewish_anti-zionist_netwerk_ijan_bds.htm\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">http:\/\/www.arendt-erhard.de\/\u2026\/international_jewish_anti-zio\u2026<\/a><br \/>\n6 <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/ausland\/aussenpolitik\/3841562\/Gaza_Eskalation-ohne-Ausweg\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">http:\/\/diepresse.com\/\u2026\/\u2026\/3841562\/Gaza_Eskalation-ohne-Ausweg<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An die Junge Gr\u00fcne Steiermark Viele Passagen eures Artikels auf https:\/\/www.facebook.com\/notes\/junge-gr%C3%BCne-steiermark\/farid-esack-eine-absage-erteilen-antisemitismus-eine-absage-erteilen\/10154429150625938\/ verlangen nach einer Erwiderung. Einiges kann ich hier verk\u00fcrzt anf\u00fchren. Aufgrund der tiefgehenden Strukturen und weitreichenden Zusammenh\u00e4nge zu diesem Thema w\u00e4ren f\u00fcr eine ernsthafte Auseinandersetzung mehrere Diskussionsrunden n\u00f6tig. Das Angebot von Franz S\u00f6lkner (Steirische Friedensplattform) dazu wurde ausgesprochen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-4228","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-meinung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4228","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4228"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4228\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4229,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4228\/revisions\/4229"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}