{"id":4608,"date":"2018-03-31T20:17:17","date_gmt":"2018-03-31T20:17:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4608"},"modified":"2018-03-31T20:17:17","modified_gmt":"2018-03-31T20:17:17","slug":"leserbrief-zum-interview-mit-arik-brauer-wir-haben-ein-problem-mit-dem-islam-falter-1018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedensplattform.at\/?p=4608","title":{"rendered":"Leserbrief zum Interview mit Arik Brauer  &#8222;Wir haben ein Problem mit dem Islam&#8220;, Falter 10\/18"},"content":{"rendered":"<h5>in seiner Ausgabe 12\/2018, Seite 27 &#8211; 29 brachte der Falter ein gro\u00dfes Interview mit Arik Brauer. Mit &#8222;uns\u00e4glichen&#8220; Aussagen zum Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt.<br \/>\nFranz S\u00f6lkner hat\u00a0 einen Leserbrief geschrieben:<\/h5>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Betrifft: Leserbrief zum Interview mit Arik Brauer\u00a0 &#8222;Wir haben ein Problem mit dem Islam&#8220;, Falter 10\/18<br \/>\nIch habe gleich mehrere Probleme mit Arik Brauers undifferenzierten Aussagen. Anders als Brauer sehe ich\u00a0 kein Problem mit &#8222;dem Islam&#8220;, wohl aber mit dessen fundamentalistisch-radikaler Auspr\u00e4gung. Zu erkl\u00e4ren w\u00e4re dann freilich, warum\u00a0 sich Teile des Islam in den letzten Jahrzehnten politisch radikalisiert haben. Dazu schweigt der K\u00fcnstler.\u00a0 W\u00fcrde er auch dar\u00fcber nachdenken, k\u00e4me er auf die Antwort, dass dieser &#8222;Hass auf den\u00a0 Westen&#8220; (Jean Ziegler) nicht vom Himmel gefallen ist, sondern wesentlich vom Westen &#8211; vor allem den USA &#8211; ges\u00e4t wurde und die arabisch-muslimischen V\u00f6lker daf\u00fcr &#8222;den Sturm geerntet&#8220; haben (Michael L\u00fcders).\u00a0 Der erbitterte Kampf zwischen Juden und Arabern um Pal\u00e4stina spielt hier eine besondere Rolle. Den Pal\u00e4stinenserInnen ist die von unserer Eltern- und Gro\u00dfelterngeneration\u00a0 in Europa veranstaltete Barbarei des Holocaust an den Juden auf den Kopf gefallen. Als die von den Gro\u00dfm\u00e4chten dominierte UNO das Land am 29. Nov. 1947\u00a0 teilte, lebten zwischen Mittelmeer und Jordan ca. 1,2 Mio. Araber und ca. 600.000 Juden. Ca. 7 Prozent des Landes waren damals im Besitz der j\u00fcdischen Minderheit. Aufgrund des sehr geschickten Lobbyings der Zionisten wurde ihnen aber ca. 56 % zugesprochen, darunter auch der Gro\u00dfteil der fruchtbaren K\u00fcstenebene. Wie h\u00e4tte sich die arabische Seite damit einfach abfinden k\u00f6nnen? Und die seither bedingungslose Unterst\u00fctzung Israels durch den Westen &#8211; allen voran wieder die USA &#8211; n\u00e4hrt bei breiten Massen der arabischen Welt das Gef\u00fchl permanenter Dem\u00fctigung, verursacht antiwestliche Gef\u00fchle und tr\u00e4gt mit dazu bei, dass ein kleiner Teil der Gl\u00e4ubigen sein Heil in einer dogmatisch-gewaltverherrlichenden Interpretation der Glaubens sucht.<\/h3>\n<p>Die aktuell in Europa zunehmend ge\u00fcbte Kritik an der brutalen und dem\u00fctigenden Milit\u00e4rbesatzung von Rest-Pal\u00e4stina, am ungebrochen vor sich gehenden\u00a0 v\u00f6lkerrechtswidrigen fortgehenden Raub von Land und Wasser, an den zahlreichen Menschenrechtsverletzungen durch das israelische Milit\u00e4r\u00a0 usw. erscheint Brauer als illegitimes journalistisches Gebra\u00fc. Es setze sich zusammen aus \u00c4u\u00dferungen von &#8222;linken israelischen Intellektuellen&#8220;, einer &#8222;um ihre zwei Kinder trauernden Mutter im Gaza&#8220; und eines &#8222;vertrodelten j\u00fcdischen Fanatikers&#8220;. Den israelischen Linksintellektuellen merkt er an, dass sie nicht die Mehrheit der Israelis repr\u00e4sentieren. Wundert ihn das wirklich? Schlie\u00dflich ist diese Mehrheit seit der Ermordung Rabins unter der Politik der<\/p>\n<h3>Netanyahus, Sharons, Liebermans, Bennetts usw. zunehmend in eine rechtsnationalistische, bisweilen faschistoide Mentalit\u00e4t gekippt.\u00a0 Was f\u00fcr ein famoses Argument! Sollten wir deshalb auch die\u00a0 KritikerInnen rechtsnationalistischer Politiken anderswo pauschal delegitimieren?<\/h3>\n<p>Nicht nur oberfl\u00e4chlich, sondern grob faktenwidrig sind Brauers Aussagen \u00fcber die\u00a0 im Zuge der Staatsgr\u00fcndung Israels 1948 vor sich gegangene Flucht und Vertreibung\u00a0 von mind. 750.000\u00a0 Pal\u00e4stinenserInnen und die Zerst\u00f6rung von mindestens 420 arabischen D\u00f6rfern und Kleinst\u00e4dten. Daf\u00fcr war von der zionistischen F\u00fchrung um Ben Gurion schon vor der Staatsgr\u00fcndung der &#8222;Plan Dalet&#8220; ausgearbeitet worden. Um eine panische Massenflucht der arbischen Bev\u00f6lkerung auszul\u00f6sen, wurden in mehr als 30 D\u00f6rfern Massaker durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<h3>&#8222;Deir Yassin!&#8220;, der Name des friedfertigen Dorfes, in dem j\u00fcdische Milizen schon eine Woche vor Staatsgr\u00fcndung mehr als hundert M\u00e4nnern, Frauen und Kindern umgebracht hatten, wurde im ganzen Land zu einem Schreckensruf.<\/h3>\n<p>Den Anspruch der Pal\u00e4stinenserInnen auf ganz Pal\u00e4stina, wei\u00df Brauer zu zitieren. Das mehrfach verb\u00fcrgte Zitat des Staatsgr\u00fcnders Ben Gurion &#8222;Es geht nicht um einen j\u00fcdischen Staat in Pal\u00e4stina, sondern um Pal\u00e4stina als j\u00fcdischen Staat&#8220; ist ihm hingegen nicht gel\u00e4ufig. Dar\u00fcber will Brauer nichts wissen.\u00a0 K\u00f6nnte er aber: Er m\u00fcsste dazu nur die peniblen Forschungen renommierter Historiker kennen. Da ihm arabische Forscher wie Walid Khalidi und andere wahrscheinlich von vorneherein unglaubw\u00fcrdig erscheinen, seien ihm einige j\u00fcdisch-israelische empfohlen: Simcha Flapan, Teddy Katz, Ilan Pappe, Shlomo Sand, Tom Segev,\u00a0 Avi Shlaim &#8230;..<br \/>\nW\u00fcrde Brauer deren Forschungsergebnisse zur Kenntnis nehmen, k\u00e4me er freilich in eine kognitive Dissonanz. Er m\u00fcsste vor sich etwas rechtfertigen, was mit intellektueller Redlichkeit nicht zu rechtfertigen ist. Dieses Dilemma scheint ihn zu \u00fcberfordern. Also fl\u00fcchtet er in die Geschichtsklitterung. Er selbst hat ja ein Atelier\/Haus in En Hod (arabisch: Ayn Howd), einem vor 1948 rein arabischen Dorf s\u00fcdlich von Haifa. S\u00e4mtlicher Grund- und Immobilienbesitz dort war vor 1948 zu 100% arabisch. Brauers heutige Liegenschaft wurde also von Israel enteignet und seine rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmer daf\u00fcr bis heute nicht entsch\u00e4digt. Was liegt da n\u00e4her, als sich einzureden, &#8222;schuld&#8220; seien damals &#8222;junge arabische M\u00e4nner&#8220; gewesen, die auf j\u00fcdische Autobusse geschossen haben. Von Seite der j\u00fcdischen Soldaten sei &#8222;kein\u00a0 einziger Schu\u00df gefallen&#8220;, die arabische Dorfbev\u00f6lkerung sei von der jordanischen Armee &#8211; die dort aber gar nicht in der N\u00e4he war! (Anm. FS) &#8211; zur Flucht \u00fcberredet worden, Israel habe sie sogar vergeblich zur R\u00fcckkehr zu \u00fcberreden versucht, und w\u00e4ren sie nicht gefl\u00fcchtet, so k\u00f6nnten sie bis heute unbehelligt in Israel leben.<\/p>\n<h3>Und als Oberschnurre beruft er sich auf einen alten, l\u00e4ngst verstorbenen Scheik, der ihm das alles in arabischer Sprache &#8211; kann Bauer arabisch? Wenn ja, wie gut? &#8211; erz\u00e4hlt habe. Detailreicher dargestellt finden sich die Ereignisse unter <a class=\"moz-txt-link-freetext\" href=\"https:\/\/deref-gmx.net\/mail\/client\/aMCfT7Zasck\/dereferrer\/?redirectUrl=http%3A%2F%2Fwww.palestineremembered.com%2FHaifa%2FAyn-Hawd%2Findex.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.palestineremembered.com\/Haifa\/Ayn-Hawd\/index.html<\/a> . Auch Wikipedia spricht deutlich von einer &#8222;Vertreibung&#8220; der Bev\u00f6lkerung des Dorfes: <a class=\"moz-txt-link-freetext\" href=\"https:\/\/deref-gmx.net\/mail\/client\/T5pEjicwPjI\/dereferrer\/?redirectUrl=https%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FEn_Hod\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/En_Hod<\/a> .<\/h3>\n<p>Als Fazit bleibt: Arik Brauer m\u00f6ge sich neben der Pflege seines Stolzes auf die<\/p>\n<h3>&#8222;Erfolgsgeschichte Israel&#8220; faktenbasiert mit jenen schmerzlichen Folgen auseinandersetzen, die das zionistische Projekt\u00a0 f\u00fcr seine pal\u00e4stinensischen Opfer hatte und hat.\u00a0 Tut er das nicht, so m\u00f6ge er schweigen. An der Verbreitung von irgendwelchen nationalistischen Geschichtsmythen\u00a0 besteht n\u00e4mlich kein Bedarf. Auch nicht an israelischen.<\/h3>\n<pre class=\"moz-signature\">-- \r\nMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,\r\n\r\nFranz S\u00f6lkner<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>in seiner Ausgabe 12\/2018, Seite 27 &#8211; 29 brachte der Falter ein gro\u00dfes Interview mit Arik Brauer. Mit &#8222;uns\u00e4glichen&#8220; Aussagen zum Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt. 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